Die Karbidlampe Still Life II ist ein Gemälde aus dem Frühwerk von Joan Miró, das er 1922/23 in Katalonien malte. Das in Mont-roig del Camp und Paris entstandene Bild gilt als Werk des Übergangs, in der Miró hin zur endgültigen Abkehr von der Wirklichkeitsdarstellung gelangte.Kunstschaetze in der Schweiz: Hundert Meisterwerke der Malerei, der Skulptur und des Kunstgewerbes in öffentlichen, kirchlichen und privaten Sammlungen der Schweiz, ausgewählt und kommentiert von Manuel Gasser, Willy Rotzler, Christoph Bernoulli. Zürich: Manesse, 1964
Hintergrund Die Karbidlampe malte Miró 1922/23 in einer Phase des Umbruchs, nachdem er die noch in Der Tisch (Stillleben mit Kaninchen) (1920) und Der Bauernhof (1921/22) realistische Malweise verlassen hatte, was schließlich 1923/24 in seine Schlüsselwerke Gepflügte Erde und Katalanische Landschaft (Der Jäger) mündete. In Die Karbidlampe reduziert Miró den Bildgegenstand „drastisch auf klar umrissene Formen, die gegen einen flachen Hintergrund gesetzt sind. Während die Lampe noch leicht schattiert ist, bestehen Frucht und Gitter nur mehr aus Linien.“Janis Mink: Miró. Köln, Taschen. 1993, S. 33 Es gehört in eine Reihe von Stillleben wie Der Tisch (Stillleben mit Kaninchen) (1920), Tisch mit Handschuh (1921), Die Kornähre (1922/23) und Bratrost und Karbidlampe (1922/23), „wobei die auf der Leinwand abgebildete Oberfläche sowie alle darauf stehenden Gegenstände ohne Tiefe dargestellt und auf diese Weise das gesamte Bild in eine zusammenhängende, dekorative Fläche verwandelt wurde.“Nathalia Brodskaya: Surrealismus. 2017, S. 136 Dabei ist Mirós Malweise von neusachlicher Kühle geprägt.Die Kunst, Band 99. K. Thiemig, 1987, S. 87
Provenienz Das Gemälde Die Karbidlampe befindet sich heute im New Yorker Museum of Modern Art und ist nicht öffentlich ausgestellt.Die Karbidlampe bei MoMA
Rezeption
In ähnlicher Weise wie in "Der Tisch (Stilleben mit Kaninchen)" widmet er sich den Ausführungstechniken und schafft so seine Stillleben von 1922/23, die paradoxerweise eine abstraktere Vision verwirklichen, meint Margit Rowell. Der starke Widerspruch zwischen der weitgehend illusionistischen Gestaltung seiner Motive und dem geometrischen, abstrakt beleuchteten und beinahe zur Oberfläche geneigten Grund erzeuge eine unheimliche Spannung zwischen Realität und Irrealität, die – ganz unabhängig von der deutschen Situation [der Neuen Sachlichkeit] – diesem Teil von Mirós Schaffen den Begriff „Magischer Realismus“ einbrachte.Margit Rowell: Objects of Desire: The Modern Still Life. (Ausstellungskatalog). New York City: The Museum of Modern Art, 1997
Literatur Janis Mink: Miró. Köln, Taschen. 1993
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde von Joan Miró Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Stillleben Kategorie:Museum of Modern Art