mini|Ariel Scharon (2001) (; geboren am 26. Februar 1928 als Ariel Scheinermann in Kfar Malal, Britisch-Palästina; gestorben am 11. Januar 2014 in Ramat Gan, Israel) war ein israelischer Politiker und General. Bis zum Jom-Kippur-Krieg 1973 war er als aktiver Offizier, vielfach in entscheidenden Positionen, an allen militärischen Konflikten Israels beteiligt. Damals und in der darauf folgenden Zeit, als er mehrfach Ministerämter bekleidete, galt er als Hardliner und Protagonist der Siedlerbewegung. Als Ministerpräsident von 2001 bis 2006 setzte er jedoch den Abzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen durch.

Familie Ariel Scharon wurde am 26. Februar 1928 als Ariel Scheinerman im britischen Mandatsgebiet Palästina geboren. Seine Eltern waren Samuel und Vera Scheinerman. Ariel hatte eine ältere Schwester namens Ditia. Samuels Vater Mordechai Scheinerman war der Führer einer Zionistischen Partei in Brest-Litowsk in Belarus und arbeitete als Hebräischlehrer. 1897 besuchte er den ersten Zionistischen Weltkongress in Basel. Schließlich siedelte er mit seiner Familie 1910 nach Palästina über, ließ sich in Rehovot nieder und nahm eine Stelle als Lehrer an. Allerdings musste die Familie nach zwei Jahren das Land wegen eines Malariaausbruchs verlassen und nach Brest-Litowsk zurückkehren. Trotzdem wollte die Familie an dem Aufbau eines jüdischen Staates weiterarbeiten, wenn sie wieder zurückkehrten. Durch eine Erkrankung Mordechais starb die Hoffnung auf die Rückkehr. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ließ sich die Familie in Tiflis nieder. Samuel übernahm den Zionismus seines Vaters und nahm sich vor wieder nach Palästina zurückzukehren. Um sich als Bauer in einem Jischuw etwas aufzubauen, schrieb er sich im Studiengang Agrarwissenschaften ein, welches er auch abschloss. Während seiner Studienzeit lernte er die Medizinstudentin Vera Schneirow kennen. Sie war die Tochter eines erfolgreichen jüdischen Holzhändlers, die in einem kleinen Dorf in Weißrussland lebte. Als die Rote Armee 1921 auf Georgien vorstieß, planten beide die Flucht. Samuel hatte Angst verhaftet zu werden, da er Aktivist einer zionistischen Studentenverbindung war, die Juden half nach Palästina auszuwandern. Vor der Flucht heirateten sie und kamen 1922 in Palästina an. Dort begann die Familie Scheinerman sich in der Landwirtschaft einzubringen. Vera hoffte das Medizinstudium irgendwann abzuschließen, was ihr allerdings nie gelang. Dieser Umstand verbitterte sie ihr Leben lang.Gadi Blum, Nir Hefez: Ariel Scharon. Die Biografie. Verlag Hoffmann & Campe, Hamburg 2006, ISBN 3-455-50002-1. S. 32–36

Die Familie zog in den Moschaw Kfar Malal, wo die Entscheidungen zwar kollektiv getroffen wurden, aber jeder sein eigenes Land besaß. Sein wenig kompromissbereiter Vater setzte sich als einziger studierter Landwirt wiederholt über die Entscheidungen der Gemeinschaft hinweg, wodurch er die Familie manchmal isolierte.

Frühe Jahre Dienst in der Hagana mini|Scharon als 14-Jähriger (2. v. r.) Bereits mit 13 Jahren beteiligte sich Scharon am Wachdienst des Moschaws und trat im Jahr darauf der Untergrundorganisation Hagana bei, dem Vorläufer der israelischen Armee. Seit 1941 besuchte er das Gymnasium in Tel Aviv. Dort legte er, der nie ein herausragender Schüler war, mit 17 Jahren das Abitur ab. Da sein Vater die Aktionen des Palmach gegen national-konservative Gruppen (wie Lechi und Etzel) ablehnte, die gegen die Briten kämpften, trat Scharon nicht dieser Eliteeinheit, sondern der Jewish Settlement Police bei. Schon seit dem 21. Dezember 1947 war die Hagana dauerhaft mobilisiert, und Scharon nahm an mehreren ihrer Aktionen teil.

Palästinakrieg Zu Beginn des Palästinakriegs von 1948 war Scharon Zugführer in einer Infanteriekompanie, die zur Alexandroni-Brigade gehörte. Er kämpfte unter anderem am 26. Mai 1948 in der ersten Schlacht um Latrun, in der er schwer verwundet und sein Zug fast vollkommen ausgelöscht wurde. Später wurde er zum Aufklärungsoffizier im Bataillon ernannt, das zuerst im Norden gegen die irakischen und später, kurz vor Kriegsende, im Süden gegen die ägyptischen Truppen kämpfte.

Nach dem Krieg wurde die Alexandroni-Brigade in den Reservestatus versetzt. Scharon wurde Offizier der Aufklärung in der Golani-Brigade, in der er bald zum Hauptmann (Seren) befördert wurde und einen Bataillonskommandeurskurs besuchte. Im Jahr 1950 wurde er zum Aufklärungsoffizier für das gesamte Zentralkommando ernannt. Parallel zum Militärdienst studierte er Geschichte und Kultur des Nahen Ostens an der Hebräischen Universität Jerusalem.Britannica Wegen der Folgen einer Malaria nahm Scharon 1951 eine mehrmonatige Auszeit und bereiste zum ersten Mal Europa und Nordamerika. Im November 1952 war Scharon unter der Führung von Mosche Dajan erstmals an Kommandoaktionen hinter den feindlichen Linien beteiligt. Am Ende des Jahres entschloss er sich jedoch zum Rückzug aus dem aktiven Dienst.

mini|Lily und Ariel Scharon (1984) Am 29. März 1953 heiratete er seine erste Frau Margalit (kurz Gali), eine rumänische Jüdin, die er 1947 kennengelernt hatte. Margalit starb im Jahr 1962 bei einem Autounfall. Durch einen Unfall mit einem Gewehr der Familie starb auch ihr gemeinsamer Sohn Gur 1967 früh. Scharon heiratete später Margalits jüngere Schwester Lily (1937–2000), mit der er die Söhne Omri und Gilad hatte.Gadi Blum, Nir Hefez: Ariel Scharon. Die Biografie. Verlag Hoffmann & Campe, Hamburg 2006, S. 10.

Militärische Karriere Die Einheit 101 Im Jahr 1951 kam es zu 137, 1952 zu 162 und 1953 zu 160 Angriffen von Palästinensern auf den jungen Staat Israel. Da dessen Grenzen nur schwer zu überwachen waren, gelang es einigen Angreifern sogar, bis in die Vororte Tel Avivs vorzudringen. Dabei waren zahlreiche – meist zivile – Opfer zu beklagen. Das israelische Militär versuchte bei mehreren Gegenschlägen, die Zentren der paramilitärischen und terroristischen Angreifer zu treffen. Diese waren jedoch wenig effektiv, da die eingesetzten Truppen nicht speziell ausgebildet waren und oft schwere Verluste erlitten. Auch Scharon führte einen dieser misslungenen Gegenschläge aus. Seine militärische Analyse der Aktion bewog David Ben-Gurion dazu, Mordechai Maklef mit der Gründung einer Spezialeinheit zu beauftragen, der Einheit 101. Ende Juli 1953 wurde Scharon mit deren Führung betraut. Daher musste er sein Studium zurückstellen.

Scharon wählte die 45 Mitglieder der Einheit sorgfältig aus. Seit Oktober 1953 wurden sie im Camp Sataf einem harten Training unterworfen. Die Einheit begann mit Militäraktionen im Feindesland, die sie als „Abschreckungsoperationen“ bezeichnete. Bei einem gemeinsam mit einer Kompanie Fallschirmjäger unternommenen Angriff auf das jordanische Dorf Qibya wurden 69 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Zivilisten, die sich trotz Räumungsbefehls in ihren Häusern versteckt hielten, die von den Israelis gesprengt wurden. In seiner Autobiografie schreibt Ariel Scharon:

Die Fallschirmjäger mini|hochkant|Scharon (links) mit Fallschirmjägern, 1955 Nachdem Mosche Dajan Ende 1953 zum israelischen Generalstabschef ernannt worden war, wurde die Einheit 101 in die Fallschirmjägertruppe integriert. Scharon wurde der Kommandeur des Bataillons, das nach Einschätzung der israelischen Führung erfolgreich arbeitete. Nach der Qibya-Aktion wurden jedoch nur noch rein militärische Ziele angegriffen. Neben der herausgehobenen Position der Fallschirmjäger führte die Tatsache, dass Scharon seine persönlichen Kontakte zu Ben Gurion und Dajan zu scharfer Kritik an den Methoden der Armee und für seine persönlichen Ambitionen nutzte, zu Problemen Scharons mit seinen Vorgesetzten in der Armee. Zu Konflikten kam es auch mit dem neuen Verteidigungsminister Pinchas Lawon, der, besorgt um die außenpolitischen Auswirkungen der Aktionen, Scharon vergeblich zu zügeln versuchte. In diese Zeit fällt auch der großangelegte Angriff der Einheit auf das ägyptische Hauptquartier in Gaza am 28. Februar 1955, der einer der Gründe für die verstärkte Inanspruchnahme sowjetischer Militärhilfe durch Gamal Abdel Nasser war. Eine weitere bedeutende Aktion war der Angriff auf das jordanische Militärhauptquartier in Kalkilia im Oktober 1956.

Die Sueskrise In der Sueskrise spielte Scharons 202. Fallschirmjäger-Brigade eine entscheidende Rolle. Das 890. Fallschirmjäger-Bataillon sicherte nach einer Luftlandung den Ostausgang des strategisch wichtigen Mitla-Passes. Der Rest der Brigade unter Scharon kämpfte sich in zwei Tagen auf dem Landweg die 200 km durch feindliches Gebiet zum Pass vor.

Scharon bat mehrmals erfolglos darum, den Pass angreifen zu dürfen, erhielt aber nur Erlaubnis, ihn aufzuklären, um ihn, falls er unbesetzt sein sollte, später einzunehmen. In großzügiger Auslegung seiner Anweisungen schickte Scharon einen für reine Aufklärungszwecke sehr starken Spähtrupp, der in der Passmitte durch schweres Feuer gebunden wurde. Scharon schickte daraufhin auch den Rest seiner Brigade zur Unterstützung. In dem sich nun entwickelnden Gefecht konnten die Israelis den Pass erobern, wobei 38 israelische Soldaten fielen. Mehrere Jahre später gingen einige Teilnehmer der Schlacht an die Presse und warfen Scharon vor, er habe seine Aufklärer leichtfertig in Gefahr gebracht, um die Ägypter zu provozieren. Andere Veteranen der Aktion nahmen Scharon hingegen in Schutz.

Zwischenkriegszeit Der Mitla-Zwischenfall fand das Missfallen von Scharons Vorgesetzten und brachte seine militärische Karriere auf Jahre hinaus beinahe zum Stillstand. Er blieb Kommandeur der Fallschirmjäger, bis er im Herbst 1957 von Dajan für ein Jahr nach Großbritannien auf das Staff College Camberley geschickt wurde. Dort schrieb er eine analytische Arbeit mit dem Titel: Command Interference in Tactical Battlefield Decisions: British and German Approaches. Nach seiner Rückkehr wurde er Oberst und Kommandeur der Infanterie-Schule, eine Aufgabe, die ihm wegen ihrer Theorielastigkeit nicht zusagte. Später kam das Kommando einer Reserve-Infanteriebrigade hinzu. Scharon begann auch einen Panzer-Lehrgang und besuchte einen Abendkurs für Jura bei der Tel Aviver Abteilung der Hebräischen Universität (den Abschluss machte er schließlich 1966). Auf Druck von Ben Gurion ernannte ihn Tzur schließlich zum Kommandeur einer Reserve-Panzerbrigade, abermals eine inaktive Rolle, die ihm aber wegen seines Interesses für die strategische Bedeutung von Panzern eher zusagte. Erst als Ende 1963 Jitzchak Rabin zum Generalstabschef ernannt wurde, wurde Scharon wieder einbezogen und zum Kommandeur des Nordkommandos unter Avraham Joffe ernannt. 1966 wurde er schließlich von Rabin in den Rang eines Generalmajors (Aluf) befördert, zum Direktor des militärischen Trainings ernannt und Kommandeur einer Reserve-Division.

Der Sechstagekrieg Vor dem Sechstagekrieg machte sich Scharon zusammen mit Joffe und Matti Peled dafür stark, die ursprüngliche Taktik eines Stufenplans, der das schrittweise Meistern verschiedener Fronten und Konfliktherde vorsah, durch einen größer angelegten Präventivschlag an mehreren Fronten zu ersetzen.Ami Gluska: Israel's decision to go to war, June 2, 1967. In: MERIA – Middle East Review of International Affairs. Volume 11, Nr. 2, June 2007. Scharon plante einen Angriff, der sowohl gleichzeitig und von Beginn an alle verfügbaren Kräfte ins Kampfgeschehen einbinden als auch die gesamte Sinaifront umfassen sollte. Nach der Ernennung Dajans zum Verteidigungsminister konnte sich diese Vorstellung durchsetzen. Im Krieg kommandierte Scharon die mächtigste Panzerdivision an der Sinaifront (die beiden anderen Divisionen waren die von Tal und Joffe), der der Durchbruch im Gebiet von Kusseima und Abu-Ageila gelang. Es war schließlich auch Scharon, der die 6. ägyptische Division vernichtend schlug. Rabin ernannte Scharon daraufhin zum Kommandeur des Sinai, wodurch er auch für die Versorgung der in der Wüste verstreuten ägyptischen Soldaten zuständig war.