mini|x175px|Banner des Heiligen Römischen Reiches(Moderne Rekonstruktion) Es befanden sich 1690–1801 sechzehn Schweizer Truppen in österreichischen Diensten, darunter eine Schweizergarde.
Sie dienten, teilweise fremdfinanziert, den Habsburgern, neben zahlreichen Schweizer Söldnern, im Spanischen, im Polnischen und im Österreichischen Erbfolgekrieg sowie in deren schier endlosen Auseinandersetzungen mit Frankreich.
Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland.
Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war).
Übersicht der Schweizer Truppen in österreichischen Diensten Erzherzogtum Österreich1453–1806#ausBezeichnungJahrGraf Sigismund von Tirol 1427–1496Titularerzherzog von Österreich 1477–1496Regent von Oberösterreich 1439–1490 Heiliges Römisches Reich962–1705Erzherzog Maximilian I. 1493–1519Herzog iure uxoris von Burgund 1477–1482Römisch-deutscher König 1486–1508Römisch-deutscher Kaiser 1508–1519 Erzherzog Ferdinand I. 1521–1564Römisch-deutscher Kaiser 1558–1564 Erzherzog Leopold I. 1657–1705Römisch-deutscher Kaiser 1658–17051Regiment Bürkli1691–16992Regiment Erlach1702–17173Regiment Nideröst1702–17174Bataillon Buol1704–1708 Heiliges Römisches Reich1705–1745#ausBezeichnungJahrErzherzog Joseph I. 1705–1711Römisch-deutscher Kaiser 1705–17115Regiment Buol1708–1714Erzherzog Karl VI. 1711–1740Römisch-deutscher Kaiser 1711–17406Regiment Schauenstein1734–17397Regiment Schmid1734–17368Regiment Nideröst1734–1736Erzherzogin Maria Theresia 1740–17809Regiment Sprecher1743–1749 Heiliges Römisches Reich1745–1806#ausBezeichnungJahrErzherzogin Maria Theresia 1740–1780Römisch-deutsche Kaiserin 1745–1765Herzog Franz I. StephanHerzog von Lothringen 1729–1736Großherzog der Toskana 1736–1765Römisch-deutscher Kaiser 1745–176510Kompanie Hundertschweizer1745–1767 Erzherzog Franz II. 1792–1835Römisch-deutscher Kaiser 1792–180611Emigranten-Regiment Rovéréa 1799–180112Emigranten-Regiment Bachmann 1799–180113Emigranten-Regiment Salis 1799–180114Emigranten-Regiment Paravicini 179915Emigranten-Bataillon Courten 1800–180116Freikorps Managhetta 1799–1801
Verdrängung aus den alten Stammlanden mini|Habsburgische Stammlande(Karte von 1880) 1474 beendete Herzog Sigismund von Tirol einen langen Konflikt mit den Eidgenossen.
Er vereinbarte mit den Acht Orten und ihren Zugewandten ein Bündnis, die «Ewige Richtung». Darin verzichtete er auf die habsburgischen Stammlande in der Eidgenossenschaft und sicherte sich deren Beistand gegen Sold.
Die Kapitulation der Eidgenossen von 1480 mit Frankreich, und besonders dessen finanzielle Möglichkeiten, verhinderten jedoch längere Zeit eine militärische Annäherung.
1557 wurde die «Ewige Richtung» von Kaiser Ferdinand I. mit den nun Dreizehn Orten erneuert (bestätigt alle 10 Jahre).
Zwar hatten unter den Landsknechten Maximilians I. auch eine grosse Anzahl Schweizer Söldner in Burgund, in den Niederlanden und in Italien gekämpft: 1496 hatten ihm Bern und Uri die Werbung von 4'000 und 1516 alle Dreizehn Orte von 15'000 Mann bewilligt.
Es dauerte aber bis nach dem Angriff Frankreichs Ludwig XIV. 1672 auf die Niederlande und dem Stimmungsumschwung in der Eidgenossenschaft, bis der streng katholische Kaiser Leopold I. mit den Eidgenossen eine Kapitulation mit Truppenaushebung erreichte.
Spanischer Erbfolgekrieg 1690 waren die Dreizehn Orte endlich bereit, mit dem Kaiser eine Kapitulation für eine Schweizer Truppe in österreichischen Diensten abzuschliessen. 1702, nach Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges, doppelten sie nach. 1704 folgte Graubünden. Bezeichnung, Einsatzdauer(1aus) Regiment BürkliFerdinand Schramm-Schiessl von Perstorff: Die Schweizer und Bündner Regimenter in kaiserlich-österreichischen Diensten von 1691–1750. Artikel, Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde 1691–1699, Heft 1, 1937. 1691–1699mini|Johann Heinrich BürkliJahr, Vertragspartner1690, Kapitulation der Dreizehn Orte mit Nikolaus Graf von Lodron, Botschafter von Kaiser Leopold I.Bestand,Formation1 Regiment von 1'700 Mann in 10 Kompanien, die Uniform grauweiss mit roter Weste und roten Aufschlägen.Herkunft Kader, TruppeZürich, Bern, Luzern, Basel, Schaffhausen, Freiburg und der Fürstabt von St. Gallen, Cölestin Sfondrati, stellten je eine ganze sowie Uri, Schwyz, Obwalden, Zug, Appenzell-Innerrhoden und GlarusreformiertGlarus war ein religiös weitgehend paritätischer Kanton. Die Staatsgewalt jedoch teilte sich. Es gab drei Landsgemeinden: je eine der Angehörigen der beiden Glaubensgruppen und die gemeinsame. je eine halbe Kompagnie. Es handelte sich um eine religiös gemischte, gesamteidgenössische Truppe mit 5½ katholischen und 4½ reformierten Kompanien.Besitzer, Kommandant, NamensgeberJohann Heinrich Bürkli von Trüllikon (Zürich).Einsatz, EreignisseBesatzungsdienst in den Städten Waldshut, Laufenburg, Säckingen, Rheinfelden, Konstanz, Bregenz und weiteren Orten.
Bürkli wurde gar zum Gouverneur der Waldstädte in Vorderösterreich ernannt. Bezeichnung, Einsatzdauer(2aus) Regiment Erlach 1702–1717mini|Hieronymus von Erlach ca. 1715Jahr, Vertragspartner1702, Kapitulation der Dreizehn Orte mit Franz Ehrenreich Graf von Trauttmannsdorff, Botschafter von Kaiser Leopold I.Bestand,Formation1 reformiertes Regiment von 1'080 Mann in 3 Bataillonen mit 4 Kompanien zu 90 Mann.Herkunft Kader, TruppeAus Bern 6, Basel 2, Glarus 1, Schaffhausen 1, Freiburg 1 und Appenzell-Ausserrhoden 1 Kompanie.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1702, Hieronymus von Erlach aus Bern (1734 wurde bekannt, dass er, von Ludwig XIV. wegen Bigamie erpresst, während des Spanischen Erbfolgekrieges als Informant Frankreichs unter dem Decknamen Baron d'Elcin wesentlich zu dessen Sieg beigetragen hatte); 1715, Johann Franz Tillier aus Bern.Einsatz, EreignisseEinsatz meist in Vorderösterreich und in Freiburg i/B, selten in den Waldstädten. Es zeichnete sich aus in der Sicherung von Konstanz gegen die Bayern und in der Verteidigung von Breisach, Altbreisach und Freiburg i/B gegen die Franzosen.
Das Regiment soll über eine «Banda» von 8–10 Hautboisten verfügt haben. Bezeichnung, Einsatzdauer(3aus) Regiment Nideröst 1702–1717Jahr, Vertragspartner1702, Kapitulation der Dreizehn Orte mit Franz Ehrenreich Graf von Trauttmannsdorff, Botschafter von Kaiser Leopold I.Bestand,Formation1 katholisches Regiment von 720 Mann in 2 Bataillonen von 4 Kompanien zu 90 Mann.Herkunft Kader, TruppeAus Schwyz 3, Obwalden 1, Freiburg 2 und vom Fürstabt von St. Gallen, Leodegar Bürgisser, 2 Kompanien.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1702, Franz Leodegar von Nideröst aus Schwyz gemeinsam mit François Romain de Diesbach aus Freiburg; 1712, François Romain de Diesbach aus Freiburg allein.Einsatz, EreignisseEinsatz in den Waldstädten und Vorderösterreich.
Das Regiment nahm an der Verteidigung von Neuenburg a/R und Säckingen gegen Frankreich teil. Die Truppen der Eidgenossenschaft konnten nur defensiv in Vorderösterreich verwendet werden. Graubünden hingegen bewilligte 1704 Einheiten, die auch ausserhalb der Waldstädte und offensiv eingesetzt werden durften. Bezeichnung, Einsatzdauer(4aus) Bataillon Buol 1704–1708Jahr, Vertragspartner1704, Kapitulation von Graubünden mit Franz Ehrenreich Graf von Trauttmannsdorff, Botschafter von Kaiser Leopold I.mini|Bataillon Buol: Soldaten (Säbel, Steinschlossflinte, Bajonett), Offizier (Degen, Sponton), grauweisse Uniform (Weste und Aufschläge rot).Bestand,Formation1 Bataillon von 680 Mann in 1 Leibkompanie zu 160 und 4 Kompanien zu 130 Mann, gebildet in Meran.Herkunft Kader, TruppeAus Graubünden.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1704, Johann Anton Buol von Rietberg und Strassberg aus Parpan (Graubünden).Einsatz, EreignisseEinsatz in der Oberpfalz und in Italien. Bezeichnung, Einsatzdauer(5aus) Regiment Buol 1708–1714Jahr, Vertragspartner1708, Kapitulation von Graubünden mit Franz Ehrenreich Graf von Trauttmannsdorff, Botschafter von Kaiser Leopold I.Bestand,Formation1 Regiment von 1'600 Mann in 12 Kompanien.Herkunft Kader, TruppeDas Bataillon Buol ergänzt mit einem zweiten Bataillon aus Graubünden.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1708, Johann Anton Buol von Rietberg und von Strassberg (* 1671, † 1717 Wien, im Duell getötet, 1708 Ernennung zum Obersten durch Kaiser Leopold I., 1708 Landrichter und Haupt des Oberen Bundes, wurde zuletzt Generalmajor und k. k. Generalfeldwachtmeister) aus Parpan (Graubünden).Einsatz, EreignisseDas Regiment diente unter dem österreichischen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen in Spanien. Nachdem im Rastatter Friede 1714, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, die Lombardei wieder dem österreichischen Habsburger Kaiser Karl VI. zugesprochen worden war, gelang es diesem 1726, die vom spanischen Habsburger Philipp IV. 1639 mit Graubünden abgeschlossene Mailänder Konvention zu erneuern.
Aus dem im Dom zu Mailand beidseitig feierlich beschworenen Bündnis folgten die AushebungenFranz Gall: Militärische Beziehungen zwischen der Schweiz und Österreich, Artikel ASMZ, Band 133, 1967. in Graubünden von 1734 und 1743.
Polnischer Thronfolgekrieg Der Polnische Thronfolgekrieg wurde in Polen, am Rhein und in Italien, wo Österreich seine Position zu behaupten hatte, ausgetragen. Der Kaiser verstärkte sein Heer auch mit Schweizer Truppen. Spätestens nach dem Friedensschluss von Wien 1738 wurden sie wieder entlassen. Bezeichnung, Einsatzdauer(6aus) Regiment Schauenstein 1734–1739Jahr, Vertragspartner1734, Kapitulation von Graubünden mit Johann Anton Graf von Prié, Botschafter von Kaiser Karl VI.Bestand,Formation1 Regiment von 1'600 Mann in 2 Bataillonen. Von den 12 Kompanien war die Oberstenkompanie 170 Mann, die restlichen 11 130 Mann stark. Das Regiment wurde in Feldkirch und Meran gebildet.Herkunft Kader, TruppeAus Graubünden.Besitzer, Kommandant, NamensgeberThomas Franz von Schauenstein aus Trin (Graubünden).Einsatz, EreignisseDas Regiment kam im Tirol und als Besatzung in Mantua zum Einsatz. Es wurde 1739 in Cremona entlassen. Bezeichnung, Einsatzdauer(7aus) Regiment Schmid 1734–1736/(1740)Jahr, Vertragspartner1734, Kapitulation der Dreizehn Orte und von Bern zusätzlich mit Johann Anton Graf von Prié, Botschafter von Kaiser Karl VI.Bestand,Formation1 reformiertes Regiment von 12 Kompanien von 90 bzw. 130 Mann für den Friedens- bzw. Kriegsfall.Herkunft Kader, TruppeAus Bern 3, Zürich 3, Basel und Schaffhausen je 2 und Glarusreformiert sowie Appenzell-Ausserrhoden je 1 Kompanie.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1734, Oberst Kaspar Schmid von Goldenberg (1636 durch Kaiser Karl VI. zum k. k. Generalfeldwachtmeister ernannt) aus Zürich.Einsatz, EreignisseDas Regiment lag in Garnison in Konstanz, Freiburg i/B, Laufenburg, Rheinfelden, Waldshut und in den Waldstädten ohne Feindkontakt. Es wurde 1736 abgedankt, wobei die drei Berner Kompanien noch bis 1740 in kaiserlichen Diensten verblieben. Bezeichnung, Einsatzdauer(8aus) Regiment Nideröst 1734–1736Jahr, Vertragspartner1734, Kapitulation der Dreizehn Orte mit Johann Anton Graf von Prié, Botschafter von Kaiser Karl VI.Bestand,Formation1 katholisches Regiment von 12 Kompanien von 90 bzw. 130 Mann für den Friedens- bzw. Kriegsfall.Herkunft Kader, TruppeAus den katholischen Kantonen Luzern 2, Schwyz 2, Zug 3, Uri, Obwalden, Nidwalden, Solothurn und vom Fürstabt von St. Gallen, Joseph von Rudolphi, je 1 Kompanie.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1734, Franz Anton Nideröst von Schwyz, Sohn des Kommandanten des Regiments von 1702.Einsatz, EreignisseEinsatz in den Waldstädten, in Freiburg i/B, im Breisgau und in Konstanz ohne Feindberührung.
Österreichischer Erbfolgekrieg