Die Nagoya Tetsudō (jap. , Nagoya Tetsudō Kabushiki-gaisha), besser bekannt unter der Abkürzung Meitetsu () ist eine private japanische Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Nagoya. Sie betreibt 20 Bahnlinien in den Präfekturen Aichi und Gifu. Die Länge des kapspurigen (1067 mm) Streckennetzes beträgt 444,2 km. Abgesehen von den ehemals staatlichen Japan Railways verfügt Meitetsu nach der Kintetsu (501,1 km) und der Tōbu Tetsudō (463,3 km) über das drittlängste Eisenbahnnetz in Japan. Die Bahngesellschaft ist das Kernunternehmen der Meitetsu Group, die zahlreiche weitere Dienstleistungsunternehmen umfasst.

Streckennetz Das Streckennetz der Meitetsu reicht von Gifu im Norden über die Millionenstadt Nagoya im Zentrum bis nach Toyohashi im Süden. Ebenfalls erschlossen werden die Region um Toyota, die Chita-Halbinsel und der Flughafen Chūbu. Bedient werden 275 Bahnhöfe auf einer Streckenlänge von 444,2 km. Davon entfallen 289,2 km auf zweigleisige, 152,8 km auf eingleisige und 2,2 km auf Strecken mit drei oder vier Gleisen. Im Vergleich zu den anderen großen japanischen Privatbahnen (den „großen 16“) betreibt die Meitetsu ungewöhnlich viele Nebenstrecken, weshalb das Verhältnis von Fahrgästen und Einnahmen pro Streckenkilometer das geringste ist. Daher kommt auch der spöttische Spitzname „Mini-JNR“, der einst weit verbreitet war.

Ein besonderes Merkmal des Meitetsu-Streckennetzes ist die Tatsache, dass mehrere Nebenstrecken betrieblich mit der Nagoya-Hauptlinie verbunden sind. Dies bedeutet, dass die Züge über ihre nominellen Endstationen hinaus zum zentralen Knotenpunkt Meitetsu Nagoya verkehren, ehe sie wiederum nach einigen Kilometern auf eine andere Nebenstrecke wechseln. Dadurch ergibt sich eine S-Bahn-ähnliche Betriebsform mit einer Stammstrecke, was in Japan eher ungewöhnlich ist. Die Stammstrecke, die über eine Entfernung von 8,5 km von Higashi-Biwajima nach Jingū-mae reicht, ist stark belastet, da sie zum größten Teil nur zweigleisig ausgebaut ist. Aus diesem Grund ist Meitetsu Nagoya nur in wenigen Fällen ein Endbahnhof, beispielsweise einzelner μSky-Schnellzüge vom und zum Flughafen. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen der Bahnhof Nagoya von JR Central und der Bahnhof Kintetsu Nagoya von Kintetsu.

Die Seto-Linie ist eine isolierte Strecke ohne direkte Verbindung zum übrigen Meitetsu-Streckennetz. Andererseits sind die Komaki-Linie und die Toyota-Linie mit dem Netz der U-Bahn Nagoya verbunden, sodass Durchbindungen angeboten werden.

mini|hochkant=1.25|Aktuelles Streckennetz Region Name der Linie Strecke Länge Stammstrecke  NH Nagoya-Hauptlinie Toyohashi – Meitetsu Nagoya – Meitetsu Gifu 99,8 km West-Aichi und Gifu  TB Tsushima-Linie Sukaguchi – Tsushima 11,8 km  BS Bisai-Linie Yatomi – Tamanoi 30,9 km  TH Takehana-Linie Kasamatsu – Egira 10,3 km  TH Hashima-Linie Egira – Shin-Hashima 1,3 km Nord-Aichi und Chūnō  IY Inuyama-Linie Abzweig Biwajima – Shin-Unuma 26,8 km  KG Kakamigahara-Linie Meitetsu Gifu – Shin-Uruma 17,6 km  HM Hiromi-Linie Inuyama – Mitake 22,3 km  KM Komaki-Linie Kami-Iida – Inuyama 20,4 km Chita-Halbinsel  TA Tokoname-Linie Jingū-mae – Tokoname 29,3 km  TA Flughafenlinie Tokoname – Flughafen Chūbu 4,2 km  CH Chikkō-Linie Ōe – Higashi-Nagoyakō 1,5 km  KC Kōwa-Linie Ōtagawa – Kōwa 28,8 km  KC Neue Chita-Linie Fuki – Utsumi 13,9 km Mikawa  TK Toyokawa-Linie Kō – Toyokawa-Inari 7,2 km  GN Nishio-Linie Shin-Anjō – Kira Yoshida 24,7 km  GN Gamagōri-Linie Kira Yoshida – Gamagōri 17,6 km  MU Mikawa-Linie Sanage – Hekinan 39,8 km  MY  TY Toyota-Linie Umetsubo – Akaike 15,2 km Ost-Aichi  TB Seto-Linie Sakaemachi – Owari-Seto 20,6 km

Zugangebot mini|Schema des Basisfahrplans (2023) Seit der Fahrplanrevision von 2008 verkehren auf dem Meitetsu-Streckennetz grundsätzlich sieben verschiedene Zuggattungen.

µSky (voller Name µSky Limited Express, jap. ): Verbinden Gifu und Nagoya mit dem Flughafen Chūbu, halten unterwegs nur an den wichtigsten Verkehrsknoten. Der Buchstabe µ (my) stammt aus dem griechischen Alphabet, wird aber wie im Englischen ausgesprochen (also „my sky“). Kaisoku tokkyū (, Rapid Limited Express): Fahren ohne Halt zwischen Städten, halten an den wichtigsten Verkehrsknoten in der Start- und Zielstadt. Tokkyū (, Limited Express): Fahren ohne Halt zwischen Städten, halten an den wichtigen Verkehrsknoten in der Start- und Zielstadt. Kaisoku kyūkō (, Rapid Express): halten an wichtigen Verkehrsknoten Kyūkō (, Express): halten an Verkehrsknoten Junkyū (, Semi Express): halten an Verkehrsknoten und ausgewählten Zwischenbahnhöfen Futsū (, Local): halten an jedem Bahnhof

Auf den Hauptlinien der Meitetsu verkehren Limited Express-Züge. Sie führen Wagen in zwei Klassen. Vier oder sechs Wagen pro Zug sind die Normalklasse; zwei Wagen gehören zur Spezialklasse, die komfortabler ausgestattet ist. Fahrgäste benötigen für die Spezialklasse eine Expressfahrkarte („μ Ticket“). Die µsky Limited Express führen ausschließlich Wagen der Spezialklasse.

Fuhrpark

Nippon Sharyo hat fast alle Fahrzeuge hergestellt, die Meitetsu betreibt oder betrieben hat. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die Baureihe DeKi 600, elektrische Lokomotiven von Toshiba, von der Meitetsu aber nur wenige Exemplare einsetzt. Die DeKi 600 sind außerdem einige der wenigen Lokomotiven, die Meitetsu überhaupt besitzt, denn das Unternehmen setzt überwiegend Triebwagen ein. Es war zwar früher im auch im Güterverkehr tätig und besitzt noch einzelne Güterzuglokomotiven, führt aber keinen regelmäßigen Güterverkehr mehr durch.

Meitetsu ist berühmt für seine roten Züge, darunter die berühmten Panorama­triebzüge der Serie 7000, der im Jahr 2009 nach fast einem halben Jahrhundert ausgemustert wurden. Die neueren Wagen sind nicht mehr einfarbig rot, sondern aus gebürstetem Stahl, wie die Serien 4000 und 5000, oder weiß, wie die Serien 1700 und 2000. Im Folgenden sind die Bauarten, die Meitetsu heute betreibt sowie ausgewählte ausgemusterte aufgeführt.

Schnellzüge mini|Baureihe 1380 mini|Baureihe 1600 mini|Baureihe 7000 Baureihe 1200 und 1230 (Panorama Super, seit 1988) Baureihe 1800 (seit 1991) Baureihe 2000 (μ-Sky, seit 2005) Baureihe 2200 (seit 2004)

Nahverkehrszüge Baureihe 100 (seit 1979) Baureihe 300 (seit 2002) Baureihe 3100/3500/3700 (seit 1993) Baureihe 3150 (seit 2004) Baureihe 3300 (seit 2004) Baureihe 4000 (seit 2008) Baureihe 5000 (seit 2008) Baureihe 6000/6500/6800 (seit 1976) Baureihe 9100/9500 (seit 2019)

Zurückgezogene Baureihen Baureihe 1380 (2003–2015) Baureihe 1600 (Panorama Super, 1999–2008) Baureihe 1700 (2008–2021) Baureihe 5000 (1955–1986) Baureihe 5300 (1986–2019) Baureihe 5700 (1986–2019) Baureihe 7000 (Panorama Car, 1961–2009)

Elektrolokomotiven DeKi 300 DeKi 400 DeKi 600 EL120

Logo mini|hochkant=0.5|Früheres Abzeichen Das heutige Unternehmenslogo wird seit April 1992 verwendet. Es wurde vom Landor Associates als Teil einer vollständigen Überarbeitung der Corporate Identity im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen entworfen. Die Wortmarke zeichnet sich durch die flügelähnliche Form der Initiale M aus. Sie ist ein Symbol für das Wachstum und die Expansion von Meitetsu in der Region und wird MEITETSU Wing genannt. Auf diese Weise wird das Bild eines fortschrittlichen Unternehmens vermittelt. Der blaue Farbton MEITETSU Blue steht für Freundlichkeit gegenüber Mensch und Umwelt, der türkisgrüne Farbton MEITETSU Green für Intelligenz und Zuverlässigkeit. In einzelnen Fällen wird ein schmaler Streifen in den Farben rot, blau und türkisgrün hinzugefügt, der für Geschwindigkeit steht und die Bedeutung der Wortmarke unterstützt. Soll die ganze Unternehmensgruppe symbolisiert werden, wird der Wortmarke das Wort Group hinzugefügt. Zuvor verwendete die Meitetsu ein Abzeichen, das einem traditionellen Mon-Emblem nachempfunden ist.

Unternehmensgruppe Die Bahngesellschaft Meitetsu ist der Kern der Meitetsu Group, einer aus rund 150 Unternehmen bestehenden Unternehmensgruppe (Stand: 2023). Diese sind in den Sparten Verkehr, Logistik, Immobilien, Einzelhandel und Tourismus tätig. Zu den wichtigsten Anteilseignern von Meitetsu gehörten am 31. März 2022 folgende Unternehmen: The Master Trust Bank of Japan (13,02 %), Custody Bank of Japan (4,39 %), Nihon Seimei Hoken (2,57 %), JPMorgan Chase (1,29 %), Mitsubishi Tōkyō UFJ Ginkō (1,24 %), Tokio Marine Nichido (1,02 %) und State Street Corporation (1,02 %).Wertpapierbericht 158. Geschäftsjahr (2021/22), Meitetsu. Andererseits ist Meitetsu an den ANA Holdings, dem Mutterkonzern der Fluggesellschaft All Nippon Airways, beteiligt.

Geschichte

Anfänge als Überlandstraßenbahn Der Ursprung der Meitetsu geht auf das Jahr 1894 und die Gründung der Gesellschaft Aichi Basha Tetsudō (, „Aichi-Pferdebahn“) zurück, die ein Netz von Pferdebahnen errichten wollte und dafür eine Konzession zugesprochen erhielt. Zwei Jahre später änderte sie ihre Absicht und plante nun effizientere elektrische Straßenbahnlinien, weshalb sie ihren Namen in Nagoya Denki Tetsudō (, dt. „Elektrische Eisenbahn Nagoya“) änderte. Am 6. Mai 1898 eröffnete sie die erste Linie der Straßenbahn Nagoya. Dabei handelte es sich um den zweitältesten Betrieb Japans nach der Straßenbahn Kyōto. 1910 begann die Nagoya Denki Tetsudō in die Vororte zu expandieren und eröffnete die erste Überlandstrecke nach Biwajima, die sie 1912 zu einer Eisenbahnstrecke umwidmete und 1914 nach Tsushima verlängerte. Ebenfalls 1912 kam die Strecke von Biwajima über Iwakura nach Inuyama hinzu. Zu Beginn der 1920er Jahre wollte die Stadt das Straßenbahnnetz selbst betreiben, war aber nicht an den Linien in die Vororte interessiert. Aus diesem Grund gründete die Nagoya Denki Tetsudō am 13. Juni 1921 die Nachfolgegesellschaft Nagoya Tetsudō () und übertrug ihr die Überlandlinien, während sie die Straßenbahnen per 1. August 1922 an die Stadt verkaufte und sich daraufhin auflöste.

Die Nagoya Tetsudō strebte danach, eine Verbindung mit der nahe gelegenen Stadt Gifu zu schaffen, um der Staatseisenbahn im Lokalverkehr Konkurrenz zu machen. Zunächst übernahm sie am 1. August 1925 die Bisai Tetsudō () und die von ihr errichtete Bisai-Linie nordwestlich von Nagoya. Der erste eigene Neubau nach Ichinomiya ging am 10. April 1928 in Betrieb. Am 1. April 1929 übernahm sie die Jōhoku Denki Tetsudō () und stellte zwei Jahre später die von ihr begonnene Komaki-Linie fertig. Am 20. August 1930 fusionierte sie mit der Mino Denki Kidō (, Minoden), die seit 1909 ein Netz von Überlandstraßenbahnen in und um Gifu betrieb. Zwei Wochen später erfolgte die Umbenennung der Gesellschaft in Meigi Tetsudō (, „Meigi-Eisenbahn“, kurz Meiden), um ihren regionalen Charakter zu betonen. Am 28. März 1935 wurde die Kakamigahara Tetsudō () mit der von ihr betriebenen Kakamigahara-Linie übernommen, am 29. April desselben Jahres war die Strecke Nagoya–Gifu mit der Fertigstellung der Brücke über den Kiso durchgehend befahrbar.

Erschließung im Süden und Südosten mini|Aiden-Triebwagen der Baureihe Deha3300 (1935) Am 21. November 1910 wurde die Aichi Denki Tetsudō (, „Elektrische Eisenbahn Aichi“, kurz Aiden) gegründet, die sich auf das Gebiet südlich der Stadt konzentrierte.Aoki: 名古屋鉄道のあゆみ. S. 79–80. Sie sollte die Chita-Halbinsel erschließen sowie Tokoname-Keramik und andere Waren effizient transportieren, die zuvor per Schiff befördert wurden. Zweieinhalb Jahre später stellte sie Tokoname-Linie fertig. Geplant waren drei weitere Linien, diese konnten jedoch nicht realisiert werden, da eine Rezession die Finanzlage des Unternehmens zunehmend verschlechterte. Mithilfe staatlicher Subventionen konnte sie jedoch die Bauarbeiten an der Arimatsu-Linie (der späteren Nagoya-Hauptlinie) in Angriff nehmen, deren erster Abschnitt 1917 in Betrieb ging. Der Ausgangspunkt beider Linien war der Bahnhof Jingū-mae. 1924 kam die Chikkō-Linie hinzu, die den Hafenbereich von Nagoya erschloss.