Angoisse (, okzitanisch: Engoissa) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes Isle-Loue-Auvézère en Périgord. Die Einwohner werden Angoissais und Angoissaises genannt.
Geografie mini|300px|Lagekarte von Angoisse
Angoisse liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich von Périgueux, etwa 4 Kilometer nördlich von Lanouaille und etwa 16 Kilometer östlich von Thiviers. Zur nächsten Kleinstadt Saint-Yrieix-la-Perche im Nordosten sind es 11 Kilometer. Die Gemeinde befindet sich in der Région naturelle des Nontronnais, Teil des touristisch benannten Périgord vert.
Umgeben wird Angoisse von folgenden Nachbargemeinden:
Die Gemeinde besteht neben dem Ortskern aus folgenden Geländepunkten, Weilern, Gehöften, Schlösser und Mühlen: Balladoux, Bas Vendeuil, Beausoleil, Bellevue, Bois de la Blaye, Bois de Rouffiaclas, Boueygeas, Bournagoux, Burgle, Carle, Chalard, Champ Bourdier, Chantalouettele, Chariaud, Château Bouché, Château de Roufiac, Chavanac, Clos Paradis, Croix de Malavaux, Festugière, Fondartigeas, Godoney, Jarousse, Jassat, L'Échinlerie, l'Hépitalla, La Brugèrele, La Chênerie, La Grande Tour, La Grelière, La Peyrière, La Pouge, La Pouyade, La Tuilière, La Veyssière Basse, La Veyssière Haute, La Vigne, Lac de Rouffiac en Périgord, Lage, Lambertie, Las Bessouillas, Las Rivaillas, Lascaud, Le Moulin de Gabessou, Le Moulin de Pinaud, Le Petit Chatreix, Le Point du Jour, Le Pradeau, Le Pré Rigaud, Le Terrail, Le Tuquet, Les Chatignauds, Les Grands Bois, Les Noches, Les Salles, Lescurele, Maine, Malavaud, Maziaud, Moulin de la Jarousse, Moulin de Laporte, Moulin du Large, Peytignoux, Pierrebrune, Pont de la Chênerie, Puy de la Ganneles, Renardières, Rouchut, Rouffiaguet, Truffin, Vendeuil, Vergnas und Vignolas.
Der topographisch niedrigste Punkt der Gemeinde Angoisse liegt auf . Der höchste Punkt nimmt ein. Die absolute Höhendifferenz beträgt 125 Meter, die durchschnittliche Meerhöhe 302 Meter. Das Gemeindezentrum kommt auf zu liegen.
Bodenbedeckung mini|300px|Bodenbedeckung in Angoisse Die Bodenbedeckung der Gemeinde Angoisse schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 56,0 % Wälder – 26,9 % Wiesen – 6,8 % Ackerland – 4,0 % Kulturland – 3,7 % Wasserflächen – 1,5 % baulich beansprucht – 1,1 %.
Die landwirtschaftliche Nutzung steht eindeutig im Vordergrund. Der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist von 69,9 % im Jahr 1990 auf 70,5 % im Jahr 2018 leicht angestiegen.
Klima Das Klima in Angoisse ist gemäßigt; Regen fällt übers Jahr verteilt. Die Gemeinde besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima mit gemäßigtem Sommer (Cfb nach Köppen und Geiger), das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000 Jahresmittel: 11,6 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 2,6 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 6,0 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,9 °C Jahresniederschlag: 1099 mm Niederschlagstage im Januar: 13,3 Niederschlagstage im Juli: 7,8
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 43 Kilometer entfernten Wetterstation in Brive das langjährige Jahresmittel von 12,7 °C für 1971–2000 über 12,7 °C für 1981–2010 auf 13,0 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,3 °C innerhalb von 20 Jahren.
Hydrographie mini|300px|Hydrographische Karte der Gemeinde Angoisse Hauptfluter in der Gemeinde Angoisse sind die Loue und die Ganne, die beide in Südrichtung entwässern. Die Loue hat eine Gesamtlänge von 50,87 Kilometer und entspringt in der Haute-Vienne in der Gemeinde Saint-Yrieix-la-Perche. Sie erreicht die Isle bei Coulaures als linker Nebenfluss. In der Gemeinde Angoisse bildet sie auf nahezu 8 Kilometer die Westgrenze zu Sarlande. Die Ganne ist ein rechter Nebenfluss der Haute-Loue. Ihre Mündung in die Haute-Loue befindet sich an der Südostecke zu Savignac-Lédrier. Sie wird hier zu einem Badesee aufgestaut – dem Lac de Rouffiac-en-Périgord. Die Ganne entspringt ebenfalls in der Haute-Vienne und dirigiert sich anfangs nach Südwest, ändert aber ihren Verlauf auf den letzten beiden Kilometern auf Süd. Sie durchzieht den Osten und Südosten von Angoisse auf rund 5 Kilometer.
Die genannten Flussläufe bilden Teil des Flusssystems Isle-Dronne.
Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes beträgt 36 Kilometer.
Geologie mini|hochkant=1.2|Geologische Karte von Angoisse Die Gemeinde Angoisse liegt vollständig auf dem metamorphen Grundgebirge des nordwestlichen Massif Central. Die Gesteine des Anstehenden gehören überwiegend zur Oberen Gneisdecke und nehmen – mit Ausnahme des Nordstreifens, aufgebaut aus Gesteinen der Unteren Gneisdecke – die nördlichen vier Fünftel des Gemeindegebietes ein. Im Süden schließt sich sodann noch die Thiviers-Payzac-Einheit an.
Obere Gneisdecke Die Obere Gneisdecke wird überwiegend aus plagioklashaltigen Paragneisen der Formation ζ1-2 aufgebaut. Die Paragneise enthalten als kleinere Einschlüsse Eklogite (δψ) und die aus ihnen hervorgegangenen Amphibolite. Eingeschuppt finden sich ferner zwei Epidot-führende Amphibolitzüge (δ11ep).
Untere Gneisdecke Zur Unteren Gneisdecke werden Leptynite (λb3-4) gerechnet, die ganz im Norden anstehen. Diese Ortholeptynite gehören zum Bogen von Sarlande (Arc de Sarlande) und sind aus ehemaligen Graniten hervorgegangen, deren Intrusionsalter mit 453 ± 8 Millionen Jahren ermittelt wurde (Oberordovizium, Sandbium). Ein großer Leptynit-Scherkörper findet sich auch innerhalb der Paragneise im Nordwesten der Oberen Gneisdecke.
Thiviers-Payzac-Einheit Die Thiviers-Payzac-Einheit am Südrand wird durch die Dussac-Störung in zwei ungleiche Teile aufgespalten, wobei die Südostseite wesentlich bedeutungsvoller ist als die geschleppte Südwestseite. Die Dussac-Störung ist eine sinistrale, Nordost-streichende, leicht gekrümmt verlaufende Seitenverschiebung, die an der Deckenstirn der Thiviers-Payzac-Einheit einen Versatz von 1,5 Kilometer aufweist.
Der Nordrand der Einheit wird vom Payzac-Quarzit (tfρ3Χ) gebildet. Dieser enthält im Norden einen kleinen Graphitzug (gra). Auf den Quarzit folgen im Süden die Serizitschiefer des Donzenac-Schiefers (S1-2), die aus Peliten und Areniten hervorgegangen sein dürften und auch Grauwackenlagen enthalten. Der Donzenac-Schiefer bildet eine Muldenstruktur, in die der Engastine-Mafit eingefaltet ist – Grünschiefer (S11δθ), die aus ehemaligen Doleriten und basaltischen Tuffen entstanden sind. Im Donzenac-Schiefer findet sich ganz im Süden ebenfalls ein Graphitzug.
Lockersedimente In den Talungen der Loue, der Haute-Loue und der Ganne mit ihren Seitenarmen haben sich rezente alluviale Sedimente (Formation K oder Fy3-z) abgesetzt.
Naturrisiken mini|hochkant=1.2|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Angoisse
Naturrisiken manifestieren sich in der Gemeinde Angoisse als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen in den Talungen der Loue, der Ganne und der Haute-Loue Dürren Stürme Bodensetzungen Radonemanationen.
In den Jahren 1982, 1993, 1997 und 1999 kam es aufgrund erhöhter Niederschläge zu größeren Bodenbewegungen und Rutschungen – insbesondere 1999 war schwer betroffen.
Ein herausragendes Wintersturmereignis war das Sturmtief Martin im Dezember 1999, das enorme Schäden an den Wäldern und auch an der Infrastruktur hinterließ. Die Zerstörungen in den Wäldern sind selbst im Jahr 2022 noch zu erkennen.
Wie die Risikokarte zeigt, ist Angoisse von der Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden nur marginal betroffen – von mittlerer Intensität im Bereich der Thiviers-Payzac-Einheit im Süden.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt.
Eine Radongefahr (Zone 3 mit signifikativem Radonpotential) besteht im Inneren von Gebäuden und geschlossenen Räumen.
Ökologie Schutzgebiet des Typus 1 In der Gemeinde Angoisse bilden die waldreichen Talungen der Loue und der Ganne zusammen mit den Randzonen des Badesees Lac de Rouffiac-en-Périgord ein Schutzgebiet des Typus 1 (Französisch ZNIEFF = zone naturel d'interêt faunistique et floristique).
Etymologie und Geschichte Der Name der Gemeinde Angoisse leitet sich vom Okzitanischen engoissa ab – mit der Bedeutung Verengung, Schlucht. Gemeint sind hiermit wohl die Schluchten der Loue und der Haute-Loue. Das Okzitanische ging seinerseits aus dem Lateinischen angustia () hervor.
Ältestes Bauwerk in der Gemeinde Angoisse ist die romanische und gotische Ortskirche Saint-Martin. Das Schloss Bouché geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, das Schloss Rouffia bis ins 15. Jahrhundert. Schriftlich wird die Gemeinde in einem Kirchenregister erstmals im 13. Jahrhundert als Engoischa erwähnt. Im Mittelalter gehörte sie zum Johanniterorden und hieß dementsprechend im 16. Jahrhundert Hospital d'Angouisse (1560). Im 18. Jahrhundert stabilisierte sich ihr Name auf Angouasse (1760) mit der gleichen Aussprache wie die aktuelle Schreibweise.Tanet, Hordé, Seite 29
Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung in AngoisseJahrEinwohner 1962 871 1968 834 1975 721 1982 619 1990 559 1999 572 2006 598 2007 602 2012 626 2017 588 2020 588
Quelle: INSEEAngoisse auf der Website des Insee
Die Bevölkerungszahlen von Angoisse waren von 1962 bis 1990 generell rückläufig, erholten sich aber bis 2012 wieder, um dann erneut abzufallen.
Im Jahr 2020 betrug die Bevölkerungsdichte 25,4 Einwohner pro Quadratkilometer.
Der Bevölkerungsrückgang im 20. Jahrhundert – Angoisse hatte im Jahr 1906 noch 1396 Einwohner – ist im Wesentlichen auf die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Aufgabe von bäuerlichen Kleinbetrieben zurückzuführen.
Sehenswürdigkeiten Ortskirche Saint-Martin im romanischen und im gotischen Stil Schloss Bouché, übrig geblieben ist nur ein Turm aus dem 14. Jahrhundert Schloss Rouffiac aus dem 15. Jahrhundert, Umbauten aus dem 17. Jahrhundert, seit 2002 als Monument historique eingeschrieben Der aufgestaute Badesee Lac de Rouffiac-en-Périgord Die ovale Scheune von L'Échinlerie – Beispiel einer mittlerweile überholten Architektur.
Fotogalerie
Verwaltung Bürgermeister in Angoisse ist seit März 1989 der zur PS gehörende Joël Gadaud, ehemaliger Handwerker im Ruhestand. Er wurde im Mai 2020 wiedergewählt.
Präsidentschaftswahlen 2022 Kandidaten Parteien 1. Wahlgang 2. Wahlgang Stimmen % Stimmen % Marine Le Pen Front national FN 109 27,59 % 194 53,30 % Emmanuel MacronEn marche ! EM 97 24,56 % 170 46,70 % Jean-Luc Mélenchon Front de gauche FDG 72 18,23 % Éric Zemmour Reconquête22 5,57 % Valérie Pécresse Les Républicains LR 20 5,06 % Jean Lassalle Résistons ! R 25 6,33 % Anne Hidalgo Parti socialiste PS 13 3,29 % Fabien Roussel Parti communiste français PC 17 4,30 % Nicolas Dupont-Aignan Debout la République DLR 9 2,28 % Yannick Jadot Europe Écologie-Les Verts EELV 5 1,27 % Nathalie Arthaud Lutte Ouvrière LO 4 1,01 % Philippe Poutou Nouveau Parti anticapitaliste NPA 2 0,51 % Gesamt 395 100 % 364 100 % Gültige Stimmen 395 96,11 % 364 88,56 % Ungültige Stimmen 16 3,89 % 47 11,44 % Wahlbeteiligung 411 85,98 % 411 86,16 % Enthaltungen 67 14,02 % 66 13,84 % Registrierte Wähler 478 477Quelle: Ministère de l'Intérieur Die Präsidentschaftswahlen 2022 in Angoisse konnte Marine Le Pen für sich entscheiden.
Bildung Angoisse verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire).
Wirtschaft Beschäftigung Im Jahr 2022 betrug die erwerbsfähige Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren 272 Personen bzw. 45,7 % der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Arbeitslosen ist mit 23 im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (28).
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