mini|Dunlop-, Schrader- und Sclaverand-Ventile mit Felgenmuttern

Ein Fahrradventil ist ein Rückschlagventil am Schlauch der Fahrradbereifung oder an der Felge des Laufrades eines Fahrrads, das dem Befüllen des Reifens mit Luft, Gas oder Dichtflüssigkeit dient.

Ventiltypen Es gibt drei Grundtypen von Fahrradventilen. Da jeweils verschiedene Bezeichnungen verwendet werden, geben die Hersteller auf den Verpackungen üblicherweise mehrere Namen an (vgl. die unten genannten Synonyme).

Die Verbreitung der einzelnen Typen variiert je nach Land, Hersteller, Fahrradtyp und -alter.

Das eigentliche Ventil sitzt in einem Ventilschaft, der zwei verschiedene Durchmesser und unterschiedliche Längen aufweisen kann.

Felgen mit einer Bohrung von 8,5 mm können alle drei Ventiltypen aufnehmen. Sclaverand- und Reginaventile sitzen darin allerdings lose und sollten mit einer Ventilmutter fixiert werden. Felgen mit einer Bohrung von 6,5 mm können nur mit Sclaverand- und Reginaventilen verwendet werden.

Dunlopventile für einfache Stahl- oder Alufelgen wurden traditionell mit Schaftlängen von rund oder angeboten. Zur Verwendung mit den heute üblichen Hohlkammerfelgen beträgt die Schaftlänge häufig . Für besonders hohe Aluminium-Hohlkammerfelgen (mit Aeroprofil) werden Sclaverandventile mit Schaftlängen von , und sogar angeboten. Schraderventile werden auch mit abgewinkeltem Schaft angeboten. Der dadurch um etwa 45° nach außen weisende Ventileinsatz erleichtert insbesondere die Handhabung bei Schubkarrenrädern und anderen (kleinen) Laufrädern, bei denen Felge und Nabe nicht über Speichen, sondern durch eine durchgehende Scheibe miteinander verbunden sind.

Die Ventileinsätze von Auto- und Sclaverandventilen sehen sich recht ähnlich, sind aber an der feinen Rändelmutter zu unterscheiden, die nur Sclaverandeinsätze besitzen. Beide besitzen ein Außengewinde im unteren Teil, mit dem sie in das Innengewinde des Ventilschafts geschraubt werden. Der Ventileinsatz von Dunlopventilen wird hingegen in den Ventilschaft eingesteckt und mit einer äußeren Überwurfmutter fixiert. Zum Aufschrauben der Ventilkappe trägt er meist ein Außengewinde am oberen Ende.

Der Ventilschaft trägt immer ein Außengewinde zur Aufnahme von Ventilkappe oder Überwurfmutter und ist heute in der Regel an den Gummischlauch anvulkanisiert. Früher war es auch üblich, den Ventilschaft in ein Loch im Schlauch einzuschrauben. Dabei befand sich auf Innen- und Außenseite des Schlauchs jeweils eine Gummi-Dichtscheibe und eine Unterlegscheibe aus Stahl, die durch zwei flache Muttern auf das Schlauchgummi gepresst wurden.

Für Sclaverand- und Dunlopventile wird in der Regel der gleiche Pumpenkopf verwendet, während der Pumpenkopf für Autoventile innen deutlich breiter ist und in der Mitte einen kurzen Stift besitzt.

Dunlopventil (DV) mini|Funktion des Schlauchventils mini|Funktion des Blitzventils

Synonyme klassisches Ventil Dunlop-Ventil (Abk. DV) Normalventil (Abk. NV) (klassisches) Fahrradventil Schlauchventil Woodsventil (nach C. H. Woods) deutsches Ventil englisches Ventil Hollandventil Synonyme modernes Ventil Blitzventil Automatikventil Patentventil Alligatorventil Dunlop-Ventil (siehe dazu hier) Felgenbohrung ø 8,5 mm Gewinde nach DIN 7756 außen VG 8×32 Maximaldruck 6 bar

Das Dunlopventil ist in Deutschland, Österreich und den Niederlanden am weitesten verbreitet. Es wurde bis in die 1980er Jahre an allen Typen von Fahrrädern außer Rennrädern verwendet und findet sich heute überwiegend an Alltags- und Tourenrädern. Benannt wurde es nach dem Erfinder John Boyd Dunlop, dem Gründer des gleichnamigen Reifenherstellers.

Der Ventileinsatz wird im Ventilschaft durch eine Überwurfmutter gesichert, die zum Ablassen der Luft aus dem Reifen gelockert wird. Dadurch lassen sich Dunlopventile im Gegensatz zu den anderen Ventilarten auch ohne Werkzeug entfernen, wodurch sie leicht entwendet werden können.

Bei der ursprünglichen Bauart saß ein kurzer Gummischlauch über dem unteren Ende des Ventileinsatzes und verschloss ein seitliches Luftloch. Zum Aufpumpen musste ausreichend Druck aufgebracht werden, um zusätzlich zum Innendruck des Reifens die Eigenspannung des Gummischlauchs zu überwinden, der sich dann vom Loch abhob und Luft einströmen ließ. Dadurch erforderte das Aufpumpen mehr Kraft als bei anderen Ventilarten. Schlauchventile dieser Art besitzen seitliche Stege, die in Schlitze des Ventilschafts geschoben werden und das Rotieren des Einsatzes beim Anziehen der Überwurfmutter verhindern. Ventileinsätze dieser Art werden heute nur noch selten verwendet.

Die neuere Bauform der Ventileinsätze wird Blitzventil, Automatikventil, Patentventil oder nach dem Hersteller etwa Alligatorventil genannt. Sie funktionieren als Rückschlagventil mit beweglichem Dichtkörper aus Kunststoff oder Metall, der vom Reifendruck gegen den Dichtungssitz gepresst wird und lassen sich deutlich leichter aufpumpen als Schlauchventile.

Die meisten Dunlopventile sind für 6 bar Druck ausgelegt. Wenn der Reifen länger nicht aufgepumpt wurde, kann das Dichtgummi am Ventilsitz kleben, so dass ein anfänglich höherer Druck nötig ist, um das Ventil zu lösen.Beratung & Tipps - Dunlop-, Schrader- oder Sclaverandventil: Eine kleine Ventil-Kunde, September 2019. In: rabe-bike.de

Blitzventile neigen zu leichter Undichtigkeit, die oft zu einem schleichenden Druckverlust im Verlauf einiger Tage führt.

Da herkömmliche Dunlopventile nicht wie ein Autoventil durch das Eindrücken eines Stößels offen gehalten werden können, lässt sich der Reifendruck nur messen, wenn Luft in das Ventil strömt. Das Manometer der Luftpumpen zeigt den Reifendruck also in der Regel nur an, während tatsächlich gepumpt wird. Da beim Pumpen ein Teil des aufgebrachten Drucks durch den Strömungswiderstand im Ventil verlorengeht (wodurch sich das Ventil beim Pumpen auch spürbar erwärmt), zeigt das Manometer der Pumpe einen höheren Druck an, als sich im Reifen einstellt. Je langsamer die Pumpbewegung, desto näher liegt der angezeigte Messwert am tatsächlichen Reifendruck.

Autoventil (AV) / Schraderventil mini|Funktionsweise des Schraderventils

Synonyme Schrader-Ventil Autoventil (Abk.: AV) Kfz-Ventil Motorradventil MTB-Ventil Amerikanisches Ventil Felgenbohrung ø 8,5 mm Gewinde nach DIN 7756 außen VG 8×32 innen VG 5×36 Maximaldruck 10 bar

Das von Georg Schrader patentierte und von seinem Vater August Schrader hergestellte Ventil wird in Kraftfahrzeugen eingesetzt und deswegen auch Autoventil genannt.

Beim Aufstecken des Pumpenkopfes oder eines Manometers wird der mittig im Ventil sitzende Stößel heruntergedrückt, wodurch es sich öffnet. Pumpenköpfe für Autoventile haben eine größere Öffnung als Köpfe für Dunlop- und Sclaverandventile und enthalten in der Mitte einen Stift zum Betätigen des Ventilstößels. Da das Ventil durch den aufsitzenden Pumpenkopf offen gehalten wird, müssen Pumpenkopf oder Pumpe ein Rückschlagventil enthalten, das verhindert, dass die Luft in die Pumpe zurückströmt. (Luftpumpen für Dunlop- und Sclaverandventile enthalten dieses Rückschlagventil oft nicht.)

Ein Reifen mit Autoventil kann an jeder Tankstelle aufgepumpt werden, die Druckluft zur Verfügung stellt. Aufgrund des geringen Luftvolumens im Fahrradreifen sollte bereits nach wenigen Sekunden eine Kontrolle des Reifendrucks erfolgen, um das Platzen des Reifens zu vermeiden. Druckluftanlagen an Tankstellen stellen häufig nur einen Druck von 4 bis 6 bar zur Verfügung, was für sehr schmale Reifen sowie zum Nachfüllen luftgefederter Federgabeln und Dämpfer oft nicht ausreicht.

mini|links|Ventileinsatz und Schutzkappe mit gegabeltem Aufsatz, mit dem der Ventileinsatz herausgeschraubt wird.

Der Ventileinsatz eines Schraderventils lässt sich mit einem Schlüssel mit gabelförmigem Ende aus dem Ventilschaft herausschrauben. Manche Ventilkappen tragen einen Aufsatz, der zum Herausschrauben des Einsatzes gedacht ist. Der Ventileinsatz lässt sich durch die fehlende Rändelmutter zum Verschließen des Ventils vom ähnlich aussehenden Einsatz eines Sclaverandventils unterscheiden. Die Bilder unten zeigen kurze Einsätze mit innenliegender Feder und lange Einsätze mit sichtbarer Feder.

Das Außengewinde des Ventilschafts dient zum Aufschrauben der Ventilkappe und ist häufig bis zum Ansatz des Schlauchs verlängert, so dass eine Ventilmutter aufgeschraubt werden kann, die das Ventil in der Felge fixiert. Ventilschäfte mit kurzem Gewinde (Rollerventil) sind im unteren Bereich gummiert, wodurch der Schaft meist ausreichend fest im Felgenloch sitzt, um ein Verkanten bzw. Kippen auszuschließen.

Schläuche für sehr kleine Räder von Kinderwagen, Tretrollern, Sackkarren und Schubkarren werden auch mit abgewinkeltem Schaft angeboten, was es erleichtert, den Ventilkopf aufzustecken. Alternativ sind auch abgewinkelte Adapter zum Aufsetzen auf Ventile mit geraden Ventilschäften erhältlich. Auch die Ventilschäfte der Reifen von schnellen Sportwagen und Motorrädern zeigen eher nach außen als zur Radmitte, damit sich Stößel und Ventilteller nicht durch die Fliehkraft öffnen.

Sclaverandventil (SV) Synonyme Sclaverand-Ventil (SV) Französisches Ventil Prestaventil (presta bzw. presto steht in den romanischen Sprachen für „schnell, eilig, sofort“) Rennradventil Schlauchreifenventil Felgenbohrung ø 6,5 mm Gewinde nach DIN 7756 außen VG 6×32 außen VG 5,2×24 am Ventileinsatz Maximaldruck 15 bar

Das Sclaverandventil wurde von dem Franzosen Étienne Sclaverand erfunden und wird oft als französisches Ventil bezeichnet.

mini|hochkant|Demontiertes Sclaverandventil:* Schutzkappe * Ventileinsatz * Rändelmutter, die verhindert, dass der Ventilschaft durch das Felgenloch rutscht * Ventilschaft

Der Ventilteller dieses Rückschlagventils ist mit einem 1,5 mm Gewinde-Stab verbunden, der aus der Öffnung des Ventils ragt. Auf dem Stößel sitzt eine Rändelmutter, die zum Befüllen des Schlauchs gelockert werden muss. In angezogenem Zustand sichert die Mutter das Ventil vor schleichendem Druckverlust und eindringenden Fremdkörpern. Das äußere Ende des Gewindestifts ist gestaucht, damit die Mutter nicht vollends abgeschraubt und verloren gehen kann.

Zum Aufpumpen des Schlauchs wird die Rändelmutter gelockert und der Ventilstößel kurz mit dem Finger angetippt, um ihn vom kegelförmigen Ventilsitz zu lösen. Beim Aufpumpen ist darauf zu achten, den Pumpenkopf ausreichend weit über das Ventil zu schieben, damit die Rändelmutter nicht im Dichtgummi des Pumpenkopfs klemmt. Durch die verstopfte Öffnung ließe sich der Schlauch ansonsten gar nicht oder nur unter großer Anstrengung aufpumpen. Es kommt auch vor, dass das Sclaverandventil so weit im Pumpenkopf steckt, dass Gewindestab bzw. Rändelmutter anstoßen, wodurch das Ventil offengehalten wird und die Luft nach dem Pumpenhub wieder in die Pumpe zurückströmt.

Die aus dem Schlauch strömende Luft verschließt das Ventil automatisch. Je höher der Innendruck, desto stärker wird der Kegelstumpf in seinen Sitz gepresst. Sclaverandventile eignen sich für höchste Reifendrücke, wie sie bei schmalen Rennradreifen üblich sind (um den Rollwiderstand niedrig zu halten).

Im Gegensatz zu den häufiger verwendeten Fahrrad- und Autoventilen benötigen Sclaverandventile im Felgenbett nur eine Bohrung mit 6,5 mm Durchmesser. Sie können so auch mit sehr schmalen Rennradfelgen verwendet werden. Da die Stabilität der Felge durch die Bohrung weniger geschwächt wird, finden sich Sclaverandventile auch an hochwertigen Mountainbikes (in der Regel mit 19 mm weiten Felgen). Häufig ist das zum Aufschrauben der Ventilkappe dienende Gewinde an gegenüberliegenden Seiten abgeflacht. Der Ventileinsatz kann dann mit Schraubenschlüssel oder Zange gegriffen und herausgeschraubt werden. Bei schleichendem Druckverlust kann mit einem speziellen Ventilschlüssel kontrolliert werden, ob der Einsatz fest angeschraubt ist.