Der Kreis Lippe ist ein Kreis im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Kreisstadt ist Detmold.
Der Kreis steht in der Tradition des ehemaligen Landes Lippe, das 1947 Nordrhein-Westfalen beitrat und seither (neben nördlichem Rheinland und Westfalen) dessen dritten Landesteil bildet. Symbolisiert wird diese Stellung durch die Lippische Rose im Wappen Nordrhein-Westfalens. Der Name des Kreises leitet sich von dem bis 1918 regierenden Herrscherhaus her, dessen Stammsitz sich am Fluss Lippe befand, welcher das Kreisgebiet jedoch nicht berührt. Geschichte Siehe hierzu auch: Lippe (Land) und Haus Lippe.
Der Kreis steht in der Tradition des früheren Territoriums im Heiligen Römischen Reich und des späteren deutschen Bundesstaates Lippe. Die im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Herren zur Lippe bauten hier ihr Herrschaftsgebiet auf, wurden 1529 zu Reichsgrafen und 1789 zu Reichsfürsten erhoben. 1815 trat Lippe dem Deutschen Bund bei und war von 1871 bis 1945 Gliedstaat des Deutschen Reiches, seit 1918 als Freistaat. Seit 1932 bestanden als Verwaltungseinheiten die Kreise Detmold und Lemgo, denen 1934 auch die zuvor kreisfreien Städte Detmold und Lemgo zugeordnet wurden.
Am 21. Januar 1947 wurde der Freistaat Lippe durch die Militärverordnung Nr. 77 der britischen Besatzungsmacht mit dem Land Nordrhein-Westfalen vereinigt. Am 1. April 1947 wurde aus dem westfälischen Regierungsbezirk Minden und Lippe der neue Regierungsbezirk Minden-Lippe mit Sitz in Detmold gebildet (ab 2. Juni 1947 Regierungsbezirk Detmold). 1949 traten die vom nordrhein-westfälischen Landtag am 5. November 1948 verabschiedeten Gesetze – aufbauend auf den sogenannten Lippischen Punktationen – zur Regelung der Vereinigung des Landes Lippe mit dem Land Nordrhein-Westfalen in Kraft, woraufhin der Landesverband Lippe gebildet wurde. Die Gemeinden Lipperode und Cappel wurden dem Kreis Lippstadt zugeordnet.
1969 und 1970 erfolgte eine Neugliederung der Gemeinden in den Kreisen Lemgo (am 1. Januar 1969 durch das Lemgo-Gesetz) und Detmold (am 1. Januar 1970 durch das Detmold-Gesetz). Aus ehemals 168 selbständigen lippischen Städten und Gemeinden wurden 16 Städte und Gemeinden gebildet. Die Stadt Lügde und die Gemeinden Harzberg und Kempen-Feldrom fielen dem Kreis Detmold, die lippische Exklave Grevenhagen dem Kreis Höxter zu. Im Bielefeld-Gesetz wurden die bisherigen Kreise Lemgo und Detmold mit Wirkung vom 1. Januar 1973 zum Kreis Lippe mit Sitz in Detmold zusammengelegt.
Dieser Kreis stimmt in seiner territorialen Ausdehnung weitgehend mit der ehemaligen Herrschaft/Grafschaft/Fürstentum und Land Lippe überein und kann daher auf eine annähernd 900-jährige kontinuierliche Geschichte zurückblicken und kurz als „Lippe“, beziehungsweise als das „Lipperland“ aufgefasst werden.
Einwohnerentwicklung mini|334x334px|Einwohnerentwicklung von 1975 bis 2016 mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Lippe (Datenquelle: Zensus 2011)
Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1975 323.270 1980 328.064 1985 323.160 1990 340.202 1995 360.471 2000 365.006 Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 2005 360.858 2010 351.158 2015 350.750 2020 346.970 2022 350.588
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 51,0 % der Einwohner evangelisch, 12,5 % römisch-katholisch und 36,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 40,5 % der Einwohner evangelisch, 10,8 % katholisch und 48,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 28. Juli 2024
Laut kirchlicher Statistik der Lippischen Landeskirche gehörten am Jahresende 2022 140.276 Menschen (40,3 % der Gesamtbevölkerung) der Lippischen Landeskirche an.Lippische Landeskirche Zahlen - Daten - Fakten, abgerufen am 15. Februar 2025Aktuelle Zahlen zur Lippischen Landeskirche, abgerufen am 28. Juli 2024 Die Lippische Landeskirche zählte zum Stichtag 1. Januar 2026 insgesamt 126.065 Mitglieder (36,3 %) in 65 reformierten und lutherischen Kirchengemeinden.Mitgliederentwicklung der Lippischen Landeskirche Im Juni 2026 gab es rund 125.000 Mitglieder.Lippische Landessynode tagt in Lemgo - Infos zur Lippischen Landeskirche
Nachbarkreise Der Kreis Lippe grenzt im Uhrzeigersinn im Nordosten beginnend an die Landkreise Schaumburg, Hameln-Pyrmont und Holzminden (alle in Niedersachsen), an die Kreise Höxter, Paderborn und Gütersloh, an die kreisfreie Stadt Bielefeld sowie an die Kreise Herford und Minden-Lübbecke (alle in Nordrhein-Westfalen). Somit hat es zu allen Landkreisen in Ostwestfalen eine gemeinsame Grenze.
Gemeinden Der Kreis Lippe setzt sich aus folgenden zehn Städten und sechs Gemeinden zusammen (in Klammern die Einwohnerzahlen vom ):
Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Augustdorf km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 004 Bad Salzuflen km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 766 008 Barntrup km² kreisangehörige Stadt 05 766 012 Blomberg km² kreisangehörige Stadt 05 766 016 Detmold km² große kreisangehörige Stadt 05 766 020 Dörentrup km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 024 Extertal km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 028 Horn-Bad Meinberg km² kreisangehörige Stadt 05 766 032 Kalletal km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 036 Lage km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 766 040 Lemgo km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 766 044 Leopoldshöhe km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 048 Lügde km² kreisangehörige Stadt 05 766 052 Oerlinghausen km² kreisangehörige Stadt 05 766 056 Schieder-Schwalenberg km² kreisangehörige Stadt 05 766 060 Schlangen km² kreisangehörige Gemeinde 05 766 064 km² Kreis Lippe 05 766
(Einwohnerzahlen vom )
Diese 16 Kommunen werden im Zentrum des Wappens durch die 16 gelben Punkte dargestellt. Bad Salzuflen, Lage und Lemgo sind mittlere kreisangehörige Städte, Detmold ist eine große kreisangehörige Stadt.
Politik Kreistag
Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl 2025 wie folgt:
Die Wahlbeteiligung betrug 59,4 %.
Oberkreisdirektoren 1. Januar 1973 bis 30. Juni 1973: Hellmuth Krüger (beauftragter Oberkreisdirektor) 1. Juli 1973 bis 14. Juli 1985: Hilmar Lotz 15. Juli 1985 bis 14. Juli 1993: Udo-Paul Haase 15. Juli 1993 bis 30. September 1999: Helmut Kauther Zum 1. Oktober 1999 erfolgte im Rahmen der Kommunalverfassungsreform eine Zusammenfassung des hauptamtlichen Oberkreisdirektors mit dem ehrenamtlichen Landrat zum hauptamtlichen Landrat, daher gibt es seit dem 1. Oktober 1999 keinen Oberkreisdirektor mehr.
Landräte 1973–1985: Heinz Wegener, SPD 1985–1990: Hans Budde, SPD 1991–1999: Hans Pohl, SPD 1999–2015: Friedel Heuwinkel, CDU 2015–2025: Axel Lehmann, SPD seit 2025: Meinolf Haase, CDU Im Zuge der Kommunalwahl 2025 setzte sich Meinolf Haase (CDU) in der Stichwahl mit 55,6 % der Stimmen gegen Ilka Irmgard Kottmann (SPD) durch.
Wappen, Flagge und Banner mini|202x202px|links|Banner Kreis Lippe
Das Wappen des Kreises zeigt in Silber (weiß) eine rote fünfblättrige Rose mit goldenen (gelben) Butzen und goldenen (gelben) Kelchblättern (siehe Lippische Rose).
Der 1973 im Zuge der kommunalen Gebietsreform gebildete Kreis Lippe führt mit Genehmigung vom 17. Juli 1973 die lippische Rose in seinem Wappen. Historisch gesehen ist die Rose seit Jahrhunderten Wappensymbol für die Herrschaft, die Grafschaft, das Fürstentum und den Freistaat Lippe. Seit der Zusammenlegung der beiden Kreise Detmold und Lemgo stimmt das Gebiet des Kreises Lippe im Wesentlichen mit dem des ehemaligen Landes Lippe überein. Es lag daher nahe, mit Rücksicht auf die gemeinsame Geschichte von ungewöhnlicher Kontinuität über nahezu acht Jahrhunderte die lippische Rose als neues Kreiswappen vorzusehen. Die 16 goldenen Staubgefäße symbolisieren die Städte und Gemeinden des neuen Kreises Lippe.Erich Kittel: Kreis Lippe auf der Suche nach seinem neuen Wappen. In: Lippische Landeszeitung, 207. Jahrgang, Nr. 4, 5. Januar 1973.
Der Kreis führt eine Flagge mit den Farben Gelb und Rot, längsgestreift, mit dem zur Stange verschobenen Kreiswappen sowie ein Banner mit den Farben Gelb und Rot, längsgestreift mit dem Kreiswappen in der oberen Hälfte (§ 2 der Hauptsatzung des Kreises (PDF; 145 kB)).
Infrastruktur und Wirtschaft Im Zukunftsatlas 2025 belegte der Kreis Lippe Platz 181 von 400 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen/Risiko“ für die Zukunft.
Hochschulen Hochschulstädte in Lippe sind Detmold und Lemgo. In Detmold ist der Sitz der Hochschule für Musik. In Lemgo befindet sich der Hauptsitz der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe; sie hat in Lippe einen weiteren Standort in Detmold und außerhalb von Lippe in Höxter.
In Horn-Bad Meinberg befindet sich das Europäische Zentrum für universitäre Studien der Senioren Ostwestfalen-Lippe.
Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mini|Im Gebäude des Centrum Industrial IT (CIIT) auf dem Campus Lemgo der Hochschule OWL findet sich die Dependance der Fraunhofer-Gesellschaft Als außeruniversitäre Forschungseinrichtungen finden sich in Detmold das Max Rubner-Institut mit dem Institut für Sicherheit und Qualität von Getreide und in Lemgo die Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Fraunhofer IOSB-INA.
Das Gebäude, in dem sich das Fraunhofer-Institut befindet, steht auf dem Innovation Campus Lemgo und wurde im Rahmen einer public-private partnership von Privatinvestoren errichtet. Die dort angesiedelte Forschung hat den Schwerpunkt der IT-basierten Automation.
Förderung der Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Kultur Zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Kultur hat der Kreis Lippe 2001 die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe gegründet. Auf diesem Gebieten ist ebenfalls der Landesverband Lippe fördernd tätig.
Innovation Campus Lemgo Im Jahre 2016 wurde mit dem Innovation Campus Lemgo ein neues Großprojekt gestartet.Website Innovation Campus Lemgo
Verkehr Flugverkehr Der Flugplatz Oerlinghausen ist einer der größten Segelflugplätze weltweit. Im Nordosten der Stadt Detmold gibt es einen ehemaligen Militär-Flugplatz. Nahe Blomberg befindet sich der Flugplatz Blomberg-Borkhausen.
Schienenverkehr Der Kreis Lippe wird im Westen von den beiden Bahnstrecken Lager Bahn und Herford–Paderborn bedient, die sich in Lage kreuzen, und im Osten (Schieder, Lügde) von der S-Bahn Hannover erschlossen. Die Bedienung im Personennahverkehr erfolgt durch die Zugläufe RB 72 „Ostwestfalenbahn“ Paderborn–Detmold–Lage-Bad Salzuflen–Herford (täglich im Stundentakt) RE 82 „Der Leineweber“ (Altenbeken–) Detmold–Bielefeld (im Stundentakt, sonntags alle zwei Stunden), RB 73 „Der Lipperländer“ Lemgo–Lage-Oerlinghausen–Bielefeld (im Stundentakt), Linie 5 der S-Bahn Hannover (Hannover-Flughafen – Hannover – Hameln – Lügde – Schieder – Steinheim (Westf.) – Altenbeken – Paderborn).
Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der Eurobahn und auf der S-Bahnlinie 5 von der Transdev Hannover.
mini|Kreishaus in Detmold
Straßen Der Kreis Lippe wird im Nordwesten von der Bundesautobahn 2 Dortmund–Hannover zwischen Bielefeld und Herford gerade so geschnitten. Auf dem Kreisgebiet gibt es zwar keine Autobahnanschlussstelle, aber die Raststätte Lipperland Nord für den Verkehr in Fahrtrichtung Süden.
Auf Kreisgebiet verlaufen die B 1, die zwischen Hameln und Paderborn das Kreisgebiet über Barntrup, Blomberg und Horn-Bad-Meinberg quert, die B 66, die in Barntrup beginnend über Lemgo und Lage ins benachbarte Bielefeld führt, die B 238, die von Rinteln kommend durchs Kalletal über Lemgo nach Detmold verläuft,