Leder ist durch Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut, deren natürliche Faserstruktur dabei erhalten bleibt. Es wird zwischen den Begriffen Leder und Pelz (Pelzfell) unterschieden. Leder wird aus der Lederhaut (anderer Name Dermis) genannten Hautschicht gewonnen. Sie besteht aus der äußeren Papillarschicht und der darunter liegenden Retikularschicht, die für die mechanische Festigkeit sorgt. Die Papillarschicht mit ihrer sehr feinen Faserstruktur ergibt am fertigen Leder die Narbenseite oder kurz „den Narben“. Die grobfasrige Retikularschicht wird als Aas- oder Fleischseite bezeichnet, aus der das Spaltleder gewonnen wird.
Die Haut von größeren Tieren wie Rind, Ross, Büffel, Esel und die vom Schwein wird im rohen ungegerbten Zustand ebenso als Leder wie als Haut bezeichnet. Die Haut von kleineren Tieren wie Kalb, Ziege, Schaf wird Fell genannt. Sind nach der Gerbung die haarbildende Oberhaut oder Epidermis und Haare noch erhalten, handelt es sich bei dem Produkt um Pelz oder Pelzfell. Nach dem Enthäuten liegen die Häute und Felle meist flach vor. Bei kleinen Tieren, vor allem bei Pelzfellen, wird die Haut häufig schlauchförmig abgezogen.
Abzugrenzen ist Leder von dem Begriff Pergament, denn bei Pergament handelt es sich zwar ebenfalls um Tierhaut, diese wird im Unterschied zum Leder jedoch nicht gegerbt, sondern lediglich spanngetrocknet.
mini|hochkant|Leder, Werkzeuge und Erzeugnisse der Lederverarbeitung mini|hochkant=0.3|Piktogramm für Leder
Allgemein Die Oberhaut und die Unterhaut machen etwa 15 % der Gesamtdicke der Rohhaut aus. Für die Lederverarbeitung ist nur die Lederhaut (Dermis) von Bedeutung, bestehend aus der Papillarschicht und der Retikularschicht. Die Epidermis mit ihren Epithelzellen und denen daraus gebildeten Haaren, Schuppen, Talg- und Schweißdrüsen wird, wie auch die Unterhaut mit Bindegewebe, Muskeln (Fleisch) und Fett bei der Ledergewinnung abgetragen.K. Günter Rordorf: Kleine Leder- und Pelzkunde, Leder- und Pelzreinigung. Bussesche Verlagshandlung, Herford, 2., erweiterte Auflage 1963, S. 7–8.
Eigenschaften mini|Ledergürtel mit Dornschnalle aus Metall
Leder ist ein geschmeidiges, zähes, eher festes, haltbares und vielseitig einsetzbares Material. Es ist begrenzt wasserdicht, dennoch ist es durchlässig für Luft und Wasserdampf, da es hygroskopisch ist.
Für die technische Beschreibung und Qualitätsbeurteilung von Leder sind die Dichte (spezifisches Gewicht), die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit, die Bruchfestigkeit des Narbens (siehe Flexometer), die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, die Lichtbeständigkeit und die Schrumpfung entscheidend. Neben diesen physikalischen Werten werden chemische Werte wie Fettgehalt, Schrumpfungstemperatur im nassen Zustand, Gerbstoffgehalt, Waschbarkeit und Säuregehalt beurteilt.
Schwer oder gar nicht messbar sind Eigenschaften wie Weichheit, Struktur und Griff und die Optik. In der Praxis sind diese Eigenschaften für eine Entscheidung, ob und welches Leder verwendet wird, oft ebenso wichtig wie die technischen Parameter.
Arten von Leder mini|Schulranzen aus Rindsleder und Rindsfell
Leder wird aus den Häuten sehr unterschiedlicher Tierarten hergestellt. Die Einteilung in Lederarten erfolgt meist nach der Tierart, aber auch nach dem Verwendungszweck. Die nach der Tierart benannten Leder können durch ihr charakteristisches Narbenbild unterschieden werden.
Nappaleder Echtes Nappaleder ist ein weiches, chromgegerbtes Glattleder mit natürlichem Narbenbild aus ungespaltenen Schaf-, Lamm-, Ziegenfellen sowie aus Großviehhäuten mit glatter Oberfläche. Je nach Gerbung und für Bekleidung wird es bevorzugt durchgefärbt. Durch besondere Verfahren in der Zurichtung wird die natürliche Narbenseite herausgearbeitet, poliert oder in den Qualitäten matt, seidig oder stark glänzend hergestellt. Das unterscheidet echtes Nappa von Nappalan, bei dem die Oberfläche mit Kunstharz beschichtet wird.Sonja Langer-Korsch: Lederbekleidung im Verkauf. Nachschlagewerk für Lederbekleidung. Verband der Deutschen Lederbekleidungsindustrie, München 1981, S. 75.Josephine Barbe: Leder – Geschichte, Techniken, Projekte. Bern 2007, S. 42. Nappaleder wird als Sammelbegriff für besonders geschmeidiges Glattleder verwendet.
Leder vom Rind Eine große Reihe verschiedener Lederarbeiten wird aus Leder vom Rind hergestellt. Nappaleder und Ecraséleder werden unter anderem aus dem Leder von Kälbern hergestellt. Andere Lederarten werden aus Rindsleder hergestellt.
Boxcalf Aus Boxcalf, dem vom Kalb gewonnenen Leder, wird der größte Teil der hochwertigen Herrenschuhe gefertigt, außerdem Taschen und andere Lederwaren mit zartem, fest anliegenden Narben.Josephine Barbe: Leder – Geschichte, Techniken, Projekte, Bern 2007, S. 40. Es wird nach Alter und Größe des Tieres in Babycalf, Boxcalf und Mastbox eingeteilt.Karlheinz Fuchs, Manuel Fuchs, Leo Derichs: Faszination Leder: Alltägliches und Exotisches unter der Lupe, Frankfurt 2008, S. 182. Boxcalfleder fühlt sich schmiegsam an und ist dabei trotzdem straff und sehr reißfest. Die Rechtsseite hat eine feine Narbenmaserung. Färsenleder Nach einer Definition aus dem Jahre 1900 ist es das Leder von einem unausgewachsenen Rind (Färse). Es ist eine Stufe zwischen Kalbs- und Rindleder. Goldchrom Goldchrom ist ein aus Häuten junger Rinder hergestelltes chromgegerbtes Leder, das gelb gefärbt wird. Es wird vorwiegend zu Sportbällen verarbeitet. Mastbox Mastboxleder ist ein Boxcalfleder aus den Häuten von Mastkälbern. Es dient der Schuhherstellung. Rindbox Rindbox aus Rinderhäuten ist das Ausgangsmaterial für festeres Gebrauchsschuhwerk, da es eine massive Struktur aufweist und dabei trotzdem biegsam bleibt. In Gerbart und Zurichtung entspricht es dem Boxcalf, unterscheidet sich jedoch deutlich in der Faserdicke in seiner Fläche. Vachetteleder Vachetteleder oder Vachetten wurde für Koffer und Handtaschen verwendet, bekannt wurde es durch Louis Vuitton. Das Leder dunkelt und verändert sich bei Berührung mit Wasser und anderen Flüssigkeiten. Es wird aus großflächigen, vor der Gerbung gespaltenen Rinderhäuten hergestellt. Man unterscheidet zwischen stark gefetteten und geschwärzten Schmiervachetten, Koffer- und Taschenvachetten sowie Lack- und Autovachetten.
Ziegenleder mini|Oberfläche von Ziegenleder
Das typische Narbenbild ist gekennzeichnet durch die halbmondförmige Anordnung der Deckhaarlöcher, die kettenförmig über die ganze Oberfläche verteilt sind.K. Fuchs, M. Fuchs, L. Derichs: Faszination Leder – Alltägliches und Exotisches unter der Lupe. 2008, S. 31. Wie vom Kalb werden auch aus dem Leder junger Ziegen Nappaleder und Ecraséleder (Kapziege) hergestellt. Hinzu kommen Lederarten, die nur aus Ziegen- oder Zickleinleder produziert werden:
mini|Umhängetasche aus Ziegenleder
Chevreau Cheverau ist ein chromgegerbtes und durchgefärbtes, extrem feines Oberleder. Die Oberfläche ist glatt, weich, geschmeidig und weist eine charakteristische Faltenbildung auf. Die hochwertigsten stammen von jungen Ziegen (franz. chevreau = Zicklein). Felle älterer Tiere weisen stärkere und gröbere Narben auf. Ursprünglich wurde mit dem Begriff Chevreauleder ein feines Glacéleder französischer Herkunft bezeichnet. Unter Chevreau wird heute ein Ziegenleder verstanden, das im Chromzweibad oder kombiniert gegerbt ist. Es wird häufig für Schuhe und Taschen verwendet. Maroquin Maroquin oder Marokkoleder ist ein geschwärztes Saffianleder mit feinen Narben. In der Buchbinderei bezeichnet Maroquin dagegen ein sumachgegerbtes, sehr haltbares Ziegenleder aus den Häuten der afrikanischen Kapziege, in der Struktur grobnarbig und besonders kräftig. Saffianleder Echtes Saffianleder wird aus den Fellen ostindischer Ziegen hergestellt und mit Sumach gegerbt. Ein Erkennungsmerkmal ist das typische „Knirschen“. Die Bezeichnung wird von der Stadt Safi in Marokko hergeleitet. Saffian wird wegen seines festen, zähen und sehr haltbaren Materials zum Beispiel für Bucheinbände benutzt.Josephine Barbe: Leder Geschichte, Techniken, Projekte, Bern 2007, S. 44. Gasometerleder Gasometerleder ist ein beidseitig geschliffenes, weiches Verlours-Ziegenleder, das sehr gut zur Flächenabdichtung geeignet ist – unter anderem für die namengebenden Gasbehälter. Dicht gelocht wird es auch als Schuhfutter verwendet.
Schafleder Chevretten Eine Imitation des Chevreauleders durch Schafleder, hierbei fehlt die klassische Haarlochanordnung des Ziegenleders. Mouton eine Imitation des Saffianleders der Ziege durch Schafleder Skiver Skivers sind sehr dünne Narbenspalte von Schafleder. Sie fallen teilweise bei der Produktion von Schaf- oder Lammvelours an und bestehen oft nur aus der Papillarschicht. Dadurch haben sie meist sehr schlechte mechanische Eigenschaften und werden bei der Verarbeitung auf Trägermaterialien aufkaschiert. Verwendet werden sie als Futterleder für Kleinlederwaren. Waschleder Waschleder ist meist ein Lammleder, das sehr dünn ausgeschliffen wird. Es ist fast ohne Qualitätsverlust waschbar und behält bei immer wiederkehrendem Nasswerden und Auftrocknen seine Weichheit.
Gämsenleder Chamoisleder ist ein fettgegerbtes Gämsenleder mit gutem Saugvermögen.
Schweinsleder Porc Das Leder vom Schwein hat nicht die Qualität wie von Pferd, Ziege oder Rind. Es wird oft für Straßenschuhe des niedrigen Preissegments verwendet. Allerdings ist Porcleder durchaus strapazierfähig und formbeständig, was es für die Verarbeitung in gebrauchsfestem Schuhwerk durchaus geeignet macht. Das Leder ist an seinem charakteristischen, durch die Papillen bedingten Narbenbild zu erkennen. Peccary Pekari ist eine südamerikanische Wildschweinart, die in den tropischen Regenwäldern Amazoniens vorkommt und das hochwertige Peccaryleder liefert. Weichheit, Zähigkeit und samtartiger Griff zeichnen das seltene Leder aus. Die Häute der im Regenwald erlegten Pekari werden gesammelt, trockenkonserviert und von Händlern in die Gerbereien gebracht. Zur Bestandserhaltung der Tiere werden regelmäßige Zählungen durchgeführt, darauf aufbauend wird der Handel kontrolliert. Das sehr teure Leder wird vorwiegend für hochwertige Handschuhe (Autohandschuhe), aber auch für leichte Schuhe, Kleinlederwaren oder Luxusbekleidung eingesetzt. Peccary-Lederwaren haben eine gute Haltbarkeit, wird das Leder nass, kann es jedoch dunkle Flecken ausbilden.
Pferdeleder, Cordovan
Cordovan bezeichnet die Hinterpartie von Rosshäuten, die die sogenannten Shells oder butts (Kruppen) enthält. Der Name leitet sich von der spanischen Stadt Córdoba ab, in der man einst auf die Herstellung von Ziegenleder unter dem gleichen Namen spezialisiert war. Seine Lederstärke liegt zwischen 1,6 und 1,8 Millimetern, steht jedoch der Geschmeidigkeit von Boxcalfleder nicht nach. Cordovan ist wegen seiner geringen Verfügbarkeit im oberen Lederpreissegment anzufinden. Zum einen geht das Angebot an Rohware stetig zurück, und zum anderen ist das von der Hinterpartie eines Pferdes gewonnene Leder recht klein.
Känguruleder mini|Hut aus Känguruleder
Als Nebenprodukt der wirtschaftlichen Nutzung von Kängurufleisch wird auch das Leder des Kängurus verarbeitet. Känguruleder ist leichter und dehnbarer als Ziegen- oder Rindsleder, bekommt aber schneller Falten und dunkelt eher nach. Es findet unter anderem für Hüte, Taschen, Schuhe, Gürtel, Peitschen, Motorrad-Schutzkleidung und Kleinlederwaren Verwendung. Große Sportartikelhersteller, wie Adidas, vermarkten Produkte aus Känguruleder (wie den bekannten Fußballschuh Copa Mundial) meist unter der Bezeichnung „K-Leder“.The Pros and Cons of Kangaroo Leather (engl.) Stride Wise, aufgerufen am 18. Februar 2022