Als Monopol (von ; von mit derselben Bedeutung) wird in den Wirtschaftswissenschaften und in der Wirtschaft eine Marktform bezeichnet, bei welcher nur ein Anbieter vorhanden ist.Diese Definition wird auf Aristoteles, Politik, I, 11 zurückgeführt; Joseph A. Schumpeter, (Elizabeth B. Schumpeter, Hg.): Geschichte der ökonomischen Analyse. Erster Teilband, Vandenhoeck Ruprecht, Göttingen 1965, S. 101.
Definitionen Marktteilnehmer auf einem beliebigen Markt (Gütermarkt, Finanzmarkt) sind die Anbieter und Nachfrager. Die Marktformen lassen sich hierbei auch danach unterscheiden, wie viele Anbieter oder Nachfrager vorhanden sind. Danach gibt es:Heinrich von Stackelberg, Marktform und Gleichgewicht, 1934, S. 195.Uta Neumann, Das Marktphasenschema, 1997, S. 38
Nachfrager viele wenige einer Anbieter viele Polypol Oligopson Monopson wenige Oligopol bilaterales Oligopol beschränktes Monopson einer Monopol beschränktes Monopol bilaterales Monopol
Der einzige Anbieter wird „Monopolist“ genannt.
Monopol: Bei einem Monopol gibt es in einem definierten Markt nur einen Anbieter. Beim Staatsmonopol tritt der Staat als alleiniger Anbieter eines Gutes auf. Der Begriff Monopol wird abseits der Wirtschaft mitunter gesellschaftlich und politisch gebraucht, etwa für das Gewaltmonopol des Staates oder das Informationsmonopol. Stehen einem großen, marktbeherrschendem Anbieter und viele kleine Anbieter gegenüber, spricht man von einem Teilmonopol. Der große Anbieter ist dann durch seine marktbeherrschende Stellung in der Preisbildung weitestgehend unabhängig vom Wettbewerb.
Monopson: Mitunter wird auch, entgegen der etymologischen Bedeutung (pōlein „verkaufen“) sowie der in diesem Artikel zugrunde gelegten Definition eine Marktsituation als Monopol bezeichnet, in der nur ein Nachfrager auftritt. Diese Form ist ein Nachfragemonopol in Abgrenzung vom oben skizzierten Angebotsmonopol. Üblich ist für das Nachfragemonopol jedoch die (auch etymologisch stimmige) Bezeichnung Monopson.Vgl. beispielsweise Bundesministerium der Finanzen: Glossar. abgerufen am 10. April 2013.
Bilaterales Monopol: Bei einem bilateralen Monopol stehen sich ein Anbieter und ein Nachfrager gegenüber.
Oligopol: Wenn es nur wenige Marktteilnehmer auf der Anbieterseite und viele Marktteilnehmer auf der Nachfragerseite gibt, spricht man von einem Oligopol. Das Quasi-Monopol, geprägt von Erich Preiser, bezeichnet eine Marktsituation, in der es wenige Anbieter und viele Nachfrager gibt, wobei die wenigen Anbieter zu Kartellen oder Trusts mit Preisabsprachen zusammengeschlossen sind. Dadurch sind Monopolgewinne möglich, es entsteht das Quasi-Monopol.
Duopol: Treten zwei Marktteilnehmer auf, handelt es sich um ein Duopol.
Polypol: Das Gegenstück zum Monopol ist das Polypol. Bei einem Polypol handelt es sich um einen Markt, in dem viele Nachfrager und viele Anbieter sich gegenüber stehen. Kein Anbieter oder Nachfrager kann den Preis beeinflussen, Anbieter produzieren solange ihre Grenzkosten unter dem Marktpreis liegen. Sie sind Preisnehmer und es herrscht Vollkommener Markt.
In den meisten Märkten gibt es weder Monopole oder Oligopole noch herrscht ein vollkommener Markt. Die meisten Anbieter können ihre Preise zumindest ein bisschen erhöhen, ohne alle ihre Kunden zu verlieren. Zum Beispiel kann ein Sportschuhherstellen den Preis seiner Schuhe um 10 % erhöhen, ohne dass der Absatz auf Null sinkt. Solche Anbieter bezeichnet man als Preisfixierer. Sie wählen den Preis für ihr Produkt, aber ihre Absatzmenge hängt stark vom Preis ab. Die Produkte von Preisfixierern sind zwar vergleichbar (wie Sportschuhe) aber nicht gleichartig. Nachfrager haben Präferenzen. Sie sind bereit mehr für ihr Wunschprodukt zu zahlen, da aber gute Ersatzprodukte vorhanden sind, sinkt der Absatz, wenn der Preis steigt. Dennoch gibt es für die Anbieter einen monopolistischen Preisspielraum. Es gibt Preisfixierer-Märkte mit niedrigen Einstiegsbarrieren und hoher Konkurrenz und solche mit hohen Einstiegsbarrieren, in denen sich monopolistische Strukturen bilden können.
Wie der bekannte Investor Peter Thiel in seinem Buch Zero to one betont, hängt die Definition eines Monopols von der willkürlichen Festlegung des zu betrachtenden Marktes ab: Erfolgreiche Unternehmen stellten sich gerne als unbedeutende Teilnehmer eines sehr großen Marktes dar. Google ist im Markt der Suchmaschinen mit einem Marktanteil von 79 % (2024) klar ein Monopolist. Betrachte man Google mit seiner Suchmaschinenwerbung aber als eine Firma für Online-Werbung, hält Google im globalen Markt für Werbung nur 3,4 % Marktanteil. Umgekehrt würden sich unbedeutende Unternehmen gerne als Monopolisten eines winzigen Marktes darstellen: „Niemand sonst verkauft britisches Essen in Palo Alto.“
In der Volkswirtschaft werden in der Regel Gleichgewichtszustände betrachtet. Das Monopol wird somit als statisch angesehen. Dabei wird die wichtige Rolle von Innovationen und die Dynamik des Marktes vernachlässigt. Ein dynamischer Markt wird in der Schumpeterschen Theorie der Innovationen beschrieben (siehe Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung). Demnach ermöglichen Pioniergewinne eine temporäre Monopolstellung und lösen damit Anreize zum Wettbewerb und den damit verbundenen Innovationen aus.
Marxismus-Leninismus Nach marxistisch-leninistischer Auffassung entsteht das Monopol aus der Konzentration und Zentralisation des Kapitals und wird zentral bestimmt als besonders reaktionäres Machtverhältnis. Das Wesen des Monopols, in welcher Form es sich auch immer realisiert, ist Herrschaft und Gewalt. Es ist eine Negation der freien Konkurrenz als der klassischen Triebkraft des Kapitalismus. Zwischen den Monopolen herrscht eine monopolistische Konkurrenz, vor allem im Kampf um den Einfluss auf den Staat. Über den Monopolprofit eignen sich Monopole erhebliche Teile des Mehrwerts auch der nichtmonopolistischen Betriebe an und machen sich die ganze Gesellschaft tributpflichtig.Rainer Winkelmann: Grundzüge und Probleme der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus. In: Rolf Ebbighausen: Monopol und Staat. Zur Marx-Rezeption in der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Frankfurt am Main 1974, S. 53 f.
Ursachen für Monopole Historisch wurden Monopole oftmals vom Staat garantiert wie zum Beispiel das Briefmonopol. Die volkswirtschaftlichen Kosten, die aus der Eliminierung von Konkurrenz und die dadurch erhöhten Konsumentenpreise entstehen, waren nicht bekannt. Den Regierungen erschien die Garantie von Monopolen als ein probates Mittel, Dienstleistungen zu vergüten, ohne Kosten für den Staat zu verursachen.
Charakteristisch für heutige Monopole sind hohe Eintrittsbarrieren und eine von dem Monopolisten produzierte Ware, für die es keine guten Ersatzprodukte gibt. Das Urteil, ob für eine Ware ein gutes Ersatzprodukt vorhanden ist oder nicht, kann subjektiv ausfallen. So ist ein Brief ein guter Ersatz für eine E-Mail, wenn es um die Kommunikation von zwei Anwaltskanzleien geht, aber nicht wenn die Geschwindigkeit der Kommunikation eine große Rolle spielt.
Hohe Eintrittsbarrieren entstehen z. B. durch
Skaleneffekte Staatliche Lizenzen oder andere rechtliche Barrieren Patente Kontrolle über entscheidende Ressourcen Netzwerkeffekte Lock-in-Effekte Kartelle Knowhow-Vorsprung
Skaleneffekte Wenn die Fixkosten einer Industrie groß sind, erreichen große Firmen niedrigere Stückkosten als kleine Firmen. Dies spielt unter Umständen keine Rolle, wenn die notwendigen Anlagen geleast und an einen anderen Standort gebracht oder zu einem späteren Zeitpunkt mit geringem Wertverlust wiederverkauft werden können. Dies ist jedoch oft nicht der Fall. Für manche Produkte ist eine aufwendige flächendeckende Infrastruktur erforderlich, wie bei Eisenbahnnetzen oder der Versorgung mit Strom, Wasser oder Gas. Somit werden diese Versorgungsunternehmen als sogenannte natürliche Monopole betrachtet.Paul A. Samuelson, William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre. 3. Auflage. 2007.
Staatliche Lizenzen oder rechtliche Barrieren Staatlich etablierte Eintrittsschranken sind die ältesten und verbreitetste Art, ein Geschäft vor möglichen Wettbewerbern zu schützen. Ehemals garantierten Könige exklusive Geschäftsrechte an begünstigte Personen oder Gruppen. Zölle erhöhen die Preise importierter Güter, Einfuhrquoten begrenzen die Einfuhrmenge. Für den Betrieb von Radio- und Fernsehkanälen werden staatliche Lizenzen benötigt. Ebenso für den Betrieb einer Bank, eines Energieversorgers oder sogar eines Taxis (siehe unten Staatliche etablierte Monopole).
Patente Industrieländer haben Patentrechte, die Erfindern ein zeitlich begrenztes Recht zur alleinigen Nutzung ihrer Erfindung garantieren. Andere dürfen das Produkt ohne die in der Regel kostenpflichtige Erlaubnis des Erfinders nicht nachbauen. Für den Konsumenten bringt das Patentrecht Vor- und Nachteile. Bei bereits entwickelten Produkten wird der Erfinder vor Konkurrenz geschützt. Dies führt für den Konsumenten zu höheren Preisen. Andererseits erhöht das Patentrecht den potentiellen Gewinn aus der Erfindung und Entwicklung neuer Produkte. Innovation und Erfindungen lohnen sich mehr. Mehr neue und innovative Produkte kommen auf den Markt.
Kontrolle über entscheidende Ressourcen Die Kontrolle über einen wichtigen Rohstoff für eine Produktion kann ein Unternehmen vor Konkurrenz schützen. So kontrollierte die Aluminum Company of America vor dem Zweiten Weltkrieg die bekannten Bauxit-Vorkommen Amerikas. Ohne diesen Rohstoff war es anderen amerikanischen Firmen nicht möglich, Aluminium zu produzieren.
Netzwerkeffekte Für Netzwerke wie Facebook und co. produziert ein weiterer Nutzer keine Kosten. Er erhöht im Gegenteil den Wert des Netzwerkes, weil noch mehr Leute darauf erreichbar sind. Netzwerkeffekte existieren für alle Kommunikationsmedien: Auch ein einzelnes Faxgerät ist nutzlos. Der Nutzen entsteht erst dadurch, dass fast alle Firmen eines haben.
Von ähnlichen Effekten profitieren auch Anbieter von Standardsoftware und Betriebssystemen: Je mehr Nutzer Microsoft Office nutzen, desto größer der Anreiz, ebenfalls dieses System zu nutzen, weil so die digitale Zusammenarbeit am besten funktioniert.
Lock-In-Effekt Bei Plattformen, technischen Systemen und Produkten bilden sich häufig dominante Standards heraus, die zu einer steigenden Bindung von Kunden an ein System führen. Hat der Kunde sich einmal für ein System entschieden, spart es Einarbeitungskosten, Schnittstellen, Kosten und Aufwand, für weitere anfallende Probleme bei dem einmal gewählten System zu bleiben.
Kartelle Wenn sich alle Anbieter auf gemeinsame Leistungen und Preise festlegen und so der Wettbewerb ausgeschaltet wird, spricht man von einem Kartell. Kartelle sind in der Regel nur in Oligopol-Märkten durchsetzbar. Für die Kartellteilnehmer besteht ein wirtschaftlicher Anreiz, die Kartellabsprachen zu unterlaufen. Ein Kartell ermöglicht mehreren Anbietern gemeinsam Monopolgewinne durchzusetzen. In den meisten Ländern sind solche Absprachen in der Regel illegal (in Deutschland: Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen).Werner Lachmann, A. K. Mitschke, S. Vogel: Volkswirtschaftslehre 2. Springer, 2004, ISBN 3-540-20219-6, S. 198. Gegenbeispiele sind die gesetzlich garantierten Preisverhandlungsmonopole der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände.
Knowhow-Vorsprung Einige Firmen haben allein dadurch eine Monopolstellung, dass ihr Produkt weit besser ist als mögliche Ersatzprodukte. So hält Google im Markt der Suchmaschinen einen Marktanteil von 79 % (2024). ChatGPT dominiert den Markt der KI-Tools derzeit mit 69,9 % (2024).
Mikroökonomische Theorie des Monopols Preissetzungsverhalten des Monopolisten Ein Monopolist braucht bei der Preisgestaltung keine Rücksicht auf (etwaige) Wettbewerber zu nehmen. Seine Nachfragekurve ist die Marktnachfragefunktion , der durchsetzbare Preis ergibt sich aus der Inverse (Preis-Absatz-Funktion) . Seine Kostenfunktion sei .