Die jährlichen Keramikwochen Gmunden, erstmals abgehalten 1989, sind eine auf der Keramiktradition der Stadt aufbauende Veranstaltungsreihe im Bereich Moderne Keramik, Töpferei und Keramikkunst, mit dem Töpfermarkt als Kern-Ereignis.
Geschichte Gmunden hat eine lange Tradition als Standort der Herstellung von Kunst- und Gebrauchskeramik in Österreich. Bereits 1492 wurde das „Hafnerhaus am Graben“ (aus dem später die bis heute tätige Gmundner Keramik Manufaktur hervorging) erstmals urkundlich erwähnt. Daneben gab es auch ab 1920 eine Produktionsstätte der „Original Gmundner Tonwarenfabrik“ (später: Österreichische Sanitär-Keramik und Porzellan-Industrie AG, ÖSPAG, heute das Unternehmen Laufen Austria AG), die in ihrem Gmundner Zweigwerk bis 1990 Laufen Sanitärkeramik herstellte. Das Unternehmen Laufen Austria AG trägt auch durch die Gründung und Unterstützung des Klo & So Sanitärmuseums im Gmundner Kammerhof zur Keramiktradition in Gmunden bei.Die Sammlung umfasst 300 Exponate, die von der Laufen Austria AG und ihrem ehemaligen Direktor Fritz Lischka als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurden, siehe
Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg und darüber hinausDie keramische Werkstätte der Fa. Schleiß-Keramik bestand bis 1982, vgl. Irmgard Gollner: Gmundner Keramik. Kunst aus Ton, Feuer & Farbe, Linz 2003: Landesverlag. gab es zunächst im Rahmen der Gmundner Keramik und später rund um die künstlerische Keramikwerkstatt der Familie Schleiß (Besitzer der Gmundner Keramik 1843–1931) eine enge Verbindung von Künstlern und Keramikgestaltung. Viele Künstler der Wiener Werkstätte, wie Dagobert Peche, Ludwig Heinrich Jungnickel, Franz von Zülow, Paul Hartmann, Michael Powolny, Matthäus Fellinger oder Herta Bucher (und andere, wie der Münchner Designer Tommi Parzinger) unterrichteten an der damaligen Gmundner Lehrwerkstätte für Keramik (1913–1931) oder entwarfen Designs für Kachelöfen bzw. Gefäße.
1963 gründete der Keramikkünstler Kurt Ohnsorg das Keramiksymposium Gmunden (damals vor allem in Kooperation mit den Werkstätten der ÖSPAG in Gmunden-Engelhof), das zunächst bis 1978 stattfand und Gmunden erneut als Ort der Verbindung von Keramik und Kunst zum Ausdruck brachte.
Auf diesen Traditionen aufbauend wurden die Keramikwochen 1989 unter der Bezeichnung Töpfermarkt Gmunden als Initiative der Stadt Gmunden (v. a. der Kultur-Stadträtin Christine Zemann) ins Leben gerufen, um die Stadt im Kultur- und Tourismusgeschehen des Salzkammerguts zu positionieren. Im Zentrum stand dabei ein Töpfermarkt, der jedoch nicht als reiner Handwerksmarkt angelegt war, sondern von Anfang einer künstlerischen Gesamtkonzeption folgte. Diese Konzeption wurde auch durch die Abteilung Keramik an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz mitgestaltet und befördert (v. a. durch die damals dort lehrenden Günter Praschak und Maria Baumgartner).
2003 wurden die Keramikwochen Gmunden durch die die Wiederbelebung des Keramiksymposiums Gmunden künstlerisch verstärkt.
Bestandteile der Keramikwochen Gmunden Töpfermarkt Gmunden Der Töpfermarkt Gmunden begann 1989 als relativ offene und zunächst regionale Veranstaltung. Er beinhaltet jedoch seit 1992 eine Ausschreibung für Keramiker aus ganz Europa, sich für eine Teilnahme zu bewerben, mit anschließender Auswahl aus den Bewerbungen durch eine Jury. Seit damals werden auch Keramik-Preise für die Teilnehmenden ausgeschrieben und ebenfalls per Jury-Entscheid vergeben. Seit 1994 wird auch jährlich ein besonderes europäisches Gastland bzw. ein internationaler Themenschwerpunkt festgelegt und Keramiker aus diesem Land bzw. mit diesem Schwerpunkt zur Teilnahme eingeladen.
Kunstprogramm „Akzente“ Bei den Keramikwochen Gmunden wurde und wird der Töpfermarkt von Anfang an durch ein künstlerisches Begleitprogramm (Akzente) ergänzt (auf Initiative der Abteilung Keramik an der Kunstuniversität Linz). Hier werden an verschiedenen Ausstellungs-Standorten und Galerien in und um Gmunden Ausstellungen der Modernen Keramik verschiedener Keramikkünstler veranstaltet, und auch das jeweilige Gastland wird mit wichtigen Vertretern der Keramikkunst in einer dieser Kunstausstellungen besonders präsentiert. Für dieses Begleitprogramm wurden die zentralen Veranstaltungen und Ausstellungen von der Abteilung Keramik an der Kunstuniversität Linz kuratiert und organisiert sowie durch Initiativen einer wachsenden Anzahl von Galerien und Standorten in Gmunden ergänzt.
Durch dieses künstlerische Ausstellungsprogramm der Keramikwochen Gmunden wurde im Laufe der Zeit ein europaweit bemerkenswerter Querschnitt durch das österreichische und internationale keramische Schaffen der Modernen Keramik angeboten (s. den tabellarischen Überblick unten).
Keramiksymposium Gmunden 2003 wurde das von Kurt Ohnsorg (1963–1969) gegründete Keramiksymposium Gmunden wiederbelebt und findet seither als Künstler-Zusammenkunft in zwei- bis dreijährigem Rhythmus im Zeitraum der Keramikwochen Gmunden statt. Dieser Bestandteil reicht allerdings über die Keramikwochen Gmunden hinaus, da die Ergebnisse als Wanderausstellung in ganz Europa bis zum Termin des jeweils folgenden Symposiums präsentiert werden. Für Details siehe das separate Wikipedia-Lemma Keramiksymposium Gmunden.
Internationale Dimension Die Keramikwochen Gmunden sind ein wichtiger Bestandteil der europäischen Keramikszene. Dem wurde auch insofern Rechnung getragen, als sich andere „Keramikstädte“ wie Faenza (Italien), Aubagne (Frankreich), Bunzlau (Polen), Argentona (Spanien) mit Gmunden 2012 zu einem gemeinsamen EU-Projekt ARGINET (ARTISTIC "ARGILLA" (CLAY) ACTIONS FOR a EU CERAMIC NETWORK) zusammenschlossenHomepage des ARGINET-EU-Projekts, abgefragt 21. Januar 2017. und sich seither inhaltlich koordinieren und auch ein europaweites Ausstellungs- und Austauschprogramm organisieren.
Keramik in den Kammerhof-Museen Gmunden Im sogenannten Kammerhof in Gmunden befinden sich heute das K-Hof MuseumWebsite des K-Hof-Museums, abgefragt 27. März 2017. und die KammerhofgalerieInfos zur Kammerhofgalerie Gmunden, abgefragt 27. März 2017., zu deren Schwerpunkten auch verschiedene Aspekte der Keramik gehören.
Bereits 1450 wurde das heutige Kammerhofgebäude als Verwaltungssitz des landesfürstlichen Salzamtes errichtet. 1870 erwarb die Stadtgemeinde Gmunden die Liegenschaft, nachdem auf Erlass von Kaiser Franz Joseph I. im Jahre 1850 das „Salzoberamt“ in Gmunden in die „k.k. Salinen- und Forstdirektion“ umgewandelt wurde und ihren Amtssitz in dem Amtsgebäude am Klosterplatz erhielt. Nach wechselnden Nutzungen des Gebäudes wurden 1949 die neu eingerichteten Schauräume des Gmundner Museums im Kammerhofgebäude eröffnet. 2008 wurde der K-Hof saniert und als Museumshaus (K-Hof Kammerhof Museen Gmunden) wiedereröffnet.
In einer Dauerausstellung „Keramik und Kunst“ werden Objekte aus der Keramik-Werkstatt der Familie Schleiß sowie auch aus den Keramik-Symposien in Gmunden unter der Leitung von Kurt Ohnsorg (1963–1969) ausgestellt. Dazu wird historische Sanitärkeramik im Museumsteil „Klo & So“ gezeigt. In der Kammerhofgalerie im Dachgeschoß des Gebäudes werden wechselnde Kunstausstellungen geboten, wobei während der Zeit der Keramikwochen und des Töpfermarktes Kunstkeramik im Vordergrund steht.
Töpfermarkt und Ausstellungen 1989–2021 im Überblick Hier werden Details der Keramikwochen Gmunden von 1989 bis 2020 tabellarisch dargestellt.