mini|Das Barettabzeichen der Chasseurs à pied mit dem Cor de chasse mini|Verbandsabzeichen des 5. Bataillons (Chasseurs à pied aéroporté – Luftlandejäger) mini|Verbandsabzeichen des 27. Gebirgs-Jägerbataillons
Das Korps der Chasseurs à pied (Jäger zu Fuß) ist in Frankreich ein Teil der Infanterietruppe.
Geschichte Im Jahre 1837 wurde von Ferdinand-Philippe, duc d’Orléans, die Truppe der Jäger zu Fuß gebildet, die bis heute nur mit einer einzigen Fahne ausgestattet ist, eine blaue Uniform trägt, sich als Elite versteht und einer gemeinsamen Tradition verpflichtet ist. Seit ihrer Aufstellung waren auf Grund ihrer unterschiedlichen Aufgaben verschiedene Bezeichnungen im Gebrauch: Chasseurs d’Orléans Chasseurs alpins (Gebirgsjäger) Chasseurs cyclistes (Radfahrtruppe) Chasseurs portés (gepanzerte Jägerbataillone) Chasseurs à pied parachutistes (Luftlandejäger) Chasseurs à pied aéroporté (Luftlandejäger) Chasseurs mécanisés (gepanzerte Jägerbataillone mit Panzerjägerkompanien)
Ursprünge Ancien Régime Erstmals erschien der Begriff „Chasseur“ in einem französischen Dokument aus dem Jahre 1743 während des Österreichischen Erbfolgekrieges, als eine Einheit mit dem Namen „Chasseurs de Fischer“ erwähnt wurde, eine Freischärlertruppe der königlichen Armee, bestehend aus 400 Infanteristen und 200 Reitern. Nach dem Tod von Fischer wurde die Truppe zu den 800 Mann starken „Chasseurs dragons de Conflans“ umgewandelt. An leichter Infanterie gab es zu dieser Zeit noch 1744 die „Arquebusiers de Grassin“, 1745 die „Fusiliers de Molière“, 1746 die „Volontaires de Gantès“, die „Volontaires Bretons“ und die „Volontaires du Dauphiné“ sowie 1747 die „Volontaires du Hainaut“ und die „Volontaires royaux“.
Im Jahre 1763 wurden alle diese Einheiten in Legionen zusammengefasst, jede mit acht Kompanien Dragonern, acht Kompanien Füsilieren und einer Grenadierkompanie: Légion de Conflans Légion de Condé Légion du Hainaut (1768 in „Légion Loraine“ umbenannt) Volontaires de Soubise (wurde 1768 zur „Légion de Soubise“) Volontaires de Flandre In: www.1789-1815.com.
Im Jahre 1776 führte der Comte de Saint-Germain eine Heeresreform durch, in der die 108 Infanterieregimenter umgebildet wurden. Es wurden in jedem zwei Stoßkompanien („Compagnies d’élite“: je eine Grenadier- und eine Jägerkompanie) gebildet.
Am 8. Mai 1784 wurden sechs neue Jägerbataillone zu je vier Kompanien aufgestellt: Bataillon de chasseurs des Alpes Bataillon de chasseurs des Pyrénées Bataillon de chasseurs des Cévennes Bataillon de chasseurs des Vosges Bataillon de chasseurs du Gévaudan Bataillon de chasseurs des Ardennes Die Bataillone wurden den bestehenden sechs Regimentern Jäger zu Pferde angegliedert. Am 17. März 1788 wurden die Infanterieregimenter „Royal-Italien“, „Royal-Corse“ und „de Montréal“ in Jägerbataillone umgewandelt: Das 1. Bataillon von Royal-Italien wurde zum „Bataillon de chasseurs royaux Provence“. Das 2. Bataillon von Royal-Italien wurde zum „Bataillon de chasseurs royaux Dauphiné“. Das 1. Bataillon von Royal-Corse wurde zum „Bataillon de chasseurs royaux Corse“. Das 2. Bataillon von Royal-Corse wurde zum „Bataillon de chasseurs Corse“. Das Régiment de Montréal und Überzählige von Royal-Corse wurden zum Bataillon de chasseurs de Cantabres. Überzählige aus den Infanterieregimentern Royal-Italien und Royal-Corse bildeten das Bataillon de chasseurs du Roussillon.
Die Jäger trugen 1784 einen dunkelgrünen Rock mit rehbrauner Weste und Hose, dazu einen Hut. Ab 1786 waren auch Weste und Hose dunkelgrün. Rabatten, Ärmelaufschläge und Rockfutter waren zur Unterscheidung in Abzeichenfarbe gehalten: Bataillon de chasseurs des Alpes: hochrot Bataillon de chasseurs des Pyrénées: bordeauxrot Bataillon de chasseurs des Cévennes: zitronengelb Bataillon de chasseurs des Vosges: goldgelb Bataillon de chasseurs du Gévaudan: orange Bataillon de chasseurs des Ardennes: weiß
Ab 1788 entfielen die farbigen Rabatten, dafür wurden die bisher unberücksichtigt gebliebenen Kragen in das System mit einbezogen. Der Hut sollte ab 1788 durch den Infanterie-Raupenhelm ersetzt werden.Inwieweit das durchgeführt wurde, ist nicht bekannt.
Gleichzeitig wurden die den Jägern zu Pferde angegliederten Bataillone wieder selbstständig.
Revolution und Erstes Kaiserreich Jede Jägerkompanie der Infanterieregimenter wurde 1789 in zwei Grenadierkompanien umgewandelt. Mit dem 1. April 1791 verloren die Jägerbataillone ihre Namen und wurden nur noch mit fortlaufender Nummer bezeichnet: 1er bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs royaux Provence 2e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs royaux Dauphiné 3e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs royaux Corse 4e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs Corse 5e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs de Cantabres 6e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs de Bretagne (ehemals „des Alpes“) 7e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs d’Auvergne (ehemals „des Pyrénées“) 8e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs des Vosges 9e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs des Cévennes 10e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs du Gévaudan 11e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs des Ardennes 12e bataillon de chasseurs à pied – zuvor Bataillon de chasseurs du Roussillon Dazu kamen ein 13. und 14. Bataillon.
Die Rabatten erhielten farbige Vorstösse, Hosen und Westen wurden weiß.
Im Zuge der Levée en masse wurden ab 1793 mehrere Freiwilligenbataillone aufgestellt („Chasseurs de Vandamme“ oder „Chasseurs basques“). Diese wurden mit den bestehenden Bataillonen anlässlich der Reorganisation der Premier amalgame zu den „Demi-brigades d’infanterie légère“ zusammengelegt. Die grünen Uniformen verschwanden und wurden durch die blauen der leichten Infanterie ersetzt. 1796, im Jahre der zweiten Zusammenlegung (Deuxième amalgame), existierten 31 Leichte Halbbrigaden (demi-brigades légères).
Diese Demi-brigades und die darauffolgenden leichten Infanterieregimenter verfügten über 14, später 12 Kompanien Jäger, die von den Voltigeurs und den Karabinerschützen unterstützt wurden.
Unter Napoléon wurde der Bestand auf 27 Bataillone erhöht, auch wurde der unpraktische Karabiner durch das Standardgewehr der Infanterie ersetzt. In der Kaiserlichen Garde wurden außerdem Eliteregimenter nur aus Jägern zu Fuß aufgestellt, das 1er régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale und das 2e régiment de chasseurs à pied de la Garde impériale. Dazu kamen das 1er régiment de fusiliers-chasseurs de la Garde impériale und das Régiment de flanqueurs-chasseurs de la Garde impériale, letztere gebildet aus Förstern, deren Söhnen oder in der Ausbildung befindlichen Förstern.
Als bei der Neuaufstellung der Armee nach dem Ende des Kaiserreichs im Jahre 1815 die Bezeichnung „Regiment“ zunächst abgeschafft und durch „Départements-Legion“ (légion départementale) ersetzt wurde, erhielt jede dieser Legionen ein Jägerbataillon zu acht Kompanien zugewiesen. Im Jahre 1820 wurde der Regimentsverband wieder eingeführt und auch die leichten Infanterieregimenter wieder geschaffen. Allerdings kämpften sie weiterhin in der Linie, der einzige Unterschied bestand in der grünen Uniform.
In der Julimonarchie
Die fortschreitende Entwicklung bei der Bewaffnung benötigte einen neuen Typ von leichter Infanterie. Im Jahre 1833 stellte Henri Gustave Delvigne einen neuen Karabiner vor, der genauso leicht zu handhaben war wie ein Gewehr.
Mit Hilfe von Charles d’Houdetot errichtete Ferdinand-Philippe d’Orléans 1837 eine spezielle Einheit zur Erprobung einer neuen Waffengattung. Sie wurde „Compagnie de chasseurs d’essai“ (Jäger-Versuchskompanie) genannt und in Vincennes stationiert. Ausgerüstet wurde sie mit dem Karabiner „Delvigne-Pontcharra modèle 1837“ und einem Säbelbajonett. Diese Soldaten durchliefen eine sehr gründliche Ausbildung im Schießen, sowohl liegend als auch stehend. Die Uniform war bequemer und leichter als die der Linieninfanterie, der weiße Gürtel wurde durch einen weniger auffälligen schwarzen ersetzt, die weit geschnittene Tunika wie die Hose waren von blauer Farbe.
Befriedigend verlief eine erste Besichtigung der Truppe am 4. April 1838. König Louis-Philippe I. entschied die Aufstellung eines provisorischen Bataillons zu sechs Kompanien. Errichtet am 14. November 1838, wurde das Bataillon mit Anordnung vom 28. August 1839 als reguläre Einheit geführt. Die Tunika war nunmehr königsblau mit gelber Paspelierung. Unter dem Kommando seines Schöpfers wurde das Bataillon bei der Eroberung von Algerien eingesetzt.
Nach dem zufriedenstellenden Einsatz in Algerien wurden am 28. September 1840 zehn selbstständige Bataillone „Chasseurs à pied“ aufgestellt. Die Aufstellung erfolgte im Camp d’Helfaut bei Saint-Omer und war am 4. Mai 1841 abgeschlossen.
Das 3e, 5e, 6e, 8e, 9e und 10e bataillon gingen sofort nach Algerien, von den zurückgebliebenen bezogen das 1er bataillon in Metz, das 2e bataillon in Vincennes, das 4e bataillon in Besançon, das 7e bataillon in Straßburg und das 9e bataillon in Toulouse ihre Garnisonen.
Die Bataillone in Algerien kämpften gegen die Truppen von Abd el-Kader und erwarben sich Verdienste in der Schlacht bei Isly und in der Schlacht bei Sidi Brahim, in der das 8e bataillon nahezu gänzlich aufgerieben wurde. Es erhielt daraufhin den Ehrennamen „Bataillon de Sidi-Brahim“. mini|Schlacht bei Sidi Brahim
Nach dem Tod ihres Schöpfers am 13. Juli 1842 wurde die Truppe am 19. Juli in „Chasseurs d’Orléans“ umbenannt. Diesen Namen führte sie bis zum Beginn der Zweiten Republik 1848, als sie den Namen „Chasseurs à pied“ erhielt.
Zweites Kaiserreich Als sich der Konflikt des Krimkrieges abzuzeichnen begann, wurde im Jahre 1853 von Kaiser Napoléon III entschieden, zehn zusätzliche Bataillone und ein Garde-Jägerbataillon aufzustellen. Insgesamt waren 12 Jägerbataillone im Krimkrieg eingesetzt.
Zusätzlich wurden am 28. September 1855 zwei Jägerbataillone neu aufgestellt, das 21e in Metz und das 22e in Grenoble. Beide wurden 1856 wieder aufgelöst.
Aus Anlass der drohenden Kriegsgefahr mit Österreich wurde per Dekret vom 14. März 1859 angeordnet, bei jedem Jägerbataillon ein weiteres Bataillon zu sechs Kompanien und ein Depotbataillon zu vier Kompanien aufzustellen.
Das „21e bataillon de chasseurs à pied“ wurde am 21. November 1870 in Saint-Denis neu aufgestellt.Les Chasseurs à pied. In: Revue historique de l’armée française. Spezial-Nr. 2, Paris 1966, S. 28. Im Deutsch-Französischen Krieg waren die 21 Jägerbataillone und zusätzlich 34 Marschbataillone eingesetzt. Diese waren aus den Depotbataillonen gebildet worden. Nach dem Krieg wurde die Zahl der Bataillone auf 30 festgelegt, das ehemalige Garde-Jägerbataillon erhielt die Nummer 24.
mini|hochkant|Der spätere französische Staatspräsident Raymond Poincaré als Oberleutnant des 11. Bataillons Chasseurs Alpins (1897)
III. Republik Die Jägerbataillone waren an mehreren Unternehmungen der französischen Kolonialisierungspolitik eingesetzt, so in Tunesien 1881, in Tonkin und Annam – wo sich das „11e bataillon de chasseurs à pied“ auszeichnen konnte – sowie 1895 in Madagaskar, wo aus Freiwilligen ein „40e bataillon de chasseurs à pied“ gebildet wurde.
Spezialisierung Obwohl sich die Truppe im Laufe der Zeit den verschiedensten Spezialaufgaben zuwandte, wurde nie am Namen oder an der Tradition gerüttelt. Auch wurden bei einem Wechsel der Truppenspezialisierung die Stammnummern immer beibehalten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden beispielsweise das „9e“, „15e“, „18e“, „20e“ und „25e bataillon de chasseurs à pied“ in Gebirgsjägerbataillone umgewandelt, während das „30e bataillon alpin“ zu einem normalen Jägerbataillon wurde.