|} Die Bahnstrecke Lambach–Haag am Hausruck, auch Haager Lies genannt, ist eine stillgelegte Lokalbahn in Österreich. Die 21,875 KilometerBei Betriebsbeginn: 26,293 km. — Siehe: lange normalspurige Stichbahn zweigte nahe der Haltestelle Neukirchen bei Lambach von der Westbahn ab und verlief bis Haag am Hausruck in Oberösterreich. Die meisten Züge fuhren über die Westbahn durchgehend von und nach Lambach, wo auch die Kilometrierung ihren Ausgangspunkt hatte. Einige Züge verkehrten über Lambach hinaus bis Wels.

Die Strecke nach Haag wurde am 23. Juli 1901 eröffnet. Sie befand sich zuletzt vollständig im Eigentum der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), welche die Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft mit der Betriebsführung beauftragt hatte. Die Bahn war mit 750 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Da die Westbahn mit 15 Kilovolt Wechselstrom elektrifiziert ist, mussten Zweisystemfahrzeuge eingesetzt werden. Am 13. Dezember 2009 wurde der Gesamtverkehr auf der Strecke eingestellt und durch Buslinien ersetzt. Mittlerweile wurden die Bahnanlagen abgetragen, auf der Trasse wurde ein Geh- und Radweg errichtet.

Geschichte links|mini|hochkant|Schuldverschreibung über 2000 Kronen der Localbahn Lambach–Haag vom 1. Februar 1901 mini|Triebwagen im Bahnhof Haag am Hausruck (1977); das Bahnhofsgebäude wurde 1991 abgerissen mini|Der Quecksilber­dampf­gleichrichter­wagen wird in Lambach beigestellt (Mai 1988) mini|hochkant|Führerstand des ET 25 102 (Mai 1988) mini|Werkstatt und Remise Haag am Hausruck mini|Bahnhof Haag am Hausruck (Mai 1988)

Im Oktober 1898 war das Projekt Lambach–Haag in der vom Eisenbahnminister im Abgeordnetenhaus eingebrachten Localbahn-Vorlage eine von 23 in allen Teilen des Reichs zu errichteten Bahnen niederer Ordnung. Bereits im März 1897 hatte der Landtag Oberösterreichs seinen Finanzbeitrag zum Bau der Lokalbahn beschlossen.

Die Konzession für die Strecke wurde am 5. April 1899 erteilt,Concessionsurkunde vom 5. April 1899 für die Localbahn von Lambach nach Haag, . die Aktiengesellschaft Localbahn Lambach–Haag wurde 1901 gegründet. Mit der Betriebsführung auf dieser Strecke wurden ursprünglich die k.k. österreichische Staatsbahnen beauftragt, die Dampflokomotiven auf der Strecke einsetzte. Von Anfang an war eine Verlängerung nach Ried im Innkreis geplant, diese wurde jedoch nie realisiert. Mit 1. Jänner 1930 wurde die Aktiengesellschaft liquidiert,Dieter Geerkens: Wertpapiere Österreichischer Eisenbahnen, Bd. 1, bahnmedien.at, Wien 2009, S. 130. die Österreichische Bundesbahnen (damals noch BBÖ) Eigentümer der Strecke. Da sich die Einnahmen in den 1930er Jahren weiter rapide verschlechterten, wollte diese die Bahn einstellen. Die Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl übernahm die Betriebsführung und rettete die Bahn damit. Daraufhin begann Stern & Hafferl im Jahre 1932 mit der Elektrifizierung der Strecke. Ein Jahr später konnte man am 8. April 1933 den ersten elektrischen Triebwagen auf der Strecke in Betrieb nehmen. Das weitere Rollmaterial, wie Dienst-, Post- und Wiener Stadtbahnwagen stellten weiterhin die Bundesbahnen.

Ab 1948 elektrifizierte die ÖBB die Westbahn mit Wechselstrom durch, was für den Lokalbahnbetrieb Veränderungen mit sich brachte. Die Fahrleitung der Lokalbahn musste deswegen zwischen Lambach und Neukirchen abgebaut werden. Da ein Betrieb mit Elektrotriebwagen in diesem Abschnitt nicht mehr möglich war, mussten diese Fahrten notgedrungen mit Dampflokomotiven der Bundesbahnen absolviert werden (Stundenmiete samt Personal: 75 Schilling). Stern & Hafferl konnte jedoch für dieses Problem eine dauerhafte Lösung finden: Die Hauptwerkstätte Vorchdorf baute gemeinsam mit der Elektrobau AG (Linz, Kraußstraße 7) einen selbstfahrenden Gleichrichterwagen mit einem federnd aufgehängten Quecksilberdampf-Gasgleichrichter, der einen Betrieb mit Gleich- und Wechselstrom ermöglichte. Dieses Fahrzeug lief im Abschnitt Bachmanning–Lambach im Zugverband mit dem Triebfahrzeug, dem es den Gleichstrom über ein Starkstromkabel zuführte.

Im Jahre 1952 baute die Werkstatt einen zweiten solchen Gleichrichterwagen. Die Lokalbahnfahrzeuge konnten somit das Streckennetz der ÖBB befahren. Der Übergang zwischen Gleich- und Wechselstrom erfolgte auf einem 800 Meter langen Streckenabschnitt bei Neukirchen. Später wurden die Quecksilbergleichrichter durch Siliziumgleichrichter ersetzt. Ab August 1989 wurden Zweisystemtriebwagen eingesetzt, die nicht mehr auf einen Gleichrichterwagen angewiesen waren.

Die letzten Betriebsjahre Wochentags bedienten in der letzten Fahrplanperiode die Strecke sieben Zugpaare auf der Linie Lambach–Haag am Hausruck, bis Wels zwei zusätzliche auf der Line Wels–Haag am Hausruck. An Samstagen wurden nur zwei Zugpaare angeboten, an Sonntagen nur mehr eines.Regionale Schiene, Ausgabe 3/2008, Seite 45. Im Planbetrieb kamen die beiden Triebwagen der Reihe 4855 zum Einsatz.

Das Ende Im ÖBB-Regionalbahnkonzept, das im Juni 2006 dem ÖBB-Aufsichtsrat vorgelegt wurde, wurde die Haager Lies bereits als „dauerhaft einzustellen“ geführt. Die ÖBB reichten 2008 Pläne für eine Neutrassierung der Westbahn ein, die höhere Fahrgeschwindigkeiten erlaubt, jedoch eine Anbindung der Haager Lies an die Westbahn nicht mehr vorsahen. Die Haager Lies wurde im Regionalbahnkonzept dann demgemäß als „nicht vernetzte Eisenbahn“ geführt, deren Strecke abzutreten oder einzustellen ist.

Mit dem 12. Dezember 2009 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt. Die ÖBB Infrastruktur Betrieb AG hatten ursprünglich vor, den Betrieb bereits 2006 einzustellen, verlängerten den Betriebsvertrag auf Drängen des Betreibers Stern & Hafferl bis 2009. Eine weitere Verlängerung bis 2010 wurde abgelehnt. Ein Nachfolgeverkehr mit Bussen wurde eingerichtet.

Gleiskörper und Masten wurden abgetragen. Auf der Trasse der Haager Lies wurde ein 22 km langer Radweg errichtet, der am 18. September 2021 eröffnet wurde.

Fahrzeuge Neben den beiden eigens für die Haager Lies beschafften Plantriebwagen ET 25. 101 und 102, welche 1932 von den ÖSSW und der Grazer Waggonfabrik gebaut worden waren, kamen im Laufe der Jahrzehnte viele verschiedene Fahrzeuge aus dem Fuhrpark von StH auf der Lokalbahn zum Einsatz.

Remisen gab es in Bachmanning und Haag am Hausruck. Da nicht alle Fahrzeuge geschützt abgestellt werden konnten, stand ein Großteil im Freien.

Übersicht über die auf der Haager Lies eingesetzten Fahrzeuge: Lokomotiven NummerBaujahrHerstellerAchsfolgeLeistungEinsatz LH von–bisBemerkungenFotos E 20.001 1913 Ganz & Co Bo’Bo’ 300 kW 1939–1954, 1959–1995 1935 von der Werksbahn Wöllersdorf gekauft, Güterzugsdienst, 1995 verkauft an VEF E 20 007 1956 SGP Bo’Bo’ 460 kW 1994–2009 Güterzugsdienst E 20.008 1941 Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf Bo’Bo’ 1972–1989 ex MBS E 10.002, Güterzugsdienst, 1992 verkauft an VEF E 22.004 1915 Ganz & Co Bo’Bo’ 192 kW 1997–2000 Güterzugsdienst

Triebwagen NummerBaujahrHerstellerAchsfolgeLeistungEinsatz LH von–bisBemerkungenFotos ET 20.113 1912 Grazer Waggonfabrik Bo 158 kW 1990–2007 ex LLB ET 22.104, ex NWP ET 21.104, ehemaliges Plandienstfahrzeug, 2007 verkauf an NBiK ET 21.103 1912 Grazer Waggonfabrik Bo 108 kW 1989–1990 ehemaliges Plandienstfahrzeug, 1989 an Lokalbahn LV als ET 24.103, 2021 verkauft an Privat ET 21.150 1908 Grazer Waggonfabrik Bo 108 1955–1959 Arbeitstriebwagen auf LH, heute ET 22.109 der LILO, in Waizenkirchen hinterstellt ET 24.101 1931 Grazer Waggonfabrik Bo 106 kW 1974–2009 Nostalgiefahrzeug ET 24.102 1931 Grazer Waggonfabrik Bo 106 kW 1969–1974, 1984–1988 ehemaliges Plandienstfahrzeug, 2000 verschrottet ET 24 104 1950 Waggonfabrik Graaff (1A)(1A) 184 kW 1992–2009 ex MBS ET 10.101, Plandienstfahrzeug, 2012 verschrottet 150px ET 25.101 1932 Grazer Waggonfabrik Bo 212 kW 1933–1985 ehemaliges Plandienstfahrzeug, ausgemustert 1985 nach einem Unfall ET 25 102 1932 Grazer Waggonfabrik Bo 212 kW 1933–1962, 1967–2009 Nostalgiefahrzeug, 2012 verschrottet 150px ET 25 103 (ET 4855 001) 1989 BRW/ELIN AG Bo’2’ 480 kW 1989–2009 Plandienstfahrzeug, 2013 zur ÖBB zurück als ET 4855 001, ex SETG, 2024 verkauft nach Rumänien ET 25 104 (ET 4855 002) 1989 BRW/ELIN AG Bo’2’ 480 kW 1989–2009 Plandienstfahrzeug, 2013 zur ÖBB zurück als ET 4855 002, ex SETG, 2024 verkauft nach Rumänien ET 25.105 1921 Grazer Waggonfabrik Bo 100 kW 1974–1994 1962 von der Linzer Lokalbahn übernommen, 1994 zurück zur LILO

Personenwagen NummerBaujahrHerstellerEinsatz LH von–bisBemerkungenFotos BCi 7153 1901 Ringhoffer 1901–1918 ex kkStB 17265, 1918 an CSD BCi 7154 1901 Ringhoffer 1901–1918 ex kkStB 17266, 1918 an CSD Ci 6083 1901 Ringhoffer 1901–1931 ex kkStB 28731, ex BBÖ 30410 Ci 6084 1901 Ringhoffer 1901–1931 ex kkStB 28732, ex BBÖ 30411 Cu 46000 1902 Simmering 1953–1962 ex kkStB, ex BBÖ 31433, ex DR 205.169, 1962 zurück an ÖBB Cu 47001 1896 Ringhoffer 1941–1948 ex kkStB, ex BBÖ 33392, ex DR 206.683, 1948 zurück an ÖBB Cu 47.015 1899 Ringhoffer 1952–1971 ex kkStB, ex BBÖ 33.311, ex DR 207.049, 1971 zurück an ÖBB 150px Cu 47.036 1897 Ringhoffer 1944–1950 ex kkStB, ex BBÖ 33.305, ex DR 207.043, 1950 zurück an ÖBB Cu 47.069 1897 Ringhoffer 1940–1958 ex kkStB, ex BBÖ 33.344, ex DR 206.641, 1958 zurück an ÖBB Cu 47.083 1897 Ringhoffer 1944–1948 ex kkStB, ex BBÖ 33.189, ex DR 206.828, 1948 zurück an ÖBB 150px Cu 47.096 1898 Simmering 1944–1975 ex kkStB, ex BBÖ 33.193, ex DR 206.832, 1975 zurück an ÖBB Cu 47.126 1898 Nesselsdorf 1952–1963 ex kkStB, ex BBÖ 33.191, ex DR 206.830, 1963 zurück an ÖBB Cu 47.133 1899 Ringhoffer 1941–1955 ex kkStB, ex BBÖ 33.514, ex DR 206.970, 1955 zurück an ÖBB Cu 47.162 1897 Ringhoffer 1940–1962 ex kkStB, ex BBÖ 33.351, ex DR 206.647, 1962 zurück an ÖBB Cu 47.163 1898 Ringhoffer 1932–1962 ex kkStB, ex BBÖ 33.075, ex DR 206.780, 1962 zurück an ÖBB Cu 47.164 1901 Nesselsdorf 1932–1975 ex kkStB, ex BBÖ 33.324, ex DR 207.081, 1975 zurück an ÖBB 150px CDu 47507 1897 Ringhoffer 1940–1963 ex kkStB, ex BBÖ 34500, ex DR 207.701, 1963 verkauft an LILO als BDu 22.252 B 38.208 1950 St. Pölten 1974–1995 ÖBB Spantenwagen, seit 1974/1975 auf der Strecke eingesetzt B 38.210 1950 St. Pölten 1975–1995 ÖBB Spantenwagen, seit 1974/1975 auf der Strecke eingesetzt B4ip 22.209 1950 SGP 2000–2009 Nostalgiefahrzeug, 2012 verschrottet BD4ip 22.254 1950 SGP 2000–2009 Nostalgiefahrzeug, 2012 verschrottet Bip 24.204 1905 Grazer Waggonfabrik 1985–1987, 1991–1991, 1996–2009 ex MBS Bi 10.305, Nostalgiefahrzeug, 2012 verkauft an Privat

Gleichrichterwagen NummerBaujahrHerstellerAchsfolgeLeistungEinsatz LH von–bisBemerkungenFotos EGL 25.051 1950 Werkstätte Vorchdorf 1A 50 kW 1950–2009 Gleichrichterwagen, Eigenbau der Hauptwerkstätte, abgestellt in Eferding EGL 25.052 1952 Werkstätte Vorchdorf 1A 50 kW 1952–2009 Gleichrichterwagen, Eigenbau der Hauptwerkstätte, von 2015 bis 2021 verliehen ans Eisenbahnmuseum Schwechat, 2021 verkauft an Privat

Postwagen NummerBaujahrHerstellerBemerkungenFotos DPost 84 202 1915 Grazer Waggonfabrik ÖBB Postwaggon, seit 1968 im Besitz der Haager Lies

Güterwagen NummerBaujahrHerstellerBemerkungenFotos G 119 481 1913 Ringhoffer gedeckter Stückgutwaggon, abgestellt in Eferding G 20.811032 852 1928 Niederzwehren gedeckter Stückgutwaggon N 24.424 1904 Kolin Niederbordwaggon N 20.520 1941 Breda Kesselwagen N 24.601 1941 Breda Kesselwaggon

Bahndienstfahrzeuge NummerBaujahrHerstellerBemerkungenFotos X 512.04 1963 Tobisch Wien ex ÖBB, Turmwagen X 25.601 ? Eigenbau Bahnwagen X 25.621 ? Eigenbau Turmwagen

Literatur Stern & Hafferl – Visionen mit Tradition. GEG Werbung GmbH, Herausgeber: Stern & Hafferl GmbH, Gmunden 2003, ISBN 3-9501763-0-6 Helmut Weis: Die Unternehmung Stern & Hafferl II. Bahn im Bild, Band 26, Pospischil, Wien 1982 Karl Zwirchmayr: 100 Jahre Haager Lies. Stern & Hafferl, Gmunden 2001

Weblinks

Einzelnachweise

Anmerkungen

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