Der Dankmarshäuser Rhäden nimmt den südlichen Teil eines großen Feuchtgebiets ein, das in einer durch Salzauslaugungsprozesse und tektonische Vorgänge entstandenen Senke im thüringisch-hessischen Grenzland liegt. Einst war das Gelände eine der größten Sumpflandschaften in der breiten Talniederung der Werra. Nach der Trockenlegung in der Mitte des 19. Jahrhunderts und langjähriger Grünland- und Ackernutzung wurde nach der Wiedervereinigung das Gelände durch gestaltende Renaturierung erneut zu einer Auenlandschaft, die von naturnahen Biotopen geprägt wird.

Die Rhädensenke gehört zu den bedeutendsten Brut- und Rastgebieten für Wasservögel und Wiesenbrüter in Thüringen und Hessen. Seltenen Tier- und Pflanzenarten bietet sein Gelände Lebensräume. Um diesen vielfältigen Bereich zu erhalten und weiterzuentwickeln, wurden die Fläche zum Naturschutzgebiet erklärt und als ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet in dem europaweiten Netz von Schutzgebieten „Natura 2000“ ausgewiesen. Mit dem direkt angrenzenden hessischen Naturschutzgebiet „Rhäden bei Obersuhl und Bosserode“ wird das Schutzgebiet als wichtiger Bestandteil des Verbundsystems „Feuchtbiotope der Werraaue“ und des „Grünen Bandes“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze angesehen.Holm Wenzel, Werner Westhus, Frank Fritzlar, Rainer Haupt und Walter Hiekel: Die Naturschutzgebiete Thüringens. S. 464 f.

Lage Der „Dankmarshäuser Rhäden“ liegt in dem Berkaer Becken im Naturraum des Salzunger Werraberglands. Von der Werra wird die Senke durch eine ein bis zwei Kilometer breite Bodenschwelle getrennt. Administrativ gehört die Fläche zu der Gemarkung von Dankmarshausen, einem Ortsteil der Stadt Werra-Suhl-Tal im westthüringischen Wartburgkreis. Das auf einer Höhe zwischen und liegende Gebiet wird von der Suhl, die hier in ihrem Unterlauf auch „Rhedengraben“ genannt wird, durchflossen. Der kleine Bach, der im Laufe der historischen Entwicklung mehrfach umgelegt und begradigt wurde, ist der Hauptzufluss der Weihe, die als linker Zufluss bei Untersuhl in die Werra mündet.

Der geschützte Bereich erstreckt sich mit einem wechselnd breiten, rund zweieinhalb Kilometer langen Streifen entlang der Landesgrenze zu Hessen. Er nimmt den südlichen Rand des großen Feuchtbiotops ein, dessen Zentrum auf der hessischen Seite liegt. Das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet „Rhäden bei Obersuhl und Bosserode“ befindet sich in den Gemarkungen Obersuhl und Bosserode der Gemeinde Wildeck im nordosthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Klima Klimatisch betrachtet gehört das Mittlere Werratal zur gemäßigten Klimazone, wo es sich aufgrund seiner Lage bereits durch einen stärker kontinental geprägten Charakter mit niedrigeren Durchschnittstemperaturen im Januar und etwas höheren im Juli auszeichnet. Die mittlere Zahl der Frosttage, in dem dreißigjährigen Zeitraum von 1987 bis 2016, lag in Dankmarshausen bei 87,1 Tagen und die der Eistage bei 19,1 Tagen.Ein Frosttag ist die meteorologisch-klimatologische Bezeichnung für einen Tag, an dem das Minimum der Lufttemperatur unter 0 °C liegt. Liegt an diesem Tag jedoch auch das Maximum der Lufttemperatur, die Tageshöchsttemperatur, unter 0 °C, so spricht man von einem Eistag. Bei den Sommertagen, an denen die Tageshöchsttemperatur 25,0 °C erreicht oder überschritten hat, war die mittlere Zahl 36,2 Tage und bei den „Heißen Tagen“, mit Temperaturen von 30,0 °C oder mehr, waren es 6,9 Tage. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag in diesem Zeitraum in Dankmarshausen bei 9,1 °C.Klimasteckbriefe der Gemeinden. Auf der Basis von Stationsmessdaten des Deutschen Wetterdienstes. In: Webseite der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie; abgerufen am 24. März 2020.

Geologie und Boden Der Raum der heutigen deutschen Mittelgebirgsschwelle war im Erdaltertum von einem großen Binnenmeer bedeckt. Durch die starke Sonneneinstrahlung und die hohen Temperaturen (Europa lag damals in Äquatornähe) verdunstete das Zechsteinmeer und marine Sedimente wie Salze lagerten sich in mächtigen Schichten ab. Die entstandenen Salzablagerungen liegen auf der Gesteinseinheit des Rotliegend und des Unteren Zechsteins und werden von jüngeren Schichtkomplexen des Zechsteins und des Unterem Buntsandsteins bedeckt. Während der sogenannten Saxonischen Gebirgsbildung entstanden in den Störungszonen tiefe Klüfte, durch die Oberflächenwasser an Bruchlinien bis an die Salzlagerstätten gelangen konnte. Das Salz wurde in beträchtlichem Umfang aufgelöst und unterirdisch fortgeführt. Die Lösungsprozesse verursachten im Untergrund einen Substanzschwund, der durch Nachsacken der auflagernden Schollen des Deckgebirges ausgeglichen wurde. Die Herausbildung der Rhädenmulde wird so als eine Mischung aus tektonischen Bewegungen und auslaugungsbedingten Senkungen erklärt.

Im Zeitabschnitt des Quartär, füllte sich die Senke mit Lockersedimenten wie Lehm, Geröll und Kies, die sich aus Bächen und Flüssen absetzten. Sie werden von organischen Substanzen unterschiedlicher Mächtigkeit überdeckt. Zum Rande der Senke steigt das Gelände nach Süden und Westen sanft an. Diese Hänge sind trockener und bestehen aus lössartigen Lehmen des Pleistozäns mit Rendzina und Braunerde sowie aus sandig-lehmigen Kies. In der Rhädensenke haben sich wegen des oberflächennahen Grundwasserspiegels überwiegend Gleyeböden entwickelt. Diese sind für den Ackerbau kaum und für die Grünlandbewirtschaftung nur bedingt geeignet. Trotz der ungünstigen Ertragsbedingungen wurden große Flächen dank umfangreicher Entwässerungsmaßnahmen bis zur Ausweisung zum Naturschutzgebiet landwirtschaftlich bearbeitet.

Entstehung des Gebietes mini|Motiv aus dem südwestlichen Bereich des Rhäden. In der flachen Senke, in der der Rhäden liegt, soll in der prähistorischen Zeit, dreitausend bis fünfhundert Jahre vor der Zeitenwende, ein ausgedehnter See existiert haben. Zeugnis über frühere Besiedlungen durch den Menschen an dem See legen die zahlreichen Fundstätten aus der Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit ab. Ausschlaggebend für die Niederlassung in dieser Region könnte das Vorhandensein des fischreichen Rhädensees und die Nähe zu der ebenfalls Nahrung bietenden Werra gewesen sein. In der nachchristlichen Zeit, bis zum Mittelalter, wird die Entwicklung des Rhäden nirgends erwähnt, es fehlen jegliche schriftliche Überlieferungen. Die Reste des ehemaligen Sees müssen während dieser Epoche langsam verlandet sein. Um das Jahr 1530 wurde der Rhäden in einem Schriftstück als „alter Teich“ bezeichnet. Aus dieser Zeit stammt auch eine Verordnung, welche den Obersuhler Einwohnern das Fischen, Schießen und Eiersammeln verbietet. Nach noch vorhandenen Unterlagen war der Rhäden, bis zu seiner Entwässerung, eine Sumpflandschaft mit Röhrichten, Weiden- und Erlengebüschen und kleinen offenen Wasserstellen.Informationen von den Schautafeln im Schutzgebiet.

Einen drastischen Eingriff in die natürlichen Gegebenheiten des Rhäden bildete die großangelegte Trockenlegung des Geländes. Im Auftrag der Gemeinden Obersuhl, Bosserode und Dankmarshausen erfolgte in den Jahren 1859 und 1860 die Entwässerung, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Als Grund wurde die Gewinnung von Heu und Grünfutter für die Kavallerie in nahegelegenen Standorten angegeben. Im Jahr 1934 wurden die Drainagegräben vertieft, was die Austrocknung des Gebietes verstärkte.

In der Nachkriegszeit, mit dem Ausbau der DDR-Grenzanlagen, verfiel das Entwässerungssystem auf der hessischen Seite und die Nutzung wurde zunehmend aufgegeben. Anfang der 1970er Jahre wurde dort mit dem Überstau begonnen, um den Bereich zu einem Feuchtgebiet zu regenerieren, was sich jedoch nicht auf den höher liegenden Dankmarshäuser Teil auswirkte. Dieser wurde über Pumpen weiter entwässert und bis auf den Grenzstreifen ackerbaulich genutzt. Mit der Ausweisung des Rhädens zum Naturschutzgebiet und der Aufgabe der Entwässerung entwickelten sich auch außerhalb des unmittelbaren Grenzstreifens Feuchtbiotope. Ab Mitte der 1990er wurden die Ackerflächen in Grünland umgewandelt. Durch regulierbare Stauanlagen können größere Bereiche im Frühjahr überflutet werden. So konnten sich strukturreiche Feuchtwiesen entwickeln, die extensiv beweidet werden. Mit der Pflanzung von Laubgehölzen, der Anlage von Streuobstwiesen und der Förderung von Auenwäldern wurde das Biotopangebot weiter ergänzt.Kurt Grebe: Rhäden von Obersuhl - Kulturgeschichte. In: Die Naturschutzgebiete in Hessen. S. 297.

Natur Biotope Das Landschaftsbild des Rhäden wird heute, nach früherer Trockenlegung und mehrmaligen Nutzungsänderungen im Laufe der Zeit, durch ein breites Spektrum an Feuchtlebensräumen geprägt. Die flache Senke besitzt größere und zahlreiche kleine Nassbereiche mit permanenten und temporären Wasserflächen. Auf kleinem Raum sind nährstoffreiche Stillgewässer mit Verlandungsbereichen und auch nährstoffarme Stillgewässer mit Strandlings- und Zwergbinsenvegetation vorhanden. Auf den frischen Standorten wachsen Glatthaferwiesen. Die Vegetation des Grenzgrabens wird von, im Gewässergrund verwurzelten, Laichkraut-Tauchfluren und Röhrichten wie dem Schilf-Röhricht gebildet. Vor allem im ehemaligen Grenzbereich haben sich neben Hochstaudenfluren verschiedene Ruderalgesellschaften ausgebildet. Die große, flache Senke wird im Frühjahr gezielt überstaut. Ein steuerbares System erlaubt es, den Wasserstand zu regeln, um beispielsweise durchziehenden Watvögeln Schlammbänke und Flachwasserzonen anbieten zu können. Dem fallenden Wasserstand folgt eine sukzessive Wiederbesiedelung der Schlammflächen mit einer Wasserknöterich-Zweizahn-Staudenflur. An feuchteren Stellen kommen Froschlöffel-Kleinröhrichte, Sumpfsimse, Schlanksegge und Rohrglanzgras vor.

Die Teile in dem Vegetationsmosaik des Rhäden, die als bedeutend gelten, werden nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und ergänzend nach § 15 des Thüringer Naturschutzgesetzes (ThürNatG) geschützt. Anders als bei den Naturschutzgebieten bedarf es zur Wirksamkeit des gesetzlichen Biotopschutzes keiner weiteren rechtlichen Festlegung oder Ausweisung mehr. Diese Biotope sind durch Gesetz allein deshalb geschützt, weil sie zu einem aufgelisteten Biotoptyp gehören.Gesetzlich geschützte Biotope. In: Webseite der Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz; abgerufen am 24. März 2020.

Fauna mini|Die Winterpopulation der Graugänse im Rhäden Nach dem Standarddatenbogen für die Übermittlung von Informationen zu Natura-2000-Gebieten liegt eine Bedeutung des „Dankmarshäuser Rhädens“ in der ökologischen Ergänzung zu dem auf der hessischen Seite unmittelbar angrenzendem „Rhäden bei Obersuhl und Bosserode“. Neben dem Pflanzen-, Amphibien- und Libellenschutz ist der Schwerpunkt im Gebiet der Schutz der hier vorkommenden, teilweise hochgradig bedrohten, Vogelarten. Zu dem im Datenbogen genannten Vogelarten gehören Schilfrohrsänger, Löffel-, Krick- und Knäkente, Flussregenpfeifer, Weißstorch, Rohrweihe, Mehl- und Rauchschwalbe, Bekassine, Neuntöter, Rotmilan, Beutelmeise und Kiebitz.Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete erstellt im Mai 2004 und aktualisiert im Mai 2018 von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), Jena.