mini|Kloster Frauenthal mini|Kloster Frauenthal, Ansicht von Osten

Das Kloster Frauenthal (lat. Abbatia Vallis sancte Marie) ist eine Zisterzienserinnenabtei. Sie liegt auf einer von der Lorze gebildeten Insel nördlich von Hagendorn bei Cham im Kanton Zug. Frauenthal ist die älteste Schweizer Zisterzienserabtei, die am Ort ihrer Gründung bis heute besteht.

Geschichte Adelskloster 1231 gilt als Gründungsjahr des Klosters;Anne-Marie Dubler: "Frauenthal", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18. April 2006. Online konsultiert am 12. Januar 2023 eine Stiftungsurkunde fehlt jedoch. Das Gründungsjahr wird 400 Jahre später erstmals im Frauenthaler Jahrzeitbuch von 1632 erwähnt.Eugen Gruber, Cécile Sommer: Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 709 Die Anfänge liegen wohl in einer BeginensamnungMartina Wehrli-Johns: "Beginen und Begarden", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27. April 2004. Online konsultiert am 6. Februar 2023 in Hausen am Albis (ZH), die in enger Beziehung zum Zisterzienserkloster Kappel am Albis standen.

Um oder nach 1235 schenkten Freiherr Ulrich von SchnabelburgFranziska Hälg-Steffen: "von Schnabelburg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19. August 2011. Online: konsultiert am 6. Februar 2023. (erwähnt zwischen 1223 und 1253), seine Gemahlin Agnes, Freifrau von Eschenbach und Graf Ludwig von FrohburgPeter Schenker: "von Frohburg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10. März 2005. Online konsultiert am 6. Februar 2023. die Lorzeinsel nördlich von Hagendorn den Beginen von Hausen am Albis. Ein Teil der Beginen übersiedelt auf die Lorzeninsel.

Der Konvent auf der Lorzeninsel wurde 1245 durch den Abt von Frienisberg (BE)Kathrin Utz Tremp: "Frienisberg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10. März 2005. Online konsultiert am 6. Februar 2023. in den Zisterzienserorden aufgenommen. Das Kloster Kappel übt im 13. und 14. Jahrhundert die Aufsicht über Frauenthal aus.

Die erste namentlich bekannte Äbtissin war Benigna von Hünenberg († nach 1254).Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 42

Im Kloster Frauenthal lebten im 13. und 14. Jh. vorwiegend Frauen aus Familien des niederen Adels, einige waren verwitwet.Eugen Gruber, Cécile Sommer: Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 716 ff. Dazu kamen Laienschwestern und Töchter aus Bauernfamilien, welche die schweren Arbeiten ausführen. Ab 1249 waren auch Laienbrüder in der Landwirtschaft des Klosters tätig.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 58

Als der Sempacherkrieg ausbrach, trat Frauenthal am 5. Januar 1386 in das Burgrecht der Stadt Zug ein. Das Kloster stand nun unter «Schutz und Schirm» der Stadt Zug.Eugen Gruber, Cécile Sommer: Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 711

Kappel erhielt 1503 zum letzten Mal den Auftrag, Frauenthal zu visitieren. Die Gründe für das Auslaufen dieses Visitationsauftrages sind unklar.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 40

Als Folge der Reformation in Zürich verließen 1528 die meisten Nonnen das Kloster. Die Äbtissin Margareta Zinner (gest. 1530), Amtszeit 1498–1528 übergab das Kloster dem Rat von Zug. Zug errichtete von 1528 bis 1552 in Frauenthal eine Vogtei. Stadtzugerische Vögte verwalteten Frauenthal und seinen Grundbesitz 24 Jahre lang.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 117 Das Kloster war in der Folge verwaist. Die vier Nonnen, die nicht zum reformierten Glauben übertraten, flohen nach Süddeutschland.Ida Lüthold-Minder: 750 Jahre Abtei Frauenthal 1231–1981, Cham 1981, S. 14, 25

Neuanfang nach der Reformation - Krisenzeit

Der Vertreter des Standes Zug stellte 1552 an der eidgenössischen Tagsatzung den Antrag, das Kloster wieder mit Nonnen zu besetzen. Der Zuger Gesandte, Ammann Johann LetterRenato Morosoli: "Johann Letter,", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25. November 2008. Online am 6. Februar 2023. († 1573), bezeichnet die Verwaltung Frauenthals durch die Zuger Vögte als wirtschaftlichen Misserfolg. Als Vorsteherin soll Anna von Fulach († 1566) aus dem Dominikanerinnenkloster St. KatharinentalErich Trösch: "St. Katharinental", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21. Januar 2011. Online konsultiert am 6. Februar 2023. (TG) berufen werden.Anna von Fulach, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Der Rat von Zug amtet weiterhin als Schirmherr und übt die Kontrolle über die Verwaltung aus, schliesst für die Frauen Rechtsgeschäfte ab und regelt die Aufnahmebedingungen für die Neueintretenden. Die ersten drei nachreformatorischen Äbtissinnen werden weitgehend vom Zuger Rat bestimmt.Eugen Gruber, Cécile Sommer: Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 711 f.

Das Kloster hat in der Folge etwa 50 Jahre mit grossen inneren und äusseren Schwierigkeiten zu kämpfen. Es geht um die Frage, wer politisch und kirchlich das Sagen hat. Zudem herrschen innerhalb des Konvents unterschiedliche Ansichten über das klösterliche Leben.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 133

1573 lebten nur noch drei Schwestern im Kloster Frauenthal, worauf der visitierende Generalabt der Zisterzienser, Abt Nikolaus I. Boucherat (1515–1586) die Zahl der Nonnen auf 12 festsetzte, was den damaligen klösterlichen Einkünften entsprach. Er regelte den Gottesdienst, das Chorgebet, das Gemeinschaftsleben neu und verschärfe die Klausurbestimmungen. Offenbar entsprach das Leben der Nonnen im Frauenthal nicht den Vorstellungen des höchsten Zisterziensers. Er mahnte unter anderem an, dass die Nonnen sämtlichen Gebeten beiwohnen, sie nicht vorzeitig verlassen und beim Beten eine geziemende Körperhaltung einnehmen sollen. Nonnen, die streiten oder hadern würden, sollten «vom Tisch des Herrn» (= von der Kommunion) ausgeschlossen werden. Der Generalabt legte fest, dass die Regeln den Nonnen viermal pro Jahr vorgelesen werden mussten.

Abt Boucherat von Cîteaux übergab Frauenthal am 23. Juni der Aufsicht des Klosters Wettingen.

Elisabeth Meyenberg († 1644) wurde 1590 neue Äbtissin eines gespaltenen Konvents. Einige Frauen waren mit der strengen Klausur und dem gemeinschaftlichen Leben nicht zufrieden und nicht gewillt, sich unterzuordnen. In einem Brief des Wettinger Abts Peter Schmid (1559–1633) ist von «Unordnung und Ungehorsam» die Rede.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 139

Vertrag von Jonen - Entspannung Nachdem die Leitung des Klosters sechs Jahre verwaist war, wurde 1602 Maria Margareta Honegger († 1625), die Tochter des Bremgartner Schultheissen, zur neuen Äbtissin gewählt. Ihr gelang es, mehr Ruhe und Ordnung in das Kloster zu bringen.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 143 Nachdem in Frauenthal fast ein halbes Jahrhundert Unruhe herrschte, weil unklar war, wie das Klosterleben geregelt sein sollte und vor allem, wer es zu regeln habe, ergriff Abt Peter Schmid von Wettingen die Initiative. Im aargauischen Jonen unterzeichneten am 21. Februar das Kloster Wettingen, das Kloster Frauenthal und die Stadt Zug einen Vertrag, der das Verhältnis zwischen dem Kloster und der Stadt Zug regelte. Darin wurde festgehalten: dass Frauenthal nach den Konzilsbestimmungen und den Satzungen der Zisterzienser reformiert werden müsse. dass die Äbtissin ohne Einmischung des Zuger Rats vom Konvent unter Aufsicht des Vaterabts nach den vom Orden geforderten Regeln gewählt werden sollte, wobei der Zuger Rat mit der kirchlichen Obrigkeit die Wahl nur bestätigen dürfe. dass die geistliche Führung des Konventes und die Güterverwaltung der Äbtissin zustehe. dass die Äbtissin einen Zuger Ratsherrn oder Bürger als Vertrauensmann für die Verwaltungs- und Rechtsgeschäfte wählen und jährlich vor dem Zuger Rat Rechnung ablegen solle. dass die Klosterfrauen keine Freunde und Verwandte besuchen dürften und Männer geistlichen und weltlichen Standes keinen Zutritt in den Klosterbereich hätten. dass alle aus- und eingehenden Briefe der Äbtissin gezeigt werden müssten. dass die Äbtissin alle Klosterfrauen gleichmässig lieben solle. dass die Streitpunkte der Vergangenheit ruhen sollten. dass die Klosterfrauen nach ihrem Gelübde leben sollten und keinen persönlichen Besitz haben dürften.

Der Jonervertrag war ein wichtiger Schritt in eine ruhigere Zukunft.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 143ff.

Am 16. Dezember 1604 wurde erneut eine Visitation durchgeführt. Der Bericht umfasste 54 Seiten und liest sich wie eine mustergültige Abhandlung über das klösterliche Ideal im Sinn und Geist der Zisterzienser.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 146

Dem Konvent standen in der Folge eine Reihe tüchtiger Äbtissinnen vor, die den Klosterbetrieb durch frühere Verantwortlichkeiten in verschiedenen Chargen kannten. Sie entstammten vorwiegend Bauern- und Bürgerfamilien aus der Zentralschweiz, dem Freiamt und der Ostschweiz. Die Zuger Kastvögte hielten sich weitgehend zurück.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 149 Nach langem Widerstand konnten die Reformen des Konzils von Trient durchgesetzt, die Pfründen abgeschafft, die Klausur und ein gemeinschaftliches Leben eingeführt werden.

Unter Äbtissin Catharina Letter († 1655), einer Stadtzugerin, setzte 1635 eine rege Bautätigkeit ein, das Konventsgebäude und die Kirche wurden renoviert und erweitert. Diese Bautätigkeit führte zu einer Verschuldung des Klosters.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 151

Kriegerische Zeiten (Mitte 17. – Mitte 19. Jh.) Während des Ersten Villmergerkriegs schädigten 1656 Zürcher Truppen das Kloster beträchtlich. Sie raubten Vieh, legten Ökonomiegebäude in Brand. Der Schaden betrug mehr als 4000 Gulden. Das Klostergebäude blieb unversehrt. Aus Dank dafür hielten die Schwestern seither jedes Jahr einen Gedenkgottesdienst ab.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 170.Neue Zuger Zeitung, 23. Februar 1887

Die im 17. Jh. wegen des Bauernkriegs und des Ersten Villmergerkriegs sehr unruhige Lage bewegte Frauenthal dazu, 1674 das Burgrecht mit der Stadt Zug zu erneuern.Eugen Gruber, Cécile Sommer: Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 713

Das Kloster schuf 1678 eine Schule für junge Frauen. Sie sollte religiöse Bildung, geistige Kenntnisse und Fertigkeiten in fraulichen Arbeiten vermitteln.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 198

Unter Äbtissin Maria Verena Mattmann (1650–1726) wurde 1698 die Klosteranlage erweitert.Josef Grünenfelder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 182, 188 f., 235

Als 1712 der Zweite Villmergerkrieg ausbrach, fand ein grosser Teil der Nonnen im oberen Zurlaubenhof in Zug Zuflucht. Die Äbtissin blieb mit wenigen Schwestern im Frauenthal zurück. Das Kloster musste katholische Truppen unterbringen, 50 Zuger, 600 Walliser, später 400 Urner. Die Soldaten mussten gegen ein geringes Entgelt verköstigt werden. Nach der Niederlage der Katholiken in Villmergen AG besetzen die Zürcher das Kloster für drei Wochen. Das Wasch- und das Holzhaus werden zerstört, die Lehenshöfe Hatwil und Islikon wurden niedergebrannt, fast alle Lebensmittel und viele Tiere wurden beschlagnahmt.Eugen Gruber: Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 171 f