mini|hochkant=1.3|Oppenweher Moor mit blühendem Wollgras in der Diepholzer Moorniederung mini|hochkant=1.3|Die Bullenkuhle in Niedersachsen, ein in einem Erdfall entstandenes kleines Kesselmoor mini|hochkant=1.3|Luftbild des Store Mosse, einer der größten Hochmoorkomplexe Südschwedens mini|hochkant=1.3|Aapa- oder Strangmoor in Finnisch-Lappland mini|Niedersächsische Bodenstation: Moorprofil im Kayhauser Moor (Bad Zwischenahn)

Moore sind dauernd nasse Feuchtgebiete mit einer charakteristischen Boden-Vegetation – vor allem Moose, insbesondere Torfmoose, sowie Sauergräser und häufig verschiedene Zwergsträucher –, die aufgrund unvollständiger Zersetzung oft saure, überwiegend nährstoffarme Torfböden von mindestens 30 cm Mächtigkeit bilden. Die Besiedlung mit Bäumen hängt vom Grundwasserspiegel, dem Entwicklungsstand eines Moores und der Ökoregion ab, sodass es neben den typischen offenen Moorflächen auch bewaldete Moore gibt. Moore entstehen, wenn der Pflanzenzuwachs größer ist als der Abbau abgestorbener Phytomasse bei gleichzeitigem Luftabschluss im Boden durch anhaltende Feuchtigkeit.Ernst Brunotte, Hans Gebhardt, Manfred Meurer, Peter Meusburger, Josef Nipper: Lexikon der Geographie. Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0416-9, Online-Ausgabe, Stichwort: Moore.

In der Fachliteratur gibt es zahlreiche Einteilungen verschiedener Moortypen, deren Festlegung und Begrifflichkeiten zudem in fremdsprachigen Veröffentlichungen oftmals abweichend sind. So ist bereits die unkommentierte Gleichsetzung der klassischen Zweiteilung in Hoch- und Niedermoore mit den englischen Begriffen bog und fen problematisch.

Naturnahe Moorökosysteme wurden in vielen europäischen Ländern durch Entwässerungsmaßnahmen und Torfabbau weitgehend zerstört und auf kleine Restflächen reduziert. Jedoch bremsen intakte, wachsende Moore die globale Erwärmung, da sie als Speicher für Treibhausgase fungieren, die bei ihrer Zerstörung freigesetzt werden.Klimawandel. Rettet die Moore als Treibhausgas-Speicher! Deutsche Welle, aufgerufen am 13. November 2021. Zahlreiche EU-Staaten haben die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz mittlerweile erkannt und Strategien zum Schutz bestehender Moore entwickelt sowie mit der Renaturierung geschädigter Moore durch Flutung bzw. Wiedervernässung begonnen.Moorschutzstrategien in Europa Bundesamt für Naturschutz, aufgerufen am 13. November 2021.Wiederbewässerung von Moorgebieten. Nasse Moore – echte Klimaretter Deutschlandfunk, aufgerufen am 13. November 2021.

Verbreitung mini|hochkant=3.65|links|Moore und Moorregionen der Erde (weitgehend flächentreue Eckert-VI-Kartenprojektion)

Kategorie Moorböden im Landschaftsmosaik (dunkler Farbton)Klimatische Moorregionen (heller Farbton) Permafrostgeprägte Moortypen Gebirge mit unterschiedlichen Moortypen (Grundfarbe Braun) Ebenen mit vorwiegend Regenmoortypen (Grundfarbe Blau) Ebenen mit Regen- und Grundwassermoortypen (Grundfarbe Grün) Ebenen mit Grundwassermoortypen (Grundfarbe Gelb)

Die Moorökologie bezieht sich vor allem auf eher kleinräumige Ökosysteme in eng begrenzten Regionen. Im globalen Maßstab wird hingegen entweder der Anteil von Torfböden (Peatlands) im Landschaftsmosaik untersucht oder es wird anhand klimatischer Faktoren ermittelt, welcher Moortyp wo vorkommen dürfte. Das Vorhandensein von Torfboden ist nicht unbedingt mit dem Vorkommen lebender Moore gleichzusetzen. Es kann sich ebenso um ehemalige Moorgebiete aus früheren Klimaepochen, um vom Menschen trockengelegte Moore oder um andere torfbildende Ökosysteme (z. B. Flussauen, Marschen, periodische Sümpfe) handeln. Dennoch liegt der weitaus größte Teil intakter Moore innerhalb dieser Gebiete (die im Detail in der hochauflösenden und zoombaren Onlinekarte „Global peatland map“ in zwei Anteilsstufen recherchiert werden können). Klimatische Moorregionen (über die etwa der „Global peatland hotspot Atlas“ Auskunft gibt)Alexandra Barthelmes, Cosima Tegetmeyer, Hans Joosten, Patrick Scheel: Global Peatland Hotspot Atlas: The State of the World’s Peatlands in Maps. United Nations Environment Programme (2024), ISBN 978-92-807-4197-1, online, Karten „[…] peatland regionality map“ mit Bezug auf Draft peatland regionality maps for the World, Greifswald Mire Centre (2024), S. 9–14. zeigen an, wo bestimmte Moortypen (vor allem unterteilt nach Regen- und Grundwassermooren) vorrangig vorkommen müssten. Solche Gebiete sagen nichts über die tatsächliche Verteilung oder die konkrete Lage von Moorgebieten aus. In Gebieten mit diversen Kleinklimaten – etwa Gebirgsklimaten – sind diese Karten kaum aussagekräftig und lassen nur sehr grobe Einteilungsentwürfe für sehr kleinflächige und äußerst unterschiedliche Moorsysteme zu (etwa hier in der Karte „Boreale, polare und kontinentale Gebirgsmoore“ als Hinweis auf stark frostgeprägte Moore; „Maritim beeinflusste Gebirgsmoore“, mit guten Bedingungen für Regenmoore aufgrund häufiger Niederschläge; „Gebirgsmoore der gemäßigten Zonen“ mit weniger Regen und weniger Frosteinfluss; „Subtropisch/tropische Gebirgsmoore“, die aufgrund ihrer Isolation ökologische Besonderheiten aufweisen).

Aufgrund der notwendigen Entstehungsbedingungen (Klima, Boden und/oder Gewässer) kommen Moore vor allem in den gemäßigten Zonen sowie in den Tropen vor. Rund die Hälfte aller Moorböden weltweit befindet sich in den borealen Nadelwaldzonen der Nordhalbkugel. Sie reichen im Süden weit in die kühlgemäßigte (nemorale) Zone hinein. Die nordhemisphärischen Moore nehmen 3 % der Erdoberfläche ein, was einer Fläche von 4 Millionen Quadratkilometern entspricht.

Ferner findet man Moorgebiete in feucht-tropischen Mangroven- und Überschwemmungsgebieten (sogenannte Waldmoore, Torfwälder bzw. -sümpfe) mit einer Gesamtfläche von 368.000 Quadratkilometern – verteilt auf Amerika, Afrika und Südostasien, wo weit mehr als die Hälfte dieser Moore zu finden sind.

In den Subtropen kommen vor allem Verlandungs- und Versumpfungsniedermoore an flachen Küsten immerfeuchter Klimate vor, die von dichtem Röhricht, hohen Gräsern und Sumpfwäldern geprägt sind (etwa die sogenannten Pocosins im Südosten Nordamerikas, schwach aufgewölbte Moore mit immergrünen Sträuchern und Sphagnum-Arten). Echte subtropische Torfmoos-Hochmoore finden sich nur kleinflächig in Gebirgslagen und bei extremer Nährstoffarmut. In den trockenen Subtropen führt die Hitze häufig zur Salzverbrackung. Dies verhindert die Entstehung von Torf.

Schließlich existieren auch gemäßigte Moorgebiete von rund 45.000 Quadratkilometern Fläche auf der Südhalbkugel, vorwiegend in Südamerika an den Andenhängen und in Patagonien (ausgeprägt in Feuerland), sowie in kleinen Flächen in Afrika, Süd-Australien und Neuseeland.

Deutschland mini|hochkant=1.5|Torfböden und bedeutende Moore in Deutschland Nr. Moorgebiet Fläche Moortyp Zustand 1 Drömling 28.000 ha Niedermoore wiedervernässt 2 Peenetal 25.000 ha Niedermoore naturnah 3 Diepholzer Moorniederung 24.000 ha 17 Hochmoore naturnah u. wiedervernässt 4 Hohes Venn < 4.000 ha (fast ganz in Belgien) 15 Hochmoore naturnah u. wiedervernässt 5 Kendlmühlfilzn, Rottauer Filz 3.750 ha Hochmoor wiedervernässt 6 Federsee 3.300 ha Nieder- und Übergangsmoor naturnah 7 Murnauer Moos 3.200 ha alle Moortypen naturnah 8 Pfrunger-Burgweiler Ried 2.600 ha vorwiegend Niedermoor naturnah 9 Friedländer Große Wiese 2.500 ha Niedermoor naturnah u. wiedervernässt 10 Wurzacher Ried 1.700 ha Nieder- und Übergangsmoor naturnah 11 Dubringer Moor 1.700 ha Niedermoor wiedervernässt 12 Moore im Harz 1.500 ha ~40 Hochmoore naturnah (unterschiedlich)

In Deutschland kommen Moorböden vor allem im Nordwesten und – in geringerer Ausdehnung – im Nordosten und im Alpenvorland vor. Die einstmals ausgedehnten Gebiete wurden trockengelegt und abgetorft, sodass der Verlust lebender Moore in Deutschland (aber auch in den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark) über 90 % liegt. Ursprünglich bedeckten Moore über 5 % Deutschlands, heute sind es nur noch 3,6 % (1,28 Mio. ha). Über 95 % davon sind entwässert und meist land- (72 %) oder forstwirtschaftlich (14 %) genutzt. Nur etwa 4 % stehen unter Naturschutz.

So existiert auch in der international bedeutenden Diepholzer Moorniederung als größtem Gebiet lebender Hochmoore in Mitteleuropa von ursprünglich 250.000 ha noch ein knappes Zehntel. Ökologisch betrachtet sind jedoch nur noch zwei Prozent in einem intakten Zustand und Umwelteinflüsse oder Nutzungsänderungen gefährden auch diese Reste.

Die nebenstehende Karte zeigt die ehemalige Verbreitung der Moore in Deutschland und den angrenzenden Regionen anhand des Vorkommens von Torfböden sowie die Lage der oben genannten naturnahen oder renaturierten großen Moorgebiete, die über 1.000 ha einnehmen und aus Sicht des Naturschutzes als besonders wertvoll eingestuft werden.

Schweiz mini|Tourbière des Ponts-de-Martel, Moorgebiet im Schweizer Jura In der Schweiz sind seit Anfang des 19. Jahrhunderts fast 90 % der Moorflächen verloren gegangen. Die verbliebenen Moorgebiete bedecken heute etwa zwei Prozent der Landesfläche. Sie beherbergen rund einen Viertel aller gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative als eidgenössische Volksinitiative zum Schutz der Moore von 1987 stehen Moore und Moorlandschaften unter dem Schutz der Bundesverfassung. Moore von nationaler Bedeutung sind in einem eigenen Inventar des Bundes erfasst (Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung).

Trotz des Schutzstatus weist ein großer Teil der Moorflächen eine abnehmende ökologische Qualität auf, da viele Standorte weiterhin durch frühere Entwässerungsgräben beeinträchtigt werden und dadurch austrocknen, verbuschen oder verwalden. Durch Wiedervernässung und gezielte Pflege können solche Gebiete jedoch ökologisch wiederhergestellt werden.

Erfolgreiche Renaturierungen belegen diese Entwicklung, etwa auf der Alp Flix in Graubünden oder in Projekten der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Bedeutende Moorlandschaften der Schweiz sind die Biosphäre Entlebuch mit der Moorlandschaft Glaubenberg, die Moorlandschaft Rothenthurm sowie das hoch gelegene Hochmoor Chaltenbrunnen im Berner Oberland.

Siehe auch: :Kategorie:Moor in der Schweiz

Entstehung und Entwicklung von Mooren Die Voraussetzung für die Entstehung eines Moores ist die Sättigung des Bodens mit Wasser, sodass ein ständiger Wasserüberschuss entsteht. Das unterscheidet sie von Sümpfen, die gelegentlich austrocknen, weshalb deren organische Substanz auf anmoorigem Boden vollständig zu Humus abgebaut wird. Im Moorboden verdrängt das Wasser die Luft und damit den Sauerstoff. Durch die Sauerstoffarmut im Boden wird wenig Pflanzensubstanz zersetzt. Der Eintrag und die Produktion von Biomasse übersteigt den Verlust durch Zersetzung. Biomasse reichert sich in Form von Torf an. Das Wasser kann dabei ganz unterschiedlichen Ursprungs sein (Niederschläge, Grundwasser, Überflutung durch Flüsse oder Meere).

Förderlich für die Moorentstehung sind eher humide Klimate (Verdunstungsmenge geringer als Niederschlag), Tiefebenen mit reichlich Wasserzufluss (vor allem die Hudson Bay Lowlands südwestlich der kanadischen Hudson Bay und das Westsibirische Tiefland; häufig innerhalb von Seenplatten) oder hohem Grundwasserstand (etwa in Niedersachsen) und/oder Böden (auch Permafrost), die das Versickern des Wassers verhindern und zu Staunässe führen.

Nach den hydrogenetischen (hydrologischen) und den ökologischen Merkmalen werden Moore in verschiedene Moortypen (s. u.) unterteilt.

Die einfachste und häufigste Einteilung erfolgt in:

Niedermoore – sie werden ausschließlich vom Grundwasser gespeist, sind meist nährstoffreich und artenreich. Hochmoore (auch Regenmoore) werden ausschließlich von Niederschlagswasser gespeist, sind nährstoffarm und arm an Arten. Übergangsmoore – Da die Hochmoore aus Niedermooren entstehen, gibt es alle Zwischenformen, die Zwischenmoor oder Übergangsmoor genannt werden.