mini|hochkant=1.03|Bruno Kurz (2024) Bruno Kurz (* 1957 in Langenargen am Bodensee) ist ein deutscher Maler. Er arbeitet vorzugsweise auf reflektierendem Untergrund, wie Metall. Dabei kreiert er Gemälde voller Leuchtkraft und Tiefenwirkung ‒ weite Farbfelder mit vagen Landschafts-Assoziationen oder floralen Gesten. Neben der Malerei umfasst sein Werk großdimensionierte, vom Licht geprägte Rauminstallationen.
Leben Bruno Kurz verbrachte seine Kindheit in Kressbronn am Bodensee. Er wurde als ältester Sohn des Schlossers Rupert Kurz (1933–2023) und dessen Ehefrau Gertrud Kurz (1934–2007) geboren.
An der Knaben-Realschule Lindau, bekam Bruno Kurz erste Anregungen zur Ölmalerei in einer Kunst AG, geleitet von seinem Mathematiklehrer. Nach dem Abitur als Primus am Technischen Gymnasium Friedrichshafen begann er zunächst ein Ingenieurstudium, das durch die Absolvierung des Zivildienstes unterbrochen wurde. Anschließend unternahm er eine einjährige Schiffsreise nach Israel und Rhodos. Dort entstand das erste malerische Konvolut und sein Entschluss, Malerei zu studieren, wurde definitiv. Nach seiner Rückkehr studierte Kurz von 1980 bis 1981 an der Freien Kunstschule Stuttgarthttp://www.freie-kunstschule.de/ bei Gerd Neisser, von 1981 bis 1986 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Per Kirkeby und Max G. Kaminski.
Der besondere Umgang mit Licht und Farbe beschäftigt den Maler seit seiner Jugend. Schon während der Ausbildung unternimmt er ausgedehnte Reisen nach Südeuropa und Indien (1983/84 und 1986/87), später nach Mexiko und Kanada. Das Naturerlebnis, neue Farb- und Lichtwelten führen zu zahlreichen Experimenten mit Materialien des Untergrunds sowie der Farben und es entstehen große Bildzyklen. Mit einem Projektstipendium zum Thema „Heimat“ reist er 1998 erstmals nach Nordeuropa und besucht die äußeren Hebriden, die Oakland-Inseln, das schottische Hochland sowie Bergen in Norwegen. Keltische Symboliken mit ihrer typischen Verbindung von Kreis und Kreuz, das irisch-schottische Mönchstum mit seinen Verbindungen zum Bodensee und Natureindrücke bilden die Grundlage für eine große Projektausstellung mit raumgreifenden Installationen im Heimatort Kressbronn am Bodensee. Ab 2000 wirken sich die Landschaftserlebnisse auf eine neue Bildserie aus: über zehn Jahre arbeitet er an seinem Zyklus Hebrides,Hebrides, Katalog zur Einzelausstellung, Werkzyklen: BeLiv 1995-1997, Tears of God 1998-2000 und Hebrides 2001/2002, hg. v. Bruno Kurz 2003. ISBN 3-925521-94-1 in dem erstmals die für ihn typischen horizontalen Schichtungen von filigranen Farbfeldern klar auftauchen; sie werden wegweisend für seine Malerei bis heute.
mini|hochkant=0.9| Sadhana 7, 2025 Die Grundstimmung der Bilder pendelt zwischen meditativer Ruhe und expressiven Gesten und Störungen. Das Flüchtige und Vergängliche, die Vermittlung von Landschaft als Erscheinung und Wechselspiel elementarer Kräfte, nimmt immer neue Gestalt an.
Bruno Kurz lebt und arbeitet in Karlsruhe und Indien. Er ist auf Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien in Deutschland, Kanada und der Schweiz zu sehen und hat One-Artist-Shows auf internationalen Kunst-Messen.
Auszeichnungen 1986 Projektstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn 1988–1989 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg 1992–1993 Aufbaustudium Interdisziplinäre Medien, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 1998 Reisestipendium für das Projekt Heimat nach Nordeuropa 2006 Projektstipendium der Kunst- und Kulturstiftung Deutschland
Rauminstallationen Sein erstes Atelier hatte Bruno Kurz 1986 auf dem Gelände der IWKA (Industriewerke-Karlsruhe-Augsburg) in Karlsruhe. Er zählt neben Georg Schallahttp://www.kunstprojekte.de/ zu den Begründern der Künstlergruppe KUNSTRAUM IWKA und setzte sich für den Erhalt der riesigen Industriehallen auf diesem Gelände ein. Die von ihm mitorganisierte Ausstellungsreihe Letzte Arbeitsberichte IWKA I und II war eine der wichtigsten Aktivitäten zur Erhaltung des Gebäudes Hallenbau A (heute Zentrum für Kunst und Medien (ZKM)). Doch die Künstler konnten den Abriss und Verkauf des Geländes nicht verhindern – im Dezember 1986 ließ die Stadt Karlsruhe die gesamte Fläche inklusive gigantischer Rauminstallationen zusammen mit den Hallen vernichten. Für ihr Gesamtkunstwerk KUNSTRAUM IWKA erhielt die Künstlergruppe 1986 ein Projektstipendium des Kunstfonds Bonn, verbunden mit einer Dokumentationsausstellung in Bonn.
mini|links|hochkant=0.8|For a blue waterlily (female side), Marstall, Schloss Rastatt, 1996 Bruno Kurz schuf auf dem IWKA-Gelände große Rauminstallationen. Er wollte dem riesigen Industriebau mit großflächigen Kunstwerken ein adäquates Gegengewicht geben und installierte überdimensionale, geometrische Folienskulpturen, die das durch die Sheddächer einfallende Sonnenlicht reflektierten (Installation Kunstraum IWKA, 1987): „Regenpfützen, die durch das undichte Dach entstanden waren, warfen große Spiegelungen zurück und gaben dem Künstler weitere Impulse für sein Werk. 1988 verwendete er erstmals Wasser als plastisches Material im Raum. Die Klarheit der seither entstandenen Installationen resultiert aus diesen frühen architektonisch monumentalen Raumerfahrungen. Spektakulär war später seine Installation -aller Farben bloß- in den barocken Sälen des Ettlinger Schlosses.“Sabine Heilig, Kunsthistorikerin. In: Bruno Kurz. Lichtpassagen, Katalog zur Einzelausstellung, hg. v. SüdWestGalerie, Niederalfingen/Aalen 2006. ISBN 3-937295-51-8 mini|Blauer Salon mit Blick in den grünen Salon, Ettlinger Schloss, 2003 Angeregt durch die Namen „Grüner, Blauer und Roter Salon“ mit ihren entsprechenden Tapisserien, installierte er farbige Folien auf den Fenstern der Säle und kreiert eine Abfolge farbigen Lichts. Trotz aller Freiheiten, die im dreidimensionalen Raum herrschen – die formalen, ästhetischen und konzeptuellen Mittel seines installativen Werks haben deutliche Analogien zum malerischen Schaffen.
Kunst am Bau 2004 Neugestaltung des ursprünglich barocken Hauptsaales im Palais Bretzenheim Mannheim mit Rückführung in das ursprüngliche Raumvolumen mit der Herausnahme einer in den 1950er Jahren eingezogenen Zwischendecke (Auftraggeber: Land Baden-Württemberg, Staatl. Vermögensamt und Hochbauamt Mannheim) 2004 Gestaltung der Front des Sitzungssaals im Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim, (Auftraggeber: Land BW, Oberfinanzdirektion Stuttgart) 2004 Universität Freiburg, Klinikum, Wettbewerbsteilnahme
Abstrakte Landschaftsmalerei mini|links|hochkant=1.2|En Plein Air Atelier, Lago Maggiore, 2022
Der Maler verlässt sein Atelier im „Blauen Haus“ in der Karlsruher Südstadt immer wieder zu ausgedehnten Reisen, um unbekannte Landschaften kennenzulernen, Neues zu erfahren und Inspiration zu empfangen. Besonders prägend waren Aufenthalte in Grönland und Island, in der Künstlerresidenz Casa Tagumerche auf La Gomera (2021), Andalusien und Griechenland (2021). Regelmäßig malt er auch in einem „En Plein Air Atelier“ in den Bergen oberhalb des Lago Maggiore sowie in Indien.
In seinem Werk behält er den Kompositionsaufbau des klassischen Landschaftsgemäldes bei, doch konterkariert es zugleich durch das Format des Quadrats. Seit Kasimir Malewitsch gilt das Quadrat als absolute Form der abstrakten Malerei. Bruno Kurz verwendet es als grundlegendes Format für die meisten seiner Bilder und hat es zu einem seiner Erkennungsmerkmale, ja Markenzeichen gemacht. Es bringt einerseits auseinander strebende Energiefelder ins Gleichgewicht und verleiht andererseits den Horizonten und Richtungswechseln eine archaische Kraft. Hinzu kam über Jahre hinweg das Kreuz als subkutane Struktur. Dieses formale Ur-Element der Kunstgeschichte, Sinnbild der Einheit der Extreme, verlieh vielen Bildern eine fast sakral anmutende Ruhe, Tiefe und Ordnung.
mini|hochkant=0.9|Lago 1, 2024 Von 2018 bis 2024 traten verstärkt vertikale und diagonale, manchmal pflanzenhafte, flammen- oder sturzflutähnlichen Farbbewegungen in den Vordergrund, rissen Horizonte auf oder überlagerten sie; es wurde durchlässiger, linearer und luftiger. Auch wilder oder gegenständlicher. Wo sich Dynamiken bis hin zur Explosion steigerten, öffneten sie zugleich Raum für unbestimmt Zartes, Werdendes. So konnte scheinbare Leere ins Zentrum des Geschehens treten.
Farbe, Material und Licht Bruno Kurz beschäftigt sich bis heute mit den drei Kernthemen der Malerei: Farbe, Material und Licht, sowie deren Interaktion untereinander. Dazu gehört die permanente Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten gewählter Materialien, Farbstoffe und -körper. Er verbindet synthetische Harze, Pigmente, Tinten, Acryl-, Wasser- und Ölfarben zu ungewöhnlichen Kombinationen und Farbschichtungen.
mini|links|hochkant=0.9| Nord-Passage, 2016 Die Materialien werden so eingesetzt, dass verblüffende optische Eindrücke entstehen. Das Auge der Betrachter stößt dabei auf extreme Gegensätze von spiegelglatten, durchscheinenden Lasuren bis hin zu reliefartigen, plastischen Farbbändern. Unter der Oberfläche schimmern mehrfache Ebenen und Farbschichten durch, die in einem langen Prozess des Übermalens und Veränderns feinster Strukturen ausgearbeitet werden. Sie scheinen die Zweidimensionalität der Gemälde aufzuheben und in grenzenlose Räume zu führen. Entscheidend ist auch die Auswahl des Untergrundes, der selten ganz zugedeckt wird. Seit einigen Jahren verwendet Kurz verstärkt Metallbleche und verändert deren Oberfläche unter anderem mit Schleifmaschinen. Die so entstandenen Spuren bilden die verborgene Grundstruktur seiner Gemälde. Da das Metall die Farben unterschiedlich aufnimmt, kommt es zu überraschenden Lichteffekten. mini|rechts|hochkant=1.9| Herbstfeuer, 2021
Die Orientierung am Phänomen Licht ist und bleibt die geistige Richtung im Œuvre. Letztlich zielt alles darauf ab, dem Licht Raum zu geben und damit stoffliche Elemente zu durchdringen. Das Licht in den Bildern steht natürlicherweise in Beziehung zu dem Licht, das von außen auf sie trifft. So treten je nach Lichteinfall und je nach Standort der Betrachter neue Farbflächen und -töne „an‘s Licht“ und gewinnen ein Eigenleben. „Richtiges Licht gibt es für meine Bilder nicht“, betont der Maler. Selbst in der Dämmerung verlieren sie nicht an Kraft, sondern offenbaren im Gegenteil neue Dimensionen – neue Wechselwirkungen von Materie und Geist, Fläche und Linie, Fülle und Leere, Schwere und Leichtigkeit, Stillstand und Bewegung.
Lehrtätigkeit Neben der freien Malerei nahm der Künstler auch unterschiedliche Dozenturen an. Er hatte von 1993 bis 1997 einen Lehrauftrag für Zeichnen an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, von 2002 bis 2008 für Malerei an der Europäischen Kunstakademie Trier und von 2001 bis 2007 für experimentelle Malerei an der Landesakademie Schloss Rotenfels. Auch die kunsthistorische Analyse und die praktische Umsetzung verschiedener Ansätze der Malerei mit Laien ist ihm ein Anliegen. Seit 1984 zählt er zum Dozententeam der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.Kunsthalle Karlsruhe:
Werke in Sammlungen mini|Lux, 2016 mini|Frische Glut 1, 2021
Museum im Kleihues-Bau Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Kunstmuseum Karlsruhe Ulmer Museum Sammlung Würth Schwäbisch Hall Sammlung Gerhard Hartmann, in der Städtischen Kunstsammlung Galerie Albstadt Regierungspräsidium Karlsruhe Kernforschungszentrum Karlsruhe Handwerkskammer Karlsruhe Bildungsakademie der Handwerkskammer Karlsruhe Stiftung S-BC-pro arte, Biberachhttp://www.sparkassenstiftungen.de/stiftungen/s-bc-pro-arte/stiftungs-startseite/ Diverse Privatsammlungen in Deutschland, USA, Kanada und der Schweiz
Weblinks
Website des Malers Youtube: KATHARSIS Youtube: bruno kurz und das blau vom himmelhttps://mollwo.ch/Kurz/index.html Filmtrilogie über den Maler Bruno Kurz Youtube: Bruno Kurz. LICHTAKKORDE Youtube: Bruno Kurz. Licht & Farbe Ausstellungsverzeichnis Literatur über Bruno Kurz im Katalog der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe