mini|150px| Portugiesisches Straßenpflaster auf der Ilha de Moçambique Die mosambikanisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis von Mosambik und Portugal. Ihre historischen Beziehungen gehen auf das 16. Jahrhundert zurück, als Mosambik portugiesische Kolonie wurde. Beide Länder sind Gründungsmitglieder der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder.

Die bilateralen Beziehungen entwickelten sich nach dem Ende der portugiesischen Diktatur 1974 und der folgenden Unabhängigkeit Mosambiks 1975 überwiegend positiv und gelten heute als hervorragend.Relações entre Portugal e Moçambique podem aprofundar-se "em termos quantitativos" – „Beziehungen zwischen Portugal und Mosambik können sich "in quantitativer Hinsicht" verbessern“, Artikel vom 2. Juli 2014 der portugiesischen Tageszeitung Público, abgerufen am 5. Februar 2017 So bereiste Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa nach seinem Amtsantritt im März 2016 bereits Anfang Mai 2016 Mosambik, wo er sich für eine möglichst noch stärkere Zusammenarbeit auf allen Ebenen aussprach und sich u. a. mit den drei wichtigsten Parteien FRELIMO, RENAMO und MDM traf.Moçambique recebe Presidente de Portugal - „Mosambik empfängt Präsidenten Portugals“, Artikel vom 3. Mai 2016 der Deutschen Welle (Mosambik), abgerufen am 1. Februar 2017

Die Zahl der Mosambikaner in Portugal ist rückläufig. So waren im Jahr 2000 noch 4.660 Mosambikaner in Portugal offiziell registriert, bis 2008 sank ihre Zahl auf 3.347. Im Jahr 2013 waren 2.849 Mosambikaner in Portugal gemeldet.Número de moçambicanos em Portugal a diminuir desde 2000 – „Zahl der Mosambikaner in Portugal nimmt seit 2000 ab“, Artikel vom 29. Juni 2014 im Nachrichtenportal Notícias ao Minuto, abgerufen am 20. Februar 2017 Die Summe ihrer Rücküberweisungen belief sich 2013 auf 10,01 Millionen Euro.Offizielle portugiesische Statistiken zur portugiesisch-mosambikanischen Migration, abgerufen am 20. Februar 2017

Die Zahl der Portugiesen in Mosambik nimmt dagegen wieder zu. Im Jahr 2008 waren 16.448 Portugiesen in Mosambik gemeldet, bis 2011 stieg ihre Zahl auf 19.007. Im Jahr 2013 waren 24.191 portugiesische Staatsbürger in den Konsulaten in Mosambik registriert, die 7,56 Millionen Euro nach Portugal überwiesen.

Geschichte 15. Jh. bis 1974

mini|rechts|150px|Grundriss der Festung São Sebastião, Zeichnung von Leonardo de Ferrari aus dem Jahr 1655

Als vermutlich erster Europäer landete der Portugiese Pêro da Covilhã 1489 in Sofala. Mit der Ankunft Vasco da Gamas 1498 begann die portugiesische Besitznahme in Mosambik: der portugiesische Seefahrer traf auf einer Handel treibenden Insel den dortigen Scheich Moussa Ben Mbik, von dem sich zunächst der Name der Insel Ilha de Moçambique (port. für Insel von Mosambik) und später des Landes Mosambik ableitete.

Die 1505 errichtete Festung São Caetano am Handelsplatz Sofala war der erste befestigte portugiesische Stützpunkt in Mosambik. Afonso de Albuquerque wurde 1506 Gouverneur Portugiesisch-Indiens, dem dieses Gebiet unterstellt war, und ließ ab 1508 unter hohem Aufwand die Festung São Sebastião errichten, die allen späteren Angriffen etwa von arabischer oder niederländischer Seite widerstehen konnte. In den folgenden Jahrzehnten brachten die Portugiesen immer größere Teile des bisher arabisch dominierten Handelsgebiets unter ihre Kontrolle und vereinnahmten immer weitere Teile der Küste. Mit der Unterwerfung des Munhumutapa-Reichs 1572 begann eine Vereinnahmung des Hinterlandes. Da sich die Hoffnungen auf große Goldfunde nicht bewahrheiteten, wurden die Expeditionen ins Landesinnere einige Zeit kaum vorangetrieben.

Die von Niederländern bis Anfang des 19. Jahrhunderts betriebenen Versuche, das Gebiet von Mosambik unter ihre Kontrolle zu bekommen, blieben erfolglos. Auch der britische Versuch, die Maputo-Bucht 1875 in Besitz zu nehmen, scheiterte, nachdem Patrice de Mac-Mahon im Schlichterspruch Portugal die Rechte zusprach. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts und des zunehmenden Imperialismusses begann Portugal, seine Kolonien auszudehnen. In dem Zusammenhang suchte die Kolonialmacht in Mosambik das Landesinnere zunehmend zu kontrollieren, zu sichern und stärker zu entwickeln und auszubauen. Aus Mangel an genügend eigenem Kapital wurden dazu mit internationalem Kapital Handelsgesellschaften wie die Companhia de Moçambique gegründet.

mini|rechts|150px|Gefangennahme Gungunhanas durch Mouzinho de Albuquerque (zeitgenössisches Bild) 1895 unterwarf der portugiesische Kommandeur Mouzinho de Albuquerque mit dem Königreich von Gaza das letzte unabhängige Bantu-Königreich in Mosambik. Watusi-König Gungunhana wurde dabei von Albuquerque festgenommen und nach Portugal verbracht.António Henrique de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (= Kröners Taschenausgabe. Band 385). Aus dem Portugiesischen von Michael von Killisch-Horn. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38501-5, S. 490f.

Als in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die anderen europäischen Kolonialmächte unter internationalen Druck gerieten und später ihre afrikanischen Besitzungen in die Unabhängigkeit entließen, hielt das autoritäre Estado Novo-Regime in Portugal weiter an seinem historischen Weltreich fest, wodurch Mosambik 1951 eine der neugeschaffenen Überseeprovinzen Portugals wurde.

Ebenso wie in den übrigen afrikanischen Kolonien, begannen sich nun auch in Mosambik und den anderen portugiesischen Überseeprovinzen emanzipatorische Ideen und der Wunsch nach Entkolonialisierung stärker zu entwickeln. Eine der wichtigsten Keimzellen für die entstehenden Unabhängigkeitsbewegungen war die Casa dos Estudantes do Império, eine Einrichtung in Lissabon für Studenten aus den Kolonien. Auch Mosambiks erster Parlamentspräsident, FRELIMO-Gründungsmitglied Marcelino dos Santos war darunter. Zudem engagierten sich einige der kaum zahlreicher werdenden Afrikaner mit portugiesischen Bürgerrechten, die Assimilados, die nach der Unabhängig auch in Mosambik die Eliten stellen sollten.

Den immer häufiger auftretenden Forderungen trat die Kolonialverwaltung meist mit versteckter oder offener Repression entgegen. Mit dem Massaker in Mueda 1960 erreichte die Situation einen ersten Höhepunkt, und die Unabhängigkeitsbewegungen begannen sich zu organisieren und später zu radikalisieren. Nach Angola und Guinea-Bissau brach 1964 schließlich auch in Mosambik der Portugiesische Kolonialkrieg aus.

Die portugiesische Kolonialverwaltung begann ein umfassendes Investitionsprogramm in Mosambik zur wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonie, das den Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenwirken sollte. Das bekannteste Projekt war der ambitionierte Bau des Cabora-Bassa-Staudamms, der mit Unterstützung von Südafrika und weiteren internationalen Investoren entstand. Militärisch konnten die Portugiesischen Streitkräfte danach zunächst wieder die Oberhand gewinnen, ohne jedoch zu einer nachhaltigen Befriedung zu kommen.

Seit 1974 mini|150px|Wandbild Otelos in Lissabon (1975) Mit der Nelkenrevolution am 25. April 1974 stürzte ein Putsch linker Militärs unter vermutlicher Führung des in Mosambik geborenen Generals Otelo Saraiva de Carvalho das Regime in Lissabon. Die neue Führung leitete danach das Ende des Kolonialkriegs und die rasche, teils als übereilt bewertete Entlassung der Kolonien in die Unabhängigkeit ein. So besiegelte der Vertrag von Lusaka zwischen der portugiesischen Regierung und der FRELIMO am 7. September 1974 die Unabhängigkeit Mosambiks. Am 25. Juni 1975 wurde schließlich die unabhängige Volksrepublik Mosambik ausgerufen und umgehend von Portugal anerkannt. Als erster portugiesischer Botschafter in Mosambik akkreditierte sich Albertino Almeida am 28. Juni 1975 in Maputo.Seite zu den diplomatischen Beziehungen zu Mosambik, Diplomatisches Institut des portugiesischen Außenministeriums, abgerufen am 4. Mai 2019

Das unabhängige Mosambik versuchte zunächst außenpolitisch sich an Unterstützerländer seines Befreiungskrieges zu wenden, dazu zählten Bulgarien, DDR, Frankreich, Italien, Kuba und die Niederlande. Die Beziehungen zur Sowjetunion gestaltete sich hingegen problematisch.Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer. (edition südliches Afrika 21). Bonn, 1986, S. 279–280, ISBN 3-921614-25-2

Die Beziehungen zu Portugal intensivierten sich nach dem Ende der Volksrepublik Mosambik 1990 und dem folgenden marktwirtschaftlichen Umbau wieder stärker. Es folgten eine Vielzahl portugiesischer Investitionen und eine zunehmende Belebung der kulturellen und institutionellen Beziehungen.

Insbesondere nach den bedeutenden Offshore-Erdgasfunden im Rovumabecken 2011 und den Schätzungen der enormen vermuteten Kohlevorkommen in der Provinz Tete intensivierten sich die Beziehungen nochmals. 2012 etwa war Portugal nach den Vereinigten Arabischen Emiraten und noch vor dem traditionell wichtigsten mosambikanischen Wirtschaftspartner Südafrika der zweitgrößte Investor in Mosambik. Besonders in den Bereichen Telekommunikations- und Informationstechnik, Verkehrsinfrastruktur und Bankwesen erhoffen sich beide Seiten starke Fortschritte.Moçambique e Portugal fortificam relações , Artikel vom 2. Mai 2013 der portugiesischen Wochenzeitung Expresso, abgerufen am 5. Februar 2017

Die mosambikanisch-portugiesischen Beziehungen werden heute von beiden Seiten als ausgezeichnet beschrieben. Zu verbessern seien sie nur noch quantitativ und kaum noch qualitativ, bekräftigten etwa der mosambikanische Präsident Armando Guebuza und der portugiesische Außenminister Rui Machete bei einem Treffen 2014 in Lissabon. Dabei nannte Guebuza nur die portugiesische Zusammenarbeit und portugiesische Investitionen noch ein wenig weiter ausbaufähig, während Machete ihm beipflichtete und die Bereiche Energie, Industrie, Kultur und Bildung als noch weiter ausbaufähige Betätigungsfelder nannte. mini|150px|Die Botschaft Portugals in Maputo

Diplomatie Mosambik ist in Portugal mit einer eigenen Botschaft in Lissabon vertreten, in der Avenida de Berna Nr. 7. Zudem sind mosambikanische Generalkonsulate in Porto und Lissabon eingerichtet.

Portugal unterhält mit seiner Botschaft in der Nummer 720 der Avenida Julius Nyerere eine offizielle Vertretung in der Hauptstadt Mosambiks. Daneben sind portugiesische Generalkonsulate in Nampula, Beira und Quelimane angesiedelt.

Städtefreundschaften Eine Vielzahl Kommunen beider Länder unterhalten Städte- und Gemeindefreundschaften. Nach der 1975 erfolgten Unabhängigkeit der früheren portugiesischen Kolonie Mosambik gingen die Hauptstädte Maputo und Lissabon im Jahr 1982 die erste mosambikanisch-portugiesische Städtefreundschaft ein. Heute bestehen 49 mosambikanisch-portugiesische Partnerschaften oder werden angebahnt (Stand 2016), wobei viele Städte mit jeweils mehreren Orten Partnerschaften unterhalten.Liste der mosambikanisch-portugiesischen Städtepartnerschaften beim Verband der portugiesischen Verwaltungskreise (ANMP), abgerufen am 12. Mai 2020

Kultur Institutionen Das Instituto Camões ist mit einer Reihe Einrichtungen und Kooperationen in Mosambik engagiert. In Beira und der Hauptstadt Maputo unterhält das Institut zwei eigene Kultur- und Sprachzentren, weitere Sprachzentren führt es daneben in Lichinga, Nampula, Quelimane und Xai-Xai.Übersicht über die Aktivitäten in Mosambik, Website des Instituto Camões, abgerufen am 1. Februar 2017 mini|150px|Mia Couto (2013) Literatur Die Mosambikanische Literatur wird maßgeblich von portugiesischstämmigen Mosambikanern mitgeprägt. Als Beispiele können Mia Couto oder José Craveirinha gelten.

Craveirinha gewann 1991 als bisher einziger Mosambikaner (Stand 2016) mit dem Prémio Camões den wichtigsten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt.

2009 ging der ebenso hoch dotierte Prémio LeYa an den Mosambikaner João Paulo Borges Coelho für dessen Roman O Olho de Hertzog (dt.: Das Auge von Hertzog).