mini|Schematische Darstellung der Milz und einiger ihrer Nachbarorgane Die Milz (, Maskulinum, ) ist ein in den Blutkreislauf eingeschaltetes Organ des lymphatischen Systems bei Wirbeltieren. Die sich mit dem Organ beschäftigende Wissenschaft wird nach dem griechischen Fachbegriff als Splenologie bezeichnet. Die Milz ist im Regelfall nur einseitig vorhanden und liegt in der Bauchhöhle in der Nähe des Magens. Sie ist beim Menschen etwa 11 cm lang und 150 g schwer. Gelegentlich treten beim Menschen und auch bei anderen Säugetieren zusätzliche Milzen auf, die als Nebenmilzen bezeichnet werden. Die Milz ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben und das Milzgewebe wird in zwei Gruppen gegliedert, die als weiße und rote Milzpulpa bezeichnet werden. Die weiße Pulpa dient der Vermehrung der zu den weißen Blutkörperchen gehörenden Lymphozyten und spielt daher eine Rolle bei der Abwehr körperfremder Stoffe (Antigene). Die rote Pulpa dient dagegen der Aussonderung von Fremdpartikeln und überalterter und geschädigter roter Blutkörperchen sowie der Speicherung der Blutplättchen. Bei einigen Säugetieren wie Pferden und Hunden ist die Milz auch ein bedeutender Blutspeicher. Während die Milz bei niederen Wirbeltieren noch das wichtigste Organ der Blutbildung ist, geht diese Funktion bei vielen Säugetieren nach der Geburt verloren und das Organ spielt nur in der späten Fetalentwicklung eine Rolle bei der Bildung roter Blutkörperchen.

Beim menschlichen Embryo entsteht die Milz ab der fünften Schwangerschaftswoche aus dem embryonalen Bindegewebe (Mesenchym). Dabei können verschiedene Störungen wie die Bildung vieler Milzen, eine Wandermilz oder Verschmelzungen mit anderen Organen auftreten, die aber meist ohne gesundheitliche Folgen sind. Das vollständige Fehlen der Milz (Asplenie) verursacht dagegen eine lebensbedrohliche Abwehrschwäche vor allem gegenüber bekapselten Bakterien. Zur Untersuchung der Milz werden vor allem bildgebende Verfahren wie Sonografie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Die Milz ist als zentrales Abwehrorgan bei vielen Allgemeinerkrankungen betroffen. Sowohl bei Infektions- als auch bei Autoimmun- und Tumorerkrankungen kann es zu Milzveränderungen kommen, die sich meist als Milzvergrößerung (Splenomegalie) zeigen. Milzrisse werden vor allem durch Verkehrsunfälle verursacht und können zum Verbluten führen. Die meisten Milzveränderungen werden chirurgisch behandelt.

Die ersten genaueren Beschreibungen der Milz stammen von den Ärzten der griechischen Antike. Die Vorstellungen von Hippokrates und Galen von der Milz als dem Bildungsort der „schwarzen Galle“ und der Melancholie strahlten bis in das 19. Jahrhundert aus. Das englische Wort für Milz () hatte im Frühneuenglischen viele übertragene Bedeutungen und wurde von William Shakespeare vor allem im Sinne von Melancholie und wunderlichem Verhalten verwendet. Dies wurde in einige weitere europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen wandelte sich die Bedeutung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und „Spleen“ steht seitdem eher für eine leichte Marotte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler, die eigentliche Funktion des Organs zu verstehen.

Milz des Menschen Anatomie mini|Eingeweidefläche einer menschlichen Milz Die Milz ist beim Menschen ein etwa 4 cm dickes, 7 cm breites und 11 cm langes („Siebenundvierzig-Elf-Regel“), nur einseitig vorhandenes (unpaares), purpurfarbenes und im Mittel 150 g schweres Organ. Es liegt innerhalb des von Bauchfell umschlossenen Bauchraums (intraperitoneal) im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells, hinter dem Magen, oberhalb der linken Niere und in Nachbarschaft zum Schwanz der Bauchspeicheldrüse und der linken Grimmdarmbiegung (, auch Milzflexur, , genannt). Bei athletischen großen Männern kann eine gesunde Milz bis 14 cm lang sein, bei Neugeborenen ist sie knapp 5 cm lang. Ab dem 40. Lebensjahr nehmen Größe und Masse etwas ab, nach anderer Auffassung gibt es keine Größenabnahme im Alter. Die Milzform erinnert an eine Kaffeebohne, ihre Längsachse liegt entlang der zehnten Rippe.

Die Milz hat einen vorderen ( und einen hinteren Pol () sowie eine konkave Eingeweide- () und eine konvexe Zwerchfellfläche (). Getrennt werden diese Flächen durch den unteren stumpfen Rand () und den oberen, scharfen und häufig gekerbten Rand (). An der Eingeweidefläche unterscheidet man drei Kontaktflächen zu den Nachbarorganen: Nieren- (), Magen- () und Colonfläche (). Zudem liegt hier die Milzpforte () – eine meist V-förmige Struktur, durch die die milzeigenen Gefäße und Nerven ziehen.

Die Milz wird durch vier Bauchfellbindungen befestigt. Vom Hilum ziehen das Magen-Milz-Band () zum Magen und das Milz-Nieren-Band () zur linken Niere. Vom vorderen Pol der Milz zieht das Colon-Milz-Band () zur Milzbiegung des Grimmdarms. Darüber hinaus stabilisiert das horizontal verlaufende Zwerchfell-Colon-Band (), dem der untere Milzpol aufsitzt, die Lage der Milz.

Die Milz wird, außer im Bereich des Hilum, von einer elastisch-bindegewebigen und von Bauchfell () bedeckten Kapsel () umgeben, von der ein bälkchenartiges (trabekuläres) Bindegewebsgerüst () und einige glatte Muskelzellen in das funktionelle Organgewebe (Parenchym) einstrahlen. Das Parenchym wird wegen der breiigen Konsistenz als Milzpulpa (, von ) bezeichnet.

Die Blutversorgung erfolgt über die Milzarterie (), die aus dem hervorgeht. Sie tritt an der Milzpforte in das Organ ein und verzweigt sich in Trabekel- und Balkenarterien, aus denen die im Zentrum der Milzfollikel (siehe unten) verlaufenden Zentralarterien hervorgehen. Der Blutabfluss erfolgt über die Milzvene () zur Pfortader (). Der Lymphabfluss wird über die Milzlymphknoten geleitet. Die Innervation der Milz wird über noradrenerge sympathische Nervenfasern aus dem Ganglion coeliacum realisiert. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren wie Nagetieren oder Schweinen ist die Innervation beim Menschen vorwiegend auf die arteriellen Gefäße beschränkt, wo sie über eine Gefäßverengung (Vasokonstriktion) die Durchblutung des Organs herabsetzt.

mini|Nebenmilz (14 mm) nahe der Milzpforte im Ultraschallbild Neben der eigentlichen Milz kommen bei etwa 10 % der Individuen eine oder mehrere Nebenmilzen (, Einzahl ) vor. Dabei handelt es sich um kugelige Organe mit einem Durchmesser von etwas mehr als 1 cm (bis maximal 4 cm), die in Feinbau und Funktion der Milz entsprechen. Sie befinden sich meistens in der Nähe der Milzpforte, am Schwanz der Bauchspeicheldrüse, im Magen-Milz-Band oder im großen Netz.

Feinbau mini|hochkant=0.6|Feinaufbau der Milz:(1) Sekundärer Lymph­follikel (weiße Pulpa)(2) Zentralarterie(3) Periarterielle Lymph­scheide(4) rote Pulpa Das Parenchym der Milz wird morphologisch und funktionell in die rote () und die weiße Pulpa () untergliedert, wobei die weiße beim Menschen einen geringeren Anteil am Organ als die rote hat, nämlich nur etwa 25 %.

Weiße Pulpa Die in den Trabekeln verlaufenden Äste der Milzarterien ziehen als Zentralarterien in das dichtmaschige Retikulum der weißen Pulpa. Hier werden sie hülsenartig von Ansammlungen von T-Lymphozyten umgeben, die als periarterielle lymphatische Scheiden (PALS) bezeichnet werden, sowie von einem kugeligen Milzknötchen (Milzfollikel, Malpighi-Körperchen). Die Milzknötchen sind die B-Zell-Gebiete und nehmen beim Menschen den Hauptteil der weißen Pulpa ein. Für die Ausbildung dieser Strukturen spielen spezifische Retikulumzellen eine große Rolle.

Die PALS sind beim Menschen auf die größeren, trabekelnahen Arterienabschnitte beschränkt. Neben T-Lymphozyten beherbergen sie dendritische Zellen.

Milzfollikel sind Lymphfollikel und im nichtreaktiven Zustand 300 bis 500 μm groß. Sie haben nach Antigenkontakt, also erst nach der Geburt, ein Keimzentrum, welches von einer Mantelzone aus vielen kleinen B-Lymphozyten, einigen Plasmazellen, im Randbereich von CD4+-positiven T-Zellen und an der Oberfläche von dendritischen Zellen umgeben ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren hat der Mensch an der Grenze zur roten Pulpa keine echte Randzone (Marginalzone), sondern nur eine dünne Lage aus B-Lymphozyten, die eher als superfizielle (oberflächliche) Zone zu bezeichnen ist.

Nach der Passage durch ein Milzknötchen verzweigt sich die Zentralarterie pinselartig in zwei bis drei Kapillaren und wird daher als Pinselarteriole bezeichnet. Die Pinselarteriolen setzen sich in die Hülsenkapillaren der roten Milzpulpa fort. Um die PALS und Lymphfollikel gibt es ein dichtes Kapillarnetz, welches hauptsächlich von den kleinen Gefäßen der roten Pulpa gespeist wird.

Rote Pulpa Der Raum zwischen den Knötchen ist von einem weitmaschigen Netzwerk (Retikulum) ausgefüllt, das von Blut durchströmt und daher als rote Pulpa bezeichnet wird. Die extrazelluläre Matrix der roten Milzpulpa formen retikuläre Fasern, die von Fibroblasten gebildet werden. Das Retikulum ist nicht nur das mechanische Grundgerüst, sondern die Retikulumzellen sind an vielen Funktionen der roten Pulpa beteiligt.

Die größeren Arteriolen verzweigen sich meist dichotom, selten buschartig (Pinselarteriolen) und werden von B- und T-Lymphozyten umgeben, was aber nicht den PALS oder Milzfollikeln entspricht. Die von ihnen ausgehenden Kapillaren sind mehrheitlich von einer Schicht phagozytierender Zellen (Makrophagen, Retikulumzellen) und argyrophilen Fasern umgeben (Schweigger-Seidel-Hülse), die daher als Hülsenkapillaren bezeichnet werden, nur wenige Kapillaren sind unbescheidet. Die Kapillarhülsen bestehen aus drei, sich teilweise überlappenden Zelllagen. Die Innenschicht besteht aus CD271++ kubischen Stromazellen. Sie werden von einer spezifischen Population von Makrophagen (CD68+ und CD163−) umgeben, die teilweise in die Stromaschicht vordringen, außen liegen B-Zellen. Die Funktion der Kapillarhülsen ist nicht bekannt, sie entsprechen vermutlich den Ellipsoiden (heute eher als periarterielle Makrophagenscheiden (PAMS) bezeichnet) der roten Milzpulpa der meisten anderen Säugetiere.

Den Großteil der roten Pulpa bildet ein spezifisches Bindegewebe, die Milzstränge (Billroth-Stränge). Im Gegensatz zum übrigen Blutgefäßsystem, in dem es eine Kontinuität des Endothels zwischen arteriellen und venösen Gefäßabschnitt gibt, münden nach Untersuchungen aus dem Jahr 2022 vermutlich alle Kapillaren trichterartig in die Milzstränge und gehen nicht direkt in einen venösen Kapillarschenkel über (offener Kreislauf). Dies steht im Widerspruch zur bislang vorherrschenden Meinung, dass ein Teil der arteriellen Kapillaren direkt in venöse übergeht, das Gefäßsystem der menschlichen Milz also sowohl offene als auch geschlossene Anteile hat. Die Fibroblasten und Fasern haben in den Milzsträngen direkten Kontakt zum Blut. Welcher Mechanismus hier eine Blutgerinnungsreaktion wie sonst außerhalb von Gefäßen verhindert, ist nicht bekannt.

Die Milzstränge umgeben ein als Blutsinus bezeichnetes Spaltensystem, welches von einem Endothel ausgekleidet ist. Dieses hat funktionelle Öffnungen, durch die rote Blutkörperchen zurück in das Gefäßsystem wandern können. Von den Blutsinus gehen Venolen aus, die sich zu immer größeren Venen vereinen und schließlich als Milzvene die Milzpforte verlassen. Um die Blutsinus liegen retikuläre Fasern. Diese verlaufen quer zur Längsachse der Sinus und umgreifen diese. Sie werden daher auch als Ringfasern bezeichnet. Die Ringfasern verbinden die Sinus mit den Milzsträngen und halten sie offen. An der Wand der Pulpastränge sitzen zahlreiche große Makrophagen, die sich frei zwischen Endothel und Lumen bewegen können. Um die Milzknötchen in der roten Pulpa sammeln sich vermehrt rote Blutkörperchen sowie Granulo- und Monozyten an, dieser Bereich wird als perifollikuläre Zone bezeichnet.

Ontogenese