Von 1568 bis 1829 standen 31 Schweizer Truppen in niederländischen Diensten, schätzungsweise gesamthaft rund 80'000 Mann.
Sie waren in drei Abschnitten der Geschichte der Niederlande im Einsatz: erstmals vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (ab 1581 im Heer () der Republik der Vereinigten Niederlande, auch Generalstaaten genannt), im 18. Jahrhundert in Afrika und Asien für die Niederländische Ostindien-Kompanie und im 19. Jahrhundert in der Armee der nach dem Wiener Kongress 1815 entstandenen konstitutionellen Monarchie des Vereinigten Königreichs der Niederlande.
Schweizer Truppen in fremden Diensten waren der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland.
Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war).
Übersicht der Schweizer Truppen in niederländischen Diensten
Generalstaaten1581–1692vor der ersten Kapitulation mit Zürich#nedBezeichnungJahrFürst Wilhelm I. von Oranien 1544–1584Statthalter 1572–15841Freikorps 15681568Statthalter Moritz von Oranien 1584–16252Freikorps 15981598–k. A.Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien 1625–1647Statthalter Wilhelm II. von Oranien 1647–1650Statthalter Wilhelm III. von Oranien 1672–17023Leibgarde «Guardes Switzers»1672–k. A.4Regiment Wattenwyl1676–1686König Wilhelm III. von Oranien 1689–1702König von England, Schottland und IrlandKönigin Maria II. 1689–1694Königin von England, Schottland und Irland.5Freikompanie Zürich1 (Edlibach)16926Freikompanie Zürich2 (Holzhab)16927Freikompanie Zürich316928Freikompanie Basel (Sequin)16929Freikompanie Glarus (Paravicini)169210Freikompanie Bern1 (Erlach)169211Freikompanie Bern2 (Morlot)1692 Generalstaaten1693–1796nach der ersten Kapitulation mit Zürich#nedBezeichnungJahr12Defensivbataillon Lochmann 169313Regiment Capol1693–179714Regiment Mülinen1693–171715Regiment Lochmann1693–171416Regiment Tscharnerab 1772 Regiment Zwitzers Nr. 31694–179617Regiment Muraltab 1772 Regiment Zwitzers Nr. 51697–179618Regiment Sacconay1694–171419Regiment Albemarleab 1772 Regiment Zwitzers Nr. 11701–179620Regiment Diesbach1711–171421Freikompanie Lullin1746–1748Statthalter Wilhelm IV. von Oranien 1747–175122Regiment Budé1748–174923Regiment Graffenried1748–174924Regiment Chambrier1748–1751.Pensioenen van de Switsersche Officieren van de 6 compagnien van het Regiment van Chambrier25Regiment Stürlerab 1772 Regiment Zwitzers Nr. 21748–179626Schweizer Garderegiment1749–1796 Niederländische Ostindien-Kompanie1602–1798#nedBezeichnungJahrStatthalter Wilhelm V. von Oranien 1751–179527Kolonialregiment Meuron1781–1796Königreich der Vereinigten Niederlande1815–1831(1839)König Wilhelm I. der Niederlande 1815–184028Regiment Ziegler1814–182929Regiment Kirchberger1814–182930Regiment Sprecher1814–182931Regiment Auf der Maur1814–1829
Die «Niedere Lande», durch Heirat gewonnen, durch Intoleranz verloren mini|Die Aufteilung des Herzogtums Burgund im Vertrag von Senlis 1493 Das Haus Burgund, eine Seitenlinie der französischen Könige aus dem Haus Valois, hatte bis ins Spätmittelalter beidseits der französisch-deutschen Grenze aus zahlreichen Territorien ein Herrschaftsgebiet geschaffen. Dessen wirtschaftliche Blüte machte sie zeitweise zu den mächtigsten Fürsten Europas.
Für den westlichen Teil waren die Herzöge von Burgund dem französischen König und für das östliche Gebiet dem römisch-deutschen Kaiser lehenspflichtig.
Der Ehrgeiz von Herzog Karl dem Kühnen, daraus ein eigenständiges Königreich zu schaffen, mündete in die Burgunderkriege und führte 1477 zu seinem Tod in der Schlacht bei Nancy. Das Erbe Karls, der ohne männliche Nachkommen gestorben war, fiel an Maria seine Tochter, die damit zur begehrtesten Heiratspartie Europas wurde.
Das Rennen machte Maximilian I., ein Habsburger. Seine Heirat 1477 mit Maria in Gent machte ihn iure uxoris zum Herzog von Burgund und das Herzogtum zum Teil des habsburgischen Hausbesitzes.
Es war der Beginn des Aufstiegs Habsburgs zur Weltmacht, löste aber auch den Burgundischen Erbfolgekrieg aus. Er endete 1493 mit dem Vertrag von Senlis, der den nördlichen Teil des Herzogtums Burgund Habsburg zusprach. Kaiser Karl V. vereinigte während seiner Herrschaft 1500–1558 diese «Niedere Lande» mit Belgien und Luxemburg.
Sein streng katholischer Sohn, Philipp II., stiess 1568 durch seine religiöse Intoleranz und absolutistische Haltung auf den Widerstand der calvinistischen nördlichen Provinzen, die sich im Achtzigjährigen Krieg 1579 als Republik der Sieben Vereinigten Provinzen (auch Generalstaaten genannt) von Habsburg lösten.
Die Generalstaaten behaupten sich mini|Die sieben nördlichen Provinzen (Generalstaaten) Die ersten Aufwallungen des niederländischen Aufstandes konnten die spanisch-habsburgischen Statthalter in den Niederlanden noch blutig niederschlagen.
Aber dann, ausgehend von der grössten und mächtigsten Provinz Holland, gelang es den niederländischen Statthaltern aus dem Haus Oranien, nacheinander Wilhelm I., Moritz, Friedrich Heinrich und Wilhelm II., die Loslösung von spanisch Habsburg zu erkämpfen.
Die Selbständigkeit der Generalstaaten, die gleichzeitig aus dem römisch-deutschen Reich ausschieden, musste von Philipp II. 1648 im Frieden von Münster im Rahmen des Westfälischen Friedenskongresses anerkannt werden.
Für den Erfolg wichtig waren auch die 1602 gegründete Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) und die 1621 entstandene Niederländische Westindien-Kompanie (WIC).
(Die VOC war die niederländische Antwort auf die Britische Ostindien-Kompanie (BEIC). Sie war 1600 durch einen Freibrief von Königin Elisabeth I. entstanden und mit weitest gehenden Rechten, Privilegien, Monopolen sowie einer eigenen Armee ausgestattet, mit dem Zweck – vereinfacht gesagt – die Kolonien in Asien hemmungslos ausbeuten zu können.)
Die Kontrolle des Gewürzhandels von Hinterindien nach Europa durch die VOC und die Überfälle auf die spanischen Silbertransporte sowie der Sklavenhandel der WIC spülten beträchtliche Mittel in die Kassen der Generalstaaten.
Aus der Eidgenossenschaft waren nur nicht offizielle Truppen beteiligt.
Bezeichnung, Einsatzdauer(1ned) Freikorps 1568 nicht regulär 1568Jahr, Vertragspartner1568, Privatkapitulation von Schweizer Hauptleuten mit Wilhelm I.Bestand,FormationZwei Schweizer Truppen.Herkunft Kader, Truppek. A.Besitzer, Kommandant, NamensgeberGenannt werden die zwei Hauptleute Claes Hatstaet und Veyt Schoner, beide vermutlich aus Basel.Einsatz, EreignisseEinsatz mit Fürst Wilhelm I. von Oranien, in der Anfangsphase des Achtzigjährigen Krieges gegen die spanischen Truppen, zusammen mit zwei weiteren Regimentern. Bezeichnung, Einsatzdauer(2ned) Freikorps 1598 nicht regulärFrederik Jan Gustaaf ten Raa und François de Bas: Het Staatsche leger 1568–1795, Teil 2, De Koninklijke Militaire Academie, Breda 1913.Robert Murray Bakker (Albach): Die Schweizer Regimenter in holländischen Diensten 1693-1797, Artikel in Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Familienforschung, 1989, S. 57–104, wiedergegeben in Texte zur Geschichte von Untervaz, Untervazer Burgenverein, Untervaz, 2012. 1598–k. A.Jahr, Vertragspartner1598, Beschluss der Generalstaaten. Privatkapitulation des Zürchers Hans Krieg?Bestand,FormationFreikorps, bestehend aus 4 Kompanien von 150 Mann, 1600 zusätzlich eine 5. Kompanie mit 250 Mann.Herkunft Kader, TruppeAus in Frankreich abgedankten Schweizer Truppen.Besitzer, Kommandant, NamensgeberHans Krieg von Bellikon befehligte die anfänglich 4 Kompanien mit den Hauptleuten Guillaume du Puy, Hans Krieg selber, Hans Meyer von Zürich, Hans von Saxen (Sax, Sachs) aus Unterwalden und später noch Johann Bernhard Sandino aus Zürich.Einsatz, EreignisseDie Truppe wurde in Dordrecht gesammelt und kam in der für die Generalstaaten siegreichen Schlacht von Nieuwpoort von 1600 in der zweiten Schlachtreihe zum Einsatz. Bereits 1605 suchte der Beauftragte der Generalstaaten, Pieter van Brederode, bei den reformierten Kantonen Bern, Zürich, Basel und Schaffhausen um finanzielle und militärische Hilfe nach. Sie wurde ihm verweigert, jedoch wenigsten zugestanden, den spanischen und italienischen Truppen aus Mailand die Passage durch die Schweiz nach Norden zu verwehren.
Die Kontakte wurden jedoch aufrechterhalten. So gelang es 1653 Bürgermeister Stokar von Schaffhausen – pendelnd zwischen Den Haag und London – mit Erfolg einen Frieden zwischen den Generalstaaten und Oliver Cromwell zu vermitteln.
Doch 1666, und zwei Jahre später noch einmal, lehnten die reformierten Kantone ein Gesuch zur Aushebung von zwei Schweizer Regimentern für niederländische Dienste mit dem Hinweis auf den französischen Vertrag wiederum ab. Der französische Gesandte in der Schweiz konnte Pensionen austeilen, sein niederländischer Gegenspieler nur mit Argumenten aufwarten! Schon fast verzweifelt berichtete er die Aussage eines katholischen eidgenössischen Abgeordneten nach HauseOskar Erismann: Schweizer in holländischen Diensten, Blätter für Bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, XII. Jahrgang, Heft 4, Druck und Verlag von Gustav Grunau, Bern 1923.:
Die reformierten Kantone sind verunsichert Doch 1672, als der französische König Ludwig XIV. mit einem gewaltigen Heer die Niederlande angriff, begann die Stimmung in den reformierten Kantonen zu kippen. Ludwigs aggressive Politik hatte sich auch der Eidgenossenschaft genähert: Er hatte sich ohne Rücksicht auf die eidgenössischen Demarchen die neutrale Freigrafschaft Burgund einverleibt, das mit den Schweizern von alters befreundete Strassburg widerrechtlich besetzen lassen, den Baslern die Festung Hüningen vor die Tore der Stadt gesetzt und Genf von Savoyen aus bedroht. Die Eidgenossen wurden langsam misstrauisch.
Wilhelm III. konnte die Franzosen an der Wasserlinie stoppen. Er hatte grosse Teile des Landes unter Wasser setzen lassen. Er legte sich eine Schweizer Leibgarde zu und schickte noch 1672 seinen Generalbevollmächtigten, Abraham de Malapert, vor die Tagsatzung aller Eidgenossen und deponierte dort einen Protest gegen den Einsatz von Schweizer Truppen im französischen Angriffsheer.
Bern untersagte daraufhin seinem Regiment Erlach und weiteren aus seinem Gebiet ausgehobene Kompanien, sich weiter am Angriff auf die Niederlande zu beteiligen.
Bezeichnung, Einsatzdauer(3ned) Leibgarde «Guardes Zwitzers» 1672–k. A.Jahr, Vertragspartner1672, teilweise Anstellung als Domestiken. Unterstützung durch den mit den Statthaltern aus dem Haus Oranien weitläufig verwandten, ins Bürgerrecht der Stadt Bern aufgenommenen Burggrafen Friedrich von Dohna.Bestand,FormationEine Kompanie von bis zu 100 Hellebardieren.Herkunft Kader, TruppeMehrheitlich aus Bern.Besitzer, Kommandant, Namensgeber1672, Burggraf Friedrich von Dohna.Einsatz, Ereignisse1752 scheint die Leibgarde «Cent Suisse» (deutsch: Hundertschweizer) immer noch existiert zu haben.
1673 schritt Wilhelm III. zur Gegenoffensive. Bern duldete in diesem Krieg zum ersten Mal die Aushebung eines Regiments für die Generalstaaten in seinem Gebiet. Diese Auseinandersetzung zwischen Frankreich und den Niederlanden wurde 1678 im Frieden von Nijmegen beendet.
Bezeichnung, Einsatzdauer(4ned) Regiment WattenwylBeat Emmanuel May (von Romainmôtier): Histoire Militaire de la Suisse et celle des Suisses dans les differents services de l’Europe. Tome VIII, J. P. Heubach et Comp., Lausanne 1788.Heinrich Türler, Viktor Attinger, Marcel Godet: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Vierter Band, Neuenburg 1927. 1776–1786Jahr, Vertragspartner1676, Privatkapitulation von David von Wattenwyl mit den Generalstaaten für die Dauer von 10 Jahren, von Bern und Zürich geduldet.mini|x200px|Musketier mit Gabelmuskete, Degen und Bandelier mit Pulverhorn, die brennende Lunte in der linken Hand