Das Bournemouth 'Poole' Symphony Orchestra (BSO) ist ein in Bournemouth, 1893 im Süden Englands gegründetes Orchester, das sich bis in die heutige Zeit zu einem der bedeutendsten Orchester im Vereinigten Königreich entwickelt hat. 1979 verlegte das Orchester seine Spielstätte in das nahe Bournemouth gelegene Lighthouse in Poole.Sean Street, R. Carpenter: The Bournemouth Symphony Orchestra, A Centenary Celebration. The Dovecote Press, Wimborne 1993, ISBN 1-874336-10-5.
Mit dem Orchester arbeiteten viele bedeutende Dirigenten wie zum Beispiel Sir Dan Godfrey, Rudolf Schwarz, Constantin Silvestri, Paavo Berglund, Andrew Litton, Marin Alsop und Kirill Karabits als Chefdirigenten. Außer in Poole sind die Hauptspielstätten des Orchesters in der Guildhall in Portsmouth, der Great Hall der University of Exeter, und der Colston Hall in Bristol. Einige wenige Konzerte bringt das Orchester auch in Bournemouth im Pavilion Theatre sowie in Basingstoke zur Darbietung.
2014 wurde das Orchester auf dem bedeutenden Onlineportal für klassische Musik, Bachtrack, von 383 verschiedenen Orchestern aus mehr als 40 Ländern, zum beliebtesten Orchester der Welt gewählt. mini|Logo des Bournemouth Symphony Orchestras mini|The Lighthouse in Poole
Von der Gründung bis 1934: Die Godfrey Ära 1893 gründete Dan Godfrey mit 30 Bläsern und einem Trommler das Bournemouth Municipal Orchestra. Von Vorteil war, dass darunter einige ehemalige Militärmusiker auch den Gebrauch von Streichinstrumenten beherrschten.Geoffrey Miller: The Bournemouth Symphony Orchestra. Dorset Publishing Company, 1970, ISBN 0-902129-06-6 (englisch). Mit diesen Voraussetzungen war es flexibel genug, nicht nur Märsche und ähnliches Liedgut als Open-Air-Konzerte zu geben, vorwiegend am Pier von Bournemouth, sondern auch klassische Werke in geschlossenen Räumen. Das Ensemble gab das erste Konzert am Pfingstmontag 1893 und die erste klassische Aufführung im selben Jahr im Oktober.
Die Gruppe expandierte schnell zu einem angesehenen vollwertigen Orchester in England, das sich schon damals im gesamten Vereinigten Königreich einen Namen machte. Edward Elgar und Gustav Holst wurden dafür gewonnen, ihre eigenen Werke zu dirigieren. Das Orchester zeichnete ebenfalls verantwortlich für die Premieren der Hauptwerke von Richard Strauss, Camille Saint-Saëns und Pjotr Iljitsch Tschaikowski im Großbritannien. Schon zehn Jahre nach seiner Gründung gab das Orchester sein fünfhundertstes Sinfoniekonzert am 13. Dezember 1903, vom Gründer Godfrey selbst dirigiert. Der Bournemouth Municipal Choir, 1911 ebenfalls von Godfrey gegründet, wurde ein integraler Bestandteil des Orchesters.
Von 1922 bis 1940 war das Ostern-Festival des Orchesters ein wichtiges Datum im Kalender von Bournemouth. Im Jahr 1927 widmete man das Festival den Kompositionen britischer Frauen. 1934 legte Godfrey sein Amt als Chefdirigent nieder, nachdem er mehr als 2.000 Sinfonien dirigiert hatte.B. Croscombe: A Chronology. In BSO 90 1893–1983 – A special souvenir edition of WOS News. 1983, Spring/Summer, p16-17. (englisch)
Die erste Einspielung auf Tonträger des Orchesters geht schon unter der Leitung Godfreys auf das Jahr 1914 zurück. Darunter unter anderem Stücke von Ferdinand Hérolds Ouvertüre zu Zampa, den Ouvertüren von Daniel Aubers wie Le cheval de bronze und Les diamants de la couronne oder Samuel Coleridge-Taylors Petite Suite de Concert, einschließlich neueren Stücken mit Titeln wie Slippery Sticks und Whispering Pines von Mitgliedern des Orchesters und von ihnen selbst als Solisten dargeboten.
Godfrey hatte bis heute am längsten die Position eines Musikdirektors des Orchesters inne und ihm ist es zu verdanken, dass sich nur das Bournemouth Symphony Orchestra, im Gegensatz zu anderen Orchestern, die im Süden Englands vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegründet worden sind, als einziges angesehenes Orchester weit über England hinaus etablieren konnte. Godfrey war sich auch nicht zu schade, die sogenannte ernste Musik mit populärer Musik zu unterlegen. Daneben war er für eine Serie von Erstaufführungen mit seinem Orchester verantwortlich. Zu vielen prominenten Komponisten seiner Zeit, wie zum Beispiel Edward Elgar, Hamilton Harty, Alexander Mackenzie, Hubert Parry, Charles Villiers Stanford, Ethel Smyth, Gustav Holst und der Australier Percy Grainger pflegte er enge Beziehungen.Stephen Lloyd: Sir Dan Godfrey: Champion of British Composers. Thames, 1995, ISBN 978-0-905210-89-6.
Vom ersten Tag der Gründung des Orchesters unterhielt Godfrey komplizierte Beziehungen zu den Behörden Bournemouth', die dem Orchester als kommerzielles Unternehmen keine Subventionen zukommen lassen wollten und deshalb für ihre Unkosten selbst aufkommen sollten. Obwohl ein Teil der Attraktionen Bournemouth', sorgten die Bitten zur Unterstützung an die Behörden immer wieder zu erregten Debatten im Stadtrat von Bournemouth. Immerhin gelang es Godfrey immer einen befriedigenden Ausgleich zwischen dem hohen Standard des Orchesters und den finanziellen Notwendigkeiten zu halten.
1934–1947: Austin, Birch und die Kriegszeit Nach dem Rücktritt Godfreys fiel die Wahl der Leitung des Orchesters auf Richard Austin als Musikdirektor. Ein Radiosender richtete eine Sendestation in Bournemouth ein und eine Reihe berühmter Komponisten wie zum Beispiel Igor Stravinsky, William Walton, Ernest John Moeran, Sergei Rachmaninov, Roger Quilter, Balfour Gardiner und Percy Grainger besuchten während dieser Zeit das Orchester.
Nach dem Ausbruch des Krieges schmolz das Orchester zunächst von 61 auf 35 und 1940 noch einmal bis auf 24 Mitglieder zusammen. Austin resignierte noch im selben Jahr und stellte seinen Posten zur Verfügung. Montague Birch sprang für ihn ein, aber auch ihm gelang es nicht mehr einen geregelten Konzertbetrieb aufrechtzuerhalten. Das Bournemouth Symphony Orchestra als ortsansässiges Orchester wurde letztendlich aufgelöst, aber nicht vergessen. Ersatz leistete in dieser Zeit die sogenannte Wessex Philharmonic, ein von Reginald Goodall gegründetes und dirigiertes, heute nicht mehr bestehendes Tourneeorchester. Ein Zusammenschluss freischaffender Musiker, auch mit Ex-Mitgliedern des Bournemouth Municipal Orchestras, das eine große Bandbreite an klassischer Orchesterliteratur sowie Werke zeitgenössischer britischer Komponisten aufführte.
1947–1954: Schwarz und Groves Nach dem Ende des Krieges dauerte es noch zwei Jahre, bis das Orchester neu gegründet wurde. Es fand seine Spielstätte im 1937 neu erbauten Bournemouth Winter Gardens. 1947 übernahm Rudolf Schwarz die Position des Musikdirektors. Er dirigierte das Orchester 1948 in der Royal Albert Hall in London, wo es zuletzt 1911 ein Konzert gegeben hatte. Zwei weitere Konzerte in London folgten 1951 in der Royal Festival Hall während des Festivals of Britain. Schwarz’ Amtszeit war gekennzeichnet von der künstlerischen Konsolidierung des Orchesters, aber auch von finanziellen Problemen.
Charles Groves löste Schwarz als Musikdirektor ab, aber ein jährlich steigendes Defizit und das Auslaufen der Verträge vieler Ensemble-Mitglieder ließ das Orchester in eine Krise schlittern, die nur durch die Unterstützung der Winter Gardens Society etwas abgefedert wurde. Der Plan, das BMO mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra zu fusionieren konnte dann nur noch durch ein Übereinkommen mit der Welsh National Opera für einige Wochen abgewendet werden. Zur endgültigen Rettung des Orchesters sprang danach die Stiftung der Western Orchestral Society ein. 1954 änderte das Orchester den Namen in Bournemouth Symphony Orchestra, kurz (BSO). Den ersten Auftritt nach der Umbenennung teilten sich als Dirigenten Groves und Sir Thomas Beecham.Stephen Lloyd: Liner notes to Bournemouth Symphony Orchestra 1893–1993. EMI CD CDM 7 64719 2, 1993.
1954–1969: Die Jahre Silvestris Ab 1954 gab das Orchester vermehrt Gastspiele in verschiedenen Städten im Südwesten Englands. 1956 begleitete es das Bolschoi-Ballett auf dessen erster Tour durch Großbritannien.
1957 bespielte das Orchester unter Groves mehrere Konzerte auf Tonträger für das Label Classic Club. Darunter Beethovens 4. Sinfonie, Brahms’ Akademische Festouvertüre und Bizets L'Arlésienne.
Constantin Silvestri übernahm 1962 die Position des Chefdirigenten und unter seiner Ägide steigerte sich der Standard und das Ansehen des Orchesters mit seinen Auftritten auf dem Edinburgh Festival 1963, der ersten Europa-Tournee 1965, beachtenswerten Einspielungen auf Tonträgern und regelmäßigen Radioübertragungen. Internationale Aufmerksamkeit erregte das Orchester als es unter Silvestri gemeinsam mit den Streichern des Leipziger Gewandhausorchesters in der Halle des Winter Gardens in Bournemouth Edward Elgars Introduction and Allegro zur Darbietung brachte.
Silvestris Krebstod beendete 1969 abrupt seine innovative und in die Zukunft gerichtete Amtszeit. Sein musikalisches Vermächtnis beinhaltet unter anderem Vaughan Williams Fantasia on a Theme von Thomas Tallis Rimski-Korsakows Scheherazade und eine 1966 aufgenommene Einspielung von Tchaikovsky, die Ouvertüre 1812 unter der Einbeziehung der Band of the HM Royal Marines.
Auf den Neueinspielungen der Reihe BBC Legends mit Aufnahmen aus dem Winter Garden in Bournemouth und anderen Städten Großbritanniens wurde Silvestris Wirken ein Denkmal gesetzt.
1969–1972: Hurst Ohne formal über die Stellung des Musikdirektors zu verfügen, leitete George Hurst zwischen 1969 und 1972 das Orchester und muss deshalb trotzdem in der Reihe der Chefdirigenten des Orchesters mit aufgezählt werden. Seine Periode zwischen den Amtszeiten Silvestris und Paavo Berglund war von Kontinuität gekennzeichnet.
1972–1979: Berglund Paavo Berglunds Amtszeit war gekennzeichnet von einer großen Anzahl von Einspielungen auf Tonträger. Darunter die gesamten Symphonien Jean Sibelius für das Label EMI. Schon 1965 als Gastdirigent beim BSO kam es zum hundertsten Geburtstag Sibelius als Weltpremiere zur Einspielung der Kullervo Symphony von Sibelius.
Unter Berglund steigerte das BSO die Standards seiner Darbietungen signifikant, die auch bei den Aufnahmen auf die Tonträger für EMI durchaus zu hören sind. Während seiner Periode erhöhte sich das Repertoire des Orchesters um eine große Anzahl von Konzerten nordischer Komponisten. Nicht nur bei Live-Konzerten, sondern auch bei den Einspielungen auf Tonträger sind die künstlerischen Leistungen des Orchesters der Kompositionen Sibelius’ unter der Leitung Berglunds legendär.
Die Nachricht vom Tod Berglunds am 25. Januar 2012 erreichte das Orchester als es gerade auf Tournee in Südengland war und just zu dem Zeitpunkt, als es unter der Leitung Kirill Karabits die 5. Sinfonie von Sibelius spielte. Ausgerechnet ein Stück, mit dem das BSO mit Berglund neue Maßstäbe gesetzt hatte. Kirill Karabits, zu dieser Zeit Chefdirigent, kannte Berglund aus einer Zeit der Zusammenarbeit in Budapest und so widmete das Orchester die Konzerte am 26. Januar in Cheltenham und 27. Januar in Portsmouth dem Andenken Berglunds.
Eine Auswahl der Werke, die das Bournemouth Symphony Orchestra unter Paavo Berglund auf Tonträger spielte:
Bliss: Suite from Miracle in the Gorbals; Cello Concerto (with Arto Noras). Bournemouth Symphony Orchestra. 1977, Southampton Guildhall. (EMI ASD 3342) Britten: Violin Concerto (with Ida Haendel). Bournemouth Symphony Orchestra. 12 June 1977. (EMI ASD 3843 CDM7642022) Franck: Symphony; Symphonic Variations (with Sylvia Kersenbaum). Bournemouth Symphony Orchestra. 1976. (EMI ASD 3308) Glazunov: Piano Concerto (with John Ogdon); Yardumian: Passacaglia, Recitative & Fugue. Bournemouth Symphony Orchestra. 1977. (EMI ASD 3367) Grieg: Peer Gynt Suite; Alfven: Swedish Rhapsody; Järnefelt: Praeludium; Berceuse. Bournemouth Symphony Orchestra. (EMI) Grieg: Symphonic Dances; Old Norwegian Romance with Variations. Bournemouth Symphony Orchestra. 1982. (EMI ASD 4170)