Die Alte Feuerwache im Ortsteil Friedrichshain des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ist ein in den 1880er Jahren errichtetes Feuerwehrdepot, das bis 1965 bestimmungsgemäß benutzt wurde. Danach wurde es zu einem Museum umfunktioniert. Seit 1998 dient das Haus zwei neu gegründeten Kultureinrichtungen: dem Jugendclub Feuerwache (nördlicher Eingang links) und dem Kulturhaus alte feuerwache Friedrichshain (südlicher rechts).

Lage Das Bauwerk befindet sich der Marchlewskistraße 6 (bis 1950 Memeler Straße 39). Das Depot hatte zur Memeler Straße eine direkte Ein- und Ausfahrt. Seine Hauptachse ist in Nord-Süd-Richtung (mit etwa 10 Grad Abweichung) orientiert. Weil die Straße bei der Neubebauung der (heutigen) Karl-Marx-Allee zur Sackgasse wurde, steht das Haus nun auf einer kleinen Verkehrsinsel. Der Südgiebel zeigt zur Hildegard-Jadamowitz-Straße.

Geschichte der Feuerlöscheinrichtung Das 1884 fertiggestellte Bauwerk befand sich im Eigentum des Berliner Magistrats und stand unter Leitung eines Feuerwehrmanns (1890) oder eines Brandmeisters (1892). Es war Dienstgebäude des 52. Polizeireviers und Standort der Berliner Berufsfeuerwehr mit Unterkunft für und Personal (ein Polizeileutnant und zwei Oberfeuerwehrmänner) und Depot für fahrbare Handdruckspritzen, Maschinenleitern, Wasserwagen. Die mobilen Löschgeräte wurden von Pferden (wie es auf historischen Fotos erkennbar ist) gezogen, für die es auf dem Hof Ställe gegeben haben muss und Tierpfleger.

Im Jahr 1900 enthält das Berliner Adressbuch folgende Angaben zu der Feuerwache: Eigentümer Stadt Berlin, Verwaltung durch Kgl. Pol. Präsid., Abth. f. Feuerwehr, Bur. d. 52. Pol. Rev., Feuerwache. – Im Haus wohnten ein Oberfeuerwehrmann, ein Polizeileutnant, ein Maschinist, ein Brandmeister.

Zwischen 1910 und 1943 veränderte sich an der Nutzung nicht viel, lediglich die Anzahl der einwohnenden Dienstmänner und die Bezeichnung der Feuerwache variierte: 1920: Feuerwache, drei Personen, Leiter ein Obermaschinist 1930: Feuerwache, Zug 31, zwei Mann Personal 1936: Feuerwache Memel, Zug 31, besetzt mit zwei Personen 1943: Feuerwache Memel, Zug 31, besetzt mit zwei Oberleutnants der Feuer-Schutz-Polizei (F.Sch.Pol.)

Seit 1922 gab es bei der Berliner Feuerwehr keine Pferde mehr im Einsatzbetrieb. So präsentiert sich der Löschzug auf einer historischen Postkarte von 1926 (Archiv Klaus Dietz) vor der Feuerwache Memel motorisiert. – In dem Friedrichshain-Buch Der Berliner Osten von 1930 heißt es stolz: „Über die hervorragende technische Entwicklung und den jetzigen Stand der Feuerwehr kann sich jeder Bewohner des Berliner Ostens durch eine Besichtigung der Feuerwehr Memeler Straße 39 (Alexander 5422) unterrichten.“Willi Gensch, Dr. Hans Liesigk, Hans Michaelis (Bearbeiter): Der Berliner Osten, Berliner Handelsdruckerei, Berlin 1930, S. 233.

1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude der Feuerwache durch Brandbomben so stark beschädigt, dass nach dem Krieg nur noch das Erdgeschoss mit der historischen Backsteinfassade und den charakteristischen rundbogigen Wagenausfahrten erhalten blieben. Es war vorerst nicht benutzbar.Horst Dembny, Manuskript: Alarm 333 für Feuerwache Memel 08/11/99 – Kindheitserinnerungen der 30-er und 40-er Jahre. Das Manuskript befindet sich im FHXB-Museum.

Außerdem wurde die gesamte Stadtverwaltung umgestellt, alle Bezirksfeuerwehren unterstanden nun dem Zentralamt der Feuerwehr mit einem Oberbranddirektor an der Spitze; sie wurden untergliedert in Brandschutzämter (Bda.), Berufsfeuerwachen (B.Fw.) und Freiwillige Feuerwehr (Frw.-Fw.). In Friedrichshain gab es 1946 nur in der Reichenberger Straße 66 eine B.-Fw.

Feuerwehreinrichtungen von Ost-Berlin gehörten in der DDR-Zeit zur Volkspolizei Berlin, die Feuerwehren wurden unterschieden in Brandschutzämter und Berufsfeuerwachen sowie in Freiwillige Feuerwachen. Das reparierte Feuerwehrdepot bekam den Namen Feuerwehrstützpunkt Weberwiese und mit der Straßenumbenennung trug sie jetzt die Adresse Marchlewskistraße 6. An gleicher Stelle wurde auch das Brandschutzamt Friedrichshain eingerichtet. Die Wache Weberwiese diente ihrem Zweck noch bis 1956.

Die Berufsfeuerwehr Friedrichshain bezog nun einen neu errichteten Stützpunkt in der Rüdersdorfer Straße 56–58, wo auch die entsprechende Verwaltung eingerichtet wurde. Das frühere Depot in der Marchlewskistraße diente nach längeren Umbauarbeiten als Heimatmuseum Friedrichshain.

Geschichte des Bauwerks Der Stadtbaurat Hermann Blankenstein hat sich um die kommunalen Bauten für die Stadt Berlin große Verdienste erworben: für Schulbauten, Markthallen und – wie hier – auch für die Feuerwehr hat er mit seinen Mitarbeitern stetig neue Bauten entworfen, die die örtlichen Besonderheiten berücksichtigten, preisgünstig zu errichten waren, die geforderte Funktion gut erfüllten und trotzdem eine abwechslungsreiche Gestaltung erhielten. Für das Baugrundstück in der damaligen Memeler Straße 39 sahen die Pläne einen kompakten Bau im Neorenaissance-Stil vor, der aus Ziegelsteinen errichtet werden konnte und mit foten und gelben Klinkern verblendet wurde. Dazu kamen dezente Reliefstreifen aus Terrakotta. Im Jahr 1884 wurde die Feuerwache in Betrieb genommen.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg stehengebliebenen Teile der Feuerwache in der Memeler Straße wurden repariert und mit einem einfachen ziegelgedeckten Notdach versehen, sie konnten ab circa 1948 wieder als Stützpunkt für die Friedrichshainer Berufsfeuerwache benutzt werden.

Das Gebäude diente ab 1955 der benachbarten Möbelfabrik VEB Edelholzbau Berlin (Fruchtstraße 37, später Straße der Pariser Kommune) als Lagerraum und Furnierwerkstatt.In der Treppenhausausstellung von 2018 wird das Foto Werkstatt in der früheren Wagenhalle, Juni 1995 vom Landesdenkmalamt (Franziska Schmidt) gezeigt. Für die neue Nutzung wurde die ehemalige Feuerwache 1955/1956 umgebaut. In der früheren Wagenhalle erhielten Maschinen für den Furnierzuschnitt einen neuen Platz – Furniersäge und Schlagschere. Später kam eine zweite noch größere Schlagschere hinzu, für die eine Säule entfernt werden musste. Im westlichen Parterre wurde geklebt.

Die Zugänge zur Marchlewskistraße wurden geschlossen. Der Zugang erfolgte über das Fabrikgelände von der Fruchtstraße aus bzw. durch ein Tor an der Hildegard-Jadamowitz-Straße zum Hof der früheren Feuerwache.

Die Bildung des Kombinats intercor VEB Inneneinrichtungskombinat Berlin, zu dem auch der VEB Edelholzbau Berlin gehörte, führte dazu, dass 1969 der Furnierzuschnitt der Kombinatsbetriebe in der alten Feuerwache zusammengelegt wurde.

Mit dem Umzug des Kombinats nach Marzahn nach dem Mauerfall 1989/90 wurden die Standort Straße der Pariser Kommune 37 und Alte Feuerwache aufgegeben.Dieter Krasny, Hans J. Lehmann, Holger Ober: intercor – VEB Inneneinrichtungskombinat Berlin, Selbstverlag der Autoren, Berlin 2016, S. 16, 41.

Beschreibung Feuerwache Memel Der dreigeschossige Klinkerverblendbau mit fünf EinfahrtstorenIn der Treppenhausausstellung des Kulturhauses von 2018 wurden das Foto Altberliner Löschzug der Feuerwache Memel 1908 aus dem Archiv des Feuerwehrmuseums Berlin und das Foto Hof mit Werkstatt und Stallgebäude 1908 aus dem Archiv von Klaus Dietz gezeigt. Auf beiden Fotos sind die fünf Torbögen vom Hof aus zu sehen. Das Foto Ruine der Feuerwache Memel nach 1945 aus dem Archiv des Feuerwehrmuseums Berlin zeigt einige Torbögen, auch den fünften von der Straße aus. Der fünfte ist jedoch auch heute noch ganz rechts in gleicher Form neben den 4 Toren erkennbar.

Viele Fotos zeigen nur vier Tore der Wagenhalle, und in vielen Publikationen ist auch nur von vier Toren die Rede, z. B. auch in den Informationen des Berliner Denkmalamts; das fünfte ist für die Fassadengliederung aber von Bedeutung.

Wie eine Berliner Feuerwache im Jahr 1896 aussah In dem Buch Berlin und seine Bauten, Teil II von 1896 findet sich im Abschnitt VII Gebäude der Berliner Gemeindeverwaltung folgende prinzipielle Beschreibung:

„Die wesentlichsten Räume jeder Feuerwache sind: die Remisen für die stets bereit stehenden Fahrzeuge mit Einfahrtstoren direkt an der Straße; die Ställe, in denen die Pferde fortwährend angeschirrt stehen; die Wachtlokale für die Mannschaften, die zur Zeit noch größtenteils aus einem gemeinschaftlichen Wacht- und Schlafraum bestehen, deren Trennung aber für die Zukunft angestrebt wird, und endlich die Dienstwohnungen für die Brand-Inspektoren bzw. Brandmeister sowie für die Feldwebel und Oberfeuerwehrmänner… Ferner sind noch in jeder Zugwache nach Möglichkeit vorhanden: Werkstätten für kleinere Schlosser- und Tischlerarbeiten, besondere Fahrerstuben, Baderäume für die Mannschaften, besondere Futtergelasse und offene Holzschuppen zum besseren Trocknen der Streu…“ (Die Rechtschreibung wurde dem heutigen Gebrauch angepasst.)Architektenverein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Bd. II und III: Der Hochbau, Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1896, S. 129.

Nach dem Jahr 1945 Das Haus erhielt 1946 ein Notdach und wurde 1948–1955 als Feuerwehrstützpunkt Weberwiese genutzt. Mit Eröffnung der neuen Feuerwache Friedrichshain in der Rüdersdorfer Straße wurde der Betrieb eingestellt.Berufsfeuerwache Friedrichshain (1200), auf berlin.kauperts.de

Bauwerksbeschreibung Die historische Feuerwache war ein dreigeschossiges, siebenachsiges Backsteingebäude in den für Berliner Kommunalbauten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert typischen gelb-roten unverputzten Fassaden mit dezenten Terrakottareliefs im Stil der Neorenaissance. Sie zählte zu den acht Feuerwachen, für deren Gestaltung der damalige Berliner Stadtbaurat Hermann Blankenstein verantwortlich war. Es handelte sich um eine Trabantenwache der zweiten Generation, die nach der Gründung der Berliner Berufsfeuerwehr die fünf zentralen Wachen ergänzten.

Der früher zum Depot gehörende Hofbereich existiert nicht mehr. Linksseitig schloss sich an das Gebäude ursprünglich ein schmales Werkstatt- und Stallgebäude an. Darin wohnten auch der Oberfeuerwehrmann sowie Kutscher und Schirrmeister. Später befanden sich links ein Schlauch- und Gerätehaus mit Wendeltreppe und rechts im Hof eine Werkstatt in einer Bretterhütte.Horst Dembny, Manuskript: Alarm 333 für Feuerwache Memel 08/11/99 – Kindheitserinnerungen der 30-er und 40-er Jahre.

Anstelle des früheren Hofbereiches wurde nach den Umbauarbeiten der 1990er Jahre der neu gestaltete Eingang zum Kulturhaus gebaut. Dieser führt in einen Durchgang, von dem aus links der Projektraum (früher Wagenhalle), rechts das Treppenhaus und geradezu das Gelände hinter dem Gebäude (früher Hof) erreichbar sind. Bei den Umgestaltungen wurden die noch erhaltenen hölzernen Remisentore gegen Flügeltüren mit eingepasstem opakem Glas eingebaut.

Das Gebäude wurde 1995–1998 durch die Architekten Wörle & Partner (München) umgebaut und dabei wieder auf die ursprüngliche Höhe von drei Etagen aufgestockt. Die Fassade der ersten und zweiten Etage ist mit hellen Großkacheln verkleidet, und das neue Dach ist als Tonnengewölbe ausgeführt. So erhält das Bauwerk von weitem das Aussehen eines Eisenbahnwagens.

Nutzung seit 1998 Überblick Nach der Wende und dem Mauerfall, 1995–1998, ließ die neue Bezirksverwaltung das Gebäude sanieren und wieder auf drei Etagen aufstocken; es diente nach seiner feierliche Eröffnung am 5. September 1998 dann als Kulturhaus mit dem Namen alte feuerwache und erinnert damit an die frühere Funktion des Hausest. Hier finden seither Ausstellungen, Veranstaltungen, Kurse und Projekte statt, dazu gehören ein Ausstellungs- und Projektraum und die studiobühne in der zweiten Etage. Das Kulturhaus gehört zum Fachbereich Kultur und Geschichte des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg und unterhält in den Räumen auch weitere kleine Kulturprojekte, manche auch nur zeitweilig.

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