Reusrath ist der südliche Stadtteil der Stadt Langenfeld (Rheinland).

Geografie mini|250px|links|2009 neu gestalteter Reusrather Platz an der St.-Barbara-Kirche

Reusrath schließt sich nach Süden an die Stadtteile Langenfeld-Mitte und Immigrath an. Die östliche und bis in den Süden verlaufende Grenze bildet die A 3, die nördliche Grenze in etwa bildet die A 542. Im Westen und Süden schließen sich die Leverkusener Stadtteile Opladen, ehemalige Kreisstadt des Rhein-Wupper-Kreises, und Voigtslach an. Reusrath bildet das Zentrum des beschriebenen, etwa 13,13 ha messenden Gebietes. Zur Gemarkung Reusrath gehören im äußersten Westen die Ortslagen Kalkhecke und Neurath sowie im Westen Gieslenberg und Mehlbruch. Im Süden schließen sich Hausingen, Köttingen, Kämpe, Schnepprath, Hecke und Schelthoven an, dazu der Neuburger Hof an der Stadtgrenze zu Opladen. Im Osten liegen längst der A 3 die Weiler Furth, Hapelrath, Virneburg und South sowie im Norden die Ortslagen Hagelkreuz, Dückeburg und Galkhausen mit den Rheinischen Kliniken.

Reusrath ist im Osten leicht hügelig, in Zentrum und Westen aber relativ eben. Nennenswert ist in diesem Bereich eine Geländeterrasse zu Mehlbruch und Gieslenberg hin, eine alte Flussterrasse des Rheins. Das Gebiet Reusraths durchfließen mehrere Bäche, der Hapelrather Bach, der Locher Bach sowie ein in Karten unbezeichneter Bach, der an der „Brunnenstraße“ entspringt und in Mehlbruch „Am Wadenpohl“ versickert wird.

Geschichte Vorgeschichte Aus der Vorgeschichte Reusraths wurden die ältesten Funde in Langenfeld bekannt. Auf dem Rosendahlsberg (Neuburger Hof), einer Geländeterrasse zu Wupper und Rhein hin wurden in den 1950er und 1960er Jahren (Steinabschläge für Klingen aus Feuerstein) entdeckt, die aus der Altsteinzeit stammen. Keramikbruchstücke vom gleichen Fundort datieren in die Bronze- und Eisenzeit (Hallstatt- und La-Tène-Zeit). Ein bronzenes Weiheglöckchen aus römischer Zeit stammt ebenfalls vom Neuburger Hof. Dort wurden zudem auf engstem Raum (800 m × 1000 m) vorgeschichtliche Funde eines Gräberfeldes aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert gemacht, wenn auch der dazugehörende Siedlungsplatz noch nicht gefunden werden konnte. Insgesamt ist im gesamten Rheinland kein weiterer Siedlungsort bekannt, an dem über solch lange Zeiträume die Ansiedlung von Menschen nachweisbar wäre.Rolf Müller: Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland. Verlag Stadtarchiv Langenfeld, 1992.

Eine besondere Bedeutung kommt im Übrigen dem vorerwähnten Gräberfeld noch deshalb zu, weil es unter anderem den Forschern den Verlauf des einstigen Mauspfades, des frühesten bekannten Handelsweges durch das Rheinland, aufweist. Dieser Weg wird nämlich auch Gräberstraße genannt, weil Menschen der Eisenzeit an ihm ihre Toten bestatteten. Möglicherweise wollte man den Verstorbenen auf diese Weise die letzte Reise ins Jenseits erleichtern. Jedenfalls verlief der Mauspfad in Reusrath aus Opladen kommend über Schnepprath, Hausingen, Hagelkreuz und Galkhausen nach Immigrath.

Frühgeschichte Ebenfalls im Dunkeln liegt die Frühgeschichte Reusraths. Nach einer Zeit der Entvölkerung durch Abwanderung ins römische Reich beginnt mutmaßlich im achten Jahrhundert eine ausgedehnte Rodungstätigkeit auch auf der rheinischen Mittelterrasse. Orte mit der Endung -rath werden nach jüngsten Forschungsergebnissen bereits im frühen 9. Jahrhundert gegründet und nicht, wie bisher angenommen, um die erste Jahrtausendwende. Jedenfalls erhärten die im Jahre 2008 an der alten St. Barbara Kirche am „Alter Markt“ durchgeführten GrabungenReusrath viel älter als vermutet. Rheinische Post, 25. Oktober 2008. die bisherigen Vermutungen der Archäologen aus den Erkundungen zu St. Martin in Richrath.Thomas Becker: Neue Erkenntnisse zu St. Martin in Richrath. In: Niederwupper 20, Historische Beiträge. Älter noch als Orte mit der Endung -rath aber dürften Orte mit der Endung -ingen sein. Nach Erkenntnissen der Namenforschung seien diese in das 6. oder 7. nachchristliche Jahrhundert zu datieren. Hierzu gehören die Siedlungsnamen Bodingen (erloschen), Hausingen und Köttingen in Reusrath. Ebenso älteren Datums als Orte mit der Endung -rath, so die bisherige Auffassung der Namenforschung, seien Orte mit der Endung -hausen, mit Galkhausen in Reusrath in einem Namen vorkommend. Diese datieren aus dem frühen 9. Jahrhundert. Zieht man die jüngsten archäologischen Forschungsergebnisse mit heran, hätte dies zur Folge, dass Orte mit der Endung -hausen zur gleichen Zeit mit Orten auf die Endung -rath gegründet worden sein könnten.

Erste urkundliche Erwähnung, und damit ganz im Sinne der neueren archäologischen Erkenntnisse, fand mit Neurath im Jahre 904 ein Ort in der Gemarkung Reusrath. Um 1147 wird Widdauen (ebenfalls in Neurath) erwähnt und 1281 ist es Reusrath selbst, das als Ruzerode schriftlich genannt wird. Ihm folgen 1359 Schnepprath (Sneproeyde), 1364 Mehlbruch (Ailbroich), 1444 Dückeburg (Duckenbruch) und 1446 Hapelrath (Habelrode). 1816 listet (in Original-Schreibweise) eine Tabelle die Bauerschaften Furth, Dückenburg, Habelrath, Schulstraß, Firneburg, Schelthofen, Schneppenrath, Kämp, Hausingen, Mehlbroich, Gieselenberg, Neurath, Widdauen, Voigtslach und Galkhausen für das Gebiet Reusraths auf.

Zum Namen Während die Endung -rath auf eine Rodung verweist, ist die Bedeutung des ersten Teils des Namens strittig. Nach Heinrich Dittmaier wird die Rodung eines „Rauzo“ vermutet, Bahlow hält einen Namen keltischen Ursprungs für möglich, der sich mit Wasser, Sumpf, Schlamm, Moder oder Moor in Verbindung bringen ließe. Wegen der 1281 als Ruozerode, 1304 als Reuzerode erfolgten Erwähnung nimmt Müller dagegen wie Dittmeier einen alten Namen an. Er hält einen althochdeutsch benannten „Ruozo“ für den Namenspatron. In heutiger Begrifflichkeit sei aus diesem einstigen „Ruozo“ über „Ruoterich“ und „Ruotolf“ schließlich ein „Rudolf“ abzuleiten. Reusrath wäre demzufolge die Rodung eines „Rudolf“ gewesen.Orts- und Flurnamen der Stadt Langenfeld erzählen aus vergangenen Tagen. In: Heimatkalender des Rhein-Wupper-Kreises 1955.

Verwaltungsstrukturen Reusrath gehörte als Tochterkirche von St. Aldegundis Rheindorf früher zum Dekanat Deutz, die übrigen Stadtteile gehörten dagegen zum Dekanat Neuss. Diese Einteilung spiegelt sich während des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein in den Verwaltungsstrukturen wider. Während Richrath mit den Honschaften Berghausen, Immigrath und Wiescheid als Kirchspiel, Herrschaft, Kanton oder Bürgermeisterei einen gemeinsamen Verband bildete, blieb Reusrath als Honschaft immer hiervon getrennt. Erstmals erwähnt wurde übrigens die honschaft van ruisroede in einer Altenberger Urkunde vom 13. Mai 1393. Die gleiche Bezeichnung Honschaft findet sich für Richrath und die angeschlossenen Honschaften Berghausen, Immigrath und Wiescheid in den Jahren 1449 sowie 1555. Zu dieser Zeit gehörten Reusrath und Richrath zum Ampt Monheim.

Weitere Daten zur Geschichte Während Richrath ab dem Jahre 1666 eine eigene Herrschaft bildete, die erst wieder (ab dem 18. November 1803) als Kirchspiel in das Amt Monheim eingegliedert wurde, gehörte Reusrath ununterbrochen zum Amt Monheim. Richrath und Reusrath bilden dann gemeinsam ab 1808 die Bürgermeisterei Langenfeld. Die erste Sitzung des gemeinsamen Municipalrates war am 26. August 1808. Eine weitere Neugliederung erfolgte am 15. April 1814 in Form der Zusammenlegung mit Monheim zur Samtgemeinde Richrath-Monheim, dieses Mal mit Amtssitz in Richrath. Diese spätere Samtgemeinde Langenfeld verließ Monheim jedoch am 30. September 1851 wieder. Schließlich erfolgte mit Erlass des Königs von Preußen vom 16. März 1910 die Verschmelzung der bisherigen fünf Honschaften zur Gemeinde Richrath-Reusrath. Die konstituierende Sitzung des hierzu neugewählten Gemeinderates fand am 9. Juni 1910 statt. Aus dieser Gemeinde Richrath-Reusrath ging im Folgenden am 11. November 1936 die nun so bezeichnete Gemeinde Langenfeld (Rhld.) und am 14. September 1948 die Stadt Langenfeld (Rhld.) hervor.von Galera: Von der Markgrafschaft zur Stadt. Backofen, Langenfeld 1963.

Die Kirchen Reusraths mini|Grabungsbefund der St. Barbara Kirchenwüstung, angezeigt als niedrige Mauer auf dem 'Alter Markt'

Alte St.-Barbara-Kirchen Die ältesten, bekannten Kirchen in Reusrath sind die in der Kirchenwüstung St. Barbara am „Alter Markt“. Die hier zuletzt stehende Barockkirche wurde erst im Jahre 1913, 18 Jahre nach Errichtung der neuen St.-Barbara-Kirche, wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Kirchengemeinde selbst war ursprünglich eine Filialkirche von St. Aldegundis in Leverkusen-Rheindorf.

Ausgrabungen an den alten St.-Barbara-Kirchen im Jahr 2008 brachten unter anderem einen Baumsarg zu Tage, der Hoffnungen auf eine deutlich längere Besiedlung Reusraths weckte, als man bis dahin vermutete.

St. Barbara Ende des 19. Jahrhunderts musste sich die Kirchengemeinde von St. Barbara wegen gestiegener Bevölkerungszahlen und des zunehmend baufälligeren alten Kirchengebäudes mit Neubauplänen beschäftigen. 1895 war Grundsteinlegung für die neue Kirche, die am 20. März 1898 eingeweiht wurde. Sie wurde nach den Plänen des Düsseldorfer Architekten Theodor Roß im neugotischen Stil erbaut. Die Turmhöhe misst mit Hahn und Kreuz 47,30 m.

Ev. Martin-Luther-Kirche Reusrath mini|hochkant|Altar-Kanzel-Orgelprospekt der Martin-Luther-Kirche in Reusrath

Im Jahre 1683 wurde die Evangelisch-Lutherische Gemeinde zu Reusrath neu gegründet. Für die wachsende Gemeinde wurde 1792/94 die heutige Martin-Luther-Kirche erbaut. Die im Jahre 1985 als Denkmal ausgezeichnete Kirche erhielt 1802 aus der aufgelösten Kölner Stiftskirche „St. Maria ad gradus“ die Orgel. Der hohe Aufbau der Orgel über Altar und Kanzel ist in Langenfeld einmalig. Neben der Kirche befindet sich das 1988 als Denkmal ausgezeichnete 1683 errichtete ehemalige Pfarr- und Kirchenhaus. Dieses Gebäude hatte der Gemeinde bis zum Kirchenneubau im Jahre 1794 als Kirchenraum gedient.Umweltschutz- und Verschönerungsverein Langenfeld e. V.: Ein Führer durch Gebaute Geschichte Langenfelds.

Simultankirche Galkhausen In Langenfeld-Reusrath, Ortslage Galkhausen, befindet sich eine der großen Rheinischen Kliniken in Nordrhein-Westfalen, in der psychische und neurologische Krankheiten behandelt werden. Die feierliche Einweihung des heute unter Denkmalschutz stehenden Geländes war am 6. August 1901. Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen heute neben dem Krankenhausgelände selbst auch der Gutshof sowie die hier angesprochene Anstaltskirche. Letztere liegt inmitten einer Zentralachse durch das Gelände von der B 8 in Richtung Osten hin. Insbesondere Chorfenster und Geläute nehmen bei dieser Kirche eine herausragende Stellung ein.

St. Gerhard Gieslenberg Die Kirche St. Gerhard in Gieslenberg beging am 28. April 1990 den 25-sten Jahrestag ihrer Kirchweihe. Gegründet wurde die Gemeinde nach einer Teilung der Pfarre St. Barbara. Erster Gottesdienst in der vom Architekten Herbert Herrmann entworfenen Kirche war zu Weihnachten 1964. Als erster Pfarrer Gieslenbergs fungierte der Pfarrer von Reusrath in seiner Eigenschaft als Rektoratsverwalter. Der Kirchenchor der Pfarre wurde im Jahre 1965 gegründet. Er wurde inzwischen aufgelöst.

Die Kirchengründung gehe zurück auf das Betreiben des Hubertus-Schützenvereins Mehlbruch-Gieslenberg, gegründet am 19. Juni 1926, der heutigen St. Hubertus-Schützenbruderschaft Mehlbruch-Gieslenberg. Andere Quellen benennen allgemein eine Bürgerinitiative als den Auslöser, der schließlich zur Teilung der Gemeinde St. Barbara führte.Friedhelm Görgens: Langenfeld. Droste, Düsseldorf 1984. Wie dem auch sei, der Wunsch nach einer eigenen Kirche erfüllte sich mit dem Bau von St. Gerhard. Im Übrigen befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche heute die Hubertus-Halle der Schützenbruderschaft, die 1977 eingeweiht wurde.

Wirtschaft