Zurow ist eine Gemeinde im Osten des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die südöstlich der Hansestadt Wismar gelegene Gemeinde wird vom Amt Neukloster-Warin mit Sitz in der Stadt Neukloster verwaltet.

Geographie Das Gemeindegebiet Zurows liegt im Übergangsbereich vom Hügelland östlich der Wismarer Bucht zum äußersten Nordwesten der Sternberger Seenplatte. Die von drei kleinen Seen umgebene Gemeinde ist etwa elf Kilometer von der Hansestadt Wismar entfernt.

Umgeben wird Zurow von den Nachbargemeinden Neukloster im Nordosten, Lübberstorf, Warin und Bibow im Südosten, Jesendorf im Süden, Lübow im Westen sowie Hornstorf und Benz im Nordwesten.

Ortsteile Zu Zurow gehören die Ortsteile Fahren Kahlenberg Klein Warin Krassow Nakenstorf Reinstorf Schmakentin

Geschichte Zurow war ein slawisches Dorf und danach ein mittelalterliches Kirchdorf. Der Name geht auf das slawische Wort zurowy zurück, die Bezeichnung für eine Art Heidelbeere. Die gotische Dorfkirche stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts. Das Einzelgut wurde 1303 erstmals erwähnt.

Das ritterschaftliche Landgut Zurow befand sich bis zur entschädigungslosen Enteignung auf Grund der Verordnung über die Bodenreform vom 5. September 1945 über 20 Jahre im Besitz des Druckereibesitzers und Verlegers Wilhelm Girardet, der von 1924 bis 1945 eine Reihe von Maßnahmen zur grundlegenden Modernisierung des Betriebes und dessen Leistungssteigerung eingeleitet hatte (Meliorationen, Stromversorgung, Aufforstung Schmiedeberg, Wasserleitung vom Weißensee zur Versorgung von Gutshaus und Dorf, Kanalisation, Einrichtung moderner Werkstätten). 1945 wurden etwa 70 Siedlern Teilflächen mit jeweils unter 10 Hektar je Siedlerfläche zugewiesen und übereignet. Ab 1952 brachten die Siedler (einige nur unter massiven Druck) ihre Flächen in die neugegründete LPG „Fortschritt“ ein. Diese wurde später mit vier anderen Produktionsgenossenschaften und Betrieben der Nachbarschaft zusammengelegt und umfasste schließlich 5.000 ha Nutzfläche, mit Ausrichtung zunächst auf Pflanzen- und Tierproduktion. Im Rahmen der befohlenen Spezialisierung wurde die Tierproduktion ausgegliedert. Umfangreiche Stallungen für eine industriell ausgerichtete Massentierhaltung (200 Milchkühe, 2 × 5.000 Schweine/Jahr) wurden gebaut. Dieser Wirtschaftszweig brach schon bald nach der deutschen Einigung zusammen, die Ställe verfielen.Mario Riemann, Ländliches Leben in Mecklenburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Verlag Ingo Koch, Rostock 2004, ISBN 3-937179-17-8, S/271-284

In Nakenstorf befand sich zu DDR-Zeiten ein Ferienlager mit Bungalow-Bauten, in denen sich auch französische Kinder erholen konnten.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurde die bisher eigenständige Gemeinde Ravensruh eingegliedert. Klein Warin wurde am 1. Januar 1957 nach Reinstorf eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Die Gemeinde Reinstorf verlor am 1. Juli 1961 ihre Selbständigkeit und wurde nach Zurow eingemeindet. Krassow kam am 1. Januar 2002 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002

Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Dorfkirche in Zurow Gotische Dorfkirche Zurow aus Backstein vom Ende des 14. Jahrhunderts mit der rund 900-jährigen Kirchlinde. Die 1462 gegossene Glocke hat seltene, kunsthistorisch bedeutsame Glocken-Ritzzeichnungen, die in einem Werk der Kunsthistorikerin Ingrid Schulze gewürdigt werdenIngrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13. Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8. Neobarockes, neunachsiges Gutshaus als zweigeschossiger Putzbau von 1837 mit übergiebeltem Mittelrisalit, Krüppelwalmdach und Dachreiter mit geschwungener Glockenhaube; heute Ferienwohnhaus. Die Gutsanlage wurde 1303 erstmals erwähnt.Bruno Sobotka: Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Konrad Theiss Verlag, 1993. Rohrgedeckter Dreiseitenhof in Reinstorf

Kirchlinde Zurow mini|Kirchlinde Zurow Die alte Kirchlinde steht im noch bis heute als Friedhof genutzten Kirchhof der historischen Backsteinkirche des Orts. Die als Naturdenkmal ausgewiesene und in die Liste markanter und alter Baumexemplare in Deutschland eingetragene Sommerlinde zählt zu den ältesten Bäumen Deutschlands; ihr Alter wird dort mit 900 Jahren angegeben. Für wahrscheinlicher gehalten wird aber ihre Pflanzung für 1345, dem Jahr, als die Kirche erbaut wurde.

Der mächtige Stamm des Baumveterans wurde um das Jahr 1800 bei einem Gewittersturm auseinandergebrochen; ein großer Teil der Krone ging dabei verloren. Die Linde hat sich aber davon erholt und sich durch Überwucherungen selbst geheilt. Der verbliebene Stammrest hatte bei einer Messung 2011 einen Umfang von 9 m. Mit seiner neu gebildeten Krone erreicht der Baum inzwischen wieder eine Höhe von 15 Metern.

Politik Gemeindevertretung und Bürgermeister Der Gemeinderat besteht (inkl. Bürgermeister) aus 10 Mitgliedern.

Die Wahl zum Gemeinderat am 9. Juni 2024 hatte folgende Ergebnisse:

Partei/Bewerber Stimmen Sitze Wählergemeinschaft Zurow16728 Die Linke2651 (nicht angenommen) Einzelbewerber Kröppelien1661 Einzelbewerber Dorin870

Bürgermeister der Gemeinde ist Mathias Hirsack, er wurde mit 510 Stimmen gewählt. Eckhart Stelbrink, DIE LINKE, unterlag mit 229 Stimmen.

Die Wahl zum Gemeinderat am 26. Mai 2019 hatte folgende ErgebnisseWahlergebnisse auf www.amt-neukloster-warin:

Partei/Bewerber Prozent SitzeReihenfolge nach Stimmenanteil Wählergemeinschaft Zurow57,036 Die Linke14,631 Einzelbewerber Kröppelien7,061 Einzelbewerber Schröder6,641 Einzelbewerber Dorin5,141

Bürgermeister der Gemeinde war bis Juli 2024 Eckhardt Stelbrink, er wurde mit 74,23 % der Stimmen gewählt.Wahlergebnisse auf www.amt-neukloster-warin

Wappen

Flagge Die Flagge ist gleichmäßig und quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Grün und Gelb gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils ein Drittel der Länge des grünen und des gelben Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.Hauptsatzung § 1 (PDF).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „GEMEINDE ZUROW • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.

Wirtschaft und Infrastruktur Zurow verfügt über eine Kindertagesstätte in Trägerschaft der Johanniter. Nach der Schließung der Verbundenen Haupt- und Realschule, und 2006 auch der Grundschule, dauerte es 10 Jahre, bis 2016 durch Elterninitiative eine Freie Waldorfschule entstand. In der Dorfschule Wismarer Land lernen über 80 Kinder in den Klassen 1-8 (2024) mit Schwerpunkt Handlungspädagogik. Zwei Agrarbetriebe bewirtschaften die Nutzfläche der Umgebung. Des Weiteren besteht in Zurow ein Tiefbaubetrieb und eine Baustoffaufbereitung, im Ortsteil Reinstorf wird eine Mosterei und im Ortsteil Klein Warin eine Zimmerei betrieben. An der Bundesstraße 192 wurde ein Gewerbegebiet errichtet. In Zurow gibt es auch noch ein Reifenservice, einen Oldtimer- und Landmaschinenhändler und ein Nagelstudio sowie auch ein Kosmetikstudio, ein Hort, ein Arzt und ein Frisör. Ein Nottelefon ist auch vorhanden. Zurow liegt an der Busstrecke Wismar-Neukloster-Blankenberg und wird täglich mehrfach durch die Linien von Nahbus angefahren.

Die Ortsteile Klein Warin und Nakenstorf liegen im Bereich des Neuklostersees und des Großen Wariner Sees im Naturpark Sternberger Seenland. Die touristischen Angebote umfassen neben dem Reiterhof in Klein Warin auch Pensionen und Hotels.

Verkehrsanbindung Durch die Lage an der Bundesautobahn 20 mit direkter Anschlussstelle ist Zurow an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Zurow ist der Ausgangspunkt der Bundesstraße 192 nach Neubrandenburg. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Hornstorf und Wismar.

Persönlichkeiten Eberhard von der Decken (1812–1871), hannoverischer Oberst und später preußischer Generalmajor Wilhelm Uhthoff (1853–1927), Augenarzt Walter Lehmbecker (1898–1980), Oberstudienrat, Heimatforscher und Schriftsteller

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordwestmecklenburg