Die Societas Uralo-Altaica (SUA) ist eine internationale Vereinigung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auf den Gebieten Uralistik und Altaistik tätig sind. Ziel der 1952 gegründeten Societas Uralo-Altaica ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiete der Uralistik und Altaistik. Sitz der Societas Uralo-Altaica ist Göttingen, die Rechtsform ist die eines rechtsfähigen eingetragenen Vereins. Aktueller Präsident ist Johannes Reckel.
Die Gesellschaft befasst sich vor allem mit der Publikation und Betreuung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen, aber auch mit Vernetzung und Wissensaustausch zu den Forschungsgebieten. Derzeit erscheint alle zwei Jahre die Zeitschrift Ural-Altaische Jahrbücher, ferner in loser Folge die Monographienreihe Veröffentlichungen der Societas Uralo-Altaica und – für kleinere Publikationen – die Schriftenreihe Mitteilungen der Societas Uralo-Altaica.
Gründung Die Societas Uralo-Altaica wurde am 31. Juli 1952 am Rande des XII. Deutschen Orientalistentags in Bonn gegründet. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Göttingen erfolgte am 19. September 1952 unter der Nummer 422.
Als eigentlicher Gründungsvater gilt Julius von Farkas zu Kisbarnak (1894–1958), der erste Lehrstuhlinhaber des 1947 gegründeten Göttinger Seminars für Finnougristik. Zu den feststellbaren Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Baymirza Hayit, Louis Bazin, Jean Deny, Annemarie von Gabain, Kaare Grønbech, Walther Heissig, Hans-Joachim Kissling, Karl Heinrich Menges, Omeljan Pritsak, Ettore Rossi, Bertold Spuler, Franz Taeschner sowie der Wiesbadener Verleger Richard Werner Dorn (Verlag Otto Harrassowitz). Bei der Gründungsversammlung im Juli 1952 waren 21 Personen anwesend; bereits am 1. Oktober 1952 zählte die Gesellschaft 78 Mitglieder aus zahlreichen Ländern, darunter Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich und den USA, später auch Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Polen, Schweden und die Türkei.
In ihrem Aufruf zur Gründung einer ural-altaischen Gesellschaft hatten Julius von Farkas und Omeljan Pritsak als deren Anliegen genannt, „allen Kollegen aus den ural-altaischen und sprachvergleichenden Arbeitsgebieten die Möglichkeit eines erweiterten Gedanken- und Erfahrungsaustausches zu geben, und gleichzeitig Gelegenheit zur Publikation ihrer Arbeiten zu bieten“. Daneben wurde von ihnen als Anliegen der Gesellschaft genannt, den Kollegen aus den ural-altaischen und sprachvergleichenden Fachgebieten einen erweiterten Austausch sowie Publikationsmöglichkeiten zu bieten. In der Satzung wurden die Organisation der Studien auf dem Gebiet der uralischen (finnisch-ugrischen und samojedischen) und altaischen (türkischen, tungusischen, mongolischen, koreanischen) Philologien sowie die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, unter anderem durch die Herausgabe einer Fachzeitschrift und wissenschaftlicher Werke, die Unterstützung bei der Materialbeschaffung sowie weitere fördernde Maßnahmen als Ziele festgelegt.
Die Societas Uralo-Altaica ist heute neben der Finnisch-Ugrischen Gesellschaft in Helsinki die weltweit bedeutendste wissenschaftliche Gesellschaft für uralische und altaische Forschungen. Daneben nimmt die traditionsreiche SUA, die ihren Sitz in Göttingen hat, auch eine besondere Stellung in der Göttinger Forschungslandschaft ein.
Publikationsorgane der Societas Uralo-Altaica Als Publikationsorgan wurde die Zeitschrift Ural-Altaische Jahrbücher (UAJb) als Fortführung der Ungarischen Jahrbücher ins Leben gerufen, die Bandzählung wurde dabei zunächst fortgeführt (beginnend mit Band 24). Als Monographienreihen entstanden die Ural-Altaische Bibliothek (später eingestellt) sowie die bis heute fortgeführten Veröffentlichungen der Societas Uralo-Altaica (VdSUA), in der bis Ende 2024 über 100 Bände erschienen sind. Daneben gab es die ausschließlich an Mitglieder verteilten Mitteilungen der Societas Uralo-Altaica (MSUA), deren Fortführung der 2024 neu gewählte Vorstand beschlossen hat. Präsentationen, Vorträge und aktuelle forschungsrelevante Materialien werden seit 2025 in Zenodo für die Nachnutzung bereitgestellt.
Veranstaltungen Von Beginn an richtete die Gesellschaft Vorträge und Konferenzen aus, zunächst vor allem in Göttingen in Zusammenarbeit mit der Philosophischen Fakultät und der Ortsgruppe Göttingen der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Ab den 1960er Jahren wurde auch Hamburg zu einem Zentrum der Gesellschaft. Es wurde Tradition, dass die Ordentlichen Mitgliederversammlungen von einem Fachvortrag begleitet wurden. Zu den von der Societas Uralo-Altaica (mit)ausgerichteten Symposien zählten unter anderem ein Symposium über die moderne Literatur ost-türkischer Völker (Hamburg, 1962), eine finnisch-ugrische Arbeitstagung (Göttingen, 1963), ein Symposium über uralisch-altaisch-slavische Sprachbeziehungen (Seattle, 1964) sowie in jüngerer Zeit die Symposien „Indien und Zentralasien – Sprach- und Kulturkontakte“ (Göttingen, 2001), „Finnougrier und Indoeuropäer“ (Groningen, 2001) und „Die ural-altaischen Völker – Wandlungsprozesse zwischen Tradition und Moderne“ (Göttingen, 2002). Seit 2025 werden Webinare von der Societas Uralo-Altaica organisiert, in denen neben laufender Forschung auch Projekte und Zusammenarbeiten sowie aktuelle Herausforderungen der wissenschaftlichen Forschung in den jeweiligen Forschungsregionen der Societas Uralo-Altaica diskutiert werden.
Weblinks Offizielle Website
Einzelnachweise und Fußnoten
Kategorie:Verein (Göttingen) Kategorie:Vereinsgründung 1952 Kategorie:Finnougristik Kategorie:Turkologie Kategorie:Mongolistik Kategorie:Koreanistik