Andreas Widhölzl (* 14. Oktober 1976 in St. Johann in Tirol; Spitzname: Swida) ist ein ehemaliger österreichischer Skispringer, Weltmeister und Olympiasieger. Seit Frühjahr 2020 ist er Cheftrainer der österreichischen Skispringer.
Widhölzl begann früh mit dem Skispringen und sprang ab 1993 regelmäßig im Weltcup. Bis 1998 stieg er zum besten österreichischen Skispringer auf. Zwischen 1997 und 2000 gewann der Tiroler zweimal olympisches Bronze, zwei Weltmeisterschaftsmedaillen sowie insgesamt 16 Weltcupspringen. Hinzu kam der Sieg bei der Vierschanzentournee 1999/2000, diese Saison beendete er als Zweiter im Gesamtweltcup. In den folgenden fünf Jahren siegte Widhölzl lediglich einmal im Weltcup, 2005 wurde er jedoch Doppelweltmeister mit der Mannschaft und ein Jahr später auch Teamolympiasieger. Nach gesundheitlichen Problemen beendete er im März 2008 seine 15-jährige Weltcupkarriere, in der er bei 18 Einzelspringen triumphiert hatte. Damit zählt er zu den sechs bisher erfolgreichsten Skispringern seines Landes.
Karriere Anfänge im Skispringen (1983 bis 1993) Andreas Widhölzl verfolgte schon im Alter von vier, fünf Jahren den Skisprungsport im Fernsehen. Ebenfalls zu dieser Zeit trat er dem Tiroler Skiverbandskader bei und erlernte unter anderem das Skifahren. Als Widhölzl sieben Jahre alt war, überzeugte ihn ein Kindergartenfreund, zum Training der Fieberbrunner Weitenjäger mitzukommen.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 46–49. Nach einigen Jahren verbuchte Widhölzl erste Erfolge – Siege bei den Bezirks- und Tiroler Meisterschaften in der jeweiligen Altersstufe. auf fieberbrunn-info.at. Ergebnisse Widhölzls bis 1999. Der Verein unterstützte die in bescheidenen Verhältnissen lebende Familie, indem er Teile der Ausrüstung des Nachwuchsspringers bezahlte. Mit zwölf Jahren nahm Widhölzl als Favorit und Seriensieger an einem Wettkampf in Natters teil und brach sich auf der Dreißigmeterschanze das Schlüsselbein. Daraufhin folgte eine einmonatige Verletzungspause, in der er zwar die nationalen Schülermeisterschaften verpasste, die aber sonst folgenlos blieb. Dies war die einzige größere Verletzung in Widhölzls Karriere als Skispringer.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 52–53.
Als Andreas Widhölzl 14-jährig die Hauptschulzeit in Fieberbrunn beendet hatte, sollte er in Eisenerz auf einem Internat für Skisportler parallel zum Sprungtraining einen Beruf erlernen. Der Nachwuchsreferent des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), Paul Ganzenhuber, setzte sich jedoch persönlich für den erfolgreichen Jugendspringer ein, da er befürchtete, dass Eisenerz für den talentierten Skispringer nicht der richtige Ort sei. So konnte Widhölzl auf das renommiertere Skigymnasium Stams wechseln. Dort war der Großteil der erfolgreichen österreichischen Skispringer ausgebildet worden. Widhölzls Ausbildung in Stams wurde teilweise mithilfe eines Anteils an den Einnahmen durch die Vierschanzentournee finanziert. Hinzu kam die Landesförderung des Landes Tirol und ein Stipendium aufgrund der Schulnoten des Österreichers.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 55–57. Die ersten Monate im Skigymnasium, das er zwischen 1991 und 1995 besuchte, beschrieb Widhölzl wegen des komplett durchgeplanten Tagesablaufs als hart. Bei den fast täglichen Trainings erlernte er den V-Stil, der sich zu jener Zeit in den frühen 1990er-Jahren international durchsetzte. Dabei hatte der Österreicher den Vorteil, dass er noch relativ jung war, als die Umstellung kam; andere ältere Athleten hatten mit dieser größere Probleme.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 58.
Ergebnisse der Saison 1992/93 Großereignisse Ereignis Ort Datum Wettk. Platz Junioren-WM Harrachov (CZE) 2. März 1993 K90 2 Junioren-WM Harrachov (CZE) 3. März 1993 Team K90 2 Weltcup Weltcupstarts 2 Platzierungen in den Top Ten – Platzierungen auf dem Podest – Ergebnis im Gesamtweltcup –(0 Punkte) Vierschanzentournee 44.(367 Punkte) 1991 wurde Widhölzl gleich in seinem ersten Jahr in Stams Mitglied des C-Kaders des Österreichischen Skiverbands. In der Saison 1991/92 folgten erste Siege bei internationalen Wettkämpfen. Bereits nach kurzer Zeit rückte Widhölzl vom C- in den B-Kader vor. Damit verbunden war auch ein Trainerwechsel zu seinem Jugendidol Andreas Felder. Dessen Training war von Kraftprogrammen dominiert, darunter litt jedoch die Koordinationsfähigkeit der Skispringer.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 73–74. Dennoch ging Widhölzl schon als Sechzehnjähriger erstmals im Weltcup an den Start. Anfang Januar 1993 wurde er für das dritte Springen der Vierschanzentournee 1992/93 in Innsbruck auf der traditionsreichen Bergiselschanze nominiert. Dabei schaffte Widhölzl die Qualifikation für das Finale und erreichte schließlich den 24. Rang. Ein ähnliches Resultat gelang ihm drei Tage später in Bischofshofen, dort platzierte er sich auf dem 28. Platz. Noch im gleichen Winter, zwei Monate darauf, gewann er bei den Juniorenweltmeisterschaften in Harrachov die Silbermedaille hinter Janne Ahonen. Das gleiche Ergebnis erzielten die Österreicher im Teamwettbewerb, wo nur die Finnen mehr Punkte erreichten. Neben diesen Erfolgen standen noch Siege bei niederklassigen Cups in Widhölzls Saisonbilanz.
In vier Jahren vom B-Kader-Athleten zum Weltcupsieger (1993 bis 1997) Aufstieg in die Nationalmannschaft (1993 bis 1995) Ergebnisse der Saison 1993/94 Großereignisse Ereignis Ort Datum Wettk. Platz Junioren-WM Breitenwang (AUT) 27. Januar 1994 Team K90 3 In der folgenden Saison 1993/94 zweifelte Widhölzl an seiner Karriere als Skispringer, wenngleich er einige weitere Erfolge erreichte, etwa Siege bei den nationalen Juniorenmeisterschaften oder im Alpencup und die Bronzemedaille im Team bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Zum einen schien ihm ein Leben als Leistungssportler zu entbehrungsreich, zum anderen war er nicht so erfolgreich wie im Vorwinter. Mit 17 Jahren kam er dann jedoch mit seiner späteren Ehefrau zusammen, die ihn überredete, weiterzumachen. Tatsächlich konnte er sich wieder besser motivieren und erlebte im nächsten Winter seine bis dahin beste Saison. Im Nachhinein bezeichnete Widhölzl diese Phase als „pubertär“ und als „Teenagerkrise“.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 107–108.
Ergebnisse der Saison 1994/95 Großereignisse Ereignis Ort Datum Wettk. Platz WM Thunder Bay (CAN) 12. März 1995 K90 26 WM Thunder Bay (CAN) 16. März 1995 Team K120 6 WM Thunder Bay (CAN) 18. März 1995 K120 44 Weltcup Weltcupstarts 19 Platzierungen in den Top Ten 3 Platzierungen auf dem Podest 1 Ergebnis im Gesamtweltcup 26.(169 Punkte) Vierschanzentournee 18.(760 Punkte) Podiumsplatzierungen im Weltcup Ort Datum Wettk. Platz Lahti (FIN) 28. Januar 1995 Team K116 2 Zu Beginn der Saison 1994/95 profitierte Widhölzl davon, dass vier Springer aus dem Nationalteam wegen Streitigkeiten im Bereich Kopfsponsoring mit dem ÖSV suspendiert wurden. Dadurch rückten einige Sportler aus dem B-Kader in die Nationalmannschaft auf, unter ihnen auch der Fieberbrunner. Obwohl mehrere Skispringer schon früh im Weltcup an den Start gehen, gehörte Widhölzl mit 18 Jahren doch zu den jüngsten innerhalb der Weltelite. Gleich in seinem ersten Winter überzeugte er mit mehreren Top-Ten-Platzierungen. Neben einem siebten Rang als bestem Einzelresultat erreichte er den 18. Rang in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee. Am Ende der Saison platzierte sich Widhölzl schließlich auf dem 26. Rang im Gesamtweltcup, damit war er viertbester Österreicher. Insgesamt war der Weltcup-Neuling stolz darauf, dass er sich eine ganze Saison über mit den weltbesten Skispringern messen konnte, er bedauerte jedoch, dass er aufgrund seiner Nervosität oft nicht die Platzierungen aus dem ersten Durchgang halten konnte. Da das österreichische Team mit Andreas Goldberger an der Spitze zu Widhölzls Anfangszeiten sehr gut besetzt war, spürte dieser nicht den Druck der Medien, was er als positiv empfand. Als einer der konstantesten österreichischen Skispringer der Saison nahm Widhölzl im März 1995 auch an seinen ersten Nordischen Skiweltmeisterschaften im kanadischen Thunder Bay teil. Nach einem mittelmäßigen Normalschanzenwettbewerb, den der Debütant als 26. beendete, folgte der Teamwettbewerb, in den das österreichische Team große Erwartungen gesetzt hatte. Der damalige Cheftrainer Heinz Koch vertraute auf Widhölzl und nominierte ihn als Startspringer. Der unerfahrene Neuling war jedoch zu ehrgeizig und der nervlichen Belastung nicht gewachsen. Beide Sprünge Widhölzls landeten auf dem oberen Teil des Schanzenhügels, dem Vorbau, bei 89 Metern. Die besten Athleten sprangen bis zu 40 Meter weiter. Österreich wurde schließlich Sechster und Letzter des Mannschaftswettbewerb, der Cheftrainer Heinz Koch trat wegen seiner Fehlentscheidung umgehend nach dem Wettkampf zurück. Sein Nachfolger wurde Andreas Felder, der Widhölzl noch ein Jahr zuvor im B-Kader trainiert hatte. Die beiden jungen Springer selbst hatten keine Konsequenzen zu tragen.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 78–79. Diese beiden Seiten sind Referenz für diesen und den vorherigen Abschnitt.
Etablierung in der Weltspitze (1995 bis 1997) Mit einem guten Zeugnis schloss Andreas Widhölzl 1995 die Handelsschule in Stams ab und begann seinen achtmonatigen Wehrdienst beim Österreichischen Bundesheer. Anschließend war der Skispringer sieben Jahre lang Mitglied der Heeressport- und Nahkampfschule (HSNS) des Bundesheers. Im Winter 1995/96 setzte er die Weltcup-Karriere fort. Sein neuer Zimmernachbar wurde Stefan Horngacher, der nach einjähriger Krankheitspause ins Nationalteam zurückgekehrt war und sich für den sieben Jahre jüngeren Widhölzl zu einer Leitfigur entwickelte. Bis zu seinem Karriereende im Jahr 2002 gab der erfahrenere Horngacher seinem Teamkollegen Ratschläge und machte ihn auf technische Schwächen aufmerksam.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 79–80.
Ergebnisse der Saison 1995/96 Großereignisse Ereignis Ort Datum Wettk. Platz Skiflug-WM Tauplitz (AUT) 11. Februar 1996 K180 11 Weltcup Weltcupstarts 21 Platzierungen in den Top Ten 6 Platzierungen auf dem Podest 2 Ergebnis im Gesamtweltcup 20.(322 Punkte) Vierschanzentournee – Podiumsplatzierungen im Weltcup Ort Datum Wettk. Platz Iron Mountain (USA) 17. Februar 1996 K120 2 Oslo (NOR) 15. März 1996 Team K110 1 In sportlicher Hinsicht begann die Saison etwas schwächer als die vorherige geendet hatte, bei den ersten drei Springen verpasste Widhölzl die Punkteränge. Er erklärte später, dass er immer schlecht in die Saison gestartet sei, weil sich seine Skier in den ersten Weltcups regelmäßig nicht richtig angefühlt hätten. auf sportsillustrated.cnn.com. Erschienen am 3. Februar 1998. Auch bei der Vierschanzentournee knüpfte Widhölzl nicht an seine Vorjahresleistung an und kam nur einmal unter die besten zwanzig. Nach einer Steigerung im Januar gelang ihm in Iron Mountain zum ersten Mal der Sprung auf das Podest, als Zweiter hinter Jens Weißflog und vor dem Finnen Ari-Pekka Nikkola. Für den damals 19-Jährigen war das „schon ein spezielles Erlebnis und ein ganz besonderer Tag“.Widhölzl, Schnürle: Mein Höhenflug. S. 82. Zum Saisonende folgten noch zwei Höhepunkte mit dem Team: der erste Weltcupsieg in Oslo auf dem Holmenkollbakken und die Bronzemedaille bei den Juniorenweltmeisterschaften. Aufgrund der Top-Ten-Resultate zum Saisonende kam Widhölzl mit 320 Punkten auf den 20. Rang im Gesamtweltcup, womit er bereits drittbester Österreicher hinter Goldberger und Reinhard Schwarzenberger war.
Ergebnisse der Saison 1996/97 Großereignisse Ereignis Ort Datum Wettk. Platz WM Trondheim (NOR) 22. Februar 1997 K90 9 WM Trondheim (NOR) 27. Februar 1997 Team K120 4 WM Trondheim (NOR) 1. März 1997 K120 31 Weltcup Weltcupstarts 21 Platzierungen in den Top Ten 6 Platzierungen auf dem Podest 2 Ergebnis im Gesamtweltcup 15.(401 Punkte) Vierschanzentournee 14.(836 Punkte) Podiumsplatzierungen im Weltcup