Die englische Grammatik beschreibt die Struktur von Wörtern, Phrasen und Sätzen des heutigen Standardenglisch. Abweichungen von der hier beschriebenen Grammatik kommen in einigen historischen, sozialen und regionalen Varietäten des Englischen vor, die jedoch geringer sind als Unterschiede in Aussprache und Wortschatz.

Das moderne Englisch hat das noch im Altenglischen vorhandene flektierende Kasussystem überwiegend aufgegeben, wie auch das Genus bei Substantiven. Im Gegensatz zu den übrigen Westgermanischen Sprachen hat das moderne Englisch eine Grundwortstellung Subjekt-Verb-Objekt. Auch die Flexion der Verben wurde stark reduziert. Im Englischen werden üblicherweise acht Wortarten (parts of speech) unterschieden: Substantive, Determinatoren, Pronomen, Verben, Adjektive, Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen.

Satzbau Im Englischen folgt der Satzbau (Wortstellung) der SPO-Regel: Subjekt – Prädikat (Verb) – Objekt; anders als das Deutsche oder die übrigen westgermanischen Sprachen ist das Englische also keine „Verbzweit“-Sprache.

Why was she able to fly into space? [Wörtlich: Warum war sie fähig zu fliegen ins Weltall?] Because she was dreaming. [Wörtlich: Weil sie war träumend.]

Orts- und Zeitangaben, die im Deutschen gerne zwischen Verb und Objekt eingeschoben werden, stehen im Englischen am Satzanfang oder hinter dem Objekt am Satzende. Treffen Orts- und Zeitangabe am Ende eines Satzes aufeinander, so steht im Englischen im Gegensatz zum Deutschen die Orts- vor der Zeitangabe (Regel: Place before time). Befinden sich am Satzende mehrere Orts- und Zeitangaben, so wird stets die Reihenfolge „vom Genaueren zum Ungenaueren“ eingehalten.

He lives in a tiny village near the border of Denmark. [Wörtlich: Er wohnt in einem kleinen Dorf nahe der Grenze von Dänemark.]

Angaben der Art und Weise, also „Wie?“ etwas ist, stehen in der Regel am Satzende vor den Orts- und Zeitangaben, die Reihenfolge lautet also „Wie? – Wo? – Wann?“.

He was alone at home last night. [Wörtlich: Er war allein zu Hause letzte Nacht = gestern Abend]

Angaben zur Häufigkeit (Wie oft?) findet man dagegen nicht am Satzende, hier richtet sich die Satzstellung nach der Anzahl der Wörter, aus denen das Prädikat des Satzes gebildet wird. Besteht das Prädikat nur aus einem Wort, so wird die Häufigkeitsangabe zwischen Subjekt und Prädikat eingeschoben.

I never drink alcohol! [Wörtlich: Ich nie trinke Alkohol]

Besteht das Prädikat aus zwei oder mehr Wörtern, so findet man die Häufigkeitsangabe dagegen nach dem ersten Wort des Prädikats.

I will always love you! [Wörtlich: Ich werde immer lieben dich!]

Bestimmte Häufigkeitsangaben, welche auch als Häufigkeitsadverbien bezeichnet werden, können allerdings auch am Anfang des Satzes stehen. Diese beziehen sich auf den gesamten Satz und werden an den Anfang gesetzt, um ihnen stärkere Betonung zu verleihen. Die Häufigkeitsadverbien der englischen Sprache sind: often, usually, sometimes und occasionally Sometimes I feel like a motherless child. [Wörtlich: Manchmal ich fühle(mich) wie ein mutterloses Kind]

Gibt es zwei verschiedene Objekte – indirektes (analog zum deutschen Dativ) und direktes (analog zum Akkusativ) Objekt () – so wird aus der SPO-Regel die SPiOdO-Regel: I gave you the book. [Wörtlich: Ich gab dir das Buch] Eine sinnerhaltende Umstellung der Objekte ist nur mithilfe einer Präposition möglich: I gave the book to you. [Wörtlich: Ich gab das Buch zu dir]

Der Grund für die – im Vergleich zum Deutschen – strenge Stellungsregel liegt darin, dass im Englischen der Kasus meistens nicht an der deklinierten Form des Nomen abgelesen werden kann. Zum Beispiel heißt „you“ sowohl „du“ (Nominativ) als auch „dir“ (Dativ) und „dich“ (Akkusativ).

Siehe auch Einzelthemen zur englischen Syntax Topikalisierung#Topikalisierung im Englischen Preposition Stranding#Preposition Stranding in der englischen Sprache Inversion (Sprache)#Inversion im Englischen V2-Stellung#Abgrenzung vom Wortstellungsmuster SVO V2-Stellung#V2-Stellung im Vergleich mit „Inversion“ im Englischen

Wortarten Substantive (nouns, substantives)

Übersicht der Deklination englischer Substantive Subjektiv/Objektiv Singular Subjektiv/Objektiv Plural Genitiv Singular Genitiv Plural regelmäßig car cars car’s cars’ CD CDs CD’s CDs’ Ausgang mit s-Laut suffix suffixes suffix’ suffixes’ Ausgang mit y nach Konsonant nach Vokal family families family’s families’ boy boys boy’s boys’ Ausgang mit o nach Konsonant nach Vokal hero heroes hero’s heroes’ zoo zoos zoo’s zoos’ Ausgang mit f-Laut wolf wolves wolf’s wolves’ wife wives wife’s wives’ unregelmäßige Mehrzahl -man -men -man’s -men’s child children child’s children’s

Plural Englisch bildet den Plural in den meisten Fällen mit dem Suffix -s (ohne Apostroph). Dieses wird nach stimmlosen Konsonanten (tulips []), nach stimmhaften Konsonanten und Vokalen (orchids []), und [] nach den Zischlauten , , , , , und (roses []/[]) ausgesprochen. Eine kleine Anzahl von germanischen Wörtern bilden ihren Plural mit dem Suffix -en (ox – oxen). Andere zeigen Ablaut an (man – men; foot – feet; goose – geese; tooth – teeth; mouse – mice, woman – women) oder haben keine spezielle Pluralform (sheep; fish; deer; cattle; moose). Fremdwörter behalten teilweise ihre ursprüngliche Pluralform bei.

Genitiv Die englische Sprache verwendet einen Possessiv- bzw. attributiven Genitiv (engl. possessive), dessen Attribut in der Regel direkt vor dem Bezugswort steht. Englisch bildet den Genitiv mit dem Apostroph und s-Laut -’s (Genitiv-s), z. B. Janie’s restaurant ‚Janies Restaurant‘, the Lord’s prayer ‚Vaterunser‘, wörtlich ‚das Gebet des Herrn‘, the river’s course ‚der Lauf des Flusses‘ usw. Im Plural wird nur ein Apostroph hinter das Plural-s angefügt, z. B. the Clarks’ house ‚das Haus der Familie Clark‘. Wird die Pluralform unregelmäßig gebildet, so wird, wie im Singular, ein -’s angehängt, z. B. Children’s toys should be checked properly – „Kinderspielzeug sollte sorgfältig geprüft werden“.

Die Genitivform wird zuweilen im Englischen als bezeichnet, aber es handelt sich dabei um ein Enklitikon. Andere Funktionen des Genitivs werden mit der Präposition of (dt. von) erfüllt oder gemeinsam genutzt, z. B. the Marquis of Carabas ‚der Graf von Carabas‘ und ace of spades ‚Pik-Ass‘, aber true love’s kiss ‚der Kuss der wahren Liebe‘ neben kiss of true love.

Genera Nomen haben im modernen Englisch kein grammatisches Geschlecht (Genus). Im Altenglischen gab es hingegen die drei auch im Deutschen üblichen Genera. Diese gerieten während der mittelenglischen Sprachperiode außer Gebrauch.

Das natürliche Geschlecht spielt hingegen bei der Verwendung von Personalpronomen gelegentlich eine Rolle. So wird etwa das weibliche Personalpronomen "she" den Begriffen woman, girl, aunt, stewardess und wife zugeordnet. Als weiblich werden ebenfalls Schiffe (selten: Flugzeuge), Kirchen, Inseln und Staaten angesprochen.

Artikel Wie im Deutschen benutzt man im Englischen die Artikel, um Bestimmtheit zu markieren. Der, die, das usw. sind äquivalent zu dem englischen the (vor Konsonanten: []; vor Vokalen: []) und ein, eine usw. zu dem englischen a (vor gesprochenen Konsonanten) oder an (vor gesprochenen Vokalen). Es heißt also:

A uniform, a university, a UFO, a European (alle mit anlautendem Halbvokal [j]), aber an uncle, an understatement (mit anlautendem Vokal [ʌ]). A horse, a house, a home, aber an hour, an honour (stummes h).

Anders als im Deutschen wird der Artikel nicht dekliniert. Daher kann die SPiOdO-Regel (s. o.) nur mithilfe von Präpositionen umgangen werden.

Beispiele:

Der Mann wirft den Ball dem Hund zu. (Subjekt-Akkusativobjekt-Dativobjekt) Der Mann wirft dem Hund den Ball zu. (Subjekt-Dativobjekt-Akkusativobjekt) Dem Hund wirft der Mann den Ball zu. (Dativobjekt-Subjekt-Akkusativobjekt) Den Ball wirft der Mann dem Hund zu. (Akkusativobjekt-Subjekt-Dativobjekt) (Deutsch: dem macht Dativ erkennbar, den Akkusativ, der Nominativ)

The man throws the dog the ball. (indirektes Objekt zuerst) The man throws the ball to the dog. (Präposition to vor dem indirekten Objekt)

Wegen des Regens wurde das Spiel abgesagt. (des weist Genitiv aus) Because of the rain, the game was cancelled. (Präposition of stellt klar, dass the rain nicht den Anfang eines Nebensatzes darstellt)

Pronomina Person 1. Singular 2. Singular 3. Singular 1. Plural 2. Plural 3. Plural Fragewörter Subjekt (Nominativ) I you (thou)Das Frühneuenglische unterschied zwischen der 2. Person Singular und der 2. Person Plural. Thou (mit den flektierten Verbformen art, hast, lovest etc.) entsprach dem deutschen ‚du‘ und ye/you dem ‚ihr/euch‘; als Höflichkeitsform wurde ye/you wie deutsches Sie verwendet. Man kann dies in einem Durchgang von Shakespeares Hamlet sehen:

Königin: Hamlet, thou hast thy father much offended. „Hamlet, du hast deinen Vater sehr verletzt.“ Hamlet: Mother, you have my father much offended. „Mutter, Ihr habt meinen Vater sehr verletzt.“

Im Neuenglischen sind alle diese Funktionen der 2. Person als you zusammengefallen. Heute liest man thou nur noch in historischen Texten, so in der King-James-Übersetzung der Bibel, z. B. „Our father who art in heaven, hallowed be thy name …“. he, she, it we youIm Süden der USA sagen einige y’all, um Gruppen anzusprechen. Dies ist eine Kontraktion von you und all. Wegen des politischen Einflusses des Südens und des popkulturellen Einflusses der Afroamerikaner ist y’all in Amerika populärer geworden, aber sein Gebrauch beschränkt sich auf die Umgangssprache. Andernorts ist es ungebräuchlich; man sagt stattdessen you guys (in den meisten der US) oder you lot (in Großbritannien). (ye) they who Objektiv me you (thee) him, her, it us you them whom (whoWhom ist schriftsprachlich und, insbesondere in der gesprochenen Sprache, gehoben. Whom gilt heute manchmal als veraltet.) attributives Possessivpronomen my your (thy) yours (thine) "Thine" steht vor einem Vokal. Wie in "Thine apple is good". Niemals "Thy apple is good". his, her, its our your their whose Reflexivpronomen myself yourself (thyself (auch: theeself)) himself, herself, itself ourselves(Pluralis Majestatis: ourself) yourselves themselves

nicht-attributives Possessivpronomen mine yours (thine) his, hers, its ours yours theirs

Verben (verbs) Die neuzeitliche englische Sprache hat in den letzten Jahrhunderten nahezu alle Flexionsformen aufgegeben, sie zeigt also einen analytischen Sprachaufbau, im Unterschied etwa zum Latein und den sich daraus ableitenden romanischen Sprachen, die einen flektierenden bzw. synthetischen Sprachbau aufweisen.Dee L. Eldredge: Teaching spanish, my way. Xlibris LLC, 2014, ISBN 978-1-4931-2657-6, S. 69. Dazu ein Vergleich der Konjugation des Verbs „make“ in der mittelenglischen, frühneuenglischen und modernen Form: Mittelenglisch Frühneuenglisch Neuenglisch ich make I make I make þu makest thou makst you make he/she/it makeþ he/she/it maketh he/she/it makes we maken we make we make ȝe maken ye make you make þey maken they make they make

Verlaufsform (progressive form) Das Englische kennt zu jeder Zeit eine Verlaufsform, die jeweils benutzt wird, wenn das Geschilderte im erzählten Moment der Gegenwart/Vergangenheit/Zukunft gerade passiert. Diese Verlaufsformen finden in der deutschen Sprache keine direkte Entsprechung, sondern werden schlicht über das Hinzuziehen lexikalischer oder phrasaler Marker abgebildet (jetzt gerade, in diesem Moment). Umgangssprachlich sind, vor allem im Westen Deutschlands, jedoch Tendenzen zu einer Konstruktion aus der Präposition an + Dativ + substantiviertes Verb klar erkennbar: „I was driving“ = „Ich war am Fahren“ (vgl. Rheinische Verlaufsform). Analog hierzu findet sich im Berlinischen die Form „zu“ + Infinitiv, etwa „Ich habe einen Fernseher in der Wohnung zu stehen“.

Unregelmäßige Verben (irregular verbs)