Die alte Brauerei Schwerin ist ein Stadtquartier in zentraler Lage innerhalb der Landeshauptstadt Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. alternativtext=Alte Brauerei Schwerin|miniatur|Alte Brauerei Schwerin – Luftaufnahme Schall-und-Schwencke-Weg

Lage Das Gelände befindet sich im Stadtteil Werdervorstadt unweit des Stadtzentrums Schwerins. Es erstreckt sich am Ostufer des Ziegelinnensees und umfasst ca. 3,8 ha. Östlich des Areals befindet sich der 1925 zu einer Parkanlage umgestaltete ehemalige Schelffriedhof.

Geschichte Auf dem Grundstück Nr. 222 am Ende der Bergstraße errichteten 1866 die Kaufleute Gustav Schall (1829–1902), Georg Schwencke (1792–1873) und Rudolf Neubeck (1838–1881) eine Brauerei, die unter dem Namen Schall & Schwencke ab 1867 ihr erstes Bier braute. 1872 wandelten die Eigentümer ihre Brauerei in eine Aktiengesellschaft um und überführten sie in die Mecklenburgische Actien-Brauerei zu Schwerin, doch schon 1875 folgte die freiwillige Liquidation der Brauerei AG und 1876 der Rückkauf. Ab diesem Zeitpunkt firmierte die Brauerei unter Mecklenburgische Exportbrauerei Schall & Schwencke. Nach dem Tod des kinderlosen Gustav Schall Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Sohn des bereits 1881 verstorbenen Rudolf Neubeck Alleininhaber der Brauerei. Friedrich Neubeck (1873–1936) ließ zuerst das Brauereigelände mit einer Mauer, eisernen Gittern und einem aufwendigen Tor einfrieden, dann begann er mit einer umfassenden Modernisierung. Um 1910 verfügte die Brauerei neben dem Contorhaus über ein modernes Sudhaus mit Gärkeller, einen Abfüllkeller, eine neue Malztenne, einen Eis- und Lagerkeller, ein Kesselhaus und einen Pferdestall. 1913 wurde eine Böttcherei fertig gestellt und 1916 ein neuer Pferdestall mit Wagenschuppen errichtet. 1917 entstand an der Grenze zum alten Schelfffriedhof ein weiteres neues Fabrikgebäude, das zuerst als Kraftfutteranlage diente und später zur Tischlerei umgebaut wurde. Friedrich Neubeck starb 1936, seine Kinder entschieden sich zur Fortführung des Brauereigeschäfts. Sein Sohn Friedrich Christian Neubeck (1900–1976) übernahm die Geschäftsführung der neugegründeten Kommanditgesellschaft Schall & Schwencke KG. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt die Brauerei in Mecklenburg 23 Niederlagen und acht verpachtete Gaststätten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Brauerei zuerst in eine GmbH umgewandelt, später in eine Kommanditgesellschaft. Seit 1957 beteiligte sich der Staat an dem Privatbetrieb und verdrängte durch stetige Erhöhung der staatlichen Einlagen und restriktive Maßnahmen nach und nach alle privaten Gesellschafter. Am 1. April 1972 wurde das Unternehmen als VEB Schweriner Brauerei verstaatlicht und bereits im Juni mit den Brauereien Lübz, Güstrow, Grabow und Wittenberge zum VEB Getränkekombinat Schwerin verschmolzen. Das Kombinat war für die Getränkeversorgung im Bezirk Schwerin zuständig, die Schweriner Brauerei fungierte dabei als Stammbetrieb.Vgl. Bernd Neubeck: 150 Jahre Firma Schall & Schwencke Schwerin (1821–1971), Hamburg 2012, Selbstverlag, Seite 27 ff.Sylvia Kuska: Brauerei-Ruine im Wandel

Die Treuhand übernahm nach der Wiedervereinigung den VEB Brauerei Schwerin, wandelte das Unternehmen in die Schweriner Schlossbrauerei GmbH um und verkaufte sie im Juli 1991 an die schwedische Firma Blond AB, vertreten durch den schwedischen Kaufmann Michael Ollerup und den dänischen Brauereifachmann Jens Broe. Bald zeigte sich, dass eine Modernisierung des Standortes zu kostenintensiv wurde und der erzielte Absatz die fixen Kosten nicht deckte. Im April 1994 gründeten die Eigentümer daher die 2. Schweriner Schlossbrauerei und begannen im Schweriner Stadtteil Wüstmark mit dem Neubau einer Brauerei, das Grundstück an der Knaudtstraße wurde von einer Finanzfirma ersteigert. Am 6. Oktober 1995 nahm die Schweriner Schlossbrauerei in Wüstmark ihren Betrieb auf.

Das alte Brauereigelände an der Knaudtstraße lag in den nächsten Jahren brach, verfiel und brannte mehrfach. 2011 erwarb Architekt Ulrich Bunnemann mit seiner Verwaltungsgesellschaft Alte Brauerei GmbH & Co. KG das Grundstück an der Knaudtstraße und entwickelte in Zusammenarbeit mit seinem Architekturbüro Schelfbauhütte einen Bebauungsplan, der verschiedene historische Gebäude aus der Zeit der Brauereinutzung mit einbeziehen sollte.Vgl. Udo Brinker: Chronik der Stadt Schwerin - Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Schwerin 2011, Selbstverlag.

2022 ging die Alte Brauerei GmbH & Co. KG in Liquidation und verkaufte die noch nicht restaurierten Gebäude der Brauerei und die dazugehörenden Grundstücke 2023 an die JU Immobilienentwicklungsgesellschaft Schwerin GmbH. Kurz darauf wurde der Denkmalschutz des Ensembles aufgehoben und im Frühjahr 2024 bis auf ein Fledermausquartier abgerissen.Nordkurier, 31.05.2024

Stadtentwicklung mini|Schall-und-Schwencke-Weg (2024) Die Entwicklung des Geländes ist Bestandteil der Initiative „Schritte ans Wasser“, mit der sich die Landeshauptstadt Schwerin im Jahr 2007 für das Förderprogramm „ZukunftsStandorte“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern beworben hat.

Die Flächen der ehemaligen Brauerei sind Bestandteil des 2010 beschlossenen Stadtumbaugebiets „Hafenkante Ziegelsee“ gemäß § 171 BauGB. Das gleichnamige städtebauliche Entwicklungskonzept definiert den Teilbereich als Schlüsselprojekt mit der Zielsetzung, das Gelände als Entree zur geplanten Hafenkante zu urbanisieren und mit dem Stadtraum zu verflechten. Dabei soll bei den nachfolgenden Planungen eine mögliche Integration der historischen Bausubstanz geprüft werden. Zudem wird die Herstellung von quartiersübergreifenden Wegeverbindungen sowie Uferwegen angestrebt. Die Schaffung des erforderlichen Baurechts erfolgt über einen Bebauungsplan der Innenentwicklung gemäß § 13a BauGB, der sich in Aufstellung befindet.

Neues Stadtquartier Die Planungen für ein neues Stadtquartier wurden im Jahr 2013 aufgenommen. Insgesamt sollen etwa 60 bis 90 Wohneinheiten entstehen. Es sind sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen geplant. Zudem sollen spezielle altersgerechte Angebote geschaffen werden. Neben der Wohnnutzung sind auf dem Gelände verschiedene ergänzende Nutzungen geplant, diese umfassen Gewerbe- und Praxisräume, Gastronomische Einrichtungen sowie Flächen für Sport und Freizeit. Durch die Anlage eines Fußwegenetzes mit einem zentralen Platz wurde der neue Kiez an den umliegenden Stadtraum angeschlossen. Ein Uferweg führt Anwohner und Besucher am unmittelbar angrenzenden Ziegelinnensee entlang. Dort entstand auch ein Kinderspielplatz. Die Fertigstellung des Quartiers ist für das Jahr 2021 geplant.

Ökologische Stadtteilentwicklung Das Gesamtkonzept sieht vor, die historischen Gebäude teilweise zu erhalten und durch neue Gebäude zu ergänzen. Die bereits fertig gestellten Bauabschnitte der Siedlung sind weitestgehend unter ökologischen Gesichtspunkten entstanden. Vorgefundene Baustoffe wurden aufgenommen und wiederverwendet. Die Gebäude entstanden in Holzbauweise. Im Sinne einer maximalen Ökoeffektivität kamen möglichst einfache Materialien und unkomplizierte Verbindungen zum Einsatz. Statt konventioneller Dämmstoffe wurde Baustroh verwendet, das aus der regionalen Landwirtschaft stammt. Diese Maßnahmen und Techniken werden auch bei den noch ausstehenden Bauabschnitten angewandt werden. In dieser Weise entsteht auf dem Gelände der Alten Brauerei in Schwerin eines der umfangreichsten ökologisch gebauten Quartiere in Mecklenburg-Vorpommern.

Da die Gebäude überwiegend nach Südwesten ausgerichtet sind, lässt sich die Sonnenenergie in einem hohen Maße nutzen. So verfügt das auf dem Gelände ansässige Architekturbüro der Schelfbauhütte über Photovoltaikanlagen, die den Strom für Infrarotheizungsanlagen und Elektroautos bereitstellen. Zur Beleuchtung der Straßen und Wege innerhalb des Quartiers werden energiesparende LED-Lampen verwendet.

Veranstaltungen (Auswahl) In Ergänzung zum neu entstehenden Kiez finden auf dem Gelände der Alten Brauerei diverse Veranstaltungen aus dem Bereich Kunst und Kultur statt. Diese umfassten in der Vergangenheit unter anderem Tag der Architektur (jährlich seit 2014) Tag der offenen Tür Tag der Elektromobilität Kunst offen (2016, 2017) Woche der Nachhaltigkeit (2015) Wanderausstellung Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern (2015) Tag des Bieres 2016 (anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des deutschen Reinheitsgebots)

Weblinks

Webpräsenz Historische Bieretiketten der Brauerei

Einzelnachweise

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