Mopetta war ein bundesdeutsches Kleinstwagen-Projekt aus der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre. Es steht als Mopetta GmbH für einen ehemaligen bundesdeutschen Automobilhersteller (jedenfalls 1957, möglicherweise 1956 bis 1958), als Mopetta für eine ehemalige bundesdeutsche Pkw-Marke dieses Herstellers (nur 1957), mit Mopetta als der alleinigen Modellbezeichnung eines Fahrzeugmodells dieses Herstellers (nur 1957) sowie vorher und nachher als Teil der Modellbezeichnung der Brütsch Mopetta beziehungsweise der Opelit Mopetta.

Nur eine namentliche Parallele besteht zu zwei österreichischen Kraftfahrzeug-Projekten, dem motorisierten Lasten-Dreirad Mopetta Lastenboy und dem Kleinstwagen Megu Mopetta aus den 1960er-Jahren.

mini|hochkant=1.3|Eine von vermutlich nur noch zwei existierenden originalen Mopettas der Mopetta GmbH von 1957, ausgestellt im Museum PS-Speicher in Einbeck (Lackierung und Linierung entsprechen wahrscheinlich nicht dem Auslieferungszustand)

Hintergrund und Übersicht Das bundesdeutsche Mopetta-Projekt steht in engem Bezug zu dem Konstrukteur, Unternehmer und ehemaligen Rennfahrer Egon Brütsch aus Stuttgart, dem von ihm konstruierten und im Oktober 1956 in Frankfurt am Main vorgestellten Kleinstwagen Brütsch Mopetta und dem hessischen Unternehmer Georg von Opel, einem Enkel von Adam Opel.

Die 1956 präsentierte Brütsch Mopetta hatte Egon Brütsch im Verlauf des Jahres 1957 schrittweise weiterentwickelt. Ab dem späten Frühjahr stand er in Kontakt mit Georg von Opel, der daraufhin als Geldgeber, Organisator und schließlich Lizenznehmer in das Fahrzeugprojekt einstieg.

Im Zusammenhang mit der (Weiter-)Entwicklung der Brütsch Mopetta entstand das Unternehmen Mopetta GmbH und Mitte 1957 rückte Mopetta kurzzeitig zur eigenen Automobilmarke auf. In einem weiteren Schritt entstand gegen September 1957 die nächste Entwicklungsstufe; fortan war von der Marke Opelit und der Modellbezeichnung Opelit Mopetta beziehungsweise nur Opelit die Rede. Zur Großserienfertigung, deren Beginn ursprünglich für das Jahresende 1957 vorgesehen war, kam es letztlich nicht. Das Projekt endete, als sich von Opel im Frühjahr 1958 vollständig daraus zurückzog.

Insgesamt entstanden nur 14 Fahrzeuge als Brütsch Mopetta, Mopetta und Opelit Mopetta/Opelit; davon sollen etwa fünf die geänderte Spezifikation als Opelit mit einer neuen Vorderradgabel erhalten haben.

Die Motivlage Die Motive, die zur Gründung der Mopetta GmbH und zur Schaffung der Automobilmarke Mopetta führten, sind teilweise unklar. Nur sehr wenige Quellen befassen sich explizit mit diesem Unternehmen und dieser Marke. Zumeist fokussieren sie sich auf die Automobilmarke Brütsch, ferner auf Egon Brütsch und Georg von Opel als den maßgeblichen Personen sowie Einzelheiten zum Fahrzeugmodell; dessen Entwicklungsstufen werden vielfach vereinfachend als Brütsch Mopetta zusammengefasst, obwohl nur einzelne Fahrzeuge tatsächlich der Marke Brütsch zuzuordnen sind.

Die Gründung der Mopetta GmbH und die Schaffung der Automobilmarke Mopetta hatten mehrere Auswirkungen: Sie grenzten wirtschaftliche Risiken ab, wie sie aus weiteren Kraftfahrzeugprojekten von Egon Brütsch und anderen wirtschaftlichen Betätigungen Georg von Opels resultierten; sie unterstrichen, dass das Fahrzeugmodell zwischenzeitlich weiterentwickelt wurde; sie unterstrichen, dass mit Georg von Opel als Geldgeber und neuem Organisator neue Strukturen für die Herstellung und den Vertrieb des Fahrzeugmodells geschaffen wurden; sie veränderten dadurch sowie mit dem neuen, einfachen Namen die Vermarktungschancen im Ausland.

Das Unternehmen Mopetta GmbH

mini|hochkant=1.4|Luftaufnahme der Mainzer Landstraße in Frankfurt am Main; dort hatte die Mopetta GmbH 1957 ihren Sitz (Hausnummer 377–385 liegt im Bild oben hinter dem Rechtsknick auf der linken Seite) Mopetta GmbH war der Firmenname des Unternehmens, das die Weiterentwicklung, die Herstellung und den Vertrieb des Kleinstwagens übernahm, ohne dass die geplante Großserienfertigung letztlich aufgenommen worden wäre. Es blieb bei einzelnen Automobilen der Marke Mopetta in einstelliger Größenordnung, die rückblickend den Charakter einer Pilot- oder Vorserie haben.

Allgemeines Die Quellenlage zu dem Unternehmen Mopetta GmbH ist vergleichsweise schlecht. Gesicherte Angaben enthält ein undatierter, deutschsprachiger Verkaufsprospekt mit acht Seiten im Format DIN A5, in dem zwei verschiedene Mopetta-Fahrzeuge in einer frühen Spezifikation von 1957 abgebildet sind. Durch den angegebenen Verkaufspreis von 1050 D-Mark, die Erwähnung Georg von Opels und das Fehlen der Bezeichnung Opelit lässt sich die Veröffentlichung auf den Zeitraum zwischen Mitte und Herbst 1957 eingrenzen.

Herausgeber dieses Prospekts war die Mopetta GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie war hiernach zugleich Hersteller der Mopetta-Kraftfahrzeuge wie auch zuständig für ihren Vertrieb. Als Geschäftsführer der Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht wird ausdrücklich Georg von Opel genannt, als Anschrift die „Mainzer Landstraße 377–385“ in Frankfurt am Main.

Unter derselben Adresse firmierte bereits ein länger bestehendes Unternehmen Georg von Opels, die Bootswerft Opelit als Hersteller von Booten, Bauelementen, Behältern, Sitzmöbeln und Karosserieteilen aus Kunststoff.Harro Hagen: Glasfaserverstärkte Kunststoffe – Herstellung, Eigenschaften, Prüfung – Anwendung der modernen Kunststoffe auf Basis von Glasfasern. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 1956, Neudruck unter Science + Business Media, 2013, ISBN 978-3-642-52687-9, S. 496. Ferner unterhielt Georg von Opel unter der Adresse „Mainzer Landstraße 330–360“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite eines seiner Opel-Autohäuser sowie die Zentrale der Unternehmensgruppe Georg von Opel GmbH.Werner Helmut Stahl: Frankfurter Marken & Zeichen. Band 24 von Schriften des Historischen Museums Frankfurt, Strothotte, Gütersloh 2004, ISBN 978-3-934777-15-6, S. 236.N. N.: Der Industrie-Kompass Deutschland – Register of selected german industry and commerce. Band 2, Kompass-Verlag, Freiburg 1984, ISSN 0930-505-X, S. 681.

Speziell zum Unternehmensbeginn Unklar ist, ob die Mopetta GmbH schon (gegen Ende) 1956 oder erst 1957 gegründet wurde.

Nach einer Quelle befindet sich die Angabe „Mopetta GmbH, Frankfurt/Main“ bereits auf einem Faltblatt zur Brütsch Mopetta, das auf das Jahr 1956 datiert wird. Es ist Teil einer Sammlung von Prospekten und Sonderdrucken verschiedener bundesdeutscher und internationaler Fahrzeughersteller aus dem Zeitraum 1956 bis 1970, die als privater Nachlass im Thüringischen Staatsarchiv in Meiningen archiviert ist.Übersicht über Archivalien des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen auf dem Webportal archive-in-thueringen.de, abgerufen am 17. Januar 2017.

Eine andere Quelle bestätigt, dass die Mopetta GmbH bereits 1956 in Frankfurt am Main gegründet wurde. In einem englischsprachigen Fachbuch aus dem Jahr 1987 gibt der Automobiljournalist Brian Laban an, dass Egon Brütsch der Gründer gewesen sei; auch soll die Mopetta GmbH weitere Brütsch-Kleinwagenentwürfe weiterentwickelt haben, vor allem Dreiräder, aber auch vierrädrige Modelle wie den in dieser Quelle auf 1955 datierten Pfeil und den V2 von 1957. Allerdings erscheinen weitere Angaben dieser Quelle im Vergleich mit anderen als ungenau und teilweise falsch; zudem lässt sich für die letztgenannten Umstände keine zweite, unabhängige Quelle finden.

Gegen eine Gründung des Unternehmens noch 1956 und für eine solche gegen Mitte 1957 spricht allerdings ein anderer undatierter Verkaufsprospekt. Darin bewirbt noch das einzelkaufmännische Unternehmen Egon Brütsch Fahrzeugbau Stuttgart die Brütsch-MOPETTA Luxusausführung. Die technische Beschreibung, insbesondere der in dem Prospekt angegebene Antrieb des einzelnen, linken Hinterrads sowie das Verdeck entsprechen dem im Frühjahr 1957 eingeführten Stand. Dies lässt den Rückschluss zu, dass die Mopetta GmbH erst gegründet wurde, nachdem Brütsch und Georg von Opel im späten Frühjahr 1957 zusammengetroffen waren.

Speziell zum Unternehmensende Unklar ist, in welchem Jahr die Mopetta GmbH aufgelöst wurde. Für das Jahr 1958 und danach gibt es keine Anhaltspunkte mehr für einen Fortbestand des Unternehmens. Dies lässt vermuten, dass die Gesellschaft im Laufe des Jahres 1958 oder schon Ende 1957 aufgelöst wurde. Als Auslöser kommen der Wechsel auf die Bezeichnung Opelit im Herbst 1957 in Betracht, der Ausstieg des Investors Georg von Opel im Frühjahr 1958 oder spätestens die Aufgabe des Automobilbaus durch Egon Brütsch im Herbst 1958.

Unklar ist insbesondere, ob die Mopetta GmbH bis zum Ende des Mopetta-/Opelit-Projekts im Frühjahr 1958 für die Weiterentwicklung, die Herstellung und den Vertrieb zuständig blieb. Möglicherweise wurde sie in diesen Funktionen bereits im Herbst 1957 durch das Unternehmen Opelit Bootswerft & Kunststoff-Gesellschaft abgelöst, das zumindest als neuer Namensgeber der weiterentwickelten Opelit Mopetta beziehungsweise des Opelit fungierte.

Einordnung des Unternehmens, seine Ausstattung und die heutige Grundstücksnutzung Die Mopetta GmbH ist hiernach als Ausgliederung und rechtliche Verselbstständigung aus dem einzelkaufmännischen Unternehmen Egon Brütsch Fahrzeugbau Stuttgart zu sehen beziehungsweise – begrenzt auf die Mopetta und gegebenenfalls weitere Modelle – als dessen Nachfolger.

Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mopetta GmbH in Frankfurt vor dem Herbst 1957 eigene Fertigungseinrichtungen besessen hätte. Insbesondere war bei dem Unternehmen Horex im hessischen Bad Homburg vor der Höhe, das bei der geplanten Großserienfertigung als Subunternehmen die Chassis herstellen sollte, noch keine Fertigungsstraße eingerichtet; auch verfügte von Opel zu dieser Zeit noch nicht über separate Hallen zur Karosserieproduktion. Insofern ist davon auszugehen, dass der Konstrukteur Egon Brütsch die Fahrzeuge weiterhin in überwiegender Handarbeit in Süddeutschland baute; sie entstanden jedoch spätestens ab Mitte 1957, frühestens ab Ende 1956 im Auftrag der Mopetta GmbH für diese, statt allein auf Rechnung seines eigenen einzelkaufmännischen Unternehmens Egon Brütsch Fahrzeugbau Stuttgart.

An dem damaligen Unternehmenssitz an der „Mainzer Landstraße 377–385“ in Frankfurt befinden sich heute unter anderem ein großer Supermarkt-Discounter sowie weitere Unternehmen aus dem Bereich Handel und Gewerbe.

Mopetta als eigene Automobilmarke mini|hochkant=1.2|An der Front der Fahrzeuge der Mopetta GmbH von 1957 befindet sich das Mopetta-Markenemblem statt desjenigen von Brütsch Mopetta war der Markenname, unter dem der Kleinstwagen 1957 zeitweilig, wenn auch nur für wenige Monate, vermarktet wurde.

Allgemeines Auch zur Automobilmarke ist die Quellenlage vergleichsweise schlecht. In dem achtseitigen deutschsprachigen Verkaufsprospekt im Format DIN A5, das auf das Jahr 1957 datiert werden kann, ist „Brütsch“ nicht mehr als Schriftzug auf den Abbildungen zu sehen; auch wird der Name nicht mehr ausdrücklich im Text genannt, weder als Konstrukteur, noch als Automobilmarke oder (bisheriger) Hersteller. Andererseits wird darin noch nicht Opelit als (Teil der) Modellbezeichnung, als Automobilmarke oder gar als Hersteller genannt.

Zeitgenössische Bilder von Fahrzeugen der Marke Mopetta Auf mehreren zeitgenössischen Bildern, insbesondere Werksfotos, sind Fahrzeuge der Mopetta-Familie abgebildet, die explizit ein Mopetta-Markenemblem statt eines von Brütsch an der Fahrzeugfront tragen; es handelt sich um ein glänzendes Metall-Schild mit ausgestanztem Mopetta-Schriftzug, das im oberen Bereich des chromumrandeten Frontovals montiert ist. Manche dieser Fahrzeuge tragen ein „Nummernschild“ mit der Aufschrift „1958“ als Hinweis auf das Modelljahr beziehungsweise den vorgesehenen Verkaufsbeginn für die geplante Großserie.