mini|Erstausgabe von Der Meister und Margarita von 1967

Der Meister und Margarita () ist der bekannteste Roman des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow. Er gilt als ein Klassiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Bulgakow schrieb den Roman ab 1928 und diktierte seiner Frau Jelena kurz vor seinem Tod im März 1940 die letzte Fassung. Das von der Zensur um rund ein Achtel gekürzte Werk erschien ab November 1966 in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift Moskwa, deren Auflage von damals 150.000 Exemplaren binnen weniger Stunden ausverkauft war. Gruppenlesungen wurden veranstaltet. Der Roman wurde in der Öffentlichkeit diskutiert. Die von der Zensur herausgekürzten Teile wurden mit der Schreibmaschine oder handschriftlich vervielfältigt und als Samisdat heimlich verbreitet.

Ein wesentlicher Handlungsort, die tatsächlich existierende Moskauer Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b , in welcher der Autor selbst von 1921 bis 1924 ein Zimmer bewohnte, ist mittlerweile zu einem beliebten Ausflugsziel von Bulgakow-Verehrern geworden.

Inhalt Der Roman schildert in einer allegorischen und humorvollen, satirischen Weise das Leben in Moskau in den 1930er Jahren. Viele Kritiker zählen den Roman zu den wichtigsten russischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts und halten ihn für eine der besten Satiren der Zeit, gerichtet gegen die starre, von Willkür geprägte Bürokratie sowie die Überwachungspraktiken und die Versorgungsengpässe in der dogmatisch atheistischen Sowjetunion.

Das zweite Hauptthema des Romans ist mit den menschlichen Werten wie Gut und Böse, Gott und Teufel, Leben und Tod verbunden. Die Erlösung aller Beteiligten, deren freiwilliges Werkzeug auch der Teufel ist, steht hierbei im Mittelpunkt. Einige Kapitel enthalten eine auf historische Glaubwürdigkeit bedachte Erzählung über Pontius Pilatus während der letzten Tage Jesu Christi, der in der Erzählung mit seinem hebräischen Namen Jeschua genannt wird.

Aus beiden Handlungssträngen ergibt sich das dritte Hauptthema: Es gibt keine größere Sünde als die Feigheit. Keiner der Moskauer Beteiligten ist wirklich bereit, sich der höheren Macht – teils der Staatsmacht, teils der des Satans (in Gestalt des Schwarzen Magiers Woland) – zu stellen. Auch Pontius Pilatus verzichtet angesichts der politisch-gesellschaftlichen Konsequenzen auf die Freilassung Jeschuas.

Ein weiteres Thema des Romans ist das des Künstlers und der Kunst.

Handlung Begleitet von verschiedenen Gehilfen – am auffälligsten ist der riesige Kater namens Behemoth (Бегемот Begemoth, russisch auch für Nilpferd) – erscheint in der Karwoche der Teufel in Moskau, getarnt als der Ausländer Woland, ein „Professor für Schwarze Magie“. Schon bald bringt er Unruhe und Verwirrung in das Stadtleben; etwa während seiner öffentlichen Auftritte als Zauberkünstler in einem Varieté. Besonders konzentriert sich das Geschehen aber auf das Haus Sadowaja 302b, Wohnung 50, deren Bewohner und Nachbarn schon seit zwei Jahren sukzessive auf mehr oder weniger mysteriöse Weise spurlos verschwinden. Die Bewohner Moskaus und insbesondere deren offizielle Repräsentanten versuchen die unerklärlichen Vorfälle, die wohl durch Woland und seine unheimlichen Begleiter ausgelöst werden, im Sinn der offiziellen Staatsdoktrin rational zu erklären, oft wird auch eine Art von Massenhypnose unterstellt.

Erst im zweiten Drittel des Buches tritt der Titelheld auf, ein in der psychiatrischen Klinik lebender ehemaliger Schriftsteller von 38 Jahren, der in geistiger Verwirrung seinen Namen vergessen hat und der sich nach dem Kosenamen, den ihm seine frühere Geliebte gegeben hat, „Meister“ nennt. Er begegnet einem schon zu Romanbeginn eingeführten Dichter namens Besdomny (dt. Ohnehaus), der aufgrund seines Beharrens seiner Erlebnisse mit Woland ebenfalls in die Psychiatrie eingeliefert worden ist. Der Meister erzählt ihm sein Leben: Einst ein hochgebildeter Historiker an einem Moskauer Museum, hat er vor zwei Jahren 100.000 Rubel gewonnen und konnte so in eine neue Wohnung umziehen, in der er sich sehr wohlfühlte. Dort hat er begonnen, sein Leben neu auszurichten und einen Roman über das Leben des Pontius Pilatus zu schreiben. Er lernte eine verheiratete Frau namens Margarita kennen, die seine große Liebe wurde. Als er den Roman beendet hatte, fand sich aber kein Verleger, der bereit war, ihn zu drucken. Lediglich ein längerer Auszug wurde veröffentlicht, was in der Presse wegen seines ungewöhnlichen Inhalts sofort heftige Anfeindungen auch seitens des Schriftstellerverbandes hervorrief. Nachdem er die Romanmanuskripte zu verbrennen versucht hatte, verfiel der verzweifelte Meister dem Wahnsinn. Er wurde zudem wegen des Besitzes von illegaler Literatur verhaftet und ließ sich dann offenbar freiwillig in die besagte psychiatrische Klinik einweisen. Margarita hat er seitdem nicht mehr wiedergetroffen.

Margarita ist mit ihrem Leben unzufrieden, obwohl sie materiell durch ihren reichen Gatten bestens versorgt ist. Sie liebt den Meister und sehnt sich noch immer nach ihm. Als ihr Mann einmal abwesend ist, lässt sie sich auf einen Handel mit einem Gehilfen Wolands ein, da dieser – das ist das Geheimnis der verhexten Wohnung Nr. 50 – dort einen Ball geben will und dafür eine „Ballkönigin“ benötigt. Diese Rolle soll Margarita übernehmen, die durch eine Flugsalbe zur Hexe wird. Zum Dank für die anstrengende Aufgabe der Ballkönigin (sie muss sich drei Stunden ununterbrochen von der Masse der Gäste das Knie küssen lassen) wird ihr der Wunsch erfüllt, noch einmal mit dem Meister in dessen Kellerwohnung leben zu dürfen.

Auf Anweisung Jesu lassen Woland und seine Gehilfen den Meister und Margarita schließlich sterben; sie haben „Ruhe verdient“.

Ein zweiter Handlungsstrang, der sich später als der Roman des Meisters entpuppt, ist die Schilderung einiger Tage im Leben des römischen Prokurators Pontius Pilatus gewidmet. Es ist der Zeitraum rund um die Kreuzigung des Jesus von Nazareth, hier Jeschua han-Nasri genannt. Die Handlung folgt zwar grob den biblischen Berichten, ist aber aller übernatürlichen Vorkommnisse entkleidet. Auch die zahlreiche Anhängerschaft, die der biblische Jesus hat, fehlt fast zur Gänze. Jeschua wird in weit höherem Maße als in den Evangelien als pazifistischer und bis zur Selbstverleugnung menschenfreundlicher Mensch dargestellt. Pilatus ist krank und unzufrieden und würde am liebsten Gift nehmen; das einzige Wesen, das er liebt, ist sein Hund. Jeschua spendet ihm zunächst etwas Trost, und Pilatus spielt mit dem Gedanken, den Todgeweihten zu begnadigen; als er jedoch von Jeschuas Ansichten über die Staatsmacht hört, muss Pontius Pilatus das Todesurteil bestätigen, was seine psychische Lage nur noch verschlimmert. Eine tragikomische Figur in diesem Teil des Romans ist Jeschuas Jünger Levi Matthäus, der die Worte Jeschuas falsch versteht und ebenso falsch niederschreibt; die Auferstehung Jesu ist sogar eine von ihm verfasste bewusste Fälschung.

Dieser Handlungsstrang wird in drei Abschnitten in die Haupthandlung eingebettet. Wie die Leser erfahren, ist der Inhalt der Jeschua-Kapitel mit dem Roman des Meisters identisch. Das erste Mal taucht ein Teil dieser Handlung auf, als Woland einen hartnäckigen Atheisten von der Existenz Jesu zu überzeugen versucht und ihm ein erstes Stück dieser Geschichte erzählt. mini|„Abschied von Moskau“ (Illustration zum Roman) Am Schluss des Buches laufen beide Handlungsstränge zusammen: Woland und seine Gehilfen führen den Meister und Margarita nach deren Tod in der Osternacht zu ihrem romantisch geschilderten „ewigen Haus“ durch die Wildnis und passieren dabei Jerusalem. Nicht weit von der Stadt sitzt der depressive Pilatus, den der Meister auf einen Hinweis Wolands (und damit wohl auf Anweisung Jesu, der den Roman des Meisters gelesen hat) mit der Nachricht, Jeschua warte auf ihn, dazu veranlasst, in den Himmel zu gehen. Erstmals erhält hier die Figur des Jeschua eine der christlichen vergleichbare, metaphysische Bedeutung; auch Pilatus ist nun erlöst.

Figuren Haupthandlung Woland, der Teufel, auch als „Schwarzer Magier“ bezeichnet. Residiert in Moskau, tritt in einem Varieté als Zauberkünstler auf und bringt Chaos und Verwirrung unter die Moskauer; der Meister, Verfasser eines Romans über Pontius Pilatus Margarita Nikolajewna: unglücklich verheiratet, Geliebte des Meisters und von Woland zur Hexe auserkoren;

Gehilfen Wolands: Korowjew, auch Fagott: Gehilfe Wolands; einmal angeblich ehemaliger Kantor, dann Dolmetscher des „Professors“; eigentlich „Ritter“; typisch sind der gesprungene Zwicker und die karierte Hose. Behemoth/Begemot: Teils Kater, teils katerartiger Mensch; eigentlich Hofnarr Wolands; Freund Korowjews, mit dem er gegen Ende des Buches der Moskauer Bevölkerung allerlei Streiche spielt. Asasello: Der dritte Gehilfe von Woland, eigentlich Todesdämon; typisch sind ein Hauer, der ihm aus dem Mund ragt, und die roten Haare. Hella: Hexe und Bedienstete Wolands, Vampirin Abaddon, der Todesengel

Andere wichtige Nebenfiguren: Iwan Nikolajewitsch Ponyrew, Pseudonym „Besdomny“ (bedeutet „Obdachloser“): Schlechter Dichter, später Professor für Geschichte und Philosophie; wird nach einer Begegnung mit Woland in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und lernt dort den Meister kennen. Michail Alexandrowitsch Berlioz: Vorsitzender der Moskauer Literaturvereinigung (MASSOLIT) und Bewohner der Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b. Mit seiner und Besdomnys Begegnung mit Woland an den Moskauer Patriarchenteichen und seinem anschließenden, von Woland prophezeiten Tod beginnt das Buch. Stepan „Stjopa“ Bogdanowitsch Lichodejew: Direktor des Varietétheaters, in dem Woland auftritt, und Berlioz’ Mitbewohner in der Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b; wird durch Woland, der in seiner Wohnung Quartier bezieht, nach Jalta hinweggezaubert. ‚Lichodejew‘ bedeutet ungefähr so viel wie ‚Übeltäter‘. Grigori Danilowitsch Rimski: Finanzdirektor des Varietétheaters; flieht nach Leningrad. Iwan Saweljewitsch Warenucha: Varietéadministrator; wird von Hella zum Vampir gemacht und löst später Rimskis Flucht aus. Dr. Strawinski: Chefarzt der psychiatrischen Klinik, in die eine Reihe der handelnden Personen eingeliefert werden. Nikanor Iwanowitsch Bossoi: Vorsitzender des Hauskomitees der Sadowaja 302b, bekommt von Korowjew Devisen, damit dieser unbehelligt in der Nr. 50 wohnen kann, wird jedoch von ihm verraten und wegen der Devisen festgenommen; er kommt anschließend in die Psychiatrie. George Bengalski: Conférencier; ihm wird während der Theatervorstellung von Behemoth der Kopf abgetrennt und anschließend wieder aufgesetzt; auch er kommt infolgedessen in die Psychiatrie. Latunski: Literaturkritiker, der den Pilatus-Roman des Meister verrissen hat. Seine Wohnung wird von Margarita nach deren Verwandlung zur Hexe zerstört, er selbst bleibt aufgrund von Abwesenheit verschont.

Pilatus-Handlung Pontius Pilatus: Historische und auch in den biblischen Passionserzählungen vorkommende Gestalt; Hauptfigur der Pilatushandlung, anhand deren Schuldhaftigkeit ein Erlösungsbedürfnis thematisiert wird. Jeschua: Bei Bulgakow ein schlichter Mensch mit großer Menschenkenntnis und -liebe und Heilkräften. Für ihn sind alle Menschen, auch seine Peiniger, gute Menschen. Levi Matthäus: Zuerst Zöllner, dann alles missverstehender Jünger von Jeschua, der seine Worte notiert (Anspielung auf den biblischen Jünger Matthäus und das ihm zugeschriebene Evangelium). Judas aus Kirjath: Schönling, der aufgrund seiner Verstrickung in den Prozess um Jeschua vom römischen Geheimdienst ermordet wird – insbesondere diese Figur weicht also stark vom biblischen Vorbild ab, das Selbstmord begeht. Afranius: Chef des Geheimdienstes, Vertrauter Pilatus’, der einiges über die Vorgänge in der Stadt weiß. Seinen Erfolg bei der Aufdeckung eines geplanten Mordkomplotts gegen Judas und sogar den tatsächlichen Mord hat er aber selbst inszeniert. Kaiphas: der Hohepriester.