Bad Bocklet ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der Kurort mit der eisenhaltigsten Quelle Deutschlands, der Balthasar-Neumann-Quelle,Balthasar-Neumann-Quelle auf badbocklet.de ist eines der fünf Bayerischen Staatsbäder.

Geografie Geografische Lage Der Ort liegt in einer Schleife der Fränkischen Saale etwa zehn Kilometer nördlich der Kreisstadt Bad Kissingen. Im Norden grenzt die Gemeinde an den Landkreis Rhön-Grabfeld. Durch Bad Bocklet führt der Fränkische Marienweg.

Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Aschach, Bad Bocklet, Großenbrach, Hohn, Klauswald-Nord, Klauswald-Süd (Gemarkungsteil 2), Nickersfelden, Roth a.d.Saale und Steinach. Die Gemarkung Bad Bocklet hat eine Fläche von 5,580 km². Sie ist in 2007 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2780,43 m² haben.

Name Etymologie Dem Namen Bocklet liegt mundartlich bogl für „Buckel“ zugrunde, das durch das Kollektivsuffix -at abgeleitet wurde. Der Ortsname geht also auf eine Erhebung im Gelände zurück.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1122 „Bockelat“ 1296 „Boklat“ 1315 „Boclat“ 1317 „Bogkalat“ 1318 „Boglat“ 1322 „Bockelat“ 1340 „Bokkelot“ 1366 „Bocklat“ 1503 „Bocklet“ 1593 „Bocklich“ 1799 „Bocklet“ 1937 „Bad Bocklet“

Geschichte Anfänge Bocklet wurde erstmals im Jahr 1122 in einer Stiftungsurkunde des Klosters Aura erwähnt.

Aufstieg zum Kurort im 18. Jahrhundert mini|Brunnenbau (Vorderansicht) Die Balthasar-Neumann-Quelle wurde 1720 oder 1724 vom Aschacher Ortspfarrer Johann Georg Schöppner entdeckt.Marion Dubler, Alexandra Schmölder: Ein schöner Seelengenuss. Der Kurpark in Bad Bocklet. Eigenverlag, Bamberg 2017, ISBN 978-3-00-055938-9, S. 7 (PDF). Sie ist Deutschlands stärkste Eisenquelle und wurde deswegen früher auch Stahlquelle genannt. Das Heilwasser enthält außer dem starken Eisenanteil und dem großen Teil weiterer Mineralien ungewöhnlich viel gelöste Kohlensäure. Diese bewirkt bei Trink- und Badekuren eine schnelle Wirkung der Mineralien und der elektrochemischen Reaktionen. Die Stahlbäder haben neben der belebenden und stärkenden Wirkung auch einen deutlichen Prickeleffekt.

Der Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten ließ die Quelle erstmals 1725 durch seinen Hofarchitekten und Ingenieur Balthasar Neumann, der auch gelernter Brunnenbauer war, fassen. Dieser entdeckte dabei uralte Eichenbalken und Waffenteile, die auf eine viel ältere Quellfassung hindeuteten.

Im Jahr 1754 ließ Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads ein hölzernes Badehaus errichten.Marion Dubler, Alexandra Schmölder: Ein schöner Seelengenuss. Der Kurpark in Bad Bocklet. Eigenverlag, Bamberg 2017, S. 10.

In der Regierungszeit von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1755‑1779) etablierte sich der Ruf Bocklets als Kurort. Im Jahr 1766 wurde der sogenannte Fürstenbau und der Altenbau gebaut. Die Quelle selbst wurde in einem 14 Stufen tiefen Becken gefasst und mit einer „hölzernen Kufe“ ausgestattet, welche mit „einem marmornen Kranze gezieret“ war.

Im Jahr 1785 wurde die Quelle in drei Stränge geteilt. Benannt wurden die Stränge zu Ehren des regierenden Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal als „Ludwigsquelle“ und, nach den beiden Vorgängern Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads und Adam Friedrich von Seinsheim, als „Karls‑“ und als „Friedrichsquelle“.

An der Stelle des alten Badehauses wurde im Jahr 1787 durch Johann Philipp Geigel der Brunnentempel errichtet. Mit der Errichtung des Saalbaus und des Badbaus erhielt der Brunnentempel zwei zusätzliche Flügel.Marion Dubler, Alexandra Schmölder: Ein schöner Seelengenuss. Der Kurpark in Bad Bocklet. Eigenverlag, Bamberg 2017, S. 10–11.

Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach (reg. 1795‑1802) erweiterte den Gebäudekomplex der Kuranlage um den Bau eines klassizistisch ausgestatteten Speisesaals, der sich östlich an den Fürstenbau anschloss und der bis heute eine Besonderheit unter den Kurgebäuden darstellt.Marion Dubler, Alexandra Schmölder: Ein schöner Seelengenuss. Der Kurpark in Bad Bocklet. Eigenverlag, Bamberg 2017, S. 11.

Bayerisches Königreich Als Teil des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde Bocklet 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert und im Frieden von Preßburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit dem es 1814 endgültig an das Königreich Bayern fiel, das bis 1918 bestand.

Erhebung zum Bad 1937 mini|Die Verleihung des Titels Bad, Urkunde vom 12. November 1937 Nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus verfügte Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp am 12. November 1937Ausstellungsdatum der offiziellen Urkunde im Besitz der Gemeindeverwaltung Bad Bocklet. die Erhebung des Kurortes Bocklet zum „Bad“, was durch den offiziellen Erlass des Ministeriums des Innern (IME) Nr. 3008b 190 nachträglich am 29. November 1937 amtlich bestätigt wurde.Geologica Bavarica, Bände 62–63, Bayerisches Geologisches Landesamt, 1970, S. 37 f.

Gebietsreform 1972 Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Bad Bocklet, Aschach und Großenbrach zur neuen Gemeinde Bocklet zusammengeschlossen. Am 16. Februar 1972 erhielt diese neue Gemeinde den Namenszusatz Bad. Am 1. Mai 1978 folgte der Markt Steinach an der Saale mit den Gemeindeteilen Steinach an der Saale, Hohn, Roth an der Saale und Nickersfelden.

Einwohnerentwicklung seit 1988 Im Zeitraum von 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3811 auf 4580 um 769 Einwohner bzw. um 20,2 %. Im Jahre 2000 hatte der Markt 4649 Einwohner.BayLfStat

Weiteres Patenschaften Am 18. Juli 2008 übernahm Bad Bocklet offiziell die Patenschaft für das Offizieranwärterbataillon in Hammelburg.

Bedeutende Besucher mini|Gipsabdruck des Epitaphs für Auguste Böhmer (Lesesaal des Brunnenbaus, Bad Bocklet) Ein kleines Drama spielte sich in Bocklet 1800 ab. Der damals berühmteste deutsche Arzt, Christoph Wilhelm Hufeland, empfahl Caroline Schlegel, einer emanzipierten und gebildeten Frau, deren Salon Treffpunkt des Jenaer Romantikerkreises war, aufgrund ihrer ernsten fiebrigen Erkrankung (vermutet wird Typhus) eine Kur mit dem heilenden und stärkenden Stahlwasser Bocklets. Über Bamberg, wo ihr Geliebter Friedrich Wilhelm von Schelling sich über neuartige Naturheilverfahren weiterbildete, reiste sie mit ihrer 15-jährigen Tochter Auguste Böhmer, die nicht nur Goethe talentiert und liebreizend fand, nach Bocklet. Auguste half bei der Pflege ihrer Mutter, erkrankte aber selbst. Ihre Mutter genas schnell, während Auguste starb und in Bocklet begraben wurde. Da sich Schelling mit seinen damals ungewöhnlichen Heilmethoden federführend in die Behandlung beider eingemischt hatte, handelte er sich die massive Missbilligung vor allem von Dorothea Veit-Schelling, geborener Mendelsohn ein. Differente Parteinahme der Jenaer und Schuldgefühle Carolines, die noch mit August Wilhelm Schlegel verheiratet war, wegen ihres Liebesverhältnisses mit Schelling und Augustes Tod als die empfundene Bestrafung dafür ließen einen Streit entstehen, der im Jenaer Romantikerkreis eskalierte und ihn zerbrechen ließ. Für Auguste Böhmer entwarf Friedrich von Gärtner ein Grabmal, das Bertel Thorvaldsen in Rom aus weißem Marmor anfertigte. Es wurde vermutet, dass Goethe der leibliche Vater Augustes gewesen sein könnte, es gab jedoch dafür keinen Beweis. Da es wegen des Streits und wohl auch aus finanziellen Gründen nie nach Bocklet gelangte, ist es heute im Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen ausgestellt. Nach Bocklet kam nur ein Gipsabdruck dieses künstlerisch bemerkenswerten und feinfühligen Epitaphs, der heute im Lesesaal des Brunnenbaus präsentiert wird.

Im späteren Bayerischen Staatsbad Bocklet kurten auch bedeutende Persönlichkeiten wie die bayerische Kronprinzessin Marie 1844 und nochmals als Königin 1852. Auch internationale Politiker, Adel und Geldadel stärkten sich durch die erholsame Ruhe im sehenswerten Kurgarten und das Heilwasser der Stahlquelle, u. a. der russische Staatskanzler von Nesselrode, Prinzessinnen und europäische Diplomaten sowie russische Militärs.

Die Schlossherren im Gemeindeteil Aschach, die Grafen von Luxburg, empfingen häufig bekannte Gäste wie Bismarck, die spätere Kaiserin Auguste Victoria und viele andere Persönlichkeiten.

Viele adelige Damen kamen wegen Unterleibsproblemen ins Bockleter Bubenbad zur Kur, darunter Marie von Bayern, die nach ihrer Kur mit Moor- und Mutterlaugenbädern endlich den ersehnten Thronfolger gebar, den späteren König Ludwig II.

Nicht allen hoffnungsvollen hochadeligen Kurgästen, wie zuletzt Soraya von Persien 1956, konnte allerdings wegen ihrer ernsteren Symptome geholfen werden.

Heute werden eine Auswahl der historischen Kurgäste von der Gruppe Rondo Historica dargestellt.

Politik Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 16 Mitglieder zuzüglich des hauptamtlichen Bürgermeisters. Bei den vergangenen Kommunalwahlen ergaben sich folgende Sitzverteilungen:Marktgemeinderatswahl 2020, abgerufen am 21. Juni 2020 CSU ULB FCW Grüne SPD/UB Gesamt2026914216 Sitze 2020 8 - 4 3 1 16 Sitze 2014 8 1 7 - - 16 Sitze

Bürgermeister Seit 13. Mai 2017 ist Andreas Sandwall (CSU) der Nachfolger von Wolfgang Back (CSU) als Erster Bürgermeister; dieser wurde mit 93,6 % der Stimmen gewählt.

Ehrenbürger (Auswahl) 2009: Badearzt Wolfgang Trümbach 2017: Altbürgermeister Helmut Schuck 2017: Georg Christoph 1966: Pfarrer Anton Uhl 1966: Heinrich Schmitt

Wappenbeschreibung

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler

Bauwerke Bad Bocklet Kuranlagen der ehemaligen Fürstbischöfe von Würzburg, die aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen, darunter der Brunnenbau Römisch-katholische Pfarrkirche St. Mauritius Römisch-katholische Pfarrkirche St. Laurentius Evangelische Johanneskirche Bad Bocklet Steinach Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Katharina mit Echter-Turm und dem Kruzifix von Tilman Riemenschneider Burg Steinach (Altes Schloss) Neues Schloss Bergkapelle Jüdischer Friedhof Gedenktafel an der Volksschule zur Erinnerung an die Synagoge des Ortes

Aschach Schloss Aschach Altes Saaleschwimmbad

Hohn Alte Fachwerkhäuser

Roth Ruppels Mühle

Museen Museen Schloss Aschach Graf-Luxburg-Museum Schulmuseum Volkskundemuseum

Parks Kurpark (14 ha) und Kurgarten (3 ha) Bad Bocklet Naturlehrpfad Aschach (2,3 km Rundwanderweg)

Sport Minigolfanlage Wander- und Radwege entlang der Saale Trimm-Dich-Pfad am Rande von Bad Bocklet Tennisplätze Nordic Walking: Bad Bocklet ist DSV Nordic Walking Zentrum mit drei vom Deutschen Skiverband zertifizierten Strecken mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad

Regelmäßige Veranstaltungen Regelmäßig im Mai finden die Quellentage statt. Eine Veranstaltungsreihe von sieben bis neun Tagen mit Unterhaltung, Musik, Vorträgen, Kurgartenbeleuchtung und vielem mehr. Den Abschluss bildet in der Regel ein großes Feuerwerk. Die 3-tägige Gartenparty mit Kurgartenbeleuchtung findet Ende August statt. Von April bis Oktober besteht die einzige in Deutschland noch in Betrieb befindliche Postkutschenlinie Bad Kissingen–Bad Bocklet.

Literatur (chronologisch geordnet) Johann Spindler: Bocklet und seine Heilquellen. Franz Ernst Nitribitt, Würzburg 1818 (Digitalisat in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). C. J. Haus: Bocklet und seine Heilquellen für Ärzte und Nichtärzte beschrieben. Gedruckt bei Franz Bauer, Würzburg 1831 (Digitalisat im Internet Archive). Bocklet. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 2. Verlagsbuchhandlung von Heinrich August Pierer, Altenburg 1857, S. 941.