Die Amazonenpapageien (Amazona) sind mit 31 rezenten Arten die größte Gattung der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) und der Ordnung der Papageien (Psittaciformes). Das Verbreitungsgebiet der Amazonenpapageien reicht vom Süden Mexikos und den Karibikinseln bis nach Uruguay und in den Norden von Argentinien. Ihr Verbreitungsschwerpunkt sind die tropischen Zonen Süd- und Mittelamerikas. Innerhalb dieses großen Verbreitungsgebietes bewohnen sie neben Regenwäldern so unterschiedliche Lebensräume wie Savannen- und Halbwüstengebiete, aride Trockenwälder und bewaldete Sumpfgebiete.

Nicht weniger als sechzehn Arten, die dieser Gattung zugerechnet werden, sind in ihrem Bestand gefährdet, stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht.Lantermann (2007), S. 11 Es handelt sich dabei vor allem um die auf Karibikinseln vorkommenden endemischen Arten. Großflächige Lebensraumzerstörung und der Fang für den Handel haben die Bestände einiger Arten stark reduziert.

Erscheinungsbild

Amazonenpapageien sind mittelgroße bis große Papageien. Die kleinste Art ist die Rotspiegelamazone, die ausgewachsen eine Körperlänge von 25 Zentimeter erreicht. Die Kaiseramazone gilt mit einer Körperlänge von 45 Zentimeter als die größte Art dieser Gattung. Zu den auffälligen Merkmalen gehört der kräftige gekrümmte Schnabel, der gelenkartig mit dem Schädel verbunden und der somit für alle Papageien charakteristisch ist. Bei Amazonenpapageien ist der Schnabel hornfarben, dunkelgrau bis schwarz und bei einer Art, der Taubenhalsamazone, sogar rot. An der Schnabelbasis findet sich eine leicht hervortretende Haut, die so genannte Wachshaut. Die mit Tastkörperchen versehene Zunge ist muskulös, die Füße werden als Greiforgan verwendet. Die zwei mittleren Zehen sind nach vorne gerichtet; die erste und die vierte dagegen nach hinten – auch das ist für alle Papageien charakteristisch. Bei Amazonen ist darüber hinaus die Schädelkapsel vollständig, was als Hinweis auf ihre nahe verwandtschaftliche Beziehung zur Gattung der Rotsteißpapageien hinweist.Lantermann (1987), S. 18 Ein weiteres gattungstypisches Merkmal ist der mit so genannten Feilkerben versehene Gaumen der Amazonen. Diese Feilkerben schärfen die Schneide des Unterschnabels und dienen zum Festhalten sowie zum Zerkleinern der Nahrung.Lantermann (2007), S. 20 mini|Gelbkopfamazone

Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Amazonen sind der breit abgerundete Schwanz und die breiten, gleichfalls abgerundeten Flügel. Ihr Gefieder ist überwiegend grün gefärbt, mit roten, gelben oder blauen Farbmarkierungen am Kopf, an den Flügeln oder an den Schwanzfedern. Lediglich drei Farbmorphen der Königsamazone unterscheiden sich stärker von diesem typischen Erscheinungsbild der Amazonen. Bei diesen ist die Grundfärbung des Gefieders gold-, rot- oder olivbraun. Die Augen der Amazonaspapageien sitzen seitlich am Kopf und können unabhängig voneinander arbeiten. Alle Arten haben einen nicht befiederten Augenring. Er ist meist weiß, bei einigen Arten auch grau, blau oder gelb gefärbt. Nur zwei Arten weisen in der Gefiederfärbung einen Geschlechtsdimorphismus auf: Bei der Rotspiegelamazone ist die beim Männchen durchgängig rote Handdecke beim Weibchen dagegen teilweise grün. Bei der Gelbschulteramazone ist die gesamte Gefiederfärbung des Weibchens etwas matter und das Bauchgefieder etwas weniger blau als beim Männchen.

Der Flug der Amazonenpapageien ist durch weiche Flügelschläge gekennzeichnet, deren Wendepunkt unterhalb des Körpers liegt. Kurze Strecken legen sie auch im Gleitflug zurück, wobei die Flügel leicht nach unten gebogen sind. Der Flug wird häufig durch laute Rufe begleitet.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Amazonenpapageien reicht vom Süden Mexikos und den Karibikinseln bis nach Uruguay und in den Norden von Argentinien. Ihr Verbreitungsgebiet hat damit eine Längsausdehnung von rund 7500 Kilometer und erstreckt sich schwerpunktmäßig auf die tropischen Regionen von Süd- und Mittelamerika. Es umfasst mit dem äquatorialen Südamerika eine der artenreichsten Regionen der Erde.

mini|Kubaamazone mini|Kopf der Grünwangenamazone mini|Weißstirnamazone

Innerhalb ihres großen Verbreitungsgebietes nutzen die einzelnen Amazonenpapageien sehr unterschiedliche Lebensräume. Diese reichen von Savannen- und Halbwüstengebiete über aride Trockenwälder bis zu bewaldeten Sumpfgebieten. Innerhalb der Gattung der Amazonenpapageien kommen sowohl Lebensraumspezialisten wie -generalisten vor. Die Gelbschulteramazone zählt eher zu den Lebensraumspezialisten und lebt im Küstentiefland Venezuelas in einer Region, die sich durch einen dichten Bewuchs von Kakteen, kleinen Bäumen und Büschen auszeichnet. Die Rotschwanzamazone kommt nur in küstennahen Wäldern und Feuchtgebieten sowie Mangroven im Südosten Brasiliens vor. Die Kaiseramazone, die nur auf Dominica vorkommt, hält sich ausschließlich in den dortigen Bergwäldern ab einer Höhe von auf. Andere Arten wie etwa die Mülleramazone oder die Goldmaskenamazone sind in ihrer Lebensweise so anpassungsfähig, dass sie sehr unterschiedliche Lebensräume nutzen können. So lebt die Goldmaskenamazone neben Regenwaldgebieten und Nebelwäldern in Venezuela auch in Savannengebieten, während sie in Guayana und Französisch-Guayana hauptsächlich in Galeriewäldern vorkommt. Die Verbreitungsgebiete der einzelnen Amazonenpapageien überlappen sich häufig, so dass sich regelmäßig mehrere Amazonenarten den gleichen Lebensraum teilen. Dies unterscheidet sie unter anderem von den afrikanischen Langflügelpapageien, mit denen sie zwar keinen näheren Verwandtschaftsgrad aufweisen, mit denen sie aber eine Reihe ähnlicher Verhaltensmerkmale aufweisen und ähnliche ökologische Nischen besetzen. Zu den Amazonaspapageien, die gelegentlich sogar in gemeinsamen Schwärmen zu beobachten sind, zählen Weißstirn- und Goldzügelamazonen; Blaustirn- und Venezuelaamazonen sowie Rotspiegel- und Jamaikaamazonen.Lantermann (2007), S. 31

Aufgrund ihrer Brut- und Fressgewohnheiten sind Amazonen auf ausreichend dichte Baumbestände angewiesen. Einzelne Arten wie etwa die Gelbwangenamazone halten sich auch in intensiver genutzten landwirtschaftlichen Regionen auf, sofern diese einen ausreichenden Baumbestand aufweisen. Sie können sich dabei durchaus auch zu landwirtschaftlichen Schädlingen entwickeln. Die Blaustirnamazone richtet beispielsweise im Osten Argentiniens große Schäden auf Orangenplantagen an. Mitunter fallen bis zu 5.000 Amazonenpapageien gleichzeitig in solchen Plantagen ein.Stoodley, 1990, Genus Amazona, S. 41 Die im Westen Mexikos lebenden Blaukappenamazonen, die außerhalb der Brutzeit in Schwärmen von zwei- bis dreihundert Individuen leben, werden gelegentlich vom Menschen bejagt, weil sie Getreidefeldern und Bananenplantagen heimsuchen.Lantermann (2007), S. 145f Gelbwangenamazonen richten sogar auf Kaffeeplantagen Schäden an.

Neun Arten der Amazonen sind in ihrer Verbreitung auf einzelne Karibikinseln beschränkt. Die Kaiseramazone und die Blaukopfamazone kommen lediglich auf Dominica, die Königsamazone nur auf St. Vincent und die Jamaikaamazone auf Jamaika vor. Die kleinste Amazonenart, die Rotspiegelamazone, kommt auf Jamaika nur in feuchten Bergwäldern in Höhenlagen zwischen 500 und vorLantermann (2007), S. 119; die sehr seltene Puerto-Rico-Amazone ist nur auf Puerto Rico und einen wenigen Nebeninseln zu finden. Die Hispaniolaamazone lebte ursprünglich nur auf Hispaniola und einigen angrenzenden Inseln. Mittlerweile ist sie jedoch auch auf Puerto Rico eingeführt.Lantermann (2007), S. 145 Das Verbreitungsgebiet der Saint-Lucia-Amazone beschränkt sich auf die Karibikinsel St. Lucia. Sie ist dort nur noch in einem einzigen Waldrefugium anzutreffen, dessen Ausdehnung weniger als 40 Quadratkilometer beträgt.

Bestand Amazonenpapageien zählen innerhalb der Papageien zu den Gattungen, bei denen die meisten Arten vom Aussterben bedroht sind. Vom Aussterben bedroht sind vor allem die Arten, die in ihrem Verbreitungsgebiet auf einzelne Inseln begrenzt sind. Werden Teile ihres Verbreitungsgebietes zerstört, fehlt ihnen das Rückzugsgebiet, in denen sich Bestände regenerieren oder halten können. Aber auch die auf südamerikanischen Kontinent verbreiteten Amazonenarten verzeichnen massive Populationsrückgänge. Ursache des Rückgangs sind auch hier überwiegend die massiven Lebensraumzerstörungen. Amazonenpapageien benötigen große Gebiete unzerstörten Waldlandes. In zunehmend fragmentierten Wäldern fehlt es ihnen an ausreichenden Nahrungsquellen und vor allem Brutgelegenheiten. mini|Blaukappenamazone

Hinzu kommt ein Fang für den kommerziellen Verkauf. Zwischen 1984 und 1987 wurden beispielsweise in die Bundesrepublik Deutschland 25.000 Blaustirnamazonen importiert. Selbst eine Unterschutzstellung der Papageien ist dabei nicht immer hilfreich. Die seltene Saint-Lucia-Amazone, die nur auf St. Lucia vorkommt, wurde zum Beispiel von der einheimischen Bevölkerung noch in den 1980er Jahren regelmäßig gefangen und ins Ausland geschmuggelt, wo sich für die seltenen Vögel immense Preise erzielen ließen.

Die Amazonenpapageien werden daneben auch intensiv bejagt. Einzelne Amazonenpapageien dienen den indigenen Völkern ihres natürlichen Verbreitungsgebietes als Nahrungsquelle. Die Federn der Vögel werden außerdem für Kopfschmuck und Ähnliches verwendet. Jagddruck entsteht vor allem dort, wo Amazonenpapageien als landwirtschaftliche Schädlinge Felder und Plantagen plündern.

Die Bestände der endemischen Amazonenarten sind mittlerweile so stark zurückgegangen, dass Naturkatastrophen verheerende Auswirkungen auf den Fortbestand der Art haben können. In der Regel tritt in ihrem Verbreitungsgebiet alle 15 Jahre ein Hurrikan in einer Stärke auf, der ihren Lebensraum drastisch beschädigt. Am 18. September 1989 fegte beispielsweise der Hurrikan Hugo über die Nordostküste von Puerto Rico und richtete starke Verwüstungen an. Für die sehr seltene Puerto-Rico-Amazone schätzte man die Bestandszahlen nach dem Sturm auf nur noch 23 freilebende Individuen. Zu Beginn des 3. Jahrtausends hatte die Population noch nicht die Bestandszahl vor dem Sturm erreicht. 2006 schätzte man die Populationszahl auf 44 Individuen. Ähnlich drastische Auswirkungen hatte der Hurrikan David 1979 auf die Bestände der Kaiseramazone, die nur auf Dominica vorkommt.

Neozoon Einige Amazonen-Paare leben zwischen ca. 1000 Halsbandsittichen und mehreren hundert Alexandersittichen in den Parks von Wiesbaden.

Im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt hat sich seit etwa 1989 eine um die 50 Gelbkopfamazonen starke Population als Neozoon entwickelt, welche die einzig frei lebende Population außerhalb Amerikas darstellt,Vogel frei - Die wilden Papageien von Cannstatt. Stuttgarter Zeitung, 3. April 2009 Mit den Gelbkopfamazonen auf Du und Du. Stuttgarter Nachrichten, 26. November 2014 ähnlich der Halsbandsittich-Population in Mannheim.

Verhaltensweise