mini|Gemäldegalerie Berlin, Saal III deutsche Malerei, Cranach (Foto: 2019) Die Gemäldegalerie ist ein Kunstmuseum in Berlin. Sie ist Teil der Staatlichen Museen zu Berlin. Ihr 1998 fertiggestellter Bau befindet sich im Kulturforum Berlin.
Die Gemäldegalerie beherbergt Bestände alter europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Die Sammlung umfasst Meisterwerke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Hans Holbein, Rogier van der Weyden, Jan van Eyck, Raffael, Sandro Botticelli, Tizian, Caravaggio, Peter Paul Rubens, Rembrandt und Jan Vermeer. Die Gemäldegalerie wurde 1830 eröffnet. Die Sammlung in ihrer heutigen Form ist das Ergebnis einer ambitionierten zweihundertjährigen Sammlungspolitik,Tilmann von Stockhausen: Gemäldegalerie Berlin – Die Geschichte ihrer Erwerbungspolitik 1830–1904. voller Erfolge und auch schmerzlicher Einschnitte.Wilhelm von Bode: Mein Leben, Bd. 2, S. 103 f.
Im Jahr 2019 verzeichnete die Gemäldegalerie 310.000 Besucher, nicht zuletzt dank der Sonderausstellung Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance, die mit insgesamt 192.000 Besuchern die erfolgreichste Sonderausstellung des Jahres 2019 war.
Gebäude mini|Zentrale Wandelhalle im Jahre 2006 mit einer zeitlich befristeten Ausstellung der Skulpturensammlung
Seit dem 12. Juni 1998Sonnenstrahlen lassen die Bilder „leben“. In: Berliner Zeitung, 13. Juni 1998 befindet sich die Berliner Gemäldegalerie in einem eigens für sie errichteten Museumsbau am Kulturforum, Sigismundstraße 4a. Das Gebäude wurde von den Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht unter Einbeziehung der Villa Parey des Verlegers Paul Parey errichtet. Es hat einen annähernd rechteckigen Grundriss, dessen Nordfassade leicht nach außen gezogen wurde. Die Außenfassaden selbst bestehen aus dicht gefugten Terrakottaplatten, die über einem hohen Rustikasockel montiert wurden und so ein optisches Bild vermitteln, das sowohl an die italienische Renaissance als auch an den preußischen Klassizismus erinnert. Kern des Gebäudes ist eine von zwei Säulenreihen durchzogene Wandelhalle mit flachen Deckenwölbungen und 32 Klarglaskuppeln, in deren Zentrum sich die Brunneninstallation 5–7–9 Serie des amerikanischen Konzeptkünstlers Walter De Maria befindet. Die eigentlichen Ausstellungsräume, 18 Säle und 41 Kabinette legen sich hufeisenförmig in zwei Schichten um die Halle und werden im Normalfall nur durch Tageslicht (Oberlicht) erleuchtet. Sie umfassen eine Ausstellungsfläche von etwa 7000 Quadratmetern und bieten auf einem ca. zwei Kilometer langen Rundgang, mit etwa 1800 laufenden Metern Hängefläche, Platz für rund 900 Gemälde. Rund 400 weitere Bilder werden in einer zwölf Räume umfassenden Studiengalerie im Sockelgeschoss des Gebäudes gezeigt.Jan Kelch: Einleitung. In: Prestel-Museumsführer. Gemäldegalerie Berlin, S. 11 Seit der Eröffnung des Bode-Museums im Jahr 2006 werden auch dort, zur optischen Verdeutlichung von kunstwissenschaftlichen Zusammenhängen, weitere 150 Gemälde im Zusammenspiel mit der Skulpturensammlung ausgestellt.
Die Ausschreibung für den Neubau geht auf das Jahr 1986 zurück. Der Neubau sollte ursprünglich nur die in Berlin-Dahlem aufbewahrten Bilder aufnehmen. Nach der Vereinigung mit der Gemäldegalerie auf der Museumsinsel im Jahr 1991 war jedoch klar, dass der geplante Neubau viel zu klein angelegt war, um den verdoppelten Bildbestand angemessen ausstellen zu können. Um jedoch die Zusammenlegung beider Sammlungen trotzdem so schnell wie möglich durchführen zu können, zeitraubende und teure Neuplanungen zu vermeiden sowie bereits bewilligte Baugelder nicht verfallen zu lassen, wurde die Galerie dennoch in der geplanten Form errichtet. Damit ein möglichst großer Querschnitt durch die Gesamtsammlung präsentiert werden konnte, wurde beschlossen, die Restaurierungswerkstätten, die im Sockelgeschoss untergebracht werden sollten, auszulagern und in den frei gewordenen Räumen, nach dem Vorbild der National Gallery in London, eine Studiengalerie anzulegen, in der im Wechsel weitere wichtige Werke der Sammlung gezeigt werden können.Wolf-Dieter Dube: Vorwort. In: Colin Eisler: Meisterwerke in Berlin, S. XII Die Hauptphase für Bau und Planung dauerte von 1992 bis 1998.
Geschichte der Gemäldegalerie Planung und Aufbau mini|hochkant|Friedrich Wilhelm III. legte mit dem Ankauf der Sammlung Giustiniani den Grundstock für die Gemäldegalerie mini|hochkant|Edward Solly, dessen große Sammlung bis heute zum Kernbestand der Gemäldegalerie gehört mini|Das Alte Museum in Berlin gegen 1830 – Erste Heimat der Berliner Gemäldegalerie mini|Grundrissplan der Gemäldegalerie im Obergeschoss des Alten Museums von 1830
Es ist die erste Sammlung alter europäischer Malerei, die von Anfang an nach streng kunsthistorischen Gesichtspunkten konzipiert wurde. Bereits im Jahr 1797 hatte der Archäologe Aloys Hirt die Gründung eines öffentlichen Berliner Bildungsmuseums der europäischen Kunstgeschichte angeregt, die sich, im Gegensatz zu repräsentativen Fürstensammlungen, streng an wissenschaftliche Prinzipien und Systematik orientieren sollte. Diese Idee stieß auf ein breites Echo und fand mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel und dem Gelehrten Carl Friedrich von Rumohr namhafte Befürworter. Doch im Gegensatz zu Hirt waren sie der Meinung, dass in erster Linie die Freude an der Kunst und erst dann die Belehrung stehen sollte. Schnell begann man damit, die Idee, die von Friedrich Wilhelm III. aktiv unterstützt wurde, in die Tat umzusetzen. Großzügig war der König bereit, dem neuen Museum zahlreiche Objekte aus seinem Besitz zur Verfügung zu stellen. Bei einer ersten Auswahl aus dem königlichen Gemäldebesitz traf Aloys Hirt 1812 eine Auswahl von etwa 650 Bildern, die er für geeignet für das geplante Museum hielt. Nach Beendigung der napoleonischen Kriege kehrten zahlreiche Kunstwerke, die von den Franzosen schon vor der Auswahl aus königlichem Besitz verschleppt worden waren, nach Preußen zurück, so dass Hirt die schon getroffene Auswahl um weitere 113 Bilder ergänzen konnte.Gerd Bartoschek: Die Gemälde aus der Sammlung Giustiniani in den preußischen Schlössern. In: Caravaggio in Preußen, S. 151 Obwohl die königliche Sammlung bereits eine große Anzahl von Bildern hohen künstlerischen Ranges enthielt, wurde sie doch nicht den gestellten Ansprüchen gerecht, welche von einer nach wissenschaftlichen Prinzipien aufgebauten Sammlung erwartet wurden. Der Bildbestand war weit davon entfernt, einen enzyklopädischen Überblick über alle europäischen Malschulen bis zum 18. Jahrhundert zu bieten. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, mussten noch zahlreiche Zukäufe getätigt werden.
1815 bot sich in Paris die erste Gelegenheit zu einer bedeutenden Erweiterung für die geplante Gemäldegalerie. Friedrich Wilhelm III. entdeckte dort die 155 von dem Pariser Kunsthändler Féréol Bonnemaison angebotenen Bilder aus der Sammlung Giustiniani. Durch einen glücklichen Zufall war der sonst als geizig bekannte Monarch gut bei Kasse und erwarb die Giustinani-Bilder für eine Summe von 540.000 Francs. Für weitere 64.000 Francs kaufte er, ebenfalls bei Bonnemaison, noch 14 weitere Bilder. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte der König in Paris noch zwei weitere, ebenfalls zum Verkauf stehende Bilder der Giustiniani-Sammlung, die er ebenfalls noch erwerben konnte. In Berlin wurden die Bilder, die eigentlich zur qualitativen Bereicherung der königlichen Sammlung gedacht waren, zunächst an die Akademie übergeben, die sie 1816 öffentlich präsentierte. Noch im selben Jahr wurden erste Stimmen laut, die forderten, die Giustinani-Bilder sofort dem neuen Museum zuzuführen, und nicht in die königliche Sammlung zu integrieren.Christoph M. Vogtherr: Die Erwerbungen Friedrich Wilhelms III. für die Berliner Museen und die königlichen Sammlungen. In: Caravaggio in Preußen, S. 139 f.
Zur Ergänzung der Giustiniani-Sammlung, die bis auf wenige Ausnahmen vorwiegend Werke des italienischen Frühbarock enthielt, darunter Arbeiten von Caravaggio, den Carracci und Guido Reni, wurde nun der Erwerb der bekannten Heidelberger Sammlung Boisserée mit ihrer „vaterländischen Kunst“ vorgeschlagen.Christoph M. Vogtherr: Die Erwerbungen Friedrich Wilhelms III., S. 142 Trotz ernsthafter Bemühungen des preußischen Staates schlugen die Verhandlungen fehl. Stattdessen entschied man sich für den Ankauf der sehr viel bedeutenderen Gemäldesammlung des in Berlin lebenden englischen Kaufmanns Edward Solly, der ein guter Freund von Hirt und Schinkel war und von diesen beraten wurde. Zu seinen weiteren Beratern gehörten noch Rumohr und Gustav Friedrich Waagen. Bereits 1819 hatte er seine etwa 3000 Bilder umfassende Bildersammlung für einen Kredit an Preußen verpfändet. Unfähig, diesen zurückzuzahlen, begannen 1820 durch Vermittlung von Benjamin Wegner, Freund und Agent Sollys, die Verhandlungen über einen Ankauf der Sammlung, die 1821 abgeschlossen wurden. Für 500.000 Reichstaler gingen die Gemälde in preußischen Besitz über. Damit gelangte eine große Sammlung italienischer Bilder des 13. bis 16. Jahrhunderts, eine bedeutende Anzahl altniederländischer, altdeutscher Bilder und eine kleine Anzahl von Werken anderer Malschulen in den Besitz des geplanten Museums.Wilhelm H. Köhler: Die Sammlung Solly, Merkmale und Kennzeichen ihrer Bilder. In: Miklos Boskovits: Frühe italienische Malerei, S. 185Colin Eisler: Meisterwerke in Berlin, S. 11
Etwa zur gleichen Zeit begannen auch die Planungen für einen repräsentativen Museumsbau, der die Sammlung später aufnehmen sollte. Anfänglich hatte man noch mit dem Gedanken gespielt, die Bilder dauerhaft im Akademiegebäude unterzubringen, doch dann setzten sich die Befürworter eines Neubaus durch. An ihrer Spitze stand unter anderem Schinkel, der ein Konzept für einen prächtigen Museumsbau vorlegte.Colin Eisler: Meisterwerke in Berlin, S. 3 Seine Pläne fanden eine Mehrheit, so dass am 24. April 1823 endgültig die Errichtung des heute Altes Museum genannten Bauwerks beschlossen wurde. Gleichzeitig nahm eine Expertenkommission ihre Arbeit auf, die eine Auswahl der später auszustellenden Bilder treffen sollte. Neben Schinkel und Hirt gehörte ihr, anfänglich noch als Gehilfe, Waagen an. 1828 wurde er dann festes Mitglied. Durch Diskrepanzen zwischen Schinkel und Hirt, es ging noch immer um die Frage, ob Bildung oder Freude an den Kunstwerken den Vorrang haben sollten, wurde die Kommission aufgelöst und 1829 durch eine neue ersetzt. Neben Schinkel und Waagen gehörten ihr nun auch Wilhelm von Humboldt, Christian Daniel Rauch, Richard Dähling, Wilhelm Wach, Jakob Schlesinger und Friedrich Tieck an. Federführend war dabei der zum Vorsitzenden ernannte Humboldt, der die künftige Organisationsstruktur des Museums entwarf. Gustav Friedrich Waagen fiel die direkte Auswahl für die auszustellenden Gemälde zu, womit er die Voraussetzung dafür schuf, dass er zum ersten Direktor der Gemäldeabteilung ernannt wurde. Unterstützt wurde er dabei von Carl Friedrich von Rumohr.
Parallel zu der Auswahl der Ausstellungsstücke wurden noch etwa 110 weitere Bilder angekauft. Bei einer abermaligen Durchsicht der Königlichen Sammlung traf man nun eine endgültige Auswahl für das Museum, die durch die zahlreichen eigenen Zugänge geringer ausfiel, als von Hirt veranschlagt. Die dort durch die Entnahme entstandenen Lücken wurden mit Bildern aus den Sammlungen Giustiniani und Solly aufgefüllt, die für das Museum als nicht geeignet bewertet worden waren.Gerd Bartoschek: Die Gemälde aus der Sammlung Giustiniani in den preußischen Schlössern, S. 151 ff.