mini|hochkant|Wappen der Kommandantur mini|TrpÜbPl im Organigramm der belgischen Landmacht (Heer) Der Truppenübungsplatz Elsenborn ist ein militärisch genutztes Gelände nördlich des Ortes Elsenborn in Belgien, eines Ortsteils der Gemeinde Bütgenbach in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Er ist ohne die zusätzlichen Sicherheitszonen 28 km² groß und wurde 1895 für das preußische VIII. Armee-Korps angelegt, als Elsenborn Teil der preußischen Rheinprovinz und damit Teil des Deutschen Kaiserreichs war. Heute steht er neben den Truppenübungsplätzen (Training Areas) in Bervelo bei Leopoldsburg (ca. 55 km²), Lagland bei Arlon (ca. 26 km²) und in Marche-en-Famenne den belgischen und ausländischen Armeen innerhalb Belgiens zur Verfügung. Mit rund 80.000 Übernachtungen von Militärpersonal im Jahr 2025 ist kein Übungsplatz der belgischen Armee so stark frequentiert wie Elsenborn. Es finden Schießübungen mit allen Waffentypen und Kalibern sowie mit Dienstwaffen von Polizei, Zoll und Sicherheitsdiensten statt.
Dem Truppenübungsplatz unmittelbar angeschlossen ist das Lager Elsenborn (Camp Elsenborn) der stationierten bzw. übenden Soldaten. Im Rahmen einer umfassenden Armeereform wurde das Lager Elsenborn im September 2025 in das Bataillon „Military Training Areas and Facilities“ integriert.Allen Bastin: Lager Elsenborn gehört zu neuer Armeestruktur, in: Grenz-Echo vom 26. September 2025
Lage und Nutzer mini|Lage und Sicherheitszonen Das Areal befindet sich zwischen den Orten Elsenborn im Süden und Sourbrodt im Westen sowie der heutigen Staatsgrenze zwischen Belgien und Deutschland mit Kalterherberg im Norden und in etwa dem Verlauf von Krehbach und Schwalmbach im Osten. Es liegt auf einer leicht welligen Hochfläche von 550 bis 610 m, wobei die „Hohe Mark“ am Nordrand mit 610 m die höchste Erhebung des Übungsgeländes ist. Zusätzlich sind öffentlich begehbare Waldflächen in Richtung Nordosten und Osten als Sicherheitszonen ausgeschildert, deren Sperrungen durch Hinweistafeln und die örtliche Presse bekanntgegeben werden.
Am südwestlichen Rand des Truppenübungsplatzes liegt das zugehörige Camp Elsenborn, wo sowohl die Unterkünfte, Sozial- und Verwaltungsräume der Truppenübungsplatzkommandantur als auch eine Kapelle für die übenden Truppen und seit 1998 ein öffentliches Museum für Besucher eingerichtet wurden. Seit 1976 kann das Lager während der Manöver bis zu 1.200 Soldaten aufnehmen.
Der Übungsplatz und die Einrichtungen des Camps wurden anfangs überwiegend von Artillerie- und Kavallerieeinheiten genutzt und später allen Waffengattungen zugänglich gemacht. Auf dem Übungsplatz mit seiner maximalen Länge von rund 8 km ohne Sicherheitszonen sind Schießbahnen für leichte Waffen, Mörser und Kanonen eingerichtet. Ebenso steht das Gelände den internationalen Luftstreitkräften zur Verfügung, um dort den Abwurf von Bomben und Raketen sowie das Schießen mit Bordkanonen trainieren zu können. Zudem wird der Truppenübungsplatz von belgischen und ausländischen Armeen im Rahmen gemeinsamer Manöver unter anderem bis vor einigen Jahren von der Allied Command Europe Mobile Forces genutzt sowie von Soldaten, die auf ihre Einsätze in Asien, Afrika, in Ex-Jugoslawien und anderen Krisenherden der Welt vorbereitet werden.
Große Flächen des Truppenübungsplatzes sind im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als Natura-2000-Schutzgebiete ausgewiesen und stehen unter entsprechender Beobachtung und Pflege.
Schießübungen und/oder Manöver werden von der Gemeinde Bütgenbach regelmäßig der Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Geschichte Preußisches VIII. Armeekorps mini|Ausblick über den Truppenübungsplatz Nachdem das in Koblenz sitzende Generalkommando des Preußischen VIII. Armeekorps Ende der 1880er-Jahre auf der Suche nach einem größeren Übungsgelände Ausschau gehalten hatte, fiel 1891 nach dem Verwerfen eines ersten Vorschlags, Vennflächen zwischen Sourbrodt und Malmedy zu nutzen, die Entscheidung auf eine brachliegende Heide- und Ödlandschaft im südlichen Teil des Hohen Venns. Anfangs stieß das Vorhaben auf heftigen Widerstand der Bevölkerung von Elsenborn aufgrund der Sorge um den Erhalt ihrer landwirtschaftlichen Anbauflächen und um den Bestand ihres Wohnortes. Da die vom Reichstag genehmigten Mittel von 2.350.000 ℳ zum Ausbau des Truppenübungsplatzes unter Einbeziehung des gesamten Dorfes Elsenborn nebst der Entschädigung der Dorfbewohner nicht ausreichten, da hierfür insgesamt 6.000.000 RM erforderlich gewesen wären, war der Fortbestand des Ortes Elsenborn gesichert. Anders verhielt es sich mit dem Widerspruch der Bevölkerung gegen die Enteignungen von Wald-, Venn- und Heidebereichen, der im Jahr 1904 durch Richterspruch abgelehnt wurde, der wiederum die notwendige Abtretung von Gemeindeland für rechtens erklärte.
In der Folgezeit profitierte die Bevölkerung dennoch von dem neuen Übungsplatz, da durch diesen die örtlichen Geschäfte und Dienstleister einen enormen Aufschwung erlebten und zahlreiche zivile Arbeitsplätze in dem neuen Lager eingerichtet wurden. Außerdem wurden neue Wasserleitungen gebaut, das Elektrizitätsnetz ausgebaut, Straßen befestigt sowie Schulen und zivile Wohnungen errichtet. Darüber hinaus zahlte die Militärverwaltung der Gemeinde für jeden Sperrtag eine beträchtliche Abfindung, und zudem profitierten die Geschäfte von dem „Zwangsaufenthalt“ der Durchreisenden.
Durch das Camp bekam der benachbarte Bahnhof Sourbrodt an der Vennbahnstrecke besondere Bedeutung, da er zum Verladebahnhof für die auf dem Platz übenden Einheiten umgebaut wurde. Die schweren Bahntransporte erreichten Sourbrodt vorrangig über die Vennquerbahn, die von Jünkerath kommend über Bütgenbach und Weywertz, wo kopfgemacht werden musste, den Bahnhof Sourbrodt ansteuerten. mini|Feldbahn auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn am Post- und Telegrafenamt des Lagers, dahinter das Lagergefängnis Zudem wurde für den Betrieb mit Personen- und Güterwagen zwischen Bahnhof Sourbrodt und Militärlager zwischen 1900 und 1901 die Feldbahn des Truppenübungsplatzes mit einer Spurweite von 600 mm auf 3,2 km Länge gebaut.Joerg Seidel: Camp d'Elsenborn mit Feldbahn. Um 1925.Poultney Bigelow: Reisebericht, New York Times vom 6. Juni 1900. In: Truppenübungsplatz Elsenborn. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 29. März 2019.Johny Houtsch: in La Vennbahn, ligne de chemin de fer des Fagnes. 17. Februar 2016 – 27. Dezember 2017. Abgerufen am 29. März 2019. Ab 1918 wurden D-gekuppelte Brigadelokomotiven der deutschen Heeresfeldbahn eingesetzt. Die dort eingesetzte Kleinbahn und ihre Lok erhielten den Namen „Feuriger Elias“ und wurden vornehmlich für den Transport von Hafer, Gerste und Stroh für die Pferde sowie für den Transport der Soldaten eingesetzt, die die Geschäfte und Gaststätten im Ort aufsuchten.
Der Übungsplatz selbst war mit einem Flugplatzfeld östlich des Lagers, mehreren Schießbahnen mit beweglichen Zielscheibenanlagen sowie drei Beobachtungstürmen zur Manöverbeobachtung ausgestattet. Übungen konnten unter realistischen Bedingungen stattfinden. Bis zum Ersten Weltkrieg erlebten der Truppenübungsplatz und das Lager eine Blütezeit. Das Gelände hatte ein raues Klima und lag abgeschieden. Unter den preußischen Rekruten ging der Spruch um: „Oh Elsenborn, oh Elsenborn, dich schuf der Herr in seinem Zorn“. Ein anderer lautete: „Oh Elsenborn, tief in der Eifel, dich schuf nicht Gott, dich schuf der Teufel“Achim Konejung: Das Rheinland und der Erste Weltkrieg, Regionalia Verlag 2013..
Erster Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges wurde der Übungsplatz vorwiegend als Ausbildungszentrum und Artilleriedepot genutzt sowie als Gefangenenlager für polnische und russische Soldaten. Diese wurden unter anderem gezwungen, in den Jahren 1914/1915 eine Umgehungsstraße von Kalterherberg bis Nidrum zu bauen, um die Belastungen durch die Sperrungen für den Durchgangsverkehr über die alte und durch das Sperrgebiet verlaufende Straße so gering wie möglich zu halten. Die Gefangenen wurden von dem Sourbrodter Pfarrer Abbé Nicolas Pietkin seelsorgerisch betreut, an den heute ein Denkmal in der Nähe der Sourbrodter Kirche erinnert.
Im Dezember 1918 wurde das Lager von der preußischen Verwaltung aufgegeben und von englischen Truppen übernommen. Da nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die bisherigen preußischen Kreise Eupen, Malmedy und St. Vith aufgrund des Versailler Vertrages in den belgischen Staatsverband integriert worden waren, übernahm im Zuge dessen am 4. Februar 1920 die belgische Armee das Kommando über den Truppenübungsplatz Elsenborn. Am 2. Mai 1920 führte daraufhin König Albert I. seine erste Inspektion durch. mini|AircoDH4 auf dem Flugplatz Elsenborn Zwischen den beiden Weltkriegen wurden der Truppenübungsplatz modernisiert, neue Straßen, Wege und Anlagen eingerichtet und die Schießbahnen mit elektro-automatischen Einzugszielscheiben nachgerüstet. Das Flugfeld wurde an die noch heute genutzte Stelle im Westen des Areals verlegt und von der belgischen Luftfahrt sowie für das Training mit Fesselballons verwendet. Von März bis Oktober wurde das Gelände von der berittenen Artillerie genutzt. Im Winterhalbjahr konnten Weidegenossenschaften das Militärgebiet nutzen.
Zweiter Weltkrieg Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurden wegen der allgemeinen Mobilmachung Belgiens das Lager mit Ausnahme der Festangestellten größtenteils verlassen und 1939 der Kleinbahnbetrieb zum Camp eingestellt sowie die Schmalspurbahn abgebaut. Am 10. Mai 1940 wurde der Übungsplatz im Verlauf des Westfeldzugs der deutschen Wehrmacht von deutschen Truppen eingenommen und für ihre Zwecke wieder in Betrieb genommen. Er diente erneut als Ausbildungs- und Gefangenenlager, diesmal für polnische, sowjetische und serbische Kriegsgefangene. Im Jahr 1944 wurden die Anlagen von amerikanischen Bomben schwer beschädigt und im Anschluss daran von der 9. US-Infanterie-Division der 12th Army Group eingenommen, nachdem zuvor die abrückenden deutschen Truppen große Teile des Lagers und der Einrichtungen in Brand gesetzt und zerstört hatten. Dabei waren mehr als 200 Tote unter den Zivilbeschäftigten, deutschen Soldaten und vor allem unter den Kriegsgefangenen zu beklagen, die zunächst vorläufig in einem Massengrab bei Nidrum beerdigt wurden. Im Rahmen der Ardennenoffensive versuchten deutsche Truppen, den Übungsplatz wieder zurückzuerobern, nahmen aber lediglich den Ostteil des Geländes ein und wurden wenig später wieder von dort vertrieben.
Verwendung ab 1945 mini|Signal, Betreten verboten, Übungs- und Schießbetrieb Nach dem Krieg wurde der Truppenübungsplatz und das Camp von der 9. US-Infanterie-Division wieder an die belgische Militärverwaltung übergeben, die alleine drei Jahre dafür benötigte, um die Minen zu räumen. In mehreren Bauphasen wurde die Infrastruktur wiederhergestellt und den neuen militärischen Erfordernissen angepasst. Ferner wurden das Gelände um rund 80 ha erweitert und eine neue Betonstraße nach Wirtzfeld sowie 1976 neue Schießstände und Schießposten angelegt. Auf dem Gelände erfolgte zwischen 1948 und 1956 zunächst die feste Stationierung einer Disziplinarabordnung und von 1959 bis 1969 verschiedener Luftabwehrraketeneinheiten sowie später einer Abteilung des Wing Meteo Wetterdienstes. Mit dem Beitritt Belgiens in die NATO konnte der Truppenübungsplatz nun verstärkt den NATO-Truppen für ihre Manöver zur Verfügung gestellt werden.
Von 1946 bis 2005 wurde im Verbund mit dem nördlich auf deutschem Territorium gelegenen und ebenfalls unter belgischer Verwaltung stehenden Truppenübungsplatz Vogelsang geübt, dessen Gelände nur wenige Kilometer entfernt angrenzt. So schoss die Artillerie beispielsweise in den 50er Jahren zweimal wöchentlich vom Truppenübungsplatz Elsenborn aus auf das im Truppenübungsplatz Vogelsang gelegene Übungsdorf Wollseifen. Zwischen 1955 und 1960 inspizierte König Baudouin mehrfach den Truppenübungsplatz, zuletzt 1960 in Begleitung des Schahs Mohammad Reza Pahlavi von Persien.