mini|Rudolf Marcuse, etwa 1909|309x309px mini|Rudolf Marcuses Signatur|202x202px Rudolf Marcuse (* 15. Januar 1878 in BerlinGeburtsregister StA Berlin VI, Nr. 189/1878.; † 3. April 1940 in London, Vereinigtes Königreich)Joseph Walk, Leo Baeck Institute: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden. 1918–1945. Walter de Gruyter, 1988, ISBN 3-11-158087-3. S. 256 (books.google.de). war ein deutscher Bildhauer.

Leben und Werk Rudolf Marcuse, Sohn eines Kaufmanns, studierte an der Akademie der Künste in Berlin bei Ernst Herter.Jutta von Simson: Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Mann, 1990, ISBN 3-7861-1599-0. S. 516. Er erhielt 1902 vom Kuratorium ein „Stipendium zur Fortsetzung seiner Studien“.Chronik der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. 1902. S. 64. 1903 gewann er mit seinem Relief Das Urteil des Salomon den Michael-Beer-Preis sowie 1910 die SilbermedailleMarcuse, Rudolph. In: Isaac Landman: The Universal Jewish Encyclopedia. An Authoritative and Popular Presentation of Jews and Judaism Since the Earliest Times. Band 7. Publisher Universal Jewish Encyclopedia, Incorporated, 1942. und den Prix de RomeArtikel über Rudolf Marcuse im Apollo Magazine, 1928. S. 172–174., was ihm einen Aufenthalt in der Villa Strohl-Fern ermöglichte.Artisti a Villa Strohl-Fern: Luogo d’arte e di incontri a Roma tra il 1880 e il 1956. Gangemi Editore spa, ISBN 88-492-9492-1, S. 189 (books.google.de). Weiterhin wurde er auf der Ausstellung Brüssel International – 1910 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Marcuse setzte immer wieder öffentliche Aufträge um. So schuf er beispielsweise das Denkmal für Moses Mendelssohn im Vorgarten der Jüdischen Knabenschule in Berlin (Einweihung 1909),Richard Faber, Barbara Naumann: Literatur der Grenze, Theorie der Grenze. Königshausen & Neumann, 1995, ISBN 3-8260-1047-7, S. 29 (books.google.de). das 1941 von Angehörigen der SA zerstört wurde.Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke, Kathrin Chod, Herbert Schwenk, Hainer Weisspflug: Berlin Mitte. Das Lexikon. Stapp Verlag, 2001, ISBN 3-87776-111-9, S. 348.

mini|Statue Carl Hagenbecks mit dem Löwen Triest, 1926|222x222px

Von Marcuse stammte auch das Bildnis des Zoodirektors Carl Hagenbeck mit dem Löwen Triest in Hamburg-Stellingen von 1926, gegossen von der Düsseldorfer Bronzegießerei.Volker Plagemann: Vaterstadt, Vaterland, schütz dich Gott mit starker Hand. Denkmäler in Hamburg. Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg. H. Christians, 1986, ISBN 3-7672-0967-5, S. 193.

Der Künstler war zudem bekannt für zahlreiche Bronzestatuetten im Jugendstil und im Stil des Art déco wie der Diskuswerfer, der Schwertkämpfer oder die Amazone, von denen viele von der Berliner Bildgießerei Hermann Gladenbeck handwerklich umgesetzt wurden.Harold Berman: Bronzes. Sculptors & founders, 1800-1930. Band 4. Abage, 1974, S. 875. Dabei bediente er vornehmlich einer symbolistischen Bildsprache. sich Er entwarf Porzellanfiguren für die Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst, die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (1911–1913) und für die Manufaktur Rosenthal (1913 – ca. 1919) mit Titeln wie Im Wind (1913), Vor dem Bade (1913), Überbrettl (1914), Pudel Serenade, Traubenträgerin (1917) und Ägyptische Tänzerin.Karl H. Bröhan, Dieter Högermann, Reto Niggl: Porzellan: Bildende Kunst und Design 1889 bis 1939. Bröhan-Museum, Berlin 1993, S. 83, 174.

Rudolf Marcuse fertigte 37 Skulpturen von Angehörigen unterschiedlichster Völker in deutschen Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs an. Diese waren ursprünglich für ein noch einzurichtendes „Reichskriegsmuseum“Johannes Pommeranz: Das Reichskriegsmuseum. Eine Architekturvision für Berlin. In: Frank Matthias Kammel, Claudia Selheim (Hrsg.): Kriegszeit im Nationalmuseum. Nürnberg 2016, S. 184–193 (uni-heidelberg.de). als Visualisierung von „Völkertypen“ bestimmt und trugen die Titel Russischer Pope, Inder (Sikh), Marokkaner, Schotte I, Schotte II, Tongkinese, Algerischer Araber, Russe, Tunesier, Sibirier, Russe mit Guitarre, Französischer Alpenjäger, Fulbe aus dem franz. Sudan, Araber, Franzose, Engländer, Korse, Rumäne, Somali, Australier, Sibirier, Araber, Araber II, Marokkaner, Dahomeyneger I, Dahomeyneger II, Turko, Tscherkesse, Japaner, Alter Japaner I, Alter Japaner II, Italiener, Neger aus Algier, Französischer Kolonialsoldat (Senegalneger), Frierender Russe, Neger aus Liberia, Inder (Radschput).Sammeldatensatz Mappe „Völkertypen“. Eine Sammlung von Kunstblättern in Kupfertiefdruck nach Skulpturen von Rudolf Marcuse. Jüdisches Museum Berlin (objekte.jmberlin.de).Max Osborn: Rudolf Marcuses Völkertypen aus dem Weltkrieg. In: Ost und West: illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum (1901–1923). 11–12, S. 281–286. 1919 gab der Verleger Gustav Fock in Leipzig eine Sammlung von Kunstblättern in Kupfertiefdruck mit Bildern von Marcuses „Völkertypen“-Skulpturen heraus. Die im Merzdorfer Kriegsgefangenenlager angefertigten Skulpturen wurden später im Städtischen Museum Cottbus präsentiert.Fritz Schmidt: Städtisches Museum zu Cottbus. Kleiner Führer. Cottbus 1925. S. 26. Sie gelten heute als verschollen.

Weitere Werke (Auswahl): mini|Danae, etwa 1905|210x210px mini|Rudolf Marcuse, Berlin 1911|259x259px

Rudolf Marcuse heiratete im November 1915 die deutsch-jüdische Bildhauerin Elisabeth Seligsohn (geb. Schlomer). Der Künstler, selbst Jude, hatte noch im Jahr 1930 Preisgeld in Höhe von 2200 Reichsmark vom Preußischen Kultusministerium erhalten;Kristina Kratz-Kessemeier: Kunst für die Republik. Die Kunstpolitik des preußischen Kultusministeriums 1918 bis 1932. Walter de Gruyter, 2008, ISBN 3-05-006212-6, S. 712 (books.google.de). ab 1933 wurden jedoch nationalsozialistische Kriterien bei der Auswahl von Stipendiaten angelegt, sodass Marcuses Bewerbungen „schon aus Gründen seiner nichtarischen Rasse nicht befürwortet“ wurden.Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Walter de Gruyter, 2002, ISBN 3-05-008119-8, S. 342 (books.google.de).

Marcuse verließ Deutschland am 30. Oktober 1936 per Schiff von Bremen nach Southampton in England,Bremer Passagierlisten. Suchwort „Marcuse“. jedoch nicht in Begleitung seiner Ehefrau. 1939 heiratete er seine zweite Frau, Alice Marcuse. Bis zu seinem Tod im April 1940 lebte er in London.Victor Werner: POW (prisoner-of-war) bust of a Tonkinese man.

Museen Vor allem Bronzeplastiken von Marcuse finden sich heute in Museen, unter anderem im Georg Kolbe Museum Berlin und im Museum Wiesbaden. Ab 1914 arbeitete Marcuse an der Mappe „Völkertypen“, in welcher er in Deutschland Kriegsgefangene verschiedener Nationalität porträtierte. Eine umfangreiche Sammlung dieser Mappe und Skulpturen besitzt das Jüdische Museum Berlin.

Ausstellungen (Auswahl) Marcuse zeigte seine Arbeiten unter anderem auf folgenden Ausstellungen: Große Berliner Kunstausstellung 1902, 1903, 1905–1914, 1916, 1923, 1925, 1926, 1928 und 1929. Jahresausstellung im Münchner Glaspalast 1906, 1907, 1911. Sonderausstellung „Gußeisen“ im Kunstgewerbemuseum Berlin 1916.

Literatur M. Rapsilber: Rudolf Marcuse. In: Alexander Koch: Deutsche Kunst und Dekoration: Illustrierte Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerisches Frauen-Arbeiten. Ausgabe 19. Alexander Koch, 1907. S. 254–256 (uni-heidelberg.de). Marcuse, Rudolf. In: Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 4. Czernowitz, 1929, S. 267.

Marcuse, Rudolf. In: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 256. Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs de tous les temps et de tous les pays par un groupe d’écrivains spécialistes français et étrangers. E., Band 9, Éditions Gründ, Paris 1999. S. 200. Alberto Shayo: Statuettes art deco period. Antique Collectors Club Art Books, 2016, ISBN 1-85149-824-9. S. 176 (issuu.com). T. Murray, & H. Howes, Douglas Grant and Rudolf Marcuse: Wartime encounters at the edge of art, History and Anthropology, DOI:10.1080/02757206.2019.1607730

Weblinks

Rudolf Marcuse. In: invaluable.com, mit Bildern von Arbeiten Marcuses Rudolf Marcuse (German, 1878–1930) In: artnet, mit Bildern von Arbeiten Marcuses

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Künstler des Jugendstils Kategorie:Bildhauer des Art déco Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1878 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann