mini|hochkant|Hendrik Streeck, 2019 Hendrik Streeck (* 7. August 1977 in Göttingen) ist ein deutscher Virologe und Politiker (CDU). Der Mediziner ist seit Oktober 2019 Direktor des Institutes für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und war Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Seit März 2025 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages und seit Mai 2025 Drogenbeauftragter der Bundesregierung.

Leben und Ausbildung

Familie Streecks Mutter Annette Streeck-Fischer ist Kinder- und Jugendpsychiaterin und lehrt als Professorin an der International Psychoanalytic University Berlin. Sein Vater Ulrich Streeck war Psychiater und Soziologe und lehrte an der Georg-August-Universität Göttingen. Sein Onkel Rolf-Eberhard Streeck war Molekulargenetiker an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sein Großvater war Hans Streeck.

Ausbildung Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen absolvierte Streeck seinen Zivildienst im St. Franziskus-Hospital Münster und im Weender Krankenhaus in Göttingen. Anschließend studierte er Musikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Er wechselte nach der Zwischenprüfung in die Humanmedizin. Während des Studiums arbeitete er an seiner Dissertation am Partners AIDS Research Center im Massachusetts General Hospital, das der Harvard Medical School angehört. Mit der Dissertation Einfluss einer antiretroviralen Frühtherapie während der akuten HIV-1-Infektion auf den klinischen, virologischen und immunologischen Verlauf der HIV-1-Erkrankung wurde Streeck 2007 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Dr. med. promoviert.

Wissenschaftliche Laufbahn Nach seinem Abschluss in Humanmedizin 2006 ging Streeck als Postdoktorand zurück an die Harvard Medical School. 2009 wurde er zunächst Instructor in Medicine, 2011 dann Assistant Professor an der Harvard Medical School. Von September 2012 bis 2015 leitete Streeck die Immunologie des U. S. Military HIV Research Program (MHRP) am Walter Reed Army Institute of Research im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Silver Spring, Maryland (USA). Zugleich war er Assistant Professor an der Uniformed Services University of Health Sciences und Lehrbeauftragter (Adjunct Faculty) an der Bloomberg School of Public Health der Johns Hopkins University.

2015 übernahm Streeck den Lehrstuhl für medizinische Biologie an der Universität Duisburg-Essen und gründete im selben Jahr das Institut für HIV-Forschung. Stand 2015 ist er weiterhin Gastwissenschaftler im MHRP.Rückkehr der Elite aus: Die Zeit / Interview online ohne Datumsangabe zur Konferenz Falling Walls 2015Deutscher Spitzenforscher kehrt zurück aus: Ärzteblatt 2015 (abgerufen am 18. Dezember 2016). Mitteilung Universitätsklinikum Essen vom 27. Februar 2015 (abgerufen am 18. Dezember 2016).wdr.de vom 11. November 2016: Essen neuer wichtiger Standort der HIV-Forschung.

Das Institut für HIV-Forschung arbeitet unter seiner Leitung an mehreren Schwerpunkten. 2016 standen die Erforschung neuer Präventionsmethoden wie die Erforschung eines prophylaktischen HIV-Impfstoffes oder der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) im Vordergrund.Neues HIV-Forschungsinstitut soll Impfstoff-Entwicklung vorantreiben aus: Deutsche Welle vom 1. Dezember 2016 (abgerufen am 18. Dezember 2016).Ist der Schlüssel zur HIV-Impfung gefunden? aus: Ärzteblatt vom 7. April 2016 (abgerufen am 18. Dezember 2016). Hierbei werden zum einen neue Impfstoffkonzepte entwickelt und getestet, zum anderen beschäftigt Streeck sich mit der Immunologie und der Frage, wie schützende Antikörperantworten entstehen.So stehen die Chancen auf einen Impfstoff aus: Huffington Post vom 30. November 2015 (abgerufen am 18. Dezember 2016).„Ein HIV-Impfstoff ist möglich“ aus: Rheinische Post vom 16. November 2016 (abgerufen am 18. Dezember 2016). Ein Fokus (Stand 2016) ist die Erforschung der Rolle follikulärer T-Helferzellen in der Entwicklung von schützenden Antikörperantworten. Des Weiteren erforscht das Institut, wie HIV-Erkrankungen im Alter begünstigt werden, um hieraus potentielle Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.Essen: Wann kommt der HIV-Impfstoff? aus: Medizin Aspekte Ausgabe 12/2016 (abgerufen am 18. Dezember 2016).

2016 startete Streeck ein Doktorandenprogramm mit dem Instituto Nacional de Saúde in Mosambik, um junge Mediziner an die HIV-Forschung heranzuführen.

Neben HIV forscht das Institut an anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD). 2018 wurde in Deutschland eine Studie zu sexuell übertragbaren Erkrankungen bei Personen mit höherem Risikoverhalten (BRAHMS) durchgeführt. Die Studie versucht zu verstehen, wer sich in Deutschland mit welchen Erregern am häufigsten ansteckt.

Im Januar 2019 wurde diese Studie auf Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Ungarn ausgeweitet (STIPnet). Ein europäisches Präventionsnetzwerk für HIV und STIs wurde angekündigt.

Streeck ist Mitglied im Kuratorium der Deutschen AIDS-Stiftung; aus: Pressemitteilung der Deutschen AIDS-Stiftung vom 2. November 2018 (abgerufen am 7. Januar 2019). im Juni 2019 wurde er zum Vorsitzenden ihres Kuratoriums gewählt. 2019 wurde Streeck zum lokalen Kongresspräsidenten der IAS-Konferenz im Juli 2021 in Berlin berufen und er ist Mitglied des Board of Advisors des Universal Scientific Education and Research Network, das sich für ethische und professionelle wissenschaftliche Forschung weltweit einsetzt.

Im Oktober 2019 erhielt Streeck eine W3-Professur für Virologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn und wurde Direktor des Instituts für Virologie als Nachfolger von Christian Drosten; er zog mit dem Institut für HIV-Forschung von Essen nach Bonn. Streeck ist seit seinem Einzug in den Bundestag im Frühjahr 2025 beurlaubt. Kommissarischer Institutsdirektor ist Nico T. Mutters.Mitarbeitende des Instituts für Virologie, Universitätsklinikum

Mit Stand November 2023 hat Streeck gemäß Scopus einen h-Index von 49; 2024 wurde er in den Expertenrat Gesundheit und Resilienz berufen.

Aktivitäten im Rahmen der COVID-19-Pandemie Während des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie leitete Streeck die COVID-19 Case-Cluster-Study am Universitätsklinikum Bonn über die Gemeinde Gangelt. Diese erhob Daten zur Verbreitung des SARS-CoV-2 und zur Dunkelziffer der tatsächlich Erkrankten und sollte der Politik Fakten für das weitere Vorgehen bezüglich der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie liefern.

Erste Ergebnisse der Studie wurden am 9. April 2020 bekannt gegeben: In einer Pressekonferenz mit dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Armin Laschet empfahl Streeck der Politik, in die Phase 2 der Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene einzutreten, d. h. mit der Rücknahme der Beschränkungen für die Bevölkerung zu beginnen. Diese Vorgehensweise und insbesondere auch das Engagement der PR-Agentur Storymachine und die Rolle von Ministerpräsident Laschet wurden kritisiert.Christian Schwägerl – Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert, vom 14. April 2020, abgerufen am 8. Februar 2021.

Am 4. Mai 2020 stellten Hendrik Streeck, Gunther Hartmann und Ko-Autoren in einer Vorveröffentlichung weitere Ergebnisse vorHeinsberg Study results published, Universität Bonn 4. Mai 2020. Mit Link auf den Preprint Hendrik Streeck u. a., Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event. und im November 2020 wurde die Studie in Nature Communications unter dem Titel Infection fatality rate of SARS-CoV2 in a super-spreading event in Germany veröffentlicht.Streeck, H., Schulte, B., Kümmerer, B.M. et al.: Infection fatality rate of SARS-CoV2 in a super-spreading event in Germany in Nat Commun 11, 5829 (2020) doi:10.1038/s41467-020-19509-y.

Streeck war Mitglied des von April 2020 bis Juni 2021 bestehenden „Expertenrat Corona“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ziel des Gremiums, das von Vertretern der Medizin, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Philosophie, Psychologie, Soziologie und der Sozialarbeit gebildet wurde, war es, die Expertise verschiedener Fachrichtungen zusammenzutragen, um neben den epidemiologischen Entwicklungen auch die wirtschaftlichen und sozialen Schäden des Lockdowns zu berücksichtigen. Seit Mitte Dezember 2021 gehörte Streeck dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung an.Robin Alexander und Tim Rahn, Bundeskanzler Scholz setzt sich von Merkels Corona-Politik ab, In: Welt am Sonntag vom 12. Dezember 2021.

Seit dem 14. August 2020 ist Hendrik Streeck Mitglied der COVID-19 Expert Group der Inter Academy Partnership (IAP). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Wissenschaftsakademien aus mehr als 130 Ländern, einschließlich der Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Ende Juni 2022 wurde bekannt, dass eine neue repräsentative Studie unter der Leitung Hendrik Streecks bis Mitte September 2022 den Immunisierungsgrad der Bevölkerung in Deutschland gegen SARS-CoV-2 klären solle. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Vorhaben mit drei Millionen Euro. Am 13. Oktober 2022 wurden die Zwischenergebnisse dieser Studie veröffentlicht, nach der 95 % der Bevölkerung bereits Antikörper gegen das Coronavirus besitzen.

Positionen zu Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 27. März 2020 sagte Streeck, mit sozialer Distanz könne man das Infektionsgeschehen eindämmen, Einschränkungen der Kontakte seien daher wichtig. Er wisse aber nicht, ob es sinnvoll sei, das öffentliche Leben vollständig lahmzulegen. Dagegen wögen auch andere Faktoren, die er nur als Privatmann und nicht als Virologe beantworten könne. Man müsse sich auch die Frage stellen, was das mit der Gesellschaft mache.

Im Juni 2020 plädierte Streeck hinsichtlich der Eindämmungsmaßnahmen für „ein bisschen mehr Mut“ über den Sommer, da ein Großteil der Infektionen asymptomatisch verliefen und in dieser Zeit mit keiner starken Belastung der Intensivstationen zu rechnen sei. Es bestünde „eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können“. Wenn man während der Sommermonate solche Infektionen zulasse, dann baue man eine schleichende Immunität in der Gesellschaft auf, die am Ende diejenigen schütze, die auch einen schwereren Verlauf haben könnten. Prinzipiell solle man sich darauf einstellen, mit dem Virus zu leben.

In einem Interview mit dem Münchner Merkur am 16. Dezember 2020 sagte er, vor dem Hintergrund der aktuell besorgniserregenden Lage sei es ein richtiger Weg, die viel zu hohe Zahl der Neuinfektionen über einen härteren Lockdown zu senken. Auf die Frage, ob man früher härtere Maßnahmen hätte ergreifen müssen, sagte er, dass es „den richtigen Weg“ nicht gebe. Aber ein harter Lockdown im Sommer 2020 bei niedrigen Fallzahlen wäre zum Beispiel sehr effizient, aber schlecht zu vermitteln gewesen. Auf die Frage, ob die explodierenden Infektionszahlen bestätigten, dass man eine Pandemie nur mit strikten Verboten besiegen könne, sagte er, Drohkulissen und Verbote, losgelöst von einer langfristigen Strategie, hätten nur eine kurze Halbwertzeit. Da man die Gründe der hohen Infektionszahlen nicht kenne, sei es wichtig, jeden mitzunehmen und immer wieder zu erklären, zu erläutern und zu begründen, warum es wichtig sei, den Empfehlungen zu folgen.

Am 28. Oktober 2020 unterzeichnete Hendrik Streeck zusammen mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit ein umstrittenes Positionspapier der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, in dem für einen Strategiewechsel in der Pandemiebekämpfung geworben wurde. Ziel des Papiers sollte der Anstoß einer Diskussion in der medizinisch-wissenschaftlichen Fachwelt sowie in der ärztlichen Versorgung über die langfristigen Herausforderungen und notwendigen Maßnahmen in der Coronakrise sein.