Die Geschichte des Christentums in Österreich beschreibt die Christianisierung und die Geschichte der christlichen Kirchen auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich. Die seit dem späten 13. Jahrhundert regierenden Habsburger unterstützten eine Dominanz der römisch-katholischen Kirche und unterdrückten vorerst andere Religionsgemeinschaften, die sich deshalb jahrhundertelang nicht entfalten konnten.

Römisches Reich mini|250px|links|Römische Provinzen in Österreich Das Christentum ist wahrscheinlich im 2. Jahrhundert durch Soldaten in die römischen Provinzen Rätien, Noricum und Pannonien gekommen. Das Regenwunder im Marchfeld (um 173) während der Markomannenkriege und das Martyrium des hl. Florian (um 304) bezeugen die Anwesenheit von Christen.

Nach der Mailänder Vereinbarung zwischen den Kaisern Konstantin und Licinius im Jahr 313 begann eine stärkere Ausbreitung des Christentums vor allem in den Städten und eine Zerstörung der heidnischen Kultstätten. Die Anwesenheit von Bischöfen aus Noricum auf der Synode von Serdica (heute: Sofia) im Jahr 343 belegt, dass mit dem Aufbau von Diözesen begonnen wurde. Bischofssitze sind für diese Zeit nachgewiesen in Aguntum (bei Lienz), Lauriacum (Lorch), Teurnia (auch: Tiburnia) (bei Spittal an der Drau) und Virunum (bei Klagenfurt), nicht gesichert sind Bischöfe in Carnuntum (bei Petronell), Iuvavum (Salzburg), Ovilava (Wels) und Vindobona (Wien).

Nach der Schlacht am Frigidus am 5. und 6. September des Jahres 394 wurde das Christentum der einzig erlaubte Glaube im Römischen Reich.

Völkerwanderung Etwa ab 400 drangen während der Völkerwanderung verschiedene germanische Stämme, die meist Arianer waren, in den Donauraum ein. Um 450 wirkte der hl. Valentin in Boiotro (Passau), im Osten gründete der hl. Severin in Favianis (Mautern) ein Kloster und half der Bevölkerung. Nach Severins Tod zogen sich die Römer 489 aus den Gebieten nördlich der Alpen (Ufernoricum) zurück. Im Süden blieben die kirchlichen Strukturen im Reich Odoakers (ab 476) und im Ostgotenreich (ab 493) zum Großteil erhalten.

Im 6. Jahrhundert drangen Slawen in das Gebiet östlich von Lentia (Linz) ein, im Osten und Südosten des heutigen Österreich siedelten die Awaren. Im Westen ließen sich ab etwa 500 die Baiern nieder, um Brigantium (Bregenz) war das Wohngebiet der Alamannen. Da die eingewanderten Stämme Heiden waren, wurden die kirchlichen Strukturen zum Großteil vernichtet, und die Christen bildeten nur mehr eine Minderheit.

Im Jahr 574 ist wahrscheinlich auch der Bischofssitz von Augusta Vindelicorum (Augsburg) nach Sabiona (Säben bei Klausen) verlegt worden. Möglich ist auch, dass das Bistum Augsburg aufgelassen wurde und Säben unabhängig davon, von Aquileia aus, gegründet wurde. Als Bischöfe dieser Zeit werden Materninus († um 578) und der hl. Ingenuinus († um 605) erwähnt, die für den östlichen Teil der Provinz Rätien (Vindelica oder Raetia secunda) zuständig waren. Über die weitere Geschichte dieses Bistums gibt es bis ins 8. Jahrhundert fast keine Quellen.Josef Gelmi: Bischof Ingenuin von Säben. Brixen 2005, ISBN 88-88910-23-9, S. 20–28.

Missionierung nach der Völkerwanderung +Römisch-katholische Diözesen und Erzdiözesenzu denen Teile Österreichs gehört haben oder noch gehörenGründungSitz Bemerkungvor 70?Aquileia1751 aufgehobenvor 343?Aguntumin der Völkerwanderung untergegangenvor 343Lauriacumvor 343Teurniavor 343Virunumum 450Churvor 500Augsburgum 574Säbenab etwa 932 in Brixen585Konstanz1827 aufgelöst739Salzburg798 Erzbistum (1. Bischof in Salzburg um 696)739Passau739Freisingab 1818/21 in München1009Raab(ungarisch: Győr)1072Gurkab 1787 in Klagenfurt1215Chiemsee1818 aufgelöst1218Seckauab 1782 in Graz1228Lavantab 1859 in Marburg1461Ljubljana1961 Erzdiözese1469Wien1722 Erzdiözese1469Wiener Neustadt1785 aufgelöst1777Steinamanger(ungarisch: Szombathely)1785Linz1785St. Pölten1786Leoben1859 aufgelöst1960Eisenstadt1964Innsbruck1968Feldkirch Die Neuchristianisierung ging bereits im 6. Jahrhundert vom christlich gewordenen Frankenreich aus, das versuchte, die Herrschaft über die Baiern und das Drautal (Süd- und Osttirol) zu erlangen. Sie setzten um 550 das Adelsgeschlecht der Agilolfinger ein.

Um 600 wirkten die iroschottischen Missionare Agilus und Eustasius im bayrischen Alpenvorland und Columban und Gallus im Bodenseegebiet als Glaubensboten.

Aus Worms kommend missionierte der hl. Rupert zuerst in Regensburg und errichtete dann auf den Ruinen der römischen Stadt Iuvavum (Salzburg) um 696 das Männerkloster St. Peter und um 714 das Frauenkloster Nonnberg. Er gilt daher als Gründer der Stadt Salzburg und der gleichnamigen Diözese.

Durch Bonifatius erhielten 739 die Diözesen Freising, Passau, Regensburg und Salzburg die päpstliche Bestätigung. Dabei wurden auch die Diözesangrenzen festgelegt. Ab 767 missionierte Modestus die Slawen in Kärnten, als Virgil Bischof von Salzburg war. In dieser Zeit entstanden die Klöster Mondsee (748 von Herzog Odilo gestiftet), Innichen (769) und Kremsmünster (777). Die letzten beiden Klöster sind Gründungen des Herzogs Tassilo.

Karl der Große besiegte von 791 bis 796 die Awaren und gründete eine Mark im Osten. Von Passau wurde der nördlich der Alpen gelegene Teil, von Salzburg wurden Kärnten, Steiermark und Westungarn missioniert. Bei den neuerrichteten Kirchen lässt sich die Diözesanzugehörigkeit häufig durch die Kirchenpatrone Stephanus für Passau und Rupert für Salzburg ablesen. Um 800 wurden die Klöster in St. Florian und in St. Pölten gegründet.

798 wurde Salzburg unter Bischof Arno ein Erzbistum, dem die Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben unterstanden.

Durch die Einfälle der Magyaren ab 900 wurden viele Kirchen und Klöster im nördlichen Alpenvorland zerstört. Erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 konnte mit einem Neuaufbau begonnen werden.

976 wurde Leopold I. aus dem Geschlecht der Babenberger als erster Markgraf mit dem Gebiet östlich der Enns belehnt. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Mark systematisch nach Osten bis zu March und Leitha (1043), später auch nach Norden bis zur Thaya ausgedehnt.

Um den kirchlichen Wiederaufbau machte sich vor allem der Passauer Bischof Pilgrim verdient. Er förderte die Missionierung der Magyaren durch den Mönch Prunwart (oder Brun) von St. Gallen, die durch die Taufe des Árpádenfürsten Géza und seines Sohnes Stephan im Jahre 975 oder 985 erfolgreich war. Das Árpádenreich wurde jedoch nicht dem Bistum Passau unterstellt, sondern konnte durch Gründung des Erzbistums Gran kirchliche Unabhängigkeit erreichen.

In den systematisch gerodeten und besiedelten Gebieten wurden von Bischöfen oder Adeligen auf ihrem Grundbesitz Eigenkirchen und Pfarren errichtet. Dokumente über die Gründungsjahre fehlen aber meist. Mitte des 12. Jahrhunderts war diese Tätigkeit zum Großteil abgeschlossen.

Für den Unterhalt der Geistlichen und für soziale Unterstützung wurde von den Gläubigen ein Zehent eingehoben. Die Priester waren zum Zölibat verpflichtet, hielten ihn aber oft nicht. Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts konnten Kinder aus diesen unehelichen Verbindungen in den geistlichen Stand eintreten, danach wurde dies verboten.

1072 wurde das Bistum Gurk in Kärnten als erstes Salzburger Eigenbistum gegründet. Seit dem 11. Jahrhundert wurden Wallfahrten ins Heilige Land, nach Rom, Santiago de Compostela oder Aachen üblich.

Als Mittelpunkte der Seelsorge wurden zahlreiche Klöster gegründet. Meist gab es an diesen Orten bereits vorher Chorherren (Vereinigungen von Weltpriestern). Die Klöster waren in der Regel auch Zentren der Bildung (Klosterschulen), der Armenfürsorge und der Kultur (Bibliotheken, Schreibstuben). Missstände und Zeiten eines Nachlassens des Ordensgeistes machten immer wieder Reformen notwendig. Die von Gorze ab 1030 ausgehende Gorzer Reform förderte eine innere Erneuerung unter strenger Beachtung der Benediktusregel. Vor allem die Bischöfe Altmann von Passau († 1091) und Konrad I. von Salzburg († 1147) reformierten bestehende Klöster und förderten Kanonikerstifte. Die von Cluny ausgehende Reform bekämpfte das Eigenkirchenwesen und betonte die Feier der Liturgie sehr stark. Sie wurde ausgehend vom Kloster Hirsau (Hirsauer Reform) erst ab 1120 in Österreich wirksam.

Der hl. Markgraf Leopold III. gründete um 1108 das Stift Klosterneuburg und verlegte seine Residenz dorthin.

Vom Investiturstreit bis zur Reformation Im Investiturstreit (um 1100) standen die Bischöfe von Passau (Altmann, Ulrich I.) und die Erzbischöfe von Salzburg (Gebhard, Konrad I.) meist auf der Seite des Papstes und wurden zeitweise vom Kaiser aus ihren Bistümern vertrieben.

Die Zisterzienser, entstanden aus einer Reform des Benediktinerordens, gründeten die ersten Klöster 1129 in Rein und 1133 in Heiligenkreuz.

Ab dem 12. Jahrhundert beanspruchten die Päpste das Recht, bestimmte geistliche Ämter zu besetzen (Reservationsrecht). Die teilweise sehr hohen Taxen, die an die Römische Kurie zu bezahlen waren, wirkten sich negativ auf die Qualität der bestellten Geistlichen aus. Um die hohen Kosten auszugleichen, bemühten sich viele Pfarrer vor allem um den Erwerb von Pfründen und stellten für die Seelsorge oft nur schlecht ausgebildete Vikare oder Kapläne an. Dieses Besitzstreben und der unsittliche Lebenswandel waren ein Ärgernis für die Gläubigen. Dekrete und Synoden der Obrigkeit konnten diese Missstände nicht beseitigen.

Neben dem Unterricht an Klosterschulen und Domschulen wurde Elementarunterricht auch an Pfarrschulen erteilt, ab dem 13. Jahrhundert auch an städtischen Schulen.

mini|250px|links|Diözesaneinteilung Österreichs um 1250 Der Johanniterorden errichtete 1209 in Mailberg seinen Hauptsitz, der Deutsche Orden wird 1202 in Bozen erstmals erwähnt, 1210 wurde die heute noch bestehende Niederlassung in Wien errichtet.

Als erste Bettelorden ließen sich 1217 die Dominikaner in Friesach (Kärnten) und 1230 die Franziskaner in Wien nieder. Sie wurden anfangs von manchen Bischöfen bekämpft, da sie nicht ihrer Jurisdiktion unterstanden. Markgraf Otakar IV. von Steiermark errichtete 1165 in Seiz (heute Žiče, Slowenien) das erste Kartäuserkloster. Erst viel später folgten die Kartausen Mauerbach (1316), Gaming (1330) und Aggsbach (1380).

Die Bischöfe von Brixen waren seit Beginn des 11. Jahrhunderts auch weltliche Herren von Tirol. Ihre Macht wurde Mitte des 12. Jahrhunderts durch die Grafen von Tirol immer mehr eingeschränkt. Erfolgreicher waren die Erzbischöfe in Salzburg, die etwa ab der Mitte des 13. Jahrhunderts auch eine weltliche Herrschaft errichten konnten.

Leopold VI. bemühte sich um 1200, in Wien eine eigene Diözese zu errichten, scheiterte aber am Widerstand des Passauer Bischofs. Die Salzburger Erzbischöfe gründeten auf ihrem Gebiet 1215 das Bistum Chiemsee, 1218 das Bistum Seckau und 1228 die Diözese Lavant.

Nach dem Tod des letzten Babenbergers Friedrich der Streitbare im Jahr 1246 wurde Österreich zunächst von Přemysl Ottokar und ab 1278 von Habsburger Rudolf I. regiert, der die Herrschaft der Habsburger begründete, die bis 1918 dauern sollte. Die Habsburger versuchten in der Folgezeit ihre Kandidaten als Bischöfe in den Bistümern ihres Herrschaftsbereiches durchzusetzen, was ihnen meist auch gelang. In der Diözese Passau gerieten sie dabei oft in Konflikt mit den Wittelsbachern.

Gesicherte Berichte über das Auftreten von Waldensern, die u. a. von der Kirche Armut forderten, gibt es ab 1250. Um 1300 soll es 80.000 Anhänger in Österreich gegeben haben. Die meisten wurden bis 1400 bekehrt, eine Verbrennung von 100 „Ketzern“ wird 1397 in Steyr berichtet.