mini| Dienstflagge der Seestreitkräfte(Flagge und Gösch der Kriegsschiffe) mini| Bundesdienstflagge(Flagge aller Bundesdienststellen und der Hilfsschiffe der Marine) mini| Bundesflagge(Flagge der Handelsschiffe)

Die Marine ist mit etwa Soldaten die drittgrößte der vier Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Neben der Bezeichnung MarineGemäß Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung aus dem Jahr 1956 (Presse- und Informationszentrum Marine). verwendet die Marine seit 1995 zur Abgrenzung zu ausländischen Seestreitkräften im internationalen Kontext die Selbstbezeichnung Deutsche Marine; vor 1995 wurde die Selbstbezeichnung Bundesmarine in Abgrenzung zur ostdeutschen Volksmarine genutzt. Der oberste truppendienstliche Vorgesetzte dieser Teilstreitkraft ist der Inspekteur der Marine.

Geschichte

Frühere deutsche Seestreitkräfte mini|Flagge der Reichsflotte, 1848–1852, laut Reichsgesetz vom 13. November 1848

Einzelne frühere deutsche Staaten besaßen eigene, im internationalen Maßstab meist kleine Seestreitkräfte. Beispiele waren die preußische, österreichische oder die schleswig-holsteinische Marine. Erste Schritte zum Aufbau gemeinsamer Seestreitkräfte waren die Reichsflotte (ab 1848) und die Marine des Norddeutschen Bundes (ab 1867). Nach der Reichsgründung entstand aus letzterer 1872 die Kaiserliche Marine. Die deutschen Seestreitkräfte wurden nach der Revolution, an der deutsche Matrosen aktiv beteiligt waren, als Reichsmarine (bis 1921 Vorläufige Reichsmarine) und im nationalsozialistischen Deutschland ab 1935 als Kriegsmarine bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Seestreitkräfte fast vollständig vernichtet. Die Deutsche Demokratische Republik begann ab 1952 mit dem Aufbau der Volkspolizei See, die 1956 in die Volksmarine (bis 1960 als Seestreitkräfte der NVA bezeichnet) überführt wurde. In der Bundesrepublik begannen etwa gleichzeitig erste Planungen für die Marine der Bundeswehr.

Bundesmarine

Die heutige Marine ist nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der Wiederbewaffnung Deutschlands als Teil der Bundeswehr neu aufgebaut worden. Sie grenzt sich von den Traditionen ehemaliger deutscher Seestreitkräfte ab.Siehe dazu auch: Jörg Duppler: Kontinuität und Diskontinuität im Selbstverständnis der Marine. In: Marineforum 4-1996, S. 2 ff. Bis 1995 war für sie auch die Eigenbezeichnung Bundesmarine üblich. Originär lautete die Bezeichnung einfach Marine ohne jegliche Zusätze. Während des Ost-West-Konflikts hatte sie die folgenden Hauptaufgaben, die sie gemeinsam mit den NATO-Verbündeten und vor allem mit der dänischen Marine zu erfüllen hatte: Sie sollte die Ostseezugänge gegen die Besetzung durch den Warschauer Pakt schützen und dadurch die in der Ostsee befindlichen Seestreitkräfte des Warschauer Pakts einschließen. In der Nordsee und im Nordatlantik sollte sie alliierte Verstärkungstransporte nach Europa schützen.

Neuorganisation nach der Wiedervereinigung Die deutsche Einheit im Jahr 1990 wurde im rechtlichen Sinne nicht durch die Vereinigung zweier Staaten, sondern durch den Beitritt der fünf neuen Länder sowie des wiedervereinigten Berlins zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Daher wurde Personal und in geringem Umfang das Material der aufgelösten Volksmarine in die Bundeswehr übernommen. Die Führung der Marine hat 1995 trotz der institutionellen Kontinuität entschieden, die bisherige gebräuchliche Bezeichnung Bundesmarine nicht mehr zu verwenden, sondern fortan den Begriff Marine oder in Abgrenzung zu ausländischen Marinen im internationalen Kontext den Begriff Deutsche Marine zu verwenden.

Nach 1990 hatte die Marine zunächst ihre bisherige Struktur im Wesentlichen beibehalten, war jedoch, wie die gesamte Bundeswehr, schrittweise verkleinert worden. Die Regelungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages erlaubten es bis Ende 1994 nicht, der NATO zuzuordnende Streitkräfte auf dem Territorium der vormaligen DDR zu stationieren. Deshalb wurden die Teile der ehemaligen Volksmarine, die zunächst noch weiterhin in Dienst gehalten werden sollten, in einem eigenen Marinekommando Rostock zusammengefasst, das zunächst dem Bundeswehrkommando Ost in Strausberg unterstand.

Ab 1995 konnte eine einheitliche Marinestruktur geschaffen und die im Beitrittsgebiet stationierten Kräfte der NATO assigniert (etwa: ‚als verfügbar angezeigt‘) werden. Das Marinekommando Ost wurde aufgelöst, stattdessen wurden einige neue Dienststellen im Beitrittsgebiet aufgestellt (Marineabschnittskommando Ost, Marinetechnikschule), andere wurden von Westen dorthin verlagert (Schnellbootflottille, Marineamt).

Erst mit der 2000 von Verteidigungsminister Rudolf Scharping eingeleiteten Bundeswehrreform begann sich die Organisation der Marine grundsätzlich zu verändern. Inzwischen ist an die Stelle der bisher üblichen stufenweisen Bundeswehrreformen eine kontinuierliche Transformation der Bundeswehr getreten, in die die Marine eingebunden ist.

Die Anzahl kleinerer, vor 1990 speziell für die Ostseekriegführung vorgesehener Schiffe und Boote wird weiter reduziert. Dafür wird eine kleinere Zahl größerer Fahrzeuge verschiedener Typen beschafft. Gleichzeitig wird die Anzahl der Marinesoldaten auf etwa 25.000 verringert. Im Verhältnis zu den anderen Teilstreitkräften ist der Anteil der Marinesoldaten in der Bundeswehr dagegen gewachsen von etwa 7,7 % vor 1990 auf künftig etwa 10 %.

Um die Erfahrungen und Vorstellungen für küstennahe Operationen besser in die NATO einbringen und gemeinsam weiterentwickeln zu können, wurde ab 2007 das Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters bei der Einsatzflottille 1 in Kiel aufgebaut und 2009 durch die NATO offiziell akkreditiert.

mini|hochkant=1.8|Gliederung der Deutschen Marine bis 2012

An der Spitze der Marine stand der Inspekteur der Marine im Bundesministerium der Verteidigung. Als truppendienstlicher Vorgesetzter seiner Teilstreitkraft unterstand er direkt dem Bundesminister der Verteidigung. Der Inspekteur wurde unterstützt durch den Führungsstab der Marine, eine Abteilung des Ministeriums in Bonn. Die Teilstreitkraft Marine bestand aus zwei Kommandobereichen, der Flotte und dem Marineamt.

Wie vor 1990 bleibt die Marine in die NATO-Kommandostruktur eingebunden, die sich ihrerseits den Veränderungen nach Ende des Ost-West-Konflikts angepasst hat. Schiffe und Boote beteiligen sich an den ständigen Einsatzverbänden der NATO, die im Wechsel mit anderen Nationen auch von deutschen Marineoffizieren geführt werden.

Neuausrichtung der Bundeswehr Die Neuausrichtung der Bundeswehr, die im Jahr 2010 eingeleitet wurde, führt zu grundlegenden Veränderungen in der Marine. Deutlich wird dies insbesondere in der völligen Umstrukturierung der Führungsorganisation mit Wegfall des Führungsstabs der Marine im Bundesministerium der Verteidigung. Zum 1. Oktober 2012 wurden der Führungsstab der Marine, das Flottenkommando und das Marineamt aufgelöst. Zum gleichen Zeitpunkt wurde das Marinekommando neu aufgestellt. Der offizielle Aufstellungsappell fand am 9. Oktober 2012 in Rostock statt.

Am 27. September 2016 wurde in Kiel das 5. Minensuchgeschwader außer Dienst und das Unterstützungsgeschwader in Dienst gestellt. Am 16. November 2016 wurde in Warnemünde das letzte Schnellbootgeschwader außer Dienst gestellt.Ein ganzes Waffensystem außer Dienst gestellt – Die Ära der Schnellboote ist zu Ende. PIZ Marine 17. November 2016, abgerufen am 18. November 2016. (offline) T-Online Regionales am 16. November 2016, abgerufen am 16. November 2016.

Neuer Aufwuchs der Marine seit 2022

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurden im Rahmen der sogenannten Zeitenwende zusätzliche Mittel für die Marine und die Bundeswehr insgesamt bereitgestellt. Die Marine veröffentlichte ihre Absichten in dem Dokument Kurs 2035+.Kurs Marine 2035+, abgerufen am 12. April 2026 Im Frühjahr 2025 wurde es durch das Dokument Kurs Marine aktualisiert.Kurs Marine, abgerufen am 12. April 2026 Der Aufwuchs betrifft Personal, Material und Infrastruktur.

Personal und Reserve Als Teil des personellen Aufwuchses hat die Marine 2023 mit der Aufstellung von Reserveeinsatzkompanien See in den Stützpunkten Wilhelmshaven, Kiel und Eckernförde begonnen. Sie haben den Auftrag, Liegenschaften der Marine gegen Angriffe von See, von Land und aus der Luft zu schützen.Objektschutzübung mit der Reserveeinsatzkompanie See Eckernförde, abgerufen am 12. April 2026 Seit Oktober 2025 werden sie durch Schutz- und Ausbildungskompanien ergänzt, zu deren Aufgaben unter anderem die militärische Grundausbildung gehört.Staatssekretär Hartmann besucht Grundausbildung in Wilhelmshaven, abgerufen am 11. April 2026

Material → Rüstungsvorhaben

Mit dem Aufwuchs gehen erhebliche Beschaffungsvorhaben einher.Zwischen Abschreckung und Zukunftsfähigkeit: Kurs Marine 2025, abgerufen am 12. April 2026 Gemäß ihren Grundsatzdokumenten kommt es der Marine insbesondere auf schnelle Beschaffungen an. Dazu gehören der Kauf der Seeschlepper Rügen und BorkumMarine soll gebrauchte Hochseeschlepper erhalten, abgerufen am 12. April 2026 ebenso wie die Beschaffung der MALE-Drohne SeaGuardian Marine – Aufklärungsdrohnen für die Sicherheit, abgerufen am 12. April 2026 und des UUV Blue Whale.Marine übernimmt BlueWhale, abgerufen am 12. April 2026 Hinzu kommen die Überlegungen, parallel zu dem verzögerten Projekt Fregatte 126 unter der Bezeichnung Fregatte 128 einige schnell verfügbare MEKO-Fregatten zu beschaffen.Fregattenplanung in Deutschland – Startschuss gefallen, abgerufen am 12. April 2026

Infrastruktur und Stationierung Mit dem Aufwuchs geht ein größerer Bedarf an Infrastruktur einher. Gegenwärtig prüft die Marine den Aufbau eines zweiten Stützpunkts an der Nordseeküste. Sie hat zusätzlichen Bedarf an sieben Fregatten-Liegeplätzen von je 220 m Länge und 10 Liegeplätzen für Minensuchboote von 80 m Länge identifiziert. Hinzu kommen Liegeplätze für 10 Schlepper von jeweils 40 m. Hier sind Bremerhaven und Emden im Gespräch.Klaus Mündelein; Bremerhaven bewirbt sich für einen Marinehafen; in: Wilhelmshavener Zeitung vom 9. April 2026, S. 9

Für die Marineflieger wird ebenfalls eine zweite Basis gesucht. Es wird geprüft, den Flughafen Schwerin-Parchim zu übernehmen.

Bei den Landeinheiten ist beabsichtigt, das Seebataillon von Eckernförde nach Kiel zu verlegen, wo es im Bereich der ehemaligen Liegenschaft des Marinefliegergeschwader 5 neben dem Flugplatz Kiel-Holtenau stationiert werden soll.Seebataillon soll neue Liegenschaft in Kiel erhalten, abgerufen am 11. April 2026

Auftrag Die Marine leistet einen Beitrag zu deren Aufgaben, wie sie in den jeweilig gültigen Verteidigungspolitische Richtlinien des Bundesministers der Verteidigung festgelegt sind:

Nach 1990 haben sich die Aufgaben der Bundeswehr von der Landesverteidigung im „Kalten Krieg“ hin zu Einsätzen der internationalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung außerhalb Deutschlands verlagert („Armee Im Einsatz“).

Der Inspekteur der Marine legt in seinen jährlichen Weisungen fest, wie diese Aufträge in der Marine umgesetzt werden.

Danach soll die Marine im Rahmen von Auslandseinsätzen mit Schwerpunkt an streitkräftegemeinsamen Operationen teilnehmen. Sie soll entsprechend dem Konzept „Basis See“ des Deutschen Maritimen Instituts, abgerufen am 12. März 2021. mit ihren Mitteln von See aus andere Streitkräfte unterstützen, so dass die Hohe See als Basis für militärische Operationen genutzt werden kann.Wolfgang Nolting: In: Europäische Sicherheit online So können zum Beispiel die Luftverteidigungsfregatten der Sachsen-Klasse in Küstennähe eingesetzte Landverbände gegen Luftangriffe schützen.

Außerdem soll die Marine im Rahmen der Aufgabe „Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger“ die Seewege gegen asymmetrische Bedrohungen schützen und so zur Sicherheit des deutschen Seehandels beitragen.

Als Beitrag zu der Aufgabe „Heimatschutz“ beteiligt sich die Marine am ständigen SAR-Dienst im deutschen Küstenbereich.