miniatur|rechts|200px|Bundeshaus in Bern:Sitz des Schweizer Parlaments Die Schweizer Parlamentswahlen 1928 fanden am 28. Oktober 1928 statt. Dabei waren alle 198 Mandate des Nationalrats sowie 25 der 44 Mandate im Ständerat neu zu vergeben. Diese 28. Legislaturperiode dauerte drei Jahre bis Oktober 1931.

Bei den Nationalratswahlen gewann die SP erstmals (knapp) mehr Stimmen als die FDP, hielt aber nach wie vor deutlich weniger Sitze als diese. Den grössten Sitzgewinn verbuchen konnten die Katholisch-Konservativen (plus vier). Zu den Wahlverlierern zählten neben der FDP auch Liberale, Demokraten und Kommunisten.«Nationalratswahlen: Mandatsverteilung nach Parteien, 1919–2015»

In den beiden Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Glarus kam es zu einer stillen Wahl, da es nur gleich viele Kandidaturen wie zu vergebende Sitze gab.

Im Ständerat gewann die BGB zwei Sitze. Die FDP büsste eines ihrer 21 Mandate ein und die SP verlor ihre beiden Sitze. Im Kanton Genf wurde ein Vertreter der Rechtsaussenpartei UDE gewählt.

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen 1928 betrug 78,8 %, mit kantonalen Werten zwischen 22,9 % in Nidwalden und 92,5 % in Schaffhausen.Tabelle «Nationalratswahlen: Wahlbeteiligung, 1919–2015»

Wahlmodus Nationalrat Die Nationalräte werden seit 1919 nach dem Proporzwahlsystem gewählt, d. h. die Sitze werden nach dem Wähleranteil der Parteilisten in den einzelnen Kantonen verteilt und erst innerhalb der Liste gemäss den Personenstimmen. Die Anzahl Sitze pro Kanton werden anhand der Einwohnerzahl bestimmt.

Ausführlicher hierzu: Nationalrat (Schweiz) – Wahlverfahren

Ständerat Jeder Kanton wählt seit 1848 zwei Vertreter für den Ständerat (ehemalige Halbkantone: einen Vertreter). Die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen wurde am 28. Oktober auch die Ständevertretung gewählt. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Glarus, Nidwalden und Obwalden wählten die Landsgemeinden im Frühjahr die Ständeräte. Die Kantone hatten nicht nur abweichende Wahltermine, sondern auch noch verschieden lange Amtsperioden (1–4 Jahre). In den Kantonen Bern (Novembersession), Freiburg (1 Person in der Maisession, 1 Person in der Novembersession), Neuenburg (gleichentags mit den Nationalratswahlen) und St. Gallen (in der Frühjahrssession) wurden die Ständeräte vom Kantonsparlament gewählt. In allen anderen Kantonen wurden die Ständeräte bei Urnenwahlgängen ermittelt, normalerweise am gleichen Tag wie die Nationalratswahlen. Abweichend davon wählten die Stimmberechtigten in den Kantonen Graubünden (erster Sonntag im März), Tessin (letzter Sonntag im Februar) und Zug (im November).

Ausführlicher hierzu: Ständerat – Wahlverfahren

Resultate Nationalrat Anmerkungen zu den Wählerzahlen In den Mehrpersonenwahlkreisen hat jeder Wähler so viele Stimmen, wie in seinem Kanton Sitze zu vergeben sind (im Kanton Bern 34, im Kanton Zug 2). Diese Stimmen kann er an beliebige Kandidaten der sich zur Wahl stellenden Listen vergeben (Panaschieren). Eine Stimme für einen Kandidaten ist gleichzeitig eine Stimme für dessen Partei. Hat ein Wähler nicht alle seine Stimmen an Kandidierende vergeben, gehen diese Stimmen als sogenannte „Zusatzstimmen“ an die von ihm gewählte Liste. Wenn der Wähler keine Liste auswählt, sondern einen so genannten „Wahlzettel ohne Parteibezeichnung“ – auch Blankoliste genannt – verwendet, verfallen nicht benutzte Stimmen (sog. Leere Stimmen).

Um zu überkantonal vergleichbaren Ergebnissen zu kommen, muss zuerst die Anzahl fiktiver Wähler pro Kanton und Partei berechnet werden. Und die Summe aller fiktiven Wähler der einzelnen Kantone sind dann die Wähler auf Landesebene (z. B. FDP auf 220'141 Wähler gerundet). Ein Aargauer "Wähler" kann aber auch aus 12 Personen bestehen, die nur je einen Kandidaten der betreffenden Partei auf ihrer Liste aufgeführt haben.

Das Bundesamt für Statistik benutzt daher den Begriff "fiktiver Wähler" für den Wähler, da ein effektiver Wähler auch nur ein Teilwähler sein kann. Die Zahl der Wähler entspricht der Anzahl gültiger Wahlzettel. Auf Kantonsebene ist die Summe aller Parteistimmen (Summe der Kandidatenstimmen von Kandidierenden einer Partei plus Zusatzstimmen = leere Felder einer Parteiliste) Berechnungsgrundlage. Beispiel: Partei A erzielt im Kanton X 12000, Partei B 27000 und Partei C 48000 von 87000 Parteistimmen. Die Anzahl gültiger Wahlzettel beträgt 25000. Somit hat Partei A in diesem Kanton 3448,28 (12000:87000 × 25000), Partei B 7758,62 (27000:87000 × 25000) und Partei C 13793,10 (48000:87000 × 25000) fiktive Wähler. Alle drei Parteien zusammen total 25000 Wähler.

Die gewählten Mitglieder des Nationalrats sind im Bundesblatt Nr. 48 vom 28. November 1928 aufgelistet.Mitglieder des Nationalrats, Seiten 957–988

Parteien, Wähler, Sitze Die landesweiten Ergebnisse sahen wie untenstehend dargestellt aus. Resultate aus den Kantonen finden sich unter Schweizer Parlamentswahlen 1928/Resultate Nationalratswahlen.

mini|400px|Stärkste Parteien in den Kantonen und Sitzverteilung

Partei Wähler % (+/-) Sitze (+/-) Sozialdemokratische Partei220'14127,36 % +1,51 % 50+1 Freisinnig-Demokratische Partei 220'13527,36 %−0,41 % 58−2 Konservative Volkspartei 172'51621,44 %+0,53 % 46+4 Bauern-, Gewerbe- und Bürgerparteien 126'96115,78 %+0,21 % 31+1 Liberale Partei der Schweiz23'7522,95 %−0,04 % 6−1 Kommunistische Partei der Schweiz 14'8181,84 %−0,16 % 2−1Demokratische Partei10'6831,33 %−0,38 % 2−2 Evangelische Volkspartei 5'6180,70 %−0,23 % 1±0Parti progressiste national (NE)3'3900,42 %−0,07 % 1±0Union de défense économique et d’action nationale (GE) 2'8960,36 %−0,76 % 1±0Freie Evangelisch-Soziale (ZH)1'1850,15 %+0,15 % 0±0Demokratische Fortschrittspartei (SG)1'0430,13 %+0,13 % 0±0(Unabhängige) Freisinnige Partei Baselland (BL) 7690,10 %−0,06 % 0±0Schuldner-, Pächter- und Mieterliste (BL)1090,01 %+0,01 % 0±0Vereinzelte Stimmen in Einerwahlkreisen5910,07 %−0,01 % 0±0Total804'607100 % 198±0

Wähleranteile in den Kantonen (mit mehreren Sitzen) Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1928/Resultate Nationalratswahlen. KantonSPFDPKVPBGBLPSKPSDPEVP36,3 %20,1 %22,2 %21,4 %31,1 %27,8 %12,6 %16,2 %6,1 %28,8 %11,8 %10,9 %12,3 %12,4 %20,1 %3,7 %33,2 %17,7 %6,3 %42,6 %0,2 %7,6 %21,9 %65,0 %5,5 %36,7 %21,8 %12,5 %17,1 %0,7 %12,9 %27,2 %37,4 %22,5 %13,0 %36,5 %50,5 %41,4 %24,3 %3,3 %17,4 %12,6 %24,9 %7,4 %29,5 %25,7 %20,4 %32,1 %47,6 %28,3 %46,2 %25,5 %22,0 %30,5 %41,4 %4,3 %13,5 %43,9 %35,6 %6,6 %0,4 %23,7 %15,6 %19,4 %32,0 %9,3 %24,9 %45,2 %13,2 %16,3 %0,5 %13,3 %18,9 %67,8 %22,7 %33,0 %44,3 %37,9 %28,8 %7,3 %18,1 %3,4 %3,5 %Schweiz27,4 %27,4 %21,4 %15,8 %3,0 %1,8 %1,3 %0,7 %

Sitzverteilung in den Kantonen Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1928/Resultate Nationalratswahlen. KantonTotalFDPSPKVPBBLPSDemKPSEVPPPNUDE1224333211141 −111 +11712111134611 −1215 +1725923121211621 +12 −1193157231111113111310 −12 +1732215537 +10 −18413712 +1130 −1111684 2 +12 −161 −15 +121127811 +12 +15 −10 −11Schweiz19858 −250 +146 +431 +16 −12 −22 −11±01±01 ±0

Ergebnisse der Ständeratswahlen Die gewählten Mitglieder des Ständerats sind im Bundesblatt vom 28. November 1928 aufgelistet.Mitglieder des Ständerats, Seiten 989–991

Sitzverteilung

Partei Wahlen 1928 Wahlen 1925SPS02KVP1818LPS11FDP2021BGB31DP11Sonst.10 Gewählte Ständeräte

Kanton 1. Ständeratssitz 2. Ständeratssitz Peter Emil Isler, FDP (bisher) Gottfried Keller, FDP (bisher) Johannes Baumann, FDP (bisher) nur ein Sitz Carl Rusch, KVP (bisher) nur ein Sitz Gustav Schneider, FDP (bisher) nur ein Sitz Ernst-Alfred Thalmann, FDP (neu) nur ein Sitz Paul Charmillot, FDP (bisher) Carl Moser, BGB (bisher) Emile Savoy, KVP (bisher) Bernard Weck, KVP (bisher) Alexandre Moriaud, FDP (bisher) Jean-Martin Naef, UDE (neu) Edwin Hauser, DP (bisher) Philippe Mercier, FDP (bisher) Friedrich Brügger, KVP (bisher) Andreas Laely, FDP (bisher) Jakob Sigrist, KVP (bisher) Josef Winiger, KVP (bisher) Ernest Béguin, FDP (bisher) Pierre de Meuron, LPS (bisher) Anton Zumbühl, KVP (bisher) nur ein Sitz Walter Amstalden, KVP (neu) nur ein Sitz Heinrich Bolli, FDP (bisher) Johannes Winzeler, BGB (neu) Martin Ochsner, KVP (bisher) Adolf Suter, KVP (neu) Hugo Dietschi, FDP (neu) Robert Schöpfer, FDP (bisher) Johannes Geel, FDP (bisher) Anton August Messmer, KVP (bisher) Brenno Bertoni, FDP (bisher) Antonio Luigi Riva, KVP (neu) Albert Böhi, FDP (bisher) Anton Schmid, BGB (neu) Isidor Meyer, KVP (neu) Ludwig Walker, KVP (neu) Norbert Bosset, FDP (neu) Émile Dind, FDP (bisher) Pierre Barman, KVP (neu) Ramond Evéquoz, KVP (neu) Josef Andermatt, KVP (bisher) Josef Hildebrand, KVP (bisher) Gustav Keller, FDP (bisher) Oskar Wettstein, FDP (bisher)

Fraktionen in der 28. Legislaturperiode Fraktionen sind Zusammenschlüsse der Parlamentsmitglieder einer oder mehrerer Parteien.Fraktionen seit 1912 Untenstehende Tabelle gibt den Stand zu Beginn der Legislaturperiode wieder.

Fraktion Gesamt Nationalrat Ständerat Radikal-Demokratische Gruppe (FDP) 78 58 20 Katholisch-Konservative 64 46 18 Sozialdemokraten 50 50 0 Bauern-, Gewerbe und Bürgerfraktion 34 31 3 Liberal-Demokratische Gruppe 7 6 1 Sozialpolitische Gruppe (DP, PPN) 4 3 1 ohne Fraktionszugehörigkeit 5 4 1

Weblinks Bundesblatt Nr. 48 vom 28. November 1928 mit den Ergebnissen Bundesamt für Statistik: Statistik der Nationalratswahlen 1919, 1922, 1925 und 1928 - (Schweizerische statistische Mitteilungen. XI. Jahrgang, 1929. 1. Heft)

Einzelnachweise

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