Der Allwetterzoo Münster ist ein parkartiger zoologischer Garten im westfälischen Münster. Er trägt seinen Namen aufgrund der von den Zooarchitekten bei der Errichtung angelegten „Allwettergänge“, die es ermöglichen, viele Häuser des Zoos auf überdachten Wegen zu erreichen.

Vorgänger des Zoos war der im Jahr 1875 eingeweihte und Ende 1973 geschlossene Zoologische Garten zu Münster. Bis 1974 entstand der heutige, in einem Waldgelände nahe dem Aasee gelegene Allwetterzoo Münster.

Träger des Zoos ist die Westfälischer Zoologischer Garten Münster GmbH, deren Hauptgesellschafter der Zoo-Verein Münster (offiziell: Westfälischer Zoologischer Garten e. V.) ist. Die Stadt Münster hält rund 45 Prozent.Beteiligungsmanagement Amt für Finanzen und Beteiligungen, S. 71, abgerufen am 6. Januar 2019.

Im Zoo untergebracht sind zudem das Westfälische Pferdemuseum sowie das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz.

Der Zoo liegt in Münster-Sentrup in der Nachbarschaft des Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster und des LWL-Museum für Naturkunde am Aasee an der Sentruper Straße.

Geschichte mini|Aktie über 10 Thaler des Westfälischen Zoologischen Gartens zu Münster vom 1. Februar 1874 1871 bis 1918 mini|hochkant|Plan des Zoologischen Gartens um 1880 mini|hochkant|Landois-Statue des Bildhauers August Schmiemann Am 25. Juli 1871 wurde der heutige Zoo-Verein als „Westfälischer Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzucht“ gegründet. Im Dezember 1873 veröffentlichte der deutsche Zoologe Hermann Landois seinen „Aufruf zur Errichtung eines Westfälischen zoologischen Gartens zu Münster“,Hermann Landois: Aufruf, Statuten und Plan zur Errichtung eines westfälischen zoologischen Gartens zu Münster. Münster 1873, Digitalisat der ULB Münster und es wurde eine Gesellschaft zur Errichtung eines Tiergartens gegründet. Am 26. Juni 1875 erfolgte die Eröffnung des Westfälischen Zoologischen Gartens an der Himmelreichallee.sto-ms: Über den alten Zoo – und was aus ihm wurde, Münster: Menschen, Geschichten und Erinnerungen, Henning Stoffers, abgerufen am 15. Dezember 2021. Ebenfalls 1876 wurde das neue Affenhaus mit Landoisklappen eingeweiht. Ein Bärenkäfig folgte 1878. Im neu gegründeten Zoo fanden bald auch Völkerschauen statt – zwischen 1879 und 1928 mindestens 21 solcher Schauen unter anderem von „Nubiern“, „Samoanern“ oder „Lappländern“.Christin Fleige: Die Völkerschauen im Westfälischen Zoologischen Garten Münster. Münster 2003, S. 29 f. 1883 wurde ein Wolfsbau und im Folgejahr ein Saupark eröffnet. 1886 wurde das erste Aquarium eröffnet. 1890 bezogen Rentiere den Zoo. Am 26. Juni 1891 erfolgte die Einweihung des Provinzialmuseums für Naturkunde (heute: LWL-Museum für Naturkunde). 1892 bezog Landois seinen neu erbauten Wohnsitz Tuckesburg direkt neben dem Zoo, in dem ab diesem Jahr erstmals Elefanten zu sehen waren. Das Elefantenhaus im orientalischen Stil wurde zum Wahrzeichen des alten Zoos an der Promenade. Die Indische Elefantendame „August“ wurde erster Bewohner des Elefantenhauses. 1893 wurde ein Vogel-Warmhaus errichtet, das 1896 für erste Löwen und andere Großkatzen umgebaut wurde. 1899 wurde der Oberwärter Wenzel Beer durch Hermann Landois angestellt. Beer trat in den Folgejahren in Münster gelegentlich als Raubtierdompteur auf. Er trainierte der Elefantenkuh „August“ einige Fertigkeiten an, beispielsweise das Spielen von Mundharmonika und Drehorgel, den Umgang mit circensischen Podesten und Geräten. 1900 wurde das Raubtierhaus eröffnet und noch zu Lebzeiten Landois’ das Landois-Denkmal eingeweiht. Zusätzlich wurden von 1901 bis 1903 mehrere Relief-Medaillons als Denkmäler für verdiente Naturwissenschaftler enthüllt, die sich heute an einer „Ruhmesallee“ am Landois-Platz im Allwetterzoo befinden. Der Neubau des Bärenzwingers erfolgte 1908. Im Folgejahr wurde das Kleinsäugerhaus eröffnet. Der erste Königstiger sowie Schneeleoparden erreichten 1910 den Zoo, ein Eisbärenpaar folgte 1911. Das später als Vivarium genutzte zweite Affenhaus wurde 1912 errichtet.

1918 bis 1946 Der „Westfälische Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzucht“ wurde 1921 in den Verein „Westfälischer Zoologischer Garten e. V.“ umbenannt.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Zoo weiter ausgebaut: Ein Rinderhaus wurde 1924 eröffnet und 1927 das Kamelhaus in Betrieb genommen. Im Jahr 1928 wurde der Bärenzwinger erweitert. Die ersten Seelöwen erreichten 1929 den Zoo. Neuzugänge in den folgenden Jahren waren Schimpansen und das Flusspferd „Fefi“. Die Einrichtung des Seelöwenbeckens erfolgte 1930. Das Eingangsgebäude wurde 1931 errichtet. 1935 wurde der Ententeich angelegt sowie die Erweiterung des Zoogeländes um das Dreieck vorgenommen. Im Jahr 1936 konnte ein neues Raubtierhaus in Betrieb genommen werden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Gebäude zerstört und viele Tiere getötet. Der Tiergarten wurde 1944 zu 75 % zerstört. Die beiden letzten Elefanten gingen als Reparationsleistung nach Belgien. Am 6. August 1946 konnte er wiedereröffnet werden.

1946 bis 1973 Im Jahr 1950 konnte wieder ein Elefant in das nur leicht beschädigte Elefantenhaus einziehen. Ihm folgten im selben Jahr Zebras und ein Jahr später Leoparden. Riesenkängurus kamen 1955 in den Zoo. 1956 fand mit Fertigstellung des neuen Raubtierhauses der Wiederaufbau seinen Abschluss. Eine Galápagos-Riesenschildkröte kam 1957. Im Folgejahr entstand ein erster Fernsehfilm über den Zoo. Aufgrund mehrerer toter Tiere wegen falschen Futters wurde 1959 ein Fütterungsverbot für Besucher erlassen. 1962 zogen Ameisenbären in den Zoo, und das Schweinehaus wurde eröffnet. Wisente wurden 1963 im Zoo begrüßt. 1964 besuchten erstmals über 500.000 Besucher den Zoo. 1966 wurde das Tropenhaus eröffnet.

1967 wurde die Einigung über den Tausch des alten Zoogeländes an der Promenade gegen ein größeres Areal auf der Sentruper Höhe erreicht. Die Stadtväter hatten das ehemalige Zoogelände der Westdeutschen Landesbank angeboten, um das Unternehmen in Münster zu halten, als dieses auf der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Neubau gewesen war. mini|Eulenturm des alten Zoos Nach fast hundertjährigem Bestehen schloss der alte Zoo Silvester 1973 seine Tore. Erhalten geblieben als Denkmal ist der ehemalige Eulenturm (ca. 1959). Die Bank nutzte ihren neuen Hauptsitz nur bis zum Jahr 2009.

1974 bis 2010 Im Februar 1974 waren Löwen und Tiger die ersten Tiere im neuen Allwetterzoo. Die meisten Tiere wurden über den Aasee verschifft. Am 2. Mai 1974 erfolgte die Schlüsselübergabe durch den Architekten Bernhard Kösters und die Tore des neu errichteten Zoos öffneten sich für die Besucher. Am 3. August 1974 wurde das Delfinarium eröffnet. Die städtebauliche Planung des Zoos stammt vom Münsteraner Architekten Harald Deilmann, die Landschaftsplanung von Günther Grzimek.

Im Jahr 1974 besuchten den Zoo erstmals über eine Million Besucher. 1978 entstand ein Streichelzoo mit Ziegen. 1990 zog ein Bongopaar in den Zoo. Ab 1993 waren Geparde zuerst beim Delfinarium, dann seit 1997 zwischen Giraffenhaus und Zoorestaurant auf den etwa 7500 m² umfassenden Feuchtwiesen heimisch. 1994 wurde ein neues Elefantenhaus für die Zuchtgruppe der asiatischen Elefanten eröffnet. 1998 bis 1999 wurden Freianlagen für Kattas und Guerezas eröffnet. Ab 1999 konnte das Delphinarium ganztägig außerhalb der Vorstellungen ohne Eintritt besucht werden. 2000 wurde die „Orangerie“, eine Anlage für Orang-Utans, eröffnet. Im Mai 2005 wurde der Kinder- und Pferdepark, im Juni 2005 die Biocity Münster eröffnet.

Seit 2011 Im Jahre 2011 wurde mit dem Umbau der Elefantenanlage zu einem neuen, größeren „Elefantenpark“ begonnen. Im gesamten Dezember 2012 wurde den Besuchern des Zoos freigestellt, ihren Eintrittspreis selber festzulegen, um für einen Besucheraufschwung im saisonal bedingt am schwächsten besuchten Zeitraum des Jahres mit gerade einmal etwa 10.000 bis 12.000 Gästen zu sorgen. Der Allwetterzoo Münster war damit der erste Zoo Deutschlands, der vorübergehend das Konzept Pay-What-You-Want anwendete.

Das Delfinarium wurde im Februar 2013 aus finanziellen Gründen geschlossen und in Robbenhaven umbenannt, wo seitdem nur noch die Gruppe Kalifornischer Seelöwen lebt. Die Delfine wurden an das Dolfinarium Harderwijk in den Niederlanden abgegeben.

Im Juli 2013 wurde der Elefantenpark pünktlich eröffnet. Dabei wurde auch der geplante Kostenrahmen eingehalten.

Am 19. September 2013 wurde ein Pfleger auf der Außenanlage von Amurtiger Rasputin ins Genick gebissen, der Pfleger verstarb sofort. Westdeutscher Rundfunk vom 19. September 2013. Er hatte offenbar vor dem Betreten der Außenanlage vergessen, den Schieber zu schließen, der die Innen- von der Außenanlage trennt, wodurch der Tiger nach draußen gelangen konnte und ihn als Eindringling angriff. Daraufhin wurde eine neue Sicherheitstechnik im Tigergehege eingebaut, die im März 2014 in Betrieb genommen wurde.

Der 8. März 2015 war für den Allwetterzoo der erfolgreichste Tag seit 1989, da ein neuer Besucherrekord von 13.528 Besuchern erreicht wurde. Selbst beim Zoojubiläum 2014, bei dem der Eintrittspreis bei nur drei Euro lag, wurde dieser Rekord mit 8825 Besuchern weit verfehlt. Abgerufen am 19. April 2015.

Mit dem Tod von Tiger Rasputin und Löwe Jarah starben im Februar 2016 bzw. im März 2017 zwei langjährige Publikumsmagneten.

Am 30. Mai 2024 wurden vier Sibirische Tiger geboren, darunter eine Katze und drei Kater. Mutter Raya hatte Ende Januar 2024 bereits zwei Welpen zur Welt gebracht, die nicht überlebten. Es ist die erste erfolgreiche Zucht in Münster seit 1993. Sibirische Tiger gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion als „stark gefährdet“.

Attraktionen mini|links|2023 neu eröffnete Meranti-Halle mini|hochkant|alt=Zwei Flachlandtapire, stehend, in ihrem neuen Gehege in der Tropenhalle namens Meranti-Halle|Flachlandtapire in ihrem Gehege in der Meranti-Halle Heute sind im Allwetterzoo auf rund 30 Hektar etwa 300 verschiedene Tierarten zu besichtigen. Zu den Attraktionen zählen das Tropenhaus Meranti-Halle, das Menschenaffenhaus, das Löwenhaus, das Bärenhaus, das Elefantenhaus, der so genannte Kinder- und Pferdepark sowie das Aquarium.

Tropenhaus: Meranti-Halle Die Meranti-Halle ist ein 2023 eröffnetes Tropenhaus. Auf mehreren Ebenen können Rote Varis, Schwarze Brüllaffen, Flachlandtapire, Große Ameisenbären, Faultiere und Riesenotter beobachtet werden. Zudem gibt es Terrarien und frei fliegende Tropenvögel in der Halle. Für den Neubau wurde das alte Tropenhaus im Jahr 2021 abgerissen.

Insgesamt ist die Tropenhalle rund 4400 Quadratmeter groß und bis zu 16 Meter hoch. Der Bau hat 21,5 Millionen Euro gekostet und ist damit das teuerste Einzelprojekt in der Geschichte. Der Zoo-Verein Münster förderte das Projekt mit einer Spende in Höhe von einer Million Euro.

Eine Herausforderung beim Bau stellte die Wärmeversorgung dar. Das Ziel des Zoos war es, ein möglichst sparsames Tropenhaus zu bauen. Dafür wird auf das Prinzip der Erd-Wärmepumpe gesetzt: 34 Erdsonden befördern Wasser aus einer Tiefe von rund 250 Meter nach oben. In allen Wänden und Böden sind Schläuche verlegt, die – je nach Bedarf – die Halle heizen oder kühlen. Zudem gibt es eine Photovoltaik-Anlage. Nach Angaben des Zoos kann bislang rund 60 Prozent der benötigten Energie durch Geothermie selbst bereitgestellt werden (Stand: Ende 2024). Man arbeite aber an weiteren Verbesserungen, um das Tropenhaus noch nachhaltiger zu bewirtschaften.

Artenschutzcampus mini|alternativtext=Außenaufnahme des Artenschutzcampus im Allwetterzoo Münster. Glasbau mit Informationsfolien beklebt.|Artenschutzcampus am Eingangsbereich