mini|Bekanntgabe des Preisträgers 2008
Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften (, wörtlich „Preis der Schwedischen Zentralbank in Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel“) ist ein 1968 von der Schwedischen Zentralbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens gestifteter und 1969 erstmals verliehener Preis, der als der renommierteste im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gilt.William D. Nordhaus och Paul M. Romer får ekonomipriset 2018 (William D. Nordhaus und Paul M. Romer erhalten den Wirtschaftspreis 2018), Sveriges Riksbank, Stockholm (schwedisch). Da er jährlich zusammen mit den Nobelpreisen verliehen wird und mit der gleichen Preissumme dotiert ist, wird er im allgemeinen Sprachgebrauch als Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet; eine offizielle deutsche Bezeichnung existiert nicht.
Der Preis ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Insbesondere die annähernde Gleichstellung mit den Nobelpreisen wirft die Frage auf, ob der Preis im Sinne Nobels ist und ob es angemessen ist, den Wirtschaftswissenschaften eine solche herausragende Stellung zu geben.
Allgemeine Vergaberichtlinien Laut den Statuten soll der Preis jährlich an eine Person gehen, die ein wirtschaftswissenschaftliches Werk verfasst hat, das von so großer Bedeutung ist, wie es Alfred Nobel in seinem Testament vom 27. November 1895 dargelegt hat. Bei Nominierung, Beschluss und Übergabe sollen die Richtlinien des Nobelpreises angewandt werden, soweit diese zutreffen.
Verliehen wurde der Preis zum ersten Mal im Jahr 1969; die ersten Preisträger wurden am 27. Oktober 1969 bekanntgegeben., abgefragt am 26. Oktober 2009
Sylvia Nasar schrieb in ihrem Buch A Beautiful Mind, dass nach den Diskussionen um die Vergabe an John Nash 1994 der Preis neu definiert wurde. Das machte es möglich, ihn auch an Forscher zu vergeben, die aus dem Bereich Politikwissenschaft, Psychologie oder Soziologie stammten.Sylvia Nasar, A Beautiful Mind, S. 372 Dem widerspricht jedoch die genannte Bestimmung in den Statuten. Auch wurde der Preis seither immer für wirtschaftswissenschaftliche Leistungen verliehen.
Nominierung Nominierungsberechtigt sind Mitglieder der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften Mitglieder des Preiskomitees, das den Preisträger bestimmt Frühere Preisträger Wirtschaftswissenschaftsprofessoren aus den skandinavischen Ländern Professoren oder vergleichbare akademische Würdenträger an mindestens sechs anderen Hochschulen und Institutionen, die von der Akademie ausgewählt werden Weitere Wissenschaftler, die von der Akademie als geeignet angesehen werden
Die Entscheidung über die Auswahl der letzten beiden genannten nominierungsberechtigten Gruppen soll jedes Jahr bis Ende September getroffen werden.
Auswahl Für die Auswahl der Preisträger ist wie bei den Nobelpreisen in Physik und Chemie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften verantwortlich. Hierfür wird von der Akademie ein fünfköpfiges Preiskomitee gewählt. Dessen Mitglieder werden für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Die Anzahl der möglichen Wiederwahlen ist begrenzt. Mitglieder, die mehr als 70 Jahre alt sind, dürfen nicht wiedergewählt werden.
Laut Nasar wurde die Zusammensetzung des Komitees nach 1994 derart geändert, dass nun zwei Nichtökonomen diesem Gremium angehören. Es gibt aber keine offizielle Regel in den Statuten hierzu. Sollte es eine solche ähnlich der sogenannten „Lex Buck“ beim Literaturnobelpreis geben, so wird sie nicht konsequent eingehalten. Stand 2016 waren vier von fünf Mitgliedern des Komitees Wirtschaftswissenschaftler, und auch der Sekretär des Komitees kam aus dieser Fachrichtung.The Economic Sciences Prize Committee nobelprize.org
Wie bei den Nobelpreisen kommt die Regel zum Einsatz, dass maximal drei Personen und zwei Leistungen prämiert werden. Die Empfehlung des Preiskomitees muss bis Ende September bei der Akademie eingereicht werden. Daraufhin sollen sich die Mitglieder der wirtschaftswissenschaftlichen Klasse (Abteilung) der Akademie bis Ende Oktober treffen und ihre Meinung hierzu abgeben. Die endgültige Entscheidung soll dann von der Akademie bis Mitte November getroffen werden. Alle Mitglieder, die daran teilnehmen, erhalten eine Goldmedaille als Erinnerung daran.
Von der Möglichkeit, bei Fehlen eines geeigneten Kandidaten den Preis im darauffolgenden Jahr oder gar nicht zu vergeben, wurde bislang kein Gebrauch gemacht.
Preisumfang Das Preisgeld beläuft sich auf die gleiche Summe wie in einer der Kategorien des Nobelpreises. Für die Aufteilung im Falle von mehreren Preisträgern gilt dasselbe wie für den Nobelpreis. Ebenso sind eine Medaille und eine Urkunde Teil des Preises. Die Namen der Preisträger werden – wie auch beim Friedensnobelpreis – auf den Rand der Medaillen statt auf den Flächen eingraviert.
Bekanntgabe Die Bekanntgabe der Preisträger unterscheidet sich insofern von den originären Nobelpreisen, als der Wirtschaftspreis keinen festen Termin hat. Er wird häufig als letzter bekanntgegeben. Die Pressekonferenz zur Bekanntgabe findet erst am frühen Nachmittag statt, während die anderen Preise in der Regel am späten Morgen bekanntgegeben werden.
Vorlesung Wie die Nobelpreisträger sind die Empfänger dieses Preises dazu verpflichtet, eine Vorlesung über ihre Arbeit zu halten. Diese findet in der Regel am 8. Dezember in der Aula Magna der Universität Stockholm nach den entsprechenden Beiträgen der Nobelpreisträger in Physik und Chemie statt.
Verleihung und Bankett Die Verleihung erfolgt im Rahmen derselben Veranstaltung, in der auch den Nobelpreisträgern in Physik, in Chemie, in Physiologie oder Medizin und Literatur im Stockholmer Konzerthaus alljährlich am Todestag Nobels am 10. Dezember die Auszeichnung überreicht wird. Der Friedensnobelpreis wird in Oslo übergeben.
Zwar sind die Preisträger des Wirtschaftspreises immer als Letztes an der Reihe, aber sie sind ansonsten vollkommen gleichberechtigt. So sitzen sie mit den anderen Preisträgern auf der Bühne und später beim Bankett im Stadshuset am Ehrentisch.
Preisträger
Eine deutliche Mehrheit der Preisträger stammt aus den Vereinigten Staaten. Besonders stark vertreten waren bislang Ökonomen von der Universität Chicago, von der insgesamt zehn Preisträger kamen. In den Jahren 1990 bis 1993 kam sogar jedes Jahr einer der Preisträger von dieser Hochschule. Auch andere amerikanische Universitäten sind sehr stark vertreten: die University of California stellte bislang fünf Preisträger, die Hochschulen Columbia University, Princeton University, Harvard University und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) waren jeweils viermal vertreten.
Bislang ging der Preis ganz überwiegend an Männer. Elinor Ostrom (2009), Esther Duflo (2019) und Claudia Goldin (2023) sind bislang die einzigen Preisträgerinnen. Während Erstere sich den Preis jeweils mit einem Mann teilten, ist Goldin die erste Frau, die den Preis alleine gewann.
Herbert A. Simon war 1978 der erste Nichtökonom, der diesen Preis gewann. Seinen PhD erwarb er in Politikwissenschaften, jedoch ist sein Einfluss in der Wirtschaftswissenschaft bedeutend.
Kontroversen Kontroverse um den Preis Positive Reaktionen Der Spiegel schrieb anlässlich der ersten Vergabe, er korrigiere den Irrtum Nobels, dass die Wirtschaftswissenschaft für den Fortschritt der Menschheit ohne Belang sei.
Einige Preisträger nannten nach ihrer Auszeichnung positive Aspekte des Preises. George Akerlof, im Jahr 2001 ausgezeichnet, nannte den Preis eine Ermutigung für weitere Arbeiten. Joseph Stiglitz äußerte, der Preis diene der öffentlichen Aufklärung und verleihe ökonomischen Ideen Aufmerksamkeit, die sie sonst nicht erhalten würden. Er merkte ironisch an: „Die Ökonomie ist die einzige Wissenschaft, in der sich zwei Menschen einen Nobelpreis teilen können, weil ihre Theorien sich gegenseitig widerlegen.“Joseph Stiglitz, Berliner Zeitung vom 6./7. März 2004, Beilage Magazin S. 4
Kritik am Preis Der Preis ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Insbesondere die annähernde Gleichstellung mit den Nobelpreisen wirft die Frage auf, ob der Preis im Sinne Nobels ist und ob es angemessen ist, den Wirtschaftswissenschaften eine solche herausragende Stellung zu geben. Ein vorgebrachtes Argument ist, der Preis sei nicht im Sinne Nobels, da dieser eine Abneigung gegen die Wirtschaftswissenschaft gehegt habe und dieser mutmaßlich nicht eine vergleichbare Bedeutung wie den von ihm selbst gewählten Kategorien gesehen hätte. Weiterhin wird oft das Argument vorgebracht, die Wirtschaftswissenschaft sei als angewandte Wissenschaft nicht auf einer Ebene anzusiedeln wie die grundlegenden Wissenschaften, die Nobel als preiswürdig erachtet hatte. Auch Nobels Verwandte sowie Mitglieder anderer Vergabegremien äußerten sich negativ zur Einrichtung des Preises.WELT.de: Nobelpreis für Wirtschaft höchst umstritten In: Die Welt, 9. Oktober 2006, abgerufen am 10. Januar 2017.
Der Hauptkritikpunkt an dem Preis ist, dass er nicht nur Nobels Namen trägt, sondern auch durch Vergabeprozedur und Verleihungszeremonie in der Öffentlichkeit als Nobelpreis wahrgenommen wird. Kritiker bezweifeln, dass Nobel die Einrichtung eines solchen Preises gewollt hätte. Als Indiz dafür gilt ein Brief, den 2001 vier Urenkel seines Bruders Ludvig veröffentlichten und in dem Nobel schreibt: Kenne Fant: Alfred Nobel (Lebensgeschichten aus der Wissenschaft), Birkhäuser, Basel, S. 196, ISBN 978-3-0348-6369-8, .Alfred Nobels familie tar avstand fra økonomiprisen. In: Aftenposten, 25. November 2001. Das Zitat wird in der deutschsprachigen Presse oft abgekürzt mit: Ulrich Schäfer: Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Der Nobelpreis. In: Süddeutsche Zeitung, 6. Oktober 2017.Bert Losse: Wer soll den Wirtschafts-Nobelpreis 2022 bekommen? In: Wirtschaftswoche, 10. Oktober 2022.
Zu den Gegnern des Preises zählen auch Nachfahren Nobels. Unter anderem äußerte Peter Nobel, ein Menschenrechtsaktivist und Urgroßneffe von Alfred Nobel, im Jahr 2005, sein Vorfahr hätte diesen Preis nie gewollt. Er nannte den Preis einen „PR-Coup“ von Wirtschaftswissenschaftlern, um deren Ansehen zu verbessern. Allerdings hatte das älteste Mitglied der Familie, Nobel-Nichte Marta, vor der Einrichtung des Preises seiner Einrichtung unter dem schließlich gewählten Namen zugestimmt.
Für eine Abschaffung des Preises sprach sich der frühere schwedische Finanzminister Kjell-Olof Feldt aus. Er wurde später Vorstand der Schwedischen Nationalbank, die den Preis gestiftet hatte.
Für eine Abschaffung plädierte auch der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal, Preisträger 1974. Er äußerte, der Preis werde auch an „reaktionäre“ Personen verliehen, wie Friedrich Hayek (mit dem er sich den Preis 1974 teilte) und Milton Friedman im Jahre 1976.
Die Tatsache, dass die 1983 verstorbene Ökonomin Joan Robinson nie mit dem Preis ausgezeichnet wurde, sahen Kritiker als Indiz für die Tendenz des Komitees, Mainstream-Ökonomen zu bevorzugen.
In seiner Rede vor dem Festbankett sagte Friedrich Hayek 1974, wenn er gefragt worden wäre, hätte er sich gegen die Schaffung dieses Preises ausgesprochen. Zwar werde seine Befürchtung, das Komitee würde nur aktuellen wissenschaftlichen Trends folgen, durch seine Auszeichnung widerlegt; er befürchte aber, dass der Preis einem Preisträger eine Autorität verleihe, die in den Wirtschaftswissenschaften kein einzelner Mensch besitzen sollte. Während das in den Naturwissenschaften nicht schade, weil die Fachkollegen einer Kompetenzüberschreitung Einhalt geböten, übe der Ökonom auch Einfluss auf Laien aus. Daher sei er fast dazu geneigt, einen Eid für Preisträger vorzuschlagen, ihre Kompetenz in öffentlichen Äußerungen nicht zu überschreiten.