mini|Teilansicht von Villa Badessa Villa Badessa (in Arbëresh, IPA: [ar'bəreʃ]: Badhesa) ist eine Fraktion der italienischen Gemeinde Rosciano in der Provinz Pescara, Region Abruzzen, mit 208 Einwohnern (Stand 2016) und eine der vielen historischen albanischen Siedlungen der Arbëresh in Süditalien. Die 1743 gegründete Fraktion ist die nördlichste und die einzige von griechisch-albanischen Familien gegründete Siedlung in den Abruzzen und gilt als die „östliche Oase“ im Herzen der Abruzzen.Lino Bellizzi: Villa Badessa, Oasi orientale in Abruzzo

Durch das Gesetz Nr. 482 Zum Schutz der historischen Sprachminderheiten vom 15. Dezember 1999 gehören auch die Badessani zu den geschützten ethnischen Minderheiten in Italien. Während die albanische Sprache, ein Unterdialekt des Toskischen, heute kurz vor dem Aussterben steht, hat sich in der religiösen und kulturellen Tradition das östliche Erbe einschließlich des byzantinischen Ritus' gut erhalten.

Lage und Daten Villa Badessa liegt 3,24 Kilometer nördlich von Rosciano und etwa 23 Kilometer südwestlich von Pescara. Das Straßendorf mit 86 Häusern (Stand 2016) wurde in geschützter Lage auf einem niederen Bergrücken (161 m ü. M.) zwischen der Adriaküste im Osten, dem Gran Sasso (2914 m) im Westen und der Majella (2793 m) im Süden angelegt. Das Gelände besteht aus sandigem und lehmigen Boden beziehungsweise dem Erosionsprodukt von Tuffstein.Sopravvivenze linguistiche arbëreshe a Villa Badessa, S. 16

Der nächste Bahnhof befindet sich in Rosciano. Allerdings bevorzugen die Badessani die Bahnhöfe von Chieti Scalo (12 Kilometer) und Pescara, weil sie einfacher zu erreichen sind.

Nach der italienischen Klassifizierung der seismischen Aktivität wurde die Provinz Rosciano der Zone 2 (in einer Skala von 1 bis 4) der Zone D zugeordnet.

Geschichte Villa Badessa, einst ein Grundstück mit einem Haus, gehörte zu hoch verschuldeten Università ()auch: Universitas (Vereinigung aller Bürger), ein mittelalterliches Verwaltungsorgan (Kommune) in Süditalien, das von 1266 bis 1807 bestand. Planella [Pianella] und wurde 1641 für 2500 Dukaten an den Abt G. Domenico Orsi verkauft. Dessen Neffe verkaufte das Grundstück an G. Tedesco, der es an das Haus Farnese weiterverkaufte. Durch die Heirat der letzten Erbin Elisabetta Farnese, Mutter von Karl VII. (als Karl III. König von Spanien), mit dem spanischen König Philipp V. am 16. September 1714 ging das Grundstück an die Bourbonen.

Vorgeschichte

mini|hochkant=1.2|Epirus in der Antike mini|hochkant=1.2|Die Region Çamëria innerhalb Albaniens und Griechenlands

Villa Badessa, eine kleine albanische Gemeinde in den Abruzzen, die im 18. Jahrhundert gegründet wurde, ist in Anbetracht des damaligen Gebietes viel enger mit den Offizieren und Rekruten des Fremdenregimentes Real Macedone verbunden als mit einer Auswanderung aufgrund der osmanischen Unterdrückung. Das Gebiet um Saranda (Ursprung der Badessani) war schon lange von den Osmanen unterworfen worden, und die Intoleranz gegenüber ihrer Herrschaft entstand sicherlich nicht erst im 18. Jahrhundert.

Nach dem Literat Pasquale Castagna haben die 25 RekrutenAniello D’Iorio: Inizi di un insediamento albanese nei feudi borbonici des Kapitäns des Fremdenregimentes Real Macedone, Costantino Blasi (auch Vlasi oder Wlasj), auf ihre Prämie (Gehalt) verzichtet und König Karl VII. darum gebeten, ihre albanischen Verwandten vorübergehend im Königreich Neapel aufzunehmen, solange die muslimische Herrschaft wütete. Der König akzeptierte und stellte 3.000 GolddukatenPasquale Castagna: Villa Badessa. In: Il Regno delle Due Sicilie descritto ed illustrato. Vol XVII, Abruzzo ulteriore I, fasc. 6. Pansini, Napoli 1853, S. 132. zur Deckung der Reisekosten von Albanien nach Neapel zur Verfügung.

Nach Lino Bellizzi stammten die Angehörigen der Soldaten aus Piqeras, Lukova, Klikursi, Shën Vasil und Nivica-Bubar. Aber diese Menschen waren sehr unentschlossen, ob sie ihr Haus und Hof verlassen sollten oder nicht. Der bloße Gedanke einer Auswanderung konnte zu einem Todesurteil werden.

Am 6. Dezember 1742 überfiel die zum Islam bekehrte albanische Bevölkerung von Borsh und Golëm im Kurvelesh die christliche Nachbargemeinde Piqeras (einem zwischen Borsh und Lukova in der Çamëria gelegenen Ort) und verprügelte deren Einwohner. Als Nachfahren und Imitatoren ihrer [christlichen griechisch-orthodoxen und mutigen] Väter und, obwohl sie nur 47 waren, widersetzten sie sich für sechs Tage im Ceraunischen Gebirge. 27 Muslime aus Borsh wurden getötet, während kein Christ sein Leben verlor., abgerufen am 21. Februar 2015 An diesem Punkt fiel die Entscheidung auszuwandern leichter, denn für einen Christen war es verboten, Waffen zu tragen, und da sie in den sechs Tagen blutiger Kämpfe 27 Menschen getötet hatten, war es offensichtlich, dass sie bewaffnet waren.

Am 12. oder 13. Dezember 1742 verließ die Bevölkerung von Piqeras (Piqerasiotët genannt), ihren Heimatort.1856 gab es in Piqeras 60 christliche Häuser, deren Bewohner Griechisch und Arvanitika sprachen. (Leonidas Kallivretakis, S. 224) Während sich eine kleine Gruppe in den angrenzenden Ort Lukova und Umgebung begab, zogen die anderen unter der Obhut ihres albanischen PapasWeltgeistlicher in der Ostkirche Macario Nikàs (Nica) und des Diakons Demetrio AtanasioArchivio di Stato di Napoli (Ein herzlicher Dank geht an Frau Antonietta Schimanski (Nachkommin der Familie Blasi) aus Villa Badessa.) über Lukova, Klikursi, Shën Vasil und Nivica-Bubar. Als sie sich in der Nähe des Meeres (wahrscheinlich in der Nähe von Saranda) versammelt hatten, um auf die venezianische Insel Korfu zu gelangen, wurden sie von einem Muslim entdeckt, der drohte, sie anzuzeigen. Einer der Christen erschoss den „Barbar“. Angeführt von Spiro Idrio [Andrea?] und Demetrio d’Attanasio schifften sie sich schnell nach Korfu ein, wo sie sich vom Heiligen Spyridon, dem Beschützer Korfus, beschützt fühlten. Nach dem griechischen Schriftsteller K.Ch. Vamvas begaben sich die Familien auf die Insel Othoni, die damals zur Republik Venedig gehörte, wo sie auf die königlichen Schiffe warteten, die sie nach Brindisi bringen sollten. Während die Piqerasiotët warteten, begaben sich die Brüder De Martino heimlich nachts nach Piqeras, um aus der Marienkirche des Klosters Kremesove die Ikone der Heiligen Maria Hodegetria (von altgriechisch: die Richtung Weisende) zu holen. Sie sollte den Flüchtlingen den richtigen Weg weisen. Die Ikone befindet sich noch heute in der Santa-Maria-Assunta-Kirche in Villa Badessa.

mini|links|hochkant=1.7|Die wahrscheinliche Auswanderungsroute der Bevölkerung von Piqeras nach Villa Badessa in den Abruzzen Nach offiziellen Dokumenten kamen die griechisch-albanischen Familien am 4. März 1743 per Schiff in Brindisi im Königreich Neapel an.Sopravvivenze linguistiche arbëreshe a Villa Badessa, S. 14 In der adriatischen Stadt wurden sie registriert, wurden Bürger des Königreichs Neapel und machten die notwendige Quarantäne für den Verdacht, dass die Herkunftsorte von der Pest befallen waren. In den folgenden Monaten des Aufenthalts in Brindisi sorgte Don Giulio Cayafa, „Kastellan der königlichen Schlösser zu Meer und zu Land von Brindisi“ für ihre Bedürfnisse. Er schoss Geld für die Erhaltung der Familien vor, indem er Brot, Wein und alles andere kaufte, was für ihr Überleben notwendig war. Zu den vom Kastellan vorgeschossenen Beträgen kam noch die finanzielle Hilfe von Giovanni Garofano Buonocore, königlicher Steuereinzieher der Provinz Lecce, dem der königliche Hof einen Teil des Geldes zwischen November 1743 und dem folgenden April zurückbezahlte.

Don Giulio Cayafa setzte sich kurz nach der Ankunft der Familien mit Josè Joaquìn de Montealegre, Herzog von Salas und 2. Staatssekretär von König Karl VII., in Neapel in Verbindung, um ihn über die Situation in Brindisi zu unterrichten, und drängte, die Familien irgendwo so schnell wie möglich unterzubringen.

Am 12. Oktober 1743 teilte Montealegre dem Tutor der allodialen Güter der Familie Farnese von Penne, Marquis Don Antonio Castiglione mit, dass der König beschlossen hatte, die 17 Familien auf dem vom Lehen Penne abhängigen Anwesen Bacucco, dem heutigen Arsita, in den Abruzzen unterzubringen, und beauftragte ihn, den Familien, die sich bereits in Brindisi befanden, die notwendige Unterstützung für ihre Unterkunft zu geben, bis die Brief von Montealegre an Antonio Castiglione, Archiv Penne, Nr. 1820, Volume 8, Nr. 6, Jahr 1743

Die Familien suchten in der Zwischenzeit nach einer Bleibe in Apulien, aber nach einem Sommer mit großer Hitze und wenig Wasser gefiel ihnen dieses Gebiet nicht. Aus einem Dokument vom 15. November 1743 geht hervor, dass die Familien begleitet vom Hilfsmajor Don Demetrio Gicca Micheli und den Hauptmännern Blasi und Pali des Fremdenregimentes Real Macedone nach 16 Reisetagen Pianella in den Abruzzen erreichten. Die Familien wurden in zwei Häusern der Familie Farnese in der Straße neben der Mutterkirche Sant'Antonio Abate untergebracht.

Marquis Castiglione gab die entsprechenden Befehle aus und schrieb auch ein Buch, in dem die Ausgaben für die albanische Kolonie aufgezeichnet wurden. Dabei fehlte auch der Unterhalt nicht: bis zum Oktober 1744 wurde den 18 Familienoberhäuptern für den täglichen Unterhalt und für notwendige Werkzeuge die Summe von 41 Grana (Plural von Grano; hier: Münze im Königreich Neapel und Sizilien, Malta und Spanien) und 2/3 regelmäßig ausbezahlt.

Die Gründung von Villa Badessa mini|Mann von Villa Badessa in Uniform, Aquarell von Michela de Vito, 1820 Die Einwohner von Pianella, Pianellesi genannt, waren erstaunt über das Aussehen der griechisch-albanischen Zuzügler und bezeichneten sie als „monströs“.Ausgrabungen aus dem Jahr 1968 brachten eine Grabstelle ans Licht, das ein zwei Meter großes intaktes Skelett enthielt. (Lino Bellizzi, 271) Sie waren sehr groß mit robustem Körperbau und bärtig.Lino Bellizzi, S. 15 Die Pianellesi versuchten die Neuankömmlinge so schnell wie möglich loszuwerden und nach schriftlichen Kommunikationen zwischen dem Staatssekretariat und den lokalen Vertretern soll den griechisch-albanischen Familien das Gebiet von Bacucco nicht gefallen haben. Anscheinend soll aber die Bevölkerung des königlichen Lehens Bacucco nicht damit einverstanden gewesen sein, sich das wenige Ackerland entreißen zu lassen und es mit den griechisch-albanischen Familien zu teilen.Federico Roggero, S. 546 An dieser Stelle besichtigten Castiglione, die Familienoberhäupter und die Offiziere des Fremdenregimentes Real Macedone, die die Gruppe in die Abruzzen begleitet hatten, auch Acquadosso, Santa Maria del Poggio und Rocca. Auch diese Lehen wurden als nicht fruchtbar genug abgelehnt. Es schien also ob es kein Land gab, das den griechisch-albanischen Familien angenehm war.

Die Pianellesi, kompromisslos gegen die Aufnahme der Albaner auf dem angrenzenden ländlichen Lehen ihrer Università, Grundbesitz der Familie Farnese, wandten sich an den König, der sich weigerte, die Einwohner anzuhören. In seiner Antwort an die Bürger von Pianella entschied er kurzerhand, dass, wenn der vorherige Erbpächter [Domenico Sabucchi] und der Pächter [Blasio Taddei] das Land an Siedler geben konnten, könnte es der König als Eigentümer dieser Gebiete mit umso mehr Recht unter den griechisch-albanischen Familien aufteilen, die er ohne Unterschied als seine Untertanen betrachtete. Mit diesen Worten enteignete König Karl VII. das Land für die griechisch-albanischen Familien.Lino Bellizzi, S. 55 Auf der anderen Seite beruhigte der König, Inhaber des Bodens, indem er ihnen das Weide- und Wasserrecht auf den unbebauten Parzellen von Piano di Coccia und Badessa gewährte, ein Recht, das sie bis dahin nicht genossen hatten.