mini|hochkant=0.5|Das Wappen derer von Bünau. Rudolph von Bünau, ab 1742 Graf von Bünau, (* 27. Juli 1711; † 8. Februar 1772 in Dresden) war ein königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Hof- und Finanzbeamter. Nach Jahren im Dienst des Herzogtums Sachsen-Weißenfels wurde er 1743 Kammerherr, 1754 Obersteuereinnehmer im Dresdner Obersteuerkollegium, 1755 Geheimer Rat und nach dem Siebenjährigen Krieg Obersteuerdirektor. Als Erbe seines Vaters, des kursächsischen Kanzlers Heinrich von Bünau, besaß er das Rittergut Seußlitz mit Radewitz; über seinen Sohn Günther geht die später in Schlesien ansässige gräfliche Linie derer von Bünau auf ihn zurück.Carl Sahrer von Sahr auf Dahlen: Heinrich des H. R. R. Graf von Bünau aus dem Hause Seußlitz … „ein gelehrter Herr“. Band 1. Mit: Stammtafel der Grafen von Bünau aus dem Hause Seußlitz. B. G. Teubner, Dresden 1869 (Digitalisat).
Herkunft, Studium und Kavalierstour Rudolph von Bünau entstammte dem sächsischen Uradelsgeschlecht Bünau. Er wurde am 27. Juli 1711 als zweiter überlebender Sohn des damaligen brandenburg-ansbachischen Regierungspräsidenten und späteren kursächsischen Kanzlers Heinrich von Bünau (1665–1745) und dessen Ehefrau Juliana Dorothea geborene von Geismar (1676–1745) geboren. Sein vierzehn Jahre älterer Bruder war der Historiker und Staatsmann Heinrich von Bünau (1697–1762); das Verhältnis der Brüder galt als gut, zugleich aber als kühl und förmlich.
Von 1729 bis 1732 studierte Rudolph von Bünau an der Universität Leipzig; seine Abgangsdisputation legte er bei dem Juristen Georg Christian Gebauer ab. Seine Studien wie auch die anschließende Kavalierstour leitete der Philologe und spätere Leipziger Professor der Poesie Johann Friedrich Christ, der ihn 1733 auf einer Reise durch Frankreich, die Niederlande, England und Italien begleitete. Christ blieb der Familie bis zu seinem Tod 1756 verbunden, reiste mehrfach nach Seußlitz und ließ mit dem Villaticum libri III (Leipzig 1746) ein lateinisches Werk drucken, das sich mit dem Gut und der Familie von Bünau befasst.Johann Christoph Gottsched: Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Band November 1742 – Februar 1744. Hrsg. von Detlef Döring, Franziska Menzel und Rüdiger Otto, De Gruyter, Berlin/Boston 2015, S. 1985.
Laufbahn Nach der Rückkehr von der Kavalierstour wurde Bünau fürstlich weißenfelsischer Rat und Beisitzer des Oberhofgerichts. Eine weitergehende Karriere strebte er zunächst offenbar nicht an, nachdem sein Vater 1733 als kursächsischer Kanzler in den Ruhestand versetzt und sein älterer Bruder im Gefolge des Sturzes des Kabinettsministers Carl Heinrich von Hoym 1734 nach Eisleben abgeschoben worden war.
Gemeinsam mit seinem Vater und seinen Brüdern wurde Rudolph von Bünau am 24. März 1742 durch Kaiser Karl VII. in den Reichsgrafenstand erhoben.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser auf das Jahr 1867. Jahrgang 40, Justus Perthes, Gotha 1866, S. 155. 1743 wurde er Kammerherr. Erst in den 1750er Jahren näherte er sich dem leitenden Minister Heinrich von Brühl an und wurde 1754 als Supernumerar-Obersteuereinnehmer in dem unter Brühls Direktion stehenden Obersteuerkollegium angestellt. Im März 1755 zeigte er seinem Bruder an, dass ihn der König ohne eigenes Ansuchen zum Geheimen Rat ernannt und ihm Stimmrecht in der Steuerverwaltung verliehen habe; Brühl schenkte ihm bei dieser Gelegenheit ein vollständiges Meißner Tafelservice für Seußlitz, dessen Wert Bünau auf 800 bis 1000 Taler veranschlagte. Nach dem Siebenjährigen Krieg rückte er zum Obersteuerdirektor auf. Er starb am 8. Februar 1772 in Dresden. Daneben wird er als Domherr zu Merseburg geführt.Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band II: Boo bis Don. Band 58 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1974, S. 166.
Grundbesitz Aus dem väterlichen Erbe übernahm Bünau das 1722 erworbene Rittergut Seußlitz an der Elbe mit dem 1725 hinzugekauften Vorwerk Radewitz sowie das altenburgische Gut Lehnitzsch, das er bald wieder veräußerte. In Seußlitz, wo sein Vater durch George Bähr das Barockschloss hatte errichten lassen, wurden die meisten seiner Kinder geboren und getauft. Das Gut blieb bis 1798 im Besitz der Grafen von Bünau.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen I: Regierungsbezirk Dresden. Bearbeitet von Barbara Bechter u. a., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1996, S. 91.
Ältester des Geschlechts Wie schon sein Vater und sein Bruder bekleidete Rudolph von Bünau das auf der Geschlechtsordnung der Familie beruhende Amt des Geschlechtsältesten (Senior), das mit der Leitung der Familientage verbunden war. Sein Biograf des 19. Jahrhunderts lässt ihn unmittelbar auf den 1762 verstorbenen Bruder folgen; nach der neueren Forschung wurde er dagegen erst nach dem Tod Rudolf Graf von Bünaus auf Loßa und Erdeborn (1685–1769), der den Familientag 1765 geleitet hatte, als fünfter Senior gewählt und starb bereits 1772, worauf ein 77-jähriger Verwandter das Amt übernahm.Martina Schattkowsky (Hrsg.): Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008.
Ehen und Nachkommen In erster Ehe heiratete Rudolph von Bünau am 27. Juli 1744 in Berlin Sophia Wilhelmine Dorothea von Marschall (* 1723; † 8. März 1748 in Berlin), eine Tochter des preußischen Staatsministers Samuel von Marschall.Eduard Maria Oettinger: Moniteur des Dates. Ludwig Denicke, Leipzig 1869, S. 181. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter der 1746 geborene Rudolf, der 1770 als kursächsischer Leutnant der Leibgrenadiergarde in Berlin starb.
In zweiter Ehe vermählte er sich am 10. April 1749 mit Agnes Elisabeth Gräfin von Holtzendorff (* 27. September 1726; † 21. Juli 1795 in Seußlitz), einer Tochter des kursächsischen Wirklichen Geheimen Rates und Oberkonsistorialpräsidenten Christian Gottlieb Graf von Holtzendorff (1696–1755), des Bauherrn von Schloss Oberlichtenau.HAB Wolfenbüttel (Hrsg.): Holtzendorff, Christian Gottlieb (1745 Reichsgraf) von. Abgerufen am 12. September 2026. Dieser Ehe entstammten zahlreiche weitere Kinder, von denen mehrere früh starben. Erwachsen wurden unter anderem Caroline Wilhelmine (1748–1788), Elisabeth Juliane (1750–1816), der sächsische Offizier Rudolf (1752–1823), Heinrich (1753–1812), Erdmuth Henriette (1757–1823) und der Kammerherr und Major Günther Graf von Bünau (1760–1827). Auf Günther geht die Linie zurück, die nach dem Verkauf von Seußlitz mit den Rittergütern Chrosczinna und Birkowitz bei Oppeln in Schlesien ansässig wurde; ihr Stammvater war sein Sohn, der sächsische Kammerjunker und Forstmeister Rudolf Graf von Bünau (1804–1866). Der Generalleutnant Rudolf von Bünau (1852–1911) ist ein direkter Nachfahre.
Literatur Martina Schattkowsky (Hrsg.): Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86583-235-1. Carl Sahrer von Sahr auf Dahlen: Heinrich des H. R. R. Graf von Bünau aus dem Hause Seußlitz … „ein gelehrter Herr“. Band 1. Mit: Stammtafel der Grafen von Bünau aus dem Hause Seußlitz. B. G. Teubner, Dresden 1869, S. 44 ff. sowie Tab. 2 und Tab. 4 (Digitalisat). Werner Schultze: Heinrich von Bünau. Ein kursächsischer Staatsmann, Gelehrter und Mäzen. Dissertation, Leipzig 1933. Karl Czok: August der Starke und Kursachsen. 2. Auflage, Leipzig 1988, S. 124 ff.
Einzelnachweise
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