mini|Kirche und Pfarrhof in Seehausen am Staffelsee mini|hochkant=1.4|Der Staffelsee mit seinen sieben Inseln gehört zum Gemeindegebiet von Seehausen mini|Historische Karte von 1815 mit Markierung des Gemeindegebiets von Riedhausen Seehausen am Staffelsee (amtlich: Seehausen a.Staffelsee) ist eine Gemeinde und ein staatlich anerkannter Erholungsort im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen sowie Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Seehausen. Der Ort ist Teil der Tourismusregion Das Blaue Land.
Geografie Die Gemeinde liegt in der Region Oberland direkt am Staffelsee. Der gesamte Staffelsee mit seinen sieben Inseln gehört zum Gemeindegebiet, ebenso der Kapferweiher. Die Nachbargemeinden sind Uffing am Staffelsee im Westen, Spatzenhausen im Norden, Murnau am Staffelsee im Osten und Süden und Bad Kohlgrub im Südwesten.
Es gibt nur die Gemarkung Seehausen a. Staffelsee.
Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Rieden (Kirchdorf) Riedhausen (Kirchdorf) Seehausen am Staffelsee (Pfarrdorf) Seeleiten (Weiler) Wörth (Einöde)
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Auf der Insel Wörth im Staffelsee gibt es schon Spuren aus römischer Zeit. Im 8. Jahrhundert kam es zur Gründung des Klosters Staffelsee, das im 11. Jahrhundert aufgelöst wurde. Um das Gotteshaus auf der Insel ohne Boot erreichen zu können, baute man vom Festland einen Holzsteg von Seehausen über St. Jakob (Jakobsinsel, die kleinste der sieben Staffelsee-Inseln) bis zur Insel Wörth.
Der Ort Seehausen wurde um 650 erstmals genannt und gehörte ab 1330 zum Kloster Ettal, das wiederum Teil des Kurfürstentums Bayern war, und bis zur Aufhebung des zeitweise auch reichsunmittelbaren Klosters im Jahr 1803 Bestandteil dessen Gerichts Murnau. 1773 wurde die Inselpfarrkirche mit ihrer bemerkenswerten barocken Ausstattung aufs Festland überführtSeehausen am Staffelsee: Geschichte, finanziert durch den Augsburger Verleger und Buchhändler Matthäus Rieger, einem gebürtigen Seehauser.
Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Seehausen, die zum Landgericht Weilheim gehörte.
20. Jahrhundert Während der Zeit des Nationalsozialismus befand sich ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau auf der zu Seehausen gehörenden Halbinsel Burg mit bis zu 65 Internierten. Die ortsansässigen, rüstungswichtigen Firmen Feinmechanische Werkstätten Tipecska und das Arbeitskommando Jung und Otto Heinrich Muck konnten so auf Arbeitskräfte zugreifen. Die Lagerinsassen wurden Ende April 1945 von Soldaten der US Army befreit. Der Gedenkstein von 2018 erinnert daran, dass sich am Ende des Zweiten Weltkriegs Lageraufseher und Inhaftierte gegen den Befehl wehrten, die Gefangenen nach Dachau zurückzubringen.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1970 und 2026 wuchs die Gemeinde von 1544 auf 2419 um 875 Einwohner bzw. um 56,7 %. 1961: 1502 Einwohner 1970: 1544 Einwohner 1987: 1917 Einwohner 1991: 2008 Einwohner 1995: 2059 Einwohner 2000: 2100 Einwohner 2005: 2338 Einwohner 2010: 2501 Einwohner 2015: 2394 Einwohner 2020: 2461 Einwohner 2026: 2419 Einwohnerhttps://www.bayernportal.de/dokumente/behoerde/43107776719
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern (Ergebnis der Gemeinderatswahl 2026): Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne (36,5 %): 5 Sitze (2020: 6 Sitze) CSU/Freie Bürger (26,2 %): 4 Sitze (2020: 4 Sitze) Parteilose Wählergruppe Seehausen (37,4 %): 5 Sitze (2020: 4 Sitze)
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Karl Widmann (Parteifreie Wählergruppe Seehausen). Er wurde 2026 als einziger Kandidat mit 76,4 % der Stimmen gewählt. Seine Stellvertreter sind Robert Roithmeier (Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne) und Simon Huber (Parteifreie Wählergruppe).
Sein Vorgänger war von Mai 2008 bis April 2026 Markus Hörmann (CSU). Er stellte sich 2026 nicht mehr zur Wahl. Davor war Ulrich Willburger (CSU) 1. Bürgermeister. Er wurde im Jahr 2002 als Nachfolger von Sylvester Eichberger (CSU) gewählt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler Im Norden des Gemeindeteils Riedhausen befinden sich gut erhaltene Wölbäcker. Diese „Hochäcker“ entstanden durch die Verwendung von eisernen Pflügen, die die Ackerkrume nur in eine Richtung wenden konnten. Um das Pfluggespann möglichst selten wenden zu müssen, wurden die Flure in der Form von Langäckern angelegt. Sie haben eine Breite von wenigen Metern und Längen von 100 Metern und mehr.
Staffelseemuseum Im denkmalgeschützten Pfarrhaus berichtet das Staffelseemuseum insbesondere über Geschichte von Ort und See mit Exponaten aus Hinterglasmalerei und Natur. Sie beginnt mit der in der Bronzezeit ansetzenden Kulturgeschichte der Region, die ihren Beginn auf der Insel Wörth hat, und stützt sich auf Ausgrabungen zwischen 1992 und 1997. Die Bedeutung des Staffelsees mit seiner Entstehung über Flora und Fauna bis zur Nutzung für die Fischerei und deren Geschichte ist ein Schwerpunkt der Dauerausstellung. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Programm.
Kulturelle Veranstaltungen Die Seeprozession an Fronleichnam führt seit 1935 alljährlich von der Dorfkirche durch die farbenfroh geschmückten Straßen an den See. Danach fahren Geistliche und Gläubige mit vielen dutzend Booten hinüber zur Kapelle St. Simpert auf der Insel Wörth.
Der Seehauser Verein Da Sea is inser e. V. („Der Staffelsee gehört uns“) organisiert kulturelle Veranstaltungen, wobei der Großteil des Erlöses an die örtlichen Vereine und Organisationen gespendet wird. Das unterhaltsame Hindernisrennen am Faschingssamstag hat jährlich einen Themenschwerpunkt und ist mittlerweile weit über die Landkreisgrenze bekannt. Beim Fischerstechen am 15. August treten in einem sportlichen Wettkampf jeweils zwei Mannschaften auf Ruderbooten gegeneinander an. Die Boote werden mit Holzbrettern verlängert. An deren Enden stehen die Kontrahenten, mit Lanzen bewaffnet und versuchen ihr Gegenüber ins Wasser zu befördern. Der Sieger mit dem größten Stehvermögen wird als „Fischerkönig“ ausgezeichnet.
Der Verein Forum Westtorhalle e. V. engagiert sich für vielseitige Kultur und organisiert in der Westtorhalle in Riedhausen, einem Torbau der ehemaligen Kemmel-Kaserne, ein umfangreiches Programm. Mit jährlich mehr als 150 Veranstaltungen (Musik, Kleinkunst, Theater, vor allem aber Begegnung und Jugendkultur) ist das Kulturzentrum im Oberland bekannt.
Der Seehauser Verein Menschen Helfen e. V. veranstaltet jährlich das traditionelle kultURKNALL-Festival an wechselnden Standorten in Seehausen und Murnau und fördert direkte Hilfe für Kinder in Europa.
Panoramaweg Wandertafeln entlang der Seehauser Wanderwege beschreiben die Geschichte der Gemeinde Seehausen, angefangen von der Entstehung des Staffelsees und örtlichen Sagen bis hin zu den Sehenswürdigkeiten.
Galerie
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2023 (Stand: 30. Juni) gab es insgesamt 934 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort, davon im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 26 und im Bereich Handel und Verkehr und Gastgewerbe 62 (2022). Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen Betrieb, im Bauhauptgewerbe sieben Betriebe. Im Jahr 2020 bestanden 20 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 612 Hektar, davon 471 Hektar Wiesen und Weiden.
Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 300 % zählt die Gemeinde zu den steuerlich attraktivsten Standorten Deutschlands. Seehausen am Staffelsee ist etwa steuerlich deutlich günstiger als die Landeshauptstadt München (Gewerbesteuerhebesatz 490 %). Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2023 rund 4949 T€, davon waren 2450 T€ Gewerbesteuereinnahmen (netto) und 2017 T€ Einkommensteuerbeteiligung. Die Gemeinde war schuldenfrei.
Im Jahr 2023 schloss der Verwaltungshaushalt mit 7448 T€, der Vermögenshaushalt mit 1684 T€ ab.
Verkehr Durch den Ort führt die Staatsstraße 2372, die den Ort mit den Gemeinden Murnau, Uffing und Spatzenhausen verbindet. Im ÖPNV ist der Ort mit den Buslinien 9601, 9631 und 9641 des RVOs zu erreichen. Der nächstgelegene Bahnhof ist der in Murnau, der direkt an den Ortsteil Riedhausen angrenzt. Auf dem Staffelsee verkehrt das Fahrgastschiff MS Seehausen, das von April bis Oktober den Ort mit Murnau und Uffing verbindet. Das Solarelektroschiff MS Staffelseerin, das von Mai bis September ebenfalls Rundfahrten auf dem Staffelsee anbietet, stellte am 26. April 2024 einen Weltrekord mit einer 18-stündigen Fahrt über 137 km ohne Zwischenladung auf.
Die Gemeinde Seehausen am Staffelsee beteiligte sich ab 20. Juli 2021 mit den Gemeinden Murnau am Staffelsee und Riegsee (Gemeinde) am omobi Ortsbus, der als digitale Mobilitätslösung im ländlichen Raum für den bedarfsgesteuerten Flächenbetrieb Fahrten bündelte. Im November 2024 wurde das Angebot als „Der Blaue Land Bus“ auf den nördlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen ausgeweitet (Betriebszeiten Montag bis Sonntag, 7:00 bis 20:00 Uhr).
Bildung Im Jahr 2025 gab es folgende Einrichtungen: 1 Kindertageseinrichtung mit 100 Kindergarten- und Kinderkrippenplätzen, davon sind 85 belegt 1 Grundschule (Außenstelle der Grundschule Uffing-Seehausen)
Persönlichkeiten Matthäus Rieger (1705–1775), deutscher Buchhändler und Verleger, geboren in Seehausen Josef von Utzschneider (1763–1840), deutscher Techniker und Unternehmer, geboren auf Schloss Rieden Maria von Oberndorff (1867–1940), deutsche Schriftstellerin, geboren auf Schloss Rieden Rudolf Pummerer (1882–1973), österreichisch-deutscher Chemiker und Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, starb in Seehausen Bolko von Richthofen (1899–1983), deutscher Prähistoriker, starb in Seehausen Gebhard Seelos (1901–1984), deutscher Politiker der Bayernpartei, starb in Seehausen Georg Ringsgwandl (* 1948), Arzt und bayerischer Kabarettist und Liedermacher, lebt in Seehausen Friedrich Schütze-Quest (1943–2016), Journalist, Auslandskorrespondent und Featureautor, wuchs in Seehausen auf und ging hier zur Schule Karl Michael Vogler (1928–2009), Schauspieler, lebte in Seehausen von 1970 bis 2009 und ist dort beerdigt
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ersterwähnung 650 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Bayerisches Alpenvorland