Lew Moissejewitsch Abeliowitsch (, Leu Majssejewitsch Abelijowitsch, , wiss. Transliteration ; * in Vilnius, Russisches Kaiserreich; † 8. Dezember 1985 in Minsk, Sowjetunion) war ein polnisch-jüdisch-weißrussischer Komponist und Pianist. In der Encyclopaedia Judaica (2. Auflage) wird er als weißrussischer Komponist und Pianist genannt. In der Literatur wird er des Weiteren als litauischer, sowjetischer und jüdischer Komponist bezeichnet.
Leben Lew Abeliowitsch wurde am 6. Januar 1912 in Vilnius geboren. Sein Vater Moses (Moissei) Abeliowitsch war Versicherungsvertreter. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Abeliowitsch zunächst an der Universität Vilnius Rechtswissenschaften. Gegen den Willen der Eltern brach er das Studium im Alter von 23 Jahren kurz vor der Verteidigung der Doktorarbeit ab. Er ging nach Warschau ans Musikkonservatorium. Von 1935 bis 1939 studierte er Komposition bei Kazimierz Sikorski und Klavier bei Zbigniew Drzewiecki. Er nahm 1938 beim Frederic-Chopin-Klavierwettbewerb in Warschau teil. Um sein Studium zu finanzieren, gab er Latein- und Literaturunterricht. Gelegentlich fertigte er Übersetzungen an. Nach dem deutschen Überfall auf Polen floh er nach Minsk. Dort studierte er am Nationalkonservatorium Komposition bei Wassili Andrejewitsch Solotarjow, wurde 1940 Mitglied der Union der Komponisten der Sowjetunion. Am 21. Juni 1941 wurde er graduiert. 1943 wurde er Student am Moskauer Konservatorium bei Nikolai Mjaskowski. Er widmete sich darauf dem Komponieren. Später betrieb er Studien zur belorussischen Volksmusik.
Während des Studiums in Warschau lernte er Mieczysław Weinberg kennen. Mit ihm verband ihn eine enge Freundschaft. Sie studierten auch gemeinsam in Minsk. Abeliowitsch widmete ihm die Fresken Nr. 1 und seine dritte Sinfonie.
Nach dem Tod Mjaskowskis musste er 1951 nach Minsk zurückkehren.
Werke (Auswahl) Die Russische Staatsbibliothek besitzt über 30 Werke Lew Abeliowitschs. Mit seinen in den 1960er Jahren entstandenen vier Sinfonien erlangte er größere Bekanntheit. Als sein wichtigstes Werk der späteren Jahre galten die Lieder nach Texten von Fjodor Tjuttschew.
Orchesterwerke Ouvertüre über weißrussische Themen Heldengedicht; 1957 Sinfonische Bilder; 1958 Sinfonie Nr. 1 D-Dur; 1961 Ouverture; 1963 Sinfonie Nr. 2 e-moll; 1964; Sinfonie Nr. 3 b-moll; 1967; Sinfonie Nr. 4 e-moll; 1970; Aria für Violine und Kammerorchester; 1973 Vokalise im Gedenken an Dmitri Schostakowitsch für Mezzosopran und Orchester; 1976 Klavierkonzert; 1977 Musiken zu Hörspielen Filmmusik: Er schrieb die Musik zu dem Film: Пятерка отважных [Die tapferen Fünf]; 1970/71 Regie: Leonid Martynyuk, 1971
Kammermusik
Klaviermusik Suite über Themen weißrussischer Volkslieder für zwei Klaviere Tränen (Polnisch: Łzy, Russisch: Слезы), Leo Tolstoi gewidmet Variationen für Klavier; 1939 Klaviersonate Nr. 1; 1953 I Allegro II Adagio III Allegro molto Klaviersonate Nr. 2; 1957, revidiert 1979 I Adagio – Allegro molto II Andante III Allegro molto IV Allegro non troppo, Kinderstücke; 1961. I Fröhliches Spiel, II Geschichte, III Marsch, IV Wiegenlied, V Scherzino Humoreske; 1963 Fresken; Zyklus von Klavierstücken; Erster Band; 1965. I Schritte in der Nacht, II Flüchtling/Flüchtender, III Traurige Stunde, IV Eille, V Stille, VI Prozession, VII Requiem, VIII Scherzo, IX Absturz/Umsturz/Höhepunkt; Klaviersonate Nr. 3; 1969 I Andante mosso II Presto Fresken; Zyklus; Zweiter Band; 1972 Klaviersonate Nr. 2; 1974 I Adagio – Allegro molto II Andante III Allegro molto IV Allegro non troppo, Klaviersonate Nr. 3; 1979 I Andante mosso II Presto Klavierstücke; 1984; Irina Schumilina gewidmet. I In der Dämmerung, II Possenreißer/Hanswurst, III Intermezzo, IV Schneesturm, V Postludium
Werke für Viola und Klavier Aria für Viola und Klavier;
Werke für Violine und Klavier Sonate für Violine und Klavier Nr. 1; 1940, revidiert 1960 Sonate für Violine und Klavier Nr. 2; 1946, revidiert 1961 Sonate für Violine und Klavier Nr. 3; 1949, revidiert 1969; Tanz für Violine und Klavier; 1952 Vier Stücke für Violine und Klavier; 1954. I Etüde: Bild, II Wiegenlied, III Meditation/Betrachtung, IV Tanz Sonate für Violine und Klavier Nr. 1; 1960 Sonate für Violine und Klavier Nr. 2; 1961 Drei Stücke für Violine und Klavier; 1962–1965. I Scherzo, II Etüde: Bild, III Tanz Sonate für Violine und Klavier Nr. 3; 1969; Aria für Violine und Kammerorchester; Fassung für Violine und Klavier
Werke für Oboe und Klavier Sonate für Oboe und Klavier; 1950
Werke für Klarinette und Klavier
Sonate für Klarinette und Klavier, 1972
Klaviertrio Klaviertrio; 1955
Werke für Zymbal Zwanzig Präludien für Zymbal, 1949 Sonate für Klavier und Zymbal
Vokalmusik
Lieder, Romanzen und Balladen Drei Lieder auf Texte belorussischer Dichter; 1948. I Text: Anatol Astrejko. Arbeiten II Text: Anatolij Weljugin. Wiegenlied III Text: Anatol Astrejko.Gnade Übernachtung; Lied mit Text von Maksim Bahdanowitsch; 1957 Fünf Romanzen für Gesang und Klavier nach Texten von Maksim Bahdanowitsch; 1957 I. Über dem Grab, II Ты был как месяц одинокий, III Schneegestöber, IV Nacht, V Winterabend Der Schwimmer; Romanze für Gesang und Klavier; 1958 Text: Mickiewicz Romanzen für hohe Stimme und Klavier nach Texten von Robert Burns; 1959 Lieder für Gesang und Klavier; 1963 I Romanzen für Gesang und Klavier; 1975; Text: Jakub Kolas. I Nacht, II Auf der neuen Erde, III Wiegenlied IV Herumziehende Musikanten. Text: Uladsimir Dubouka V Ballade der Partisanen VI Grabhügel Partisanenballaden; 1980 Romanzen nach Texten von Maksim Bahdanowitsch; 1982 10 Romanzen nach Texten von Fjodor Tjuttschew; 1985; I Nach dem Sturm, II Sieh, wie grün der Hain ist, III Kind IV Herbst, V Wie schwer auch die letzte Stunde, VI Im Himmel schmelzen die Wolken, VII Unterwegs, VIII Choral, IX Poesie, X Glücklich, werd diese Welt besucht;
Chorwerke Zwei Stücke für gemischten Chor; 1958. Lied über Lenin für Bass, Chor und Klavier; 1962 Text: Ales Staver
Auszeichnungen 1963 bekam er den Titel Заслуженный деятель искусств Белорусской ССР [Verdienter Künstler der Belorussischen SSR]. Am 5. Januar 1972 erhielt er den Orden Zeichen der Ehre (russisch Орден Знак Почёт) Ehrenurkunde des Obersten Sowjets der Belorussischen SSR und RCFSR
Einspielungen Aria für Viola und Klavier. Kathryn Lucktenberg, Viola. Alexander Tutunov, Klavier. auf: Altarus 9508. 2003 Aria für Violine und Orchester. Roman Nodel, Violine. Staatliches Sinfonieorchester der UdSSR. Ltg: Jurij Efimov. Melodija S10-12706; Aria für Violine und Orchester. Roman Nodel, Violine. Kammerorchester Minsk Ltg.: Yuri Tsiryuk. Melodija S10-08447-8 Aria für Violine und Orchester. Mikhail Shteĭn, Violine. Kammerorchester Minsk Ltg.: Aleksandr Poljanichko. Melodija S10-27830, Klavierkonzert. Alexander Tutunov, Klavier. Corvallis-OSU Symphony Orchestra. Ltg.: Marlan Carlson. auf: Altarus 9508. 2003 Klaviertrio. Kathryn Lucktenberg, Violine. Alexander Tutunov, Klavier. Steven Pologe, Violoncello. auf: Altarus 9508. 2003 Zehn Romanzen nach Texten von Fjodor Tjuttschew. James Wood, Bassbariton; Alexander Tutunov, Klavier. auf: Altarus 9508. 2003 Klaviersonaten Nr. 1 – Nr. 3. Alexander Tutunov, Klavier. auf: Altarus 9056; 2002 Fresken I und II. Alexander Tutunov, Klavier. auf: Altarus 9056; 2002 Vokalise im Gedenken an Dmitri Schostakowitsch für Mezzosopran und Orchester; Tamara Pechinskaja, Mezzosopran. Staatliches Sinfonieorchester der UdSSR. Ltg: Jurij Efimov. Melodija S10-12706;
Literatur
Абелиович, Лев Моисеевич [Abeliowitsch, Lew Moissejewitsch]. In: Большая биографическая энциклопедия. [Große biografische Enzyklopädie]. 2009
Weblinks mishpoha.org russischer Artikel zum 100. Geburtstag 2012 mit einem fiktiven Interview und 2 Bildern: I Porträt. II Gruppenfoto der Klasse von Professor Solotarjow. Minsk, 1939; Abeliowitsch: zweite Reihe, zweiter von links. kino-teatr.ru Biografie, Filmografie
Einzelnachweise
Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Komponist (Sowjetunion) Kategorie:Träger des Ordens Zeichen der Ehre Kategorie:Russe Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Mann