mini|hochkant=1.5|Knapp die Hälfte aller heute lebenden bekannten Arten sind Insekten. Die Art, auch Spezies oder Species genannt,Art. In: Lexikon der Biologie. Online-Ausgabe, abgerufen am 11. Dezember 2014. ist in der Biologie (einschließlich Virologie und Palichnologie) die Grundeinheit der Systematik. Jede biologische Art ist ein Resultat der Artbildung. Bislang gelang keine allgemeine Definition der Art, welche die theoretischen und praktischen Anforderungen aller biologischen Teildisziplinen gleichermaßen erfüllt. Vielmehr existieren in der Biologie verschiedene Artkonzepte, die zu unterschiedlichen Klassifikationen führen. Historisch wie auch aktuell spielen zwei Ansätze von Artkonzepten eine wichtige Rolle:

auf der Grundlage einer angenommenen Fortpflanzungsgemeinschaft, die fertile Nachkommen zeugen kann (biologischer Artbegriff)Stichwort Biologsischer Artbegriff auf , abgerufen am 6. Januar 2025. auf Grund der Annahme einer Gruppe von Individuen mit charakteristischen gemeinsamen Artmerkmalen, mithilfe derer die Zugehörigkeit zu einer Art klar abgrenzbar sein soll und die anhand äußerer (morphologischer Artbegriff) oder erblicher Merkmale bestimmt werden.

Mit dem Aufkommen der Kladistik ist seit den 1950er Jahren der auf dem biologischen Artbegriff beruhende, chronologisch definierte phylogenetische Artbegriff hinzugekommen, nach dem eine Art mit der Artspaltung, also der Bildung zweier Arten aus einer Ursprungsart, beginnt und mit ihrer erneuten Artspaltung oder aber ihrem Aussterben endet.

Das Problem der Artdefinition besteht aus zwei Teilproblemen:

Gruppenbildung: Welche Populationen von Individuen gehören zusammen? Rangbildung: Welche der zahlreichen, ineinander geschachtelten Gruppen von Populationen mit abgestuften Ähnlichkeiten und Beziehungen können als „Art“ zusammengefasst werden?Christopher D. Horvath: Discussion: Phylogenetic Species Concept: Pluralism, Monism, and History. In: Biology and Philosophy. Band 12, Nr. 2, 1997, S. 225–232, doi:10.1023/A:1006597910504

Die Hauptunterschiede der verschiedenen Artkonzepte liegen dabei auf der Ebene der Rangbildung. Eine Gruppe von Lebewesen unabhängig von ihrem Rang bezeichnen Taxonomen als Taxon (in der Botanik auch Sippe).

Wenn Teilpopulationen besonders formenreicher Arten eindeutig voneinander abgrenzbar sind, werden diese manchmal als Unterart (Subspezies, abgekürzt ssp.) bezeichnet.Stichwort Unterart auf bionity.de, abgerufen am 3. November 2024. Solche Festlegungen sind häufig umstritten. Werden bestimmte Merkmale durch beabsichtigte Zuchtwahl künstlich herausgebildet, sodass eine Art in klar unterscheidbare Sippen unterteilt werden kann, spricht man bei Pflanzen von Sorten und bei Tieren von Rassen.

Art als Taxon Eine Art als Taxon ist eine gemäß den Regeln der Taxonomie und der biologischen Nomenklatur formal beschriebene und benannte Form von Lebewesen. Eine taxonomische Art stellt eine wissenschaftliche Hypothese dar und kann unabhängig von einem Artkonzept sein, sofern man zumindest akzeptiert, dass Arten reale und individuelle Erscheinungen der Natur sind.Ernst Mayr: What is a Species, and What is Not? In: Philosophy of Science. Band 63, 1996, S. 262–277 (Volltext online). Die Art ist eine Rangstufe der klassischen, auf Carl von Linné zurückgehenden Taxonomie. Einige rein merkmalsbezogen arbeitende Systematiker sind der Ansicht, Arten wären mehr oder weniger willkürlich zusammengestellte, künstliche Gruppen, nur die Individuen seien letztlich real: Manche gehen dabei so weit, dass der Artbegriff wie alle anderen Rangstufen ihrer Ansicht nach besser abgeschafft werden sollten und durch neue Konzepte wie die Least-inclusive taxonomic unit ersetzt werden sollten.F. Pleijel, G. W. Rouse: Least-inclusive taxonomic unit: a new taxonomic concept for biology. In: Proceedings of the Royal Society London. Series B 267, 2000, S. 627–630. Die meisten Biologen sind aber der Ansicht, dass Arten natürliche Einheiten mit realer Existenz darstellen; es gäbe dann Artkriterien, an denen sich reale Arten identifizieren ließen. Dieser Vorstellung liegt letztlich eine Unterscheidung zwischen durch Genfluss oder horizontalen Gentransfer geprägten Einheiten unterhalb des Artniveaus und den Arten, bei denen dies nicht zutrifft (engl. ), zu Grunde. Für viele Biologen, darunter Anhänger eines phylogenetischen Artkonzepts (vgl. unten), sind sie sogar die einzigen in diesem Sinne natürlichen taxonomischen Einheiten.Kevin de Queiroz: The General Lineage Concept of Species and the Defining Properties of the Species Category. In: Robert A. Wilson (Hrsg.): Species: New Interdisciplinary Essays. MIT Press, 1999, ISBN 0-262-73123-1, S. 49–89.Fredrik Ronquist: Systematics – Charting the Tree of Life. In: Pablo Vargas, Rafael Zardoya (Hrsg.): The Tree of Life. Sinauer Associates, 2014, ISBN 978-1-60535-229-9.

Nomenklatur

Der wissenschaftliche Name einer Art (oft lateinischen oder griechischen Ursprungs) setzt sich nach der von Carl von Linné 1753 eingeführten binären Nomenklatur aus zwei Teilen zusammen, die beide kursiv geschrieben werden (diese Nomenklatur wurde 2021 auch in der Virologie für neue Virusarten eingeführt, die bestehenden anderweitigen Artnamen werden nach und nach umbenannt). Der erste Teil dieses Namens ist der mit großem Anfangsbuchstaben geschriebene Gattungsname. Der zweite Teil wird immer kleingeschrieben und in der Botanik sowie bei Prokaryoten als Epitheton („specific epithet“International Code of Nomenclature of Bacteria: Bacteriological Code, 1990 Revision. Rule 12a, Names of Species) bezeichnet, in der Zoologie als Artname oder Artzusatz („specific name“International Code of Zoological Nomenclature online Article 5.1: Names of species.). Um Verwechslungen zwischen dem Artzusatz und dem gesamten Artnamen, also dem Binomen aus Gattungsname und Artzusatz, zu vermeiden, werden in der Zoologie entweder die eindeutigen englischen Begriffe verwendet oder hinzugefügt oder gelegentlich und informell auch Begriffe wie „epithetum specificum“ oder „epitheton specificum“ verwendet.G. Becker: Kompendium der zoologischen Nomenklatur. Termini und Zeichen, erläutert durch deutsche offizielle Texte. In: Senckenbergiana Lethaea. Band 81, Nr. 1, 2001, S. 10 („epithetum specificum“), S. 12 („epitheton specificum“)

Beispiele Bei der Rotbuche (Fagus sylvatica) bezeichnet der Namensteil Fagus die Gattung, sylvatica ist das Artepitheton. Beim Löwen (Panthera leo) bezeichnet der Namensteil Panthera die Gattung, leo ist der Artname („specific name“).

Sowohl in der Botanik (Code Article 46) als auch in der Zoologie (Code Article 51) wird empfohlen, dem wissenschaftlichen Artnamen die Namen der Autoren beizufügen, welche die Art beschrieben haben, zumindest, wenn es um taxonomische oder nomenklatorische Fragen geht. Dies ist zum Beispiel wichtig, um Homonyme zu erkennen, das sind Fälle, in denen zwei Autoren versehentlich zwei verschiedene Arten mit demselben Namen benannt haben. Im Geltungsbereich des Internationalen Codes der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen wird es empfohlen, die Autorennamen abzukürzen, wobei in der Regel das Namensverzeichnis von Brummit und Powell als Grundlage dient (vergleiche Artikel Autorenkürzel der Botaniker und Mykologen), „L.“ steht beispielsweise für Linné.

Beispiel: Shiitake Lentinula edodes (Berk.) Pegler – Erklärung: Miles Josef Berkeley hat die Art zuerst beschrieben, David Norman Pegler hat sie in das heute gültige System eingeordnet.

Nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur sollen zumindest einmal in jedem wissenschaftlichen Text dem Artnamen die Autor(en) und das Jahr der Publikation hinzugefügt werden (Code Recommendation 51a). Wenn im entsprechenden Fachgebiet zwei Autoren mit demselben Nachnamen tätig waren, soll der abgekürzte Vorname hinzugefügt werden, um Eindeutigkeit herzustellen. Wenn die Art heute in eine andere Gattung gestellt wird als in die, in der sie ursprünglich beschrieben wurde, müssen Autor(en) und Jahr in Klammern gesetzt werden (Code Article 51.3). Zwischen Autor und Jahr wird in der Regel ein Komma gesetzt.

Beispiel: Löwe Panthera leo (Linnaeus, 1758) – Erklärung: Carl Nilsson Linnæus hat die Großkatze zuerst und als Felis leo beschrieben. Wer sie zuerst in die heute meist für den Löwen verwendete Gattung Panthera Oken, 1816 gestellt hat, ist in der Zoologie nicht relevant. Statt Linnæus wird Linnaeus geschrieben, da der Autor in lateinischen Buchstaben angegeben werden soll (Code Recommendation 51 b).

„Offene Nomenklatur“ Unter dem Begriff „offene Nomenklatur“ wird in der Taxonomie eine Sammlung von Abkürzungen und Zeichen zusammengefasst, die verwendet werden, wenn die Identität eines Individuums nicht sicher bestimmt ist.

Die Abkürzung „spec.“ oder „sp.“ (von ) wird im biologischen Sprachgebrauch Gattungsbezeichnungen hinten angestellt, wenn man ausdrücken will, dass es sich zwar um eine konkrete Art handelt, die genaue Art aber nicht bekannt oder bedeutungslos ist, so dass kein Epitheton vergeben werden kann. So steht zum Beispiel Mentha spec. für eine nicht näher spezifizierte Art aus der Gattung der Minzen. Im Gegensatz zu dem üblicherweise kursiv ausgezeichneten wissenschaftlichen Gattungsnamen steht spec. dabei meist im normalen Textsatz. Bei mehreren Arten wird auch die Abkürzung „spp.“ (species pluralis) verwendet. Letzteres ist nicht mit „ssp.“ zu verwechseln – dies ist eine Abkürzung für Unterart, die taxonomische Rangstufe unterhalb der Art.

Ist eine Art nur unsicher bestimmt worden, steht zwischen Gattungsname und Art-Epitheton die Abkürzung „cf.“ (lateinisch confer „vergleiche!, bringe zusammen!, man vergleiche“). Beispielsweise bedeutet „Inocybe cf. geophylla“, dass das Individuum zur Gattung Inocybe gehört und vermutlich Inocybe geophylla ist, jedoch bezüglich der Identifikation auf Artebene Restunsicherheit besteht (beispielsweise weil das Bestimmungsmaterial schlecht erhalten, die diagnostischen Merkmale nicht erkennbar oder nicht vorhanden oder das Exemplar mit den verfügbaren Mitteln nicht sicher bestimmbar ist). Die Abkürzung „aff.“ (auch: „sp. aff.“) weist darauf hin, dass eine möglicherweise neue und unbeschriebene Art eine Ähnlichkeit zur benannten Art aufweist, aber nicht mit ihr identisch ist (siehe dazu: Species affinis).

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