mini|Außenansicht der Stiftskirche zur Alten Kapelle von Norden mini|Innenraum Die römisch-katholische Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle (kurz: Stiftskirche zur Alten Kapelle oder Alte Kapelle) am Alten Kornmarkt in Regensburg ist die Hauptkirche des Kollegiatstifts Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle, des ältesten noch bestehenden Kollegiatstifts in Bayern, und die älteste Kirche Regensburgs. Kunstgeschichtlich gesehen gilt sie als eine der bedeutendsten Rokokokirchen Bayerns. Legenden zufolge soll sie außerdem die älteste Kirche und damit die Mutterkirche Bayerns sein, von der die Christianisierung des Landes ausging, und an der Stelle eines römischen Juno-Tempels stehen. Die heutige Bausubstanz geht im Kern auf die ottonische Zeit zurück, als das Kollegiatstift im Jahr 1002 von Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde gegründet wurde. Der überhöhte Chor entstand dagegen erst Mitte des 15. Jahrhunderts und ist im spätgotischen Stil ausgeführt. Im Innenraum dominiert nach einer durchgreifenden Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Rokokostil.

Geschichte Legendäre Vorgeschichte der Alten Kapelle Legenden zufolge soll die Stiftskirche auf eine Pfalzkapelle der seit dem 6. Jahrhundert in Regensburg residierenden Agilolfinger zurückgehen. Diese soll wiederum an der Stelle eines römischen Juno-Tempels errichtet worden sein, den angeblich Bischof Rupert von Salzburg in ein Marienheiligtum umgewandelt hat. Diese Keimzelle der Alten Kapelle, im Spätmittelalter von einem Chronisten als chlain Altenchapelle zu Altenchapelle bezeichnet, soll der Überlieferung nach die heutige Marienvermähl-Kapelle in der Nordwestecke des heutigen Baus sein. Dort soll, so die Legende weiter, der Agilolfingerherzog Theodo II. von Rupert getauft worden sein. Außerdem soll von hier aus die Christianisierung Bayerns ihren Lauf genommen haben. Dies veranlasste den besagten spätmittelalterlichen Chronisten zu der Aussage, dass die Alte Kapelle ein anvankch ist aller gotz häuser in Bayrn. All das ist aber weder urkundlich noch baugeschichtlich nachweisbar, sondern muss nach heutigem Kenntnisstand der mündlichen Tradition und der Legende zugeschrieben werden.Betz, Gieß; S. 2–6.

Gründung durch König Ludwig dem Deutschen und Verfall Zum ersten Mal trat die Alte Kapelle im Jahr 875 aus dem Dunkel der Geschichte. König Ludwig der Deutsche, der von 826 bis 876 von Regensburg aus regierte, bezeichnete sich damals in einer Schenkungsurkunde als Erbauer der Kirche zu Ehren Mariens und als Errichter eines Kollegiatstifts. Für den Bau der Kirche, bereits damals als dreischiffige Basilika angelegt, seien Steine der römischen Stadtmauer von Castra Regina verwendet worden. Wegen deren Bedeutung als Stadtbefestigung wird heute davon ausgegangen, dass Teile anderer römischer Ruinen neue Verwendung fanden. Dazu zählen auch Inschriftensteine römischer Gräber. Auf weitere römische Quader stieß man bei Renovierungsarbeiten der Nachkriegszeit und 1997. Sie sind heute teilweise an der westlichen Außenwand noch sichtbar. Ob bereits früher an dieser Stelle eine Kirche existierte, geht aus der Schenkungsurkunde jedoch nicht hervor. Die Angaben lassen eher darauf schließen, dass Ludwig die Königspfalz, die sich zuvor im Bereich des späteren Niedermünsterstifts (also in der Nordostecke des römischen Legionslagers) befand, erst zu dieser Zeit an den Alten Kornmarkt verlegen ließ.

Die von König Ludwig erbaute Kirche könnte der Nachfolgebau einer noch älteren, in das sechste Jahrhundert zurückreichenden Kirche sein. Die Kirche und das angegliederte Stift bildeten das geistliche Zentrum des Königshofes.Peter Schmid: Regensburg – Stadt der Kaiser, Könige und Herzöge. Die Alte Kapelle als Pfalzkapelle. In: Klaus Unterburger, Karl Hausberger (Hrsg.): Domspatzen, Bischofshof und Heiligengräber. Zwei Jahrtausende Christentum in Regensburg. Regensburg 2014, S. 58–73, hier S. 64.

Da Arnulf, der Nachfolger Ludwigs, die Königspfalz im Jahr 887 in unmittelbare Nähe des Klosters St. Emmeram verlegte, löste sich das Kollegiatstift schnell wieder auf und der Baukomplex wurde sich selbst überlassen. Im Jahr 967 ist in einer Urkunde erstmals die Rede von der antiqua capella (lat. „Alte Kapelle“), da der Kirchenbau zur damaligen Zeit zusehends verfiel.

Wiedergründung durch König Heinrich II. Im Jahr 1002 gründete der später heiliggesprochene römisch-deutsche König Heinrich II. kurz nach seinem Regierungsantritt das Kollegiatstift erneut und ließ in den Jahren 1002 bis 1004 die Alte Kapelle unter Beibehaltung des bestehenden Grundrisses grundlegend umbauen. Die Bezeichnung matrem ecclesiam (lat. „Mutterkirche“), die sich in der Gründungsurkunde findet, lässt auf die Bedeutung schließen, die Heinrich seiner Pfalzkapelle beimaß. Im Jahr 1009 übereignete er Kollegiatstift und Kirche dem von ihm neu gegründeten Bistum Bamberg, bei dem das Stift bis zur Säkularisation verblieb. Stiftspropst der Alten Kapelle war bis auf wenige Ausnahmen stets ein Bamberger Domherr, während sich das Stiftskapitel in Regensburg unter der Leitung eines Dekans weitgehend selbstständig verwaltete.

Umbauten vom 12. bis zum 17. Jahrhundert Bei den Regensburger Stadtbränden in den Jahren 1152 und 1176, denen der karolingische Dom zum Opfer fiel, wurde auch die Stiftskirche beschädigt. Wahrscheinlich beim Wiederaufbau nach einem der Brände wurde das inzwischen überflüssig gewordene Westwerk abgebrochen. Von diesem stammt auch der südliche, heute freistehende Turm, der im 12. und 13. Jahrhundert insgesamt dreimal aufgestockt wurde. Außerdem entstanden im hohen und späten Mittelalter mehrere Kapellenanbauten rund um den basilikalen Bau. Außerdem lag zu dieser Zeit im Südosten der Kirche ein Beinhaus, ein sogenannter Karner, dessen Untergeschoss sich unter der heutigen Sakristei erhalten hat und bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1993 entdeckt wurde.

Zwischen 1441 und 1452 ersetzte der Baumeister Hans Engel die zu klein und baufällig gewordene Apsis sowie den Karner durch einen gegenüber Lang- und Querhaus deutlich überhöhten, spätgotischen Chor, der nunmehr nahezu die Abmessungen des Langhausmittelschiffs besitzt. Sowohl dieser gotische Hochchor wie auch das Langhaus der ottonischen Basilika sind noch heute in der Außenansicht deutlich erkennbar. Von der reichen Barockausstattung aus dem 17. Jahrhundert, die unter anderem eine Kassettendecke und zahlreiche, reich verzierte Altäre umfasste, ist bis auf wenige Einzelstücke und die Stuckaturen in der Gnadenkapelle dagegen nichts mehr erhalten.

Rokoko-Überformung im 18. Jahrhundert Der heutige Eindruck der Stiftskirche wird stark von der Rokoko-Überformung des 18. Jahrhunderts geprägt. Unter dem tatkräftigen Stiftsdekan Johann Michael Franz Velhorn (Amtszeit 1746–1782) erfolgte ab 1747 die Umgestaltung zur bedeutendsten Rokokokirche Bayerns nach der Wieskirche. In Lang- und Querhaus wurden Schalgewölbe aus Holz eingezogen. Die im Außenputz teilweise noch erkennbaren mittelalterlichen Fenster wurden durch zeittypische Bassgeigenfenster ersetzt. Zwischen 1750 und 1752 entstanden die aufwändigen Stuckaturen in Lang- und Querhaus durch den Wessobrunner Meister Anton Landes, 1752/53 die zahlreichen Fresken durch den Augsburger Maler Christoph Thomas Scheffler. Dadurch war die Erneuerung von Lang- und Querhaus im Jahr 1754, also pünktlich zum 750. Jahrtag der Wiederherstellung der Kirche abgeschlossen. In den Jahren 1761 bis 1765 erfolgte dann auch eine durchgreifende Umgestaltung des Chorraums durch Anton Landes und den ebenfalls aus Augsburg stammenden Maler Gottfried Bernhard Göz. In der Folgezeit schuf der Regensburger Bildhauer Simon Sorg die Altäre, das Chorgestühl, die Oratorienbekrönungen und zahlreiche weitere Ausstattungsstücke. Mit der Errichtung der Barockorgel durch Andreas Weiß in den Jahren 1791 bis 1797 wurde die Umgestaltung der Kirche nach insgesamt 50 Jahren abgeschlossen.

Durch die Renovierung wollte das Kollegiatstift zur Alten Kapelle auch seine Eigenständigkeit dem mächtigen Domstift und dem Bischof zu demonstrieren. Bis heute ist der Spruch überliefert: „St. Peter (Dom) ist der Mächtige, die Kapelle die Prächtige“. Auch das Gnadenbild sollte den hohen Rang des Stiftkapitels unterstreichen. Bei den Restaurierungsmaßnahmen des 18. Jahrhunderts gingen allerdings fast alle mittelalterlichen Bauelemente verloren. Nur das romanische Südportal, durch das man – von der Gnadenkapelle her kommend – den Kirchenraum betritt, blieb erhalten.

Restaurierungsmaßnahmen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert Der einheitliche Gesamtraum im Stile des Rokoko blieb – abgesehen von kleineren Instandsetzungsmaßnahmen – bis Ende des 19. Jahrhunderts erhalten. In den Jahren 1886 bis 1888 sollte dann aber, dem Zeitgeschmack entsprechend, eine Umgestaltung des gesamten Innenraumes vollzogen werden, welche die mittelalterlichen Wurzeln der Kirche wieder stärker zur Geltung hätte bringen sollen. Aus finanziellen Gründen wurde es allerdings bei weniger gravierenden Maßnahmen belassen: Decke, Wände und Altäre übermalte man mit dunklen Ölfarben und auch die Fresken wurden durch Teilübermalung abgedunkelt.Betz, Gieß; S. 6–10.Ingrid Scheurmann: Bayerische Mutterkirche – Die „Alte Kapelle“ in Regensburg. Online auf www.monumente-online.de; abgerufen am 18. Februar 2017.

Erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Wertschätzung für die Kunstfertigkeit des Rokoko spürbar. Die Alte Kapelle sollte dementsprechend ihre einstige Pracht zurückerhalten. Danach wurde im Jahr 1936 eine neuerliche Innenrenovierung durchgeführt mit dem Ziel, die Maßnahmen von 1886/88 weitgehend ungeschehen zu machen. Die stumpfen Ölfarbenanstriche an Wänden, Altären und Fresken wurden beinahe vollständig abgebeizt. Allerdings wurden aufgrund der unsachgemäßen Arbeitsweise auch die darunterliegende Farbschicht des 18. Jahrhunderts weitgehend zerstört. Erhalten blieben lediglich Reste der Vergoldungen. Anschließend wurde die Kirche mit Kalkfarben neu ausgemalt, ohne sich jedoch allzu genau an die Vorlage der Rokokozeit zu halten. So entstand zwar das Abbild eines für das 18. Jahrhundert typischen Kirchenraumes, der aber nicht dem Originalzustand der Alten Kapelle entsprach.

Im Jahr 1944, also bei Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs, wurde das nördliche Querhaus der Stiftskirche durch einen Bombentreffer schwer beschädigt. 1964 erhob Papst Paul VI. die Alte Kapelle aufgrund ihrer langen, ununterbrochenen Tradition als Kollegiatstiftskirche und ihrer vermeintlichen Bedeutung als „Mutterkirche“ für die Christianisierung Bayerns zur „Basilica minor“.

Durch die nur notdürftig behobenen Kriegsschäden und ungünstige Witterungseinflüsse war 1990 eine neuerliche Sanierung dringend erforderlich. Bis 1992 erfolgte zunächst eine Außenrenovierung. Daran schloss sich eine ungleich schwierigere Innenrenovierung an, die erneut auf eine Wiederherstellung des Gesamteindrucks nach der Rokoko-Überformung im 18. Jahrhundert abzielte. Anhand der spärlichen Reste der Rokoko-Fassung und mit großem Sachverstand konnte dieses Vorhaben bis zur Tausendjahrfeier des Kollegiatstift im Jahr 2002 weitgehend abgeschlossen werden. Restarbeiten erfolgten im Jahr 2003.

Drei Jahre später erhielt die Alte Kapelle eine neue Orgel, die von der Schweizer Firma Mathis Orgelbau aus Näfels. Das neue Werk, das sich an der barocken Disposition von Andreas Weiß orientiert, wurde in das klassizistische Gehäuse von 1797 eingefügt. Am 13. September 2006 erfolgte die Orgelweihe durch Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Pastoralbesuchs in der bayerischen Heimat. Daher wird die Orgel heute als Papst-Benedikt-Orgel bezeichnet.. Online auf www.inregensburg.de; abgerufen am 18. Februar 2017.

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