mini|hochkant=1.5|Luftaufnahme des Veranstaltungsgeländes in der Bonner Rheinaue mini|Skulpturen in der Bonner Rheinaue während der COP 23
Die UN-Klimakonferenz in Bonn 2017 (englisch United Nations Framework Convention on Climate Change, 23rd Conference of the Parties, kurz COP 23) fand als 23. UN-Klimakonferenz, gleichzeitig als 13. Treffen zum Kyoto-Protokoll (englisch 13th Meeting of the Parties to the 1997 Kyoto Protocol, kurz CMP 13) sowie als 2. Treffen der Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement (CMA 1-2), vom 6. bis 17. November 2017 am UN-Campus in Bonn statt.
Den Vorsitz der Konferenz hatte zum ersten Mal der in Folge der globalen Erwärmung von ansteigenden Meeresspiegeln und zunehmenden Wetterextremen bedrohte und betroffene pazifische Inselstaat Fidschi mit seinem Premierminister Frank Bainimarama;newsroom.unfccc.int, 10. Februar 2017: („Nach Bonn und darüber hinaus. Nachricht vom kommenden COP 23-Präsidenten Premierminister Frank Bainimarama von Fidschi“, 8. April 2017) die Verhandlungen leitete die Richterin sowie Chefunterhändlerin und Vertreterin des Inselstaats bei den Vereinten Nationen, Nazhat Shameem Khan.
Deutschland übernahm die Rolle des „technischen Ausrüsters“ der Konferenz: Da sich auf dem Territorium des kleinen Staats Fidschi die Teilnehmer nicht in so hoher Zahl versammeln konnten, wurde als Austragungsort der Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn gewählt; dort hatte 16 Jahre früher bereits die UN-Klimakonferenz 2001 (COP 6-2 → Die doppelte COP-6 von Den Haag und Bonn) stattgefunden.
Vorbereitung Ein Team von ca. 60 Personen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bereitete das Treffen über ein Jahr vor; nach seinen Angaben ist es die bisher größte in Deutschland veranstaltete zwischenstaatliche Konferenz. Über das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen konnten für die Dauer des Events 650 ehrenamtliche Helfer gewonnen werden.
Teilnahme In den zwei Konferenzwochen der Vertragsstaatenkonferenz waren insgesamt 22.000 Teilnehmer aus aller Welt anwesend, z. B. Wissenschaftler, Aktivisten, Journalisten und Fachpolitiker, dazu mehr als 4500 Helfer.Weltklimakonferenz in Bonn Pressemitteilung des BMUB vom 18. November 2017. Abgerufen am 20. November 2017.
Ereignisse und Positionen im Vorfeld von COP-23 mini|Eingangsbereich mit mehrsprachiger Aufschrift „Willkommen!“, wie „Bula!“ in Fiji Frühere Abkommen Nach dem auf der COP 21 2015 in Paris beschlossenen Klimaabkommen haben sich alle Unterzeichner verpflichtet, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Es fehlen jedoch konkrete Regelungen zur Umsetzung. Die COP 23 hat die Aufgabe, diese als „Regelwerk“ mit Textvorschlägen zu erarbeiten. Nach Angaben des deutschen Bundesumweltministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sind dabei „wegweisende Beschlüsse in diesem Jahr nicht zu erwarten“. Das hier erarbeitete Regelwerk soll auf der nächsten Klimakonferenz COP 24 im Herbst 2018 in Katowice (Polen) verabschiedet werden.COP 23 – eine Gebrauchsanweisung (PDF; 333 KB) Informationsbroschüre des BMUB, Seite 3, vom 1. November 2017, abgerufen am 3. November 2017. Dabei sollen ab 2020 alle Staaten weltweit aktiv zum Klimaschutz beitragen, bis dahin vor allem die Industriestaaten. Dabei sind die zur Minderung des CO2-Gehalts in der Erdatmosphäre bzw. zur Verringerung dessen Anstiegs notwendigen Maßnahmen die umstrittensten Diskussionspunkte auf dem Weg zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels.
Ende Oktober 2017 kündigte Nicaragua als vorletztes Land der Erde seinen Beitritt zum Weltklimavertrag von 2015 an.
Klimawandel und geforderte Maßnahmen dagegen Nach einem aktuell veröffentlichten Lancet-Report hat sich die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen seit 2000 um 46 % erhöht; allein 2016 sei dadurch ein ökonomischer Schaden von 111 Mrd. Euro entstanden. Den von Germanwatch entwickelte und zusammen mit dem Climate Action Network und dem New Climate Institute herausgegebene, zur Konferenz aktualisiert vorgestellte Klimaschutz-Index, eine Positivliste der Politik und Emissionstrends der global 60 größten CO2-emittierenden Länder führten Litauen, Marokko und Schweden an; Deutschland lag mit Rang 22 im Mittelfeld, die USA waren vom im Vorjahr erreichten Rang 34 auf Rang 56 abgefallen. Die drei Spitzenplätze wurden offengelassen, weil keines der beobachteten Länder die Ziele des Paris-Abkommens erreiche.
Zu Beginn der Konferenz forderten 50 deutsche Konzerne und Wirtschaftsverbände von der Bundesregierung einen sozialverträglichen Ausstiegspfad bei der Kohleverstromung sowie eine Verkehrswende mit Ausbau von Schienenverkehr und Elektromobilität als zukunftsweisendes Modernisierungsprojekt für die deutsche Wirtschaft. Der ehemalige Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg, forderte als Vertreter des US-Klimaschutz-Bündnisses The Pledge Deutschland ebenfalls zum Kohleausstieg auf. Die Stiftung Michael Bloomberg stellte 50 Mio. Euro bereit, um den weltweiten Kohleausstieg voranzubringen: „Kein vernünftiger Mensch würde damit fortfahren, die Risiken einzugehen, denen wir uns im Moment gegenübersehen.“
In seinem zur Mitte der COP 23 veröffentlichten Jahresbericht prognostizierte der internationale Forscherverbund Global Carbon Project, dass 2017 ein Anstieg der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie um etwa zwei Prozent zu erwarten sei; die Bemühungen um Reduktionen seien (bei einigen statistischen Unsicherheiten) viel zu gering, um eine Trendwende zu erreichen und den entsprechenden Anstieg in anderen Weltregionen zu kompensieren. Zwar sänken die Emissionen im Kohlebereich und der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieerzeugung sei weltweit seit 2012 um 14 % pro Jahr angestiegen, dagegen nähmen die Emissionen aus der Verbrennung von Öl und Gas deutlich zu.
Im Vorfeld der Konferenz wies die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in einem in Genf Anfang November veröffentlichten Bericht darauf hin, dass sich selbst bei Einhaltung aller im Paris-Abkommen 2015 festgelegten Ziele zum Klimaschutz die Erdtemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad erhöhen könnte: Das Klima habe keine Chance, würden nicht die Unterzeichner des Abkommens kurzfristige Vorhaben zum Schutz des Klimas schneller umsetzen und die langfristigen Ziele konsequenter und ehrgeiziger verfolgen. Die Periode zwischen 2013 und 2017 sei voraussichtlich die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen; 2016 sei aufgrund des starken Klimaphänomens El Niño das wärmste Jahr überhaupt gewesen, viele dieser Wetter-Ereignisse seien auf den hohen anthropogenen Treibhausgasausstoß zurückzuführen.deutschlandfunk.de, 6. November 2017: Ringen um den Klimaschutz (10. Dezember 2017)
Situation in Fidschi mini|(leichte) Sturmschäden in Lautoka im Februar 2016 Zwar ist Fidschi mit seinen hohen Vulkaninseln von steigendem Meeresspiegel nicht so stark betroffen wie die kleinen Atolle des nahen Inselstaates Kiribati mit gleichzeitiger Überbevölkerung auf den Hauptinseln, in Regenzeiten nehmen jedoch auch Dürreperioden auf Fidschi zu – etwa im Zusammenhang mit El Niño – und in Trockenzeiten fallen manchmal extreme Niederschläge; im Jahr vor der Klimakonferenz traf der Kategorie-5-Wirbelsturm Zyklon Winston Inselbewohner und Natur. Auf flachen abgelegenen Inseln wie Ono mit dem Dorf Narikoso (nordöstlich von Kadavu) bleibt wegen der höheren Springfluten mit Versalzung von Ackerböden und Trinkwasser nur ein landesinterner Umzug in höhergelegene Bereiche; Deiche sind schwierig, weil Material und schweres Gerät fehlen. Bei Klima-Anpassungsprogrammen ist es oft besser, nicht nur die Umsiedlung zu prüfen, sondern auch neue Anbaumethoden für die Nahrungsmittelproduktion und Pflanzensorten auszuprobieren, Mangroven zu pflanzen oder künstliche Korallenriffe für die Fische anzulegen; allein in Fidschi betrifft dies etwa 35 bis zweihundert Dörfer, doch werden viele pazifische Inselstaaten durch Fidschi repräsentiert.
Auf der Weltklimakonferenz wurde auch auf Initiative der fidschianischen Präsidentschaft erstmals eine Entscheidungsfindung hin zu einem Gemeinwohl-orientierten Konsens in Form von Talanoa-Diskussionsrunden angewandt.Wenn morgens das Wasser in der Hütte steht Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Pia Rolfs: GIZ-Projektleiter Wulf Killmann erklärt, wie sich Fidschi gegen die Folgen der Erderwärmung wappnet. In: Frankfurter Neue Presse, 8. November 2017.Stefan Bücheler: „Und plötzlich ist alles grau“ Interview mit Forstwirtschaftler und GIZ-Projektleiter Klimawandel auf Fidschi Wulf Killmann auf hr-info, Dauer 24 Minuten, 8. November 2017. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), 11. Dezember 2018, bmu.de: COP-TOP 2: Der Talanoa Dialog
USA Der im Auftrag der US-Regierung im vierjährigen Turnus im Rahmen des Global Change Research Act of 1990 erstellte und Anfang November veröffentlichte Expertenbericht Climate Science Special Report (Fourth National Climate Assessment (NCA4), Volume I) zum Klimawandel stellt sich Äußerungen von US-Präsident Donald Trump entgegen; er hatte im Juni des Jahres den Austritt der USA aus dem in Paris 2015 auf der COP 21 erzielten Weltklimavertrag binnen drei Jahren angekündigt: Die Erderwärmung sei Realität und mit größter Wahrscheinlichkeit anthropogen. Hauptursache sei der Ausstoß von Treibhausgasen, es gebe keine überzeugende andere Erklärung. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte dazu, „das Klima habe sich immer schon verändert und werde dies auch weiter tun“. Der angekündigte Austritt der USA aus dem Paris-Abkommen kann laut dem früheren US-Vizeminister Al Gore frühestens am 20. November 2020 erfolgen, einen Tag nach der nächsten dort stattfindenden Präsidentschaftswahl.
Die Vereinigten Staaten werden auf der COP 23 von unterschiedlichen Delegationen vertreten: einerseits der offiziellen Regierungsdelegation, andererseits von einem zivilgesellschaftlichen Bündnis mit Zentrum in Kalifornien namens America’s bzw. The Pledge („Amerikas/Das Versprechen“) aus 20 US-Bundesstaaten wie Kalifornien, Maryland, 450 US-Kommunen, über 1.700 US-Firmen wie Microsoft sowie Unternehmern, Investoren, Hochschulen und Kirchen der USA; mit dem Motto „We are still in“ („Wir sind noch drin“, damit ist das Pariser Weltklimaabkommen von 2015 gemeint) will das Bündnis der Klimawandelleugnung z. B. durch den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump etwas entgegensetzen und forcierte Bemühungen in den USA zur Erreichung des 2-Grad-Ziels unternehmen und verdeutlichen. Es reklamiert mehr als die Hälfte der US-Wirtschaftskraft für sich. Dabei spreche der US-Präsident nicht für die US-Bundesstaaten, die zur Umsetzung der unter Präsident Barack Obama beschlossenen US-Ziele zur Reduktion ihrer CO2-Emissionen um 26–28 % bis 2025 im Vergleich zu 2005 sehr aggressiv und dramatisch die Zahl der Kohlekraftwerke verringert hätten und sich zur Stromerzeugung viel stärker auf Solar- und Windenergie stützten. Die Einhaltung des Versprechens solle zur Rechenschaftslegung der USA von unabhängiger Seite überprüft werden, was Donald Trump eigentlich verhindern wolle. Dem ehemaligen Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger zufolge müsse der Klimaschutz absolute Priorität haben, dabei dürfe man sich nicht von Zweiflern verwirren lassen: „Wenn ich den Nein-Sagern und Zweiflern irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt hätte, würde ich heute noch in den österreichischen Alpen sitzen und jodeln.“ Die Koalition kann allerdings nicht selbst an den zwischenstaatlichen multilateralen Verhandlungen teilnehmen.
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