Franz Ellendorff (* 1941 in Hagen, Westfalen) ist ein deutscher Agrarwissenschaftler. Er ist außerplanmäßiger Professor der Universität Göttingen, Privatdozent an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover und ehemaliger Leiter des Instituts für Tierzucht und Tierverhalten in Mariensee der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig-Völkenrode.
Leben und Wirken Franz Ellendorff absolvierte nach dem Abitur in Heilbronn zunächst eine landwirtschaftliche Lehre, bevor er an den Universitäten Stuttgart-Hohenheim und Göttingen Landwirtschaft studierte. 1965 erhielt er ein Fulbright-Programm, um an der University of Vermont in den USA mit einem Master of Science abzuschließen. Direkt danach folgte ein weiterer Forschungsaufenthalt mit Arbeiten am Huhn an der Cornell University. Ellendorff promovierte dann an der Universität Göttingen zum Dr. sc. agr. und wechselte als Postdoctoral Fellow der Ford Foundation an das Brain Research Institute in Los Angeles, USA. Mit Hilfe eines Habilitationsstipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kam er dann nach Göttingen zurück und habilitierte sich 1974 mit einem Thema über Fortpflanzungsbiologie und Endokrinologie. 1979 habilitierte er zusätzlich an der TiHO Hannover (Dr. habil.) für das Fachgebiet „Endokrinologie und Neuroendokrinologie“.
Würdigung Für seine Arbeiten wurde ihm im Jahr 1975 der Schoeller-Junkmann-Preis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verliehen. 1976 wechselte er dann von der Universität an das damalige Institut für Tierzucht und Tierverhalten Mariensee der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) Braunschweig-Völkenrode und übernahm dort die Leitung der Abteilung Endokrinologie und Neuroendokrinologie, die er zu einer international anerkannten und schlagkräftigen Forschungseinheit ausbaute. 1989 wurde er Leiter des Instituts für Kleintierzucht (ab 1992 Institut für Kleintierforschung) Celle der FAL, kehrte 1995 nach Mariensee zurück und war bis zur Pensionierung 2006 der Leiter dieser Einrichtung.
Während seiner Jahre in Mariensee, später in Celle, dann wieder in Mariensee war das internationale Moment vorherrschend mit zahlreichen Aufenthalten im Ausland, z. B. in Cambridge (AFRC Institute), England, in Bordeaux (Laboratoire de Neurophysiologie et Physiopathologie), Frankreich, am Metropolitan Institute for Neurosciences in Tokio, Japan, in Canberra (Australian School for Biological Research) oder in Auckland (Dept Pediatrics University Auckland), Neuseeland. Diese Internationalität hat besondere Beziehungen zu verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen im Ausland aufgebaut. Zu nennen ist besonders auch die Volksrepublik China, speziell die Universität in Nanjing, wo Ellendorff 1999 mit zwei hohen Auszeichnungen geehrt wurde.
Schwerpunkte der Arbeit Als wichtigste Themen sind u. a. zu nennen: Fragen der neuroendokrinen Steuerung der Reproduktion, der Neurophysiologie, des Verhaltens, des Wachstums bei Nutztieren und der Leistungsphysiologie. Auch die Anzahl der bearbeiteten Spezies ist beeindruckend und reicht von Schwein, Rind, Schaf, Pferd über Labortiere bis hin zum Geflügel und zu Kängurus. Dem Pferd ist er in vielfältiger Aktivität auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst verbunden geblieben. Er betreute zahlreiche Doktoranden, Postdoktoranden und Gastwissenschaftler, so auch Preisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung.
Ehrenamt Mehrjähriges Mitglied im Hauptausschuss bzw. Fachbeirat der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) 1991 und 1994 Vizepräsident der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) Braunschweig-Völkenrode 1992–93 Präsident ebenda
Publikationen (Auswahl) Franz Ellendorff hat seine Forschungsarbeiten regelmäßig und von Anfang an in hochwertigen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Er war damit, angesichts der heutigen Diskussion über Impactfaktoren und Veröffentlichungen unter Peer-Review, vielen in der Tierzuchtforschung weit voraus.
Als Buchbeiträge sind zu nennen: Fortpflanzungsbiologie Landwirtschaftlicher Nutztiere. Mit Diedrich Smidt. BLV München, 313 S., 1969 Physiology and Control of Parturition in Domestic Animals. Mit. M. Taverne u. D. Smidt (Hrsg.). Elsevier Amsterdam, 348 S., 1979 Fetal Neuroendocrinology. Mit P.D. Glucksmann u. N. Parvici (Hrsg.). Perinatology Press Ithaka N.Y., 285 S., 1984 Endocrine Causes of Seasonal and Lactional Anestrus in Farm Animals. Mit F. Elsaesser (Hrsg.). Martinus Nilhoff Publishers Dordrecht, 237 S., 1985 Early Pregnancy Factors. Mit E. Koch (Hrsg.). Perinatology Press Ithaka N.Y., 276 S., 1985 Genome Analysis in Domestic Animals. H. Geldermann; F. Ellendorff (Hrsg.) . VCH Verlagsgesellschaft Weinheim, 337 S., 1990 Tierzucht. Mit G. von Lengerken und J. von Lengerken (Hrsg.). Ulmer Verlag Stuttgart, 582 S., 2006 Leistungstraining für das Pferd - Biologie und Trainingsprinzipien. Schlütersche Verlagsgesellschaft Hannover, 102 S., 2011
Ehrungen und Auszeichnungen 1975 Schoeller-Junkmann-Preis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie 1997 Ehrenpromotion zum Dr. agr. h. c. durch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1999 Ehrenprofessur der Nanjing Agricultural University, Nanjing, China 1999 Freundschaftsmedaille der Regierung der Jiangsu Provinz, China 2005 Silberne Ehrennadel des Landvolkes Niedersachsen für besondere Verdienste 2008 Hermann-von-Nathusius-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ)Franz Ellendorff auf der Seite der Züchtungskunde der DGfZ Literatur Heiner Niemann und Ernst-Jürgen Lode: Hermann-von-Nathusius-Medaille für Prof. Dr. h. c. Franz Ellendorff, Züchtungskunde, 81, (1) S. 1–2, 2009, ISSN 0044-5401Franz Ellendorff erhielt Hermann-von-Nathusius-Medaille Franz Ellendorff: persönl. Mitteilungen vom 10. Februar 2017
Einzelnachweise
Kategorie:Agrarwissenschaftler (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Ehrendoktor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Kategorie:Ehrenprofessor einer Hochschule in der Volksrepublik China Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann