mini|Karte der LUT-Strecken, um 1913 Die London United Tramways Company (LUT) war von 1894 bis 1933 ein Londoner Verkehrsunternehmen. Sie betrieb Straßenbahnen im Rahmen des größeren Netzes der Straßenbahn London und ab 1931 auch Oberleitungsbusse in London. Zur Zeit der größten Netzausdehnung besaß die LUT knapp 54 Meilen (87 Kilometer) normalspurige Straßenbahnstrecken. Bei Übergabe des Netzes an das London Passenger Transport Board (LPTB) am 1. Juli 1933 waren es noch etwas mehr als die Hälfte. Das Oberleitungsbusnetz sollte bis 1940 Teil des damals größten Netzes der Welt werden. 1962 fuhren die letzten Trolleybusse auf dem ehemaligen LUT-Netz, während die letzte LUT-Straßenbahnstrecke bereits im Januar 1951 stillgelegt wurde.
Geschichte Southall, Ealing and Shepherd’s Bush Tram-Railway Co. Ltd. Am 12. Mai 1870 wurde die Southall, Ealing and Shepherd’s Bush Tram-Railway Company Limited gegründet und ersuchte um eine Konzession zum Bau und Betrieb einer rund elf Kilometer langen Pferdebahn von Shepherd’s Bush über Acton, Ealing und Hanwell nach Southall, High Street/North Road. Am 7. Juli 1873 wurde die Konzession schließlich erteilt und der Bau begann. Ausgeführt wurden die Bauarbeiten von Reid Bros. Der erste Abschnitt von Shepherd’s Bush bis Acton, Askew Crescent ging am 1. Juni 1874 in Betrieb. Der Weiterbau unterblieb zunächst, da die Bahngesellschaft die nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen konnte. Sie musste am 23. Februar 1875 den Betrieb einstellen und Konkurs anmelden, da sie die ausstehenden Rechnungen der Baufirma nicht mehr bezahlen konnte.
Nachdem sich kein Käufer für die Bahn gefunden hatte, wurde am 21. September 1875 der Betrieb zunächst wieder aufgenommen. Die Konzession für den Weiterbau verfiel jedoch. Die Baufirma hatte unterdessen ihr Geld immer noch nicht erhalten und bot an, die Bahn selbst zu übernehmen. Am 24. Juli 1876 erhielt sie die Konzession für den Weiterbau der Strecke bis Acton, Priory Road (heute Acton Lane). Sie baute diesen Streckenabschnitt in eigener Regie und erwarb die bestehende Bahn schließlich Anfang 1878. Ab 18. Februar 1878 fuhren die Pferdebahnwagen bis zur Priory Road.
West Metropolitan Tramways Co. Ltd. Am 14. November 1878 wurde die West Metropolitan Tramways Company Limited in das Handelsregister eingetragen. Sie beantragte erfolglos Konzessionen für mehrere Strecken im Westen und Nordwesten Londons. Sie wurde 1879 wieder aufgelöst. Die Gesellschaft wurde am 12. August 1881 erneut unter demselben Namen aufgestellt und übernahm im März 1882 die Bahn von der Southall, Ealing and Shepherd’s Bush Tram-Railway Co. Ltd. Unterdessen hatte sie bereits mit dem Bau einer neuen Strecke von Shepherd’s Bush über die Goldhawk Road bis Young’s Corner (King Street / Goldhawk Road) in Chiswick begonnen, die am 18. März 1882 in Betrieb ging. Sie wurde am 16. Dezember desselben Jahres über die Chiswick High Road und Kew Bridge Road bis zur Kew Bridge verlängert. Ab dem 17. April 1883 verkehrten Pferdebahnwagen von der Kew Bridge entlang der Kew Road bis nach Richmond, wo sich die Endstelle kurz vor der Lower Mortlake Road befand. Die damals sehr schmale Kew Bridge selbst konnte nicht befahren werden, sodass die Strecken zu beiden Seiten der Brücke endeten und die Fahrgäste nur zu Fuß über die Themse gelangten. Die Strecke Kew Bridge – Richmond sollte zeit ihres Bestehens vom übrigen Streckennetz getrennt bleiben.
Unterdessen hatte die Bahngesellschaft in einen Pferdebahnwagen Akkumulatoren eingebaut und am 10. März 1883 fuhr dieser Wagen auf der Linie von Shepherd’s Bush zur Kew Bridge. Nach nur einem Tag endete dieser Akkumulatorbetrieb, da die Leistung nicht ausreichte. An einer Steigung mussten zusätzlich Pferde vorgespannt werden. Experimente mit verschiedenen elektrischen Unterleitungskonstruktionen fanden 1890 im Betriebshof Chiswick statt, waren jedoch ebenfalls nicht erfolgreich, da Hammersmith und Acton dem System ablehnend gegenüberstanden.
Am 14. Juli 1883 ging die Strecke von Young’s Corner nach Hammersmith in Betrieb. Sie verlief durch die King Street und in Hammersmith in einer großen Schleife durch die Studland Street, Glenthorne Road, Beadon Road und die östliche King Street. Das Netz hatte eine Länge von 14 Kilometern erreicht und war zunächst bis auf die Strecke in der Goldhawk Road eingleisig mit Ausweichen. Die Strecke von Hammersmith zur Kew Bridge wurde 1893 zweigleisig ausgebaut. Die isolierte Strecke nach Richmond blieb eingleisig. Im selben Jahr musste die Gesellschaft Konkurs anmelden und stand infolgedessen ab 13. Juni 1894 zum Verkauf.
Übernahme durch die LUT und Ausbau des Streckennetzes mini|Triebwagen 320 (T-Serie) bei der Eröffnung der Strecke nach Kingston upon Thames am 1. März 1906, auf dem Oberdeck steht LUT-Direktor Robinson Am 19. Juli 1894 wurde die London United Tramways Company in das Handelsregister eingetragen. Direktor der Bahn wurde James Clifton Robinson. Die LUT übernahm den Betrieb von der West Metropolitan und begann mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Acton, der am 31. August 1895 abgeschlossen war. Gleichzeitig wurde die Strecke in Acton bis zur Gunnersbury Lane im Ortsteil Acton Hill verlängert.
Im Mai 1898 beantragte die LUT Konzessionen für neue Strecken und die Elektrifizierung des bestehenden Netzes. Geplant waren demnach folgende Neubaustrecken: Kew Bridge – Brentford – Isleworth – Hounslow, Bell Road Acton Hill – Ealing – Hanwell – Southall – Hayes – Hillingdon – Uxbridge Brentford, Half Acre – Boston Road – Hanwell, Brent Bridge Kew Road – Kew Gardens Road – Sandycombe Road – Manor Road – Queens Road – Star and Garter Hill – Petersham – Ham – Kingston upon Thames Bis auf die Strecke nach Kingston und den Abschnitt von Acton Hill nach Hanwell wurden alle Anträge am 12. August 1898 genehmigt. Im März 1899 begannen die Bauarbeiten in Brentford. Noch 1898 beantragte die LUT den Bau weiterer Strecken. Im Einzelnen waren dies: Hounslow – Hounslow Heath Isleworth, Busch Corner (London Road / Twickenham Road) – Twickenham – Fulwell – Hampton – Hampton Court Palace Fulwell – Teddington – Hampton Wick – Hampton Court Palace Twickenham – Richmond Bridge Die Konzession für diese Strecken sowie für den Abschnitt von Acton Hill nach Hanwell wurden am 6. August 1900 erteilt. Kingston upon Thames beabsichtigte nun, ein eigenes Straßenbahnnetz zu errichten. Gleichzeitig beantragte auch die LUT den Bau von Strecken in der Stadt, und zwar von Hampton Wick nach Kingston Hill, von Ham nach Surbiton und Tolworth mit Zweigstrecken zum Richmond Park und nach Long Ditton, Winters Bridge, sowie eine Strecke von Kingston über Malden, Raynes Park, Wimbledon, Merton und Colliers Wood nach Tooting, Longley Road mit einem Abzweig von Merton nach Summerstown, Wimbledon Road. Schließlich sorgte ein Volksentscheid dafür, dass die LUT den Zuschlag erhielt. Die Strecken von Malden nach Tooting und Summerstown wurden erst 1902 genehmigt.
Das bestehende Pferdebahnnetz wurde bis auf die Strecke Kew Bridge – Richmond elektrifiziert. Hammersmith sprach sich gegen eine Oberleitung aus, sodass von Hammersmith Broadway bis Young’s Corner ein Unterleitungssystem installiert wurde, das später auch durch die London County Council Tramways (LCC) auf einem Großteil ihres Streckennetzes zum Einsatz kam. Die übrigen elektrischen Strecken wurden mit Oberleitungen versehen. Der Baufortschritt erlaubte es, die Linie nach Hounslow am 11. August 1900 zunächst als Pferdebahn zu eröffnen. Am 10. Juli 1901 fand die Eröffnungsfeier des elektrischen Betriebs statt, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits über drei Monate elektrische Straßenbahnwagen auf dem Streckennetz fuhren. Die LUT besaß damit die erste für den dauerhaften Betrieb vorgesehene elektrische Straßenbahn in London.
Die LUT plante den Bau zahlreicher weiterer Strecken im Umfeld ihres Netzes, unter anderem nach Camden Town, Marble Arch und Hyde Park Corner in London, nach Sutton, Croydon, Epsom, Esher, Sunbury, Staines, Maidenhead, Langley, Willesden, Cranford und Querverbindungen zwischen bereits genehmigten Linien. Fast alle beantragten Strecken wurden jedoch abgelehnt. Genehmigt wurde 1902 lediglich eine Verbindung von Hammersmith über Paddenswick Road und Askew Road nach Askew Arms (Uxbridge Road / Askew Road) sowie eine Verbindung von Hammersmith nach Richmond, die jedoch nicht gebaut wurde.
Der Bau der Strecken in Kingston upon Thames begann erst im April 1905, die Eröffnung fand abschnittsweise 1906 statt. Durch die Inbetriebnahme der Strecke nach Kingston hatte die LUT die erste Straßenbahnstrecke gebaut, die über die Themse führte. Der LCC konnte seine erste Themseüberquerung erst fünf Monate später eröffnen. Schließlich baute die LUT noch die 1902 genehmigten Strecken nach Wimbledon, Tooting und Summerstown, die 1907 als letzte Streckenneubauten in Betrieb gingen.
Der elektrische Betrieb wurde auf dem Streckennetz wie folgt eröffnet: