Alexander Wilhelm Prale (* 14. August 1850 in Dorpat, Russisches Kaiserreich; † 23. Juli 1910 in Flensburg) war ein Architekt, der hauptsächlich in Flensburg wirkte.
Leben und Schaffen mini|Der Bismarckturm auf dem Scheersberg mini|Das Gebäude Schiffbrückstraße 8, in dem sich heute die Flensborg Avis befindet und das in der Serie Da kommt Kalle als Polizeiwache diente. mini|Die Diako-Kirche ist eines der Kirchenbauten die Prale plante. Sie ist Teil der natürlichen Skyline die vom Ostufer des Flensburger Hafens betrachtbar ist. mini|Neue Harmonie, Toosbüystraße 21 mini|Villa Besenbruch Prale absolvierte zunächst eine Zimmermannslehre und besuchte die Bauschule in Hamburg. 1870 bis 1873 studierte er an der Polytechnischen Schule in Hannover, den Vorläufer der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Dort war er ein Schüler von Conrad Wilhelm Hase.Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), Prale, Alexander Wilhelm, abgerufen am: 22. Dezember 2016 Prale widmete sich fortan hauptsächlich dem Stil der Neugotik der Hannoverschen Schule.Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg, S. 96 1874 bis 1878 war er Mitarbeiter im Architekturbüro von Gotthilf Ludwig Möckel in Dresden. Prale übernahm in diesem vierjährigen Zeitraum die Bauleitung für die Errichtung der Johanneskirche nach neugotischen Plänen von Möckel. Die Kirche, das erste Werk an dem Prale offenbar beteiligt war, wurde während der Luftangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den 1950er Jahren vollständig abgerissen.
1878 bis 1880 wurde Prale ein Mitarbeiter im Architekturbüro von Johannes Otzen in Berlin. Otzen war ebenfalls ein Hase-Schüler und plante verschiedene Häuser in Flensburg, beispielsweise das Kaufmannshaus Hansen in den Jahren 1868/69. Otzen erhielt 1877 den Auftrag den durch einen Blitz zerstörten Kirchturm von St. Nikolai, Flensburg im neugotischen Stil wiederherzustellen und ein Jahr später zusätzlich den Auftrag zur Umgestaltung des Kirchturmes von St. Marien in Flensburg im neugotischen Stil. Da Otzen anderweitig beschäftigt war, fungierte Prale bei diesen beiden Projekten für ihn vor Ort als Bauleiter.Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg, S. 34 und 56Flensburger Architektur: Prächtige Bauten in Ziegel-Vielfalt, vom: 16. August 2015; abgerufen am: 20. Dezember 2016
1880 gründete Prale ein eigenes Architekturbüro in Flensburg. Prale wurde ein Kirchenbauarchitekt und Planer großbürgerlicher Villen. Er entwarf vorwiegend Gebäude für den Flensburger Raum. 1883/84 entstand in Flensburg nach seinen Plänen die Burg Schöneck, eine Villa in Burgform, die er in den Jahren danach noch erweitern und umbauen durfte.Michael Losse: Kleine Burgkunde. Regionalia Verlag 2015, S. 111Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 436 1886 errichtete er die Villa Besenbruch, die heute als Flensburger Standesamt dient. 1893/94 setzte Prale abermals Renovierungspläne von Otzen für die Nikolaikirche um.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 200 1897 war Prale zudem für den Umbau des ehemaligen Hotels Rasch, in der Großen Straße 56 in Flensburg zuständig. Raschs Hotel war über viele Jahre das erfolgreichste Hotel der Stadt, wurde dann aber letztlich durch Prale zu einem Geschäftshaus mit Schaufenstern für den Handel umgestaltet.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 167 Ein ganzes Prale-Gebäudeensemble zum Wohnen und für Geschäftsfläche entstand 1899 bis 1901 unterhalb des Nordermarktes auf der Südseite der Schiffbrückstraße. 1903 wurde der Bismarckturm auf dem Scheersberg bei Quern nach seinen Plänen vollendet. Prale hatte 1899 Entwürfe für die in Flensburg geplante St. Jürgen-Kirche vorgelegt. Seine Pläne wurden jedoch nicht realisiert. 1904 bis 1907 übernahm Prale aber dennoch für den Architekten Oskar Hossfeld die örtliche Bauleitung zur Errichtung der St. Jürgen-Kirche, Flensburg.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 506 1905 wurde am Platz an der oberen Marienstraße („Kuhgangsplatz“), das dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus Marienstraße 61 von Karl Bernt errichtet. Für besagtes Gebäude griff dieser auf Pläne von Prale zurück, die er aber durch neue Stilelemente modernisierte und damit weitgehend veränderte. Bernts neu gestaltete Fassade besteht aus einer Mischung von Jugendstil und Landhausstilelementen. Nur die räumliche Aufteilung des Gebäudes übernahm Bernt noch von Prale.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 198 Prales Entwurfspläne von 1907 für den Bau der St.-Petri-Kirche wurden ebenfalls nicht umgesetzt. Verwirklicht wurde stattdessen der Entwurf des Architekten Peter Jürgensen aus Berlin.
Werke 1880: Marcus Knuthsches Stiftungshaus im Nordergraben 3, Flensburg; ursprünglich Kleinkinderschule, dann Kindergarten, seit 2013 LeerstandLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 434Flensburger Tageblatt: Kita schließt 2013: Flensburg verliert Betreuungsplätze, vom: 20. Juni 2012; abgerufen am: 23. Dezember 2016Vgl. Gezeiten. Der Kindergarten im Nordergraben in Flensburg feiert sein 120jähriges Bestehen sowie Gezeiten. Schwarze Pädagogik im Kindergarten; jeweils abgerufen am: 23. Dezember 2016 1880: Geschäftshaus J. A. Olsen am Südermarkt Nr. 5, Flensburg; das Gebäude blieb nicht erhalten. 1880/81: Wohn- und Geschäftshaus Schiffbrücke 21, Flensburg; der Backsteinbau wurde von Prale ähnlich wie Schiffbrücke 24 gestaltetLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 246 1880–1883: Diakonissenkrankenhaus Flensburg mit Diako-Kirche in der Knuthstraße 1, FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 398 1882: Wohn- und Geschäftshaus Schiffbrücke 24, Flensburg; der Backsteinbau wurde von Prale ähnlich wie Schiffbrücke 21 gestaltetLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 248 1882: Kurhotel Bruhn in Gravenstein für den Reeder Friedrich Mommse Bruhn aus Flensburg (Gründer der Flensburger Fördeschifffahrt) 1883/84: Burg Schöneck in Flensburg 1883/84: Evangelisch-lutherische Kirche Handewitt; Kirchenneubau im neugotischen Stil unter Einbeziehung des alten Kirchturmes mit dem Flensburger Architekten Nielsen zusammen.Vgl. Kirche Handewitt, abgerufen am: 22. Dezember 2016 1884: Wohnhaus für den russischen Konsul Friedrich Erasmi Christiansen, ein zweigeschossiges verputztes Wohnhaus in der Bau'er Landstraße 1, FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 318 1884: Zweigeschossiger Fachwerkbau Galerie im Kaufmannshof Holm 66, FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 182 1884–1885: Herrenhaus Christiansen in Ultang bei Hadersleben 1885: Villa Sylvana, Grüner Weg 2, Flensburg; errichtet für den Forstdirektor Carl Emeis als Wohn- und BürohausLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 386 1885: Doppelwohnhaus Hafendamm 53/54, Flensburg; ein dreigeschossiger Gelbsteinbau, im älteren Teil Nr. 53 befand sich ursprünglich eine Bäckerei und KonditoreiLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 274 1885: Wohnhaus Wrangelstraße 4, Flensburg; 1919 umgebaut zu einer Privatklinik, von 1925 bis 1937 eine Frauenklinik, im letzten Kriegsjahr Flüchtlingsunterkunft danach bis 1969 Mehrfamilienhaus. Leerstand, Zerfall und dem Ruf als „Geisterhaus“ folgte 2015 die Renovierung und erneute Nutzung als Wohnhaus.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 476Flensburger Tageblatt: Das Geisterhaus, vom: 14. September 2013 und Flensburger Tageblatt: Wrangelstraße 4: Die Stadt greift ein, vom: 21. September 2013 und Flensburger Tageblatt: Wrangelstraße 4: Neues Leben für das Geisterhaus?, vom: 11. Oktober 2013; jeweils abgerufen am: 22. Dezember 2016Frühere Flensburger Klinik : „Geisterhaus“ erwacht zu neuem Leben, vom: 9. Juli 2015; abgerufen am: 22. Dezember 2016 1886: Villa Besenbruch in Flensburg 1886: Wohn- und Geschäftshaus Norderstraße 17, Flensburg; in der Norderstraße 15 befand sich schon zuvor ein älteres Giebelhaus, dieses wurde gleichzeitig mit dem Neubau Norderstraße 17 aufgestockt. 1901 erhielten beide Gebäude durch C. Sander eine einheitliche Putzfassade, womit beide Gebäude optisch verbunden wurden.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 212 1887: Erweiterung der Gastwirtschaft Schwarzer Walfisch durch einen hinzugefügten, dreigeschossigen Hinterflügel 1887–1888: Stadtvilla Apenrader Straße 13, Flensburg; die Villa bestand ursprünglich aus zwei WohnungenLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 312 1890 Wohn- und Geschäftshaus Große Straße 36 beziehungsweise Speicherlinie 22a;Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 156 an dem Gebäude befindet sich ein Flensburgwappenvariation als Werbung für eine Spirituose. Über viele Jahre befand sich in dem Gebäude die Kronen-Apotheke. 1890: Direktorenvilla der Walzenmühle Flensburg, ein Wohn- und VerwaltungsgebäudeLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 340 1891: Wohn- und Geschäftshaus Holm 42, Flensburg; Es wird angenommen, dass Prale der Architekt war. 1996/97 wurde die Fassade im Erdgeschoss optisch verändert.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 176 1896: Beamtenwohnhaus der Flensburger Aktienbrauerei-Gesellschaft im Brauereiweig 27, Flensburg; heute gewöhnliches WohnhausLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 324 1899: Villa Stuhrsallee 29 in FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 460 1899: Villa Todsen in der Stuhrsallee 31, Flensburg; ehemalige Villa des Flensburger Oberbürgermeisters Hermann Bendix TodsenLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 460 1899/1900: Kompastorat der Nikolaikirche, Südermarkt 16, FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 260 1899–1901: Prale-Gebäudeensemble, Schiffrückstraße 2 bis 8 in FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 252 1900: Villa Wrangelstraße 15, FlensburgLutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 478